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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Erinnerung an den Sommer - Lazyin' on a sunny afternoon
Eingestellt am 29. 01. 2001 15:13


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Tanshee
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2001

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Ferien, Sommerferien...

Aufgewacht bin ich heute kurz vor zw├Âlf.
Also rein in Hemd und Hose, keine Zeit noch die Schuhe zu suchen. Blo├č schnell ├╝ber die Stra├če in den Supermarkt um vor der Mittagspause noch Zigaretten zu holen.
Wie oft habe ich mir schon geschworen das Rauchen endlich aufzugeben?
Der Fahrbahnasphalt warm und gleichzeitig glatt und rauh unter meinen nackten F├╝├čen. Im Sommer laufe ich gern barfu├č. Aus der Hitze in den Supermarkt. Kalter Steinfu├čboden, k├╝hle Luft aus der Klimaanlage, die Tiefk├╝hltruhen sind schon abgedeckt. Ich schie├če an einer Frau mit erschreckend voll beladenem Einkaufswagen vorbei, ├╝berhole mit einem Kurzsprint auch noch die beiden Schulkinder und schaffe es als erste an die Kasse. Manchmal glaube ich, da├č au├čer mir kein Mensch mehr Reval ohne Filter kauft. Jedenfalls habe ich noch niemand dabei gesehen. Die f├╝nfzehn Pfennig Wechselgeld versenke ich in der linken Hosentasche, in der rechten grabe ich schon nach dem Haust├╝rschl├╝ssel. An der Bushaltestelle drei Wartende, die mich tr├Ąger Neugier mustern. In dem Alter, offensichtlich ungek├Ąmmt und barfu├č. Naja! Man kann ihnen f├Ârmlich ansehen, da├č sie bef├╝rchten ihre Steuergelder an mich zu verschwenden.

Die Ampel vorn an der Stra├čenkreuzung ist auf rot geschaltet, ich schl├Ąngele mich durch die zweispurige Reihe der wartenden Autos. Ausnahmsweise hat keiner der anderen Mieter die Haust├╝r schon wieder abgeschlossen, schneller Blick in den Briefkasten, nichts.
Die Wohnungst├╝r hatte ich auch nicht richtig zugezogen.
Die Wohnung ist im Winter immer zu kalt, jetzt ist es hier angenehm. Ein Balkon fehlt hier. Oder ein Hauch Venedig. Dumpfig-sumpfiger Geruch von zu warmem Wasser, leises Pl├Ątscherger├Ąusch und die Lichtreflexe von Wasser auf Decke und W├Ąnden...
Die Zigarettenschachtel aufrei├čen, nicht zu hastig, dann gehen sie mir immer kaputt.
Schade, da├č noch kein Hersteller auf die Idee gekommen ist, die Schachteln mit kleinen Zetteln zu versehen, auf denen solche omin├Âsen Gl├╝ckkeksorakel stehen.
Warte, spricht der Weise, und mache den ersten Schritt.
Das Feuerzeug war vorher auch noch da ÔÇô na, also.

Das Haus gegen├╝ber, von einer scheu├člichen Ockerfarbe, die einem sonst den Magen umdreht, leuchtet in der Sonne italienisch-gelb.
Sommer in der Stadt ist etwas Besonderes.
Die Hitze knallt auf die Hausw├Ąnde und wird hin- und wieder zur├╝ckgeworfen, da├č man es fast h├Âren kann. Das nicht vorhandene Ger├Ąusch imagin├Ąrer Tennispl├Ątze.
Der Staub auf den Autos l├Ą├čt sie wie pelzige Insekten aussehen.
Die meisten Jalousien sind heruntergelassen, man kann dar├╝ber spekulieren, was sich dahinter in der Nachmittagshitze abspielt. Die Temperatur l├Ą├čt alle Gef├╝hle zu stumpfen Nadeln werden, die nicht pieken, aber den Druck auf der Haut kann man sp├╝ren.
Meinetwegen k├Ânnte es noch viel hei├čer sein. So hei├č, da├č einem bei jeder Bewegung der Schwei├č runterl├Ąuft, man den Punkt, an dem man bestimmt ├╝berschnappt schon fast sp├╝ren kann.
Die eigene Anspannung als metallischen Geschmack auf der Zunge hat.

Der Nachmittag ist beinahe vorbei und kippt in den fr├╝hen Abend um.
Es wird eine winzige Spur k├╝hler, ausreichend die Nerven wieder zu lockern.
Entspannung macht sich breit. Zeit f├╝r die Blueskassette und einen Drink.
Die ersten Anrufe trudeln ein.
Was soll man mit dem Abend machen, habt ihr schon was vor.
Die Anrufe von au├čerhalb kommen dann in einer halben Stunde, ungef├Ąhr.

Ich wollte nur mal h├Âren, was Du heute so getrieben hast.
Ja, hier ist es auch so hei├č. Denkst Du noch an Samstag?
Wir sollten uns demn├Ąchst mal wiedersehen.

Der Freund aus l├Ąngst vergangenen Tagen im Studentenwohnheim.
Ich habe hier gerade einen durchgezogen, bin v├Âllig platt.
Wei├čt Du noch, damals.
Mein Gott, waren wir fertig.
Aber sch├Ân war's.
Du, ich mu├č auflegen, es kommt jemand.
Meld' Dich mal wieder.
Okay, also.
Mach's gut.

Mein Lieblingslied l├Ąuft, ich st├Âpsle das Telefon aus. F├╝r ein paar Minuten will ich nicht gest├Ârt werden.
Es pa├čt alles so perfekt zusammen.
Der Eisw├╝rfel aus dem Glas schmeckt nach Martini und pappt auf der Zunge, Billie Holiday bluest aus dem Rekorder. Der Vorhang des ge├Âffneten Fensters bewegt sich, sobald ein Bus vorbei f├Ąhrt und einen Schwall warme dieselige Sommerluft ins Zimmer schickt. Und Fernweh. Unterwegs sein, ohne Ziel unterwegs sein hat so etwas Tr├Âstliches. Nat├╝rlich k├Ânnte man auch Davonlaufen sagen.
Das Glas ist leer.

Augen zu, tief durchatmen, und dann anfangen aufzur├Ąumen.
Wenn ich mich blo├č mal entscheiden k├Ânnte, ob ich ein abenteuerliches Leben f├╝hren will ÔÇô oder doch lieber ein beruhigend Spie├čiges mit richtigen Feierabendzeiten und festen Bez├╝gen. Augen zu, tief durchatmen und gucken, was kommt?

Sommerabend...

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Tanshee
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2001

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uuups - das sollte eigentlich in der Sparte Erz├Ąhlungen landen, sorry!

Tanshee

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