Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92221
Momentan online:
649 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Erinnerung an dich
Eingestellt am 30. 11. 2008 20:08


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Vero
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2008

Werke: 8
Kommentare: 31
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vero eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Erinnerung an dich

Wenn die Lichter ausgehen, liege ich jetzt oft lange wach, oft stundenlang auf meinem Kissen. Ein Abend ist wie der andere. Oben auf dem Nachttisch, das monotone Ticken des Weckers. Drau├čen hin und wieder der Schrei einer Katze wie Klagelaute eines kleinen Kindes. Fr├╝her ging mir das sehr nahe und ich bin aufgesprungen, aber heute r├╝hrt es mich nicht mehr.

Nur wenn mein Blick durch das Dachfenster geht, in einen klaren Nachthimmel mit fahlem Mond, kommen die Erinnerungen an damals. An dich.

Es war nur der eine Abend und ich bin sicher, du denkst nie mehr daran. Aber ich kann ihn nicht vergessen. Schon als du durch die T├╝r tratest an jenem Abend, konnte ich riechen, dass du mir liegst. Das lag wohl am Duft deiner langen, braunen Locken, den der Schwung der T├╝r bis zu mir trug.

Alle anderen im Zimmer begr├╝├čten dich herzlich und umarmten dich. Nur ich sa├č in der Sofaecke und starrte zu dir hin├╝ber. Ich war noch so jung. Meine Augen konnten sich nicht von dir wenden und sie folgten deinen Bewegungen neugierig bis du dich neben mir auf das Sofa gesetzt hast. Nein, du hast dich eigentlich nicht einfach gesetzt, du hast dich so selbstsicher fallen gelassen, dass ich fast aus meiner Sofaecke geglitten w├Ąre. Ich musste mich festkrallen.

Ich wollte aufspringen und mich sch├╝chtern in eine Zimmerecke setzen, aber du hast dich sofort mir zugewandt mit einem warmen, herzlichen Lachen und hast mich liebevoll am Kopf gekrault. Ich h├Ątte aufjaulen k├Ânnen vor Wonne. Die anderen schauten zu uns hin.

Du hast mich dann zu dir hingezogen und ich habe es zugelassen. Ich liebte deinen Duft. Bin dann in deinen Scho├č gesunken und habe meinen Kopf zwischen deine warmen Schenkel geschmiegt. Und geschnuppert. Du hast gekichert, dich zur├╝cksinken lassen und hast mich hinaufgezogen an deinen Busen, mich fest an dich gepresst und ich hechelte leise vor Aufregung. Ich f├╝hlte dein Herz. Deine braunen Locken flossen ├╝ber meine R├╝ckenhaare. Die anderen lachten.

Irgendjemand sagte dann: Ist er nicht s├╝├č? Er hei├čt C├Ąsar.

Du wiederholtest meinen Namen und hast noch einmal gefl├╝stert: C├Ąsar. So leise, dass nur meine Ohren es h├Âren konnten. Es war eine Liebeserkl├Ąrung und ich h├Âre noch heute dein Fl├╝stern ÔÇô nach so vielen Jahren.

Dann erhebe ich mich oft von meinem Kissen, tapse hinunter ins Wohnzimmer - vorbei an meinem noch halbvollen Napf - und lege mich in die Sofaecke.

__________________
Ein gerader Weg erspart viele krumme Gedanken.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo @vero,

die vermenschlichung der tiere macht heutzutage ebenso rasenden fortschritt wie der gef├╝hlte weltuntergang. insoweit liegt deine geschichte voll im trend.

aber achtung: nicht alle gef├╝hle, die unsereiner so hat, wenn der tag lang ist, lassen sich eins zu eins auf ein vieh ├╝bertragen. katzen scheren sich den deibel um ein gesprochenes wort, und fremde "d├╝fte" sind ihnen ein gr├Ąuel (wenn sie sich an dir reiben, versuchen sie nur, die deinen mit ihren eigenen ausd├╝nstungen zu ├╝berdecken). wer ihnen den napf hinstellt, ist ihnen vollkommen egal - hauptsache, er ist voll. wenn sie hungrig sind, fressen sie alles. wenn ihnen ein fremder das revier streitig macht (z. b. die sofaecke), werden sie grantig. jaulen k├Ânnen nur ihre nat├╝rlichen feinde.

mein rat: wenn vertierlichungen des menschen schon sein m├╝ssen, dann richtig. sonst wird's, wie hier, viel zu seifig.

im ├╝brigen aber: sehr gut geschrieben!

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

Bearbeiten/Löschen    


Vero
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2008

Werke: 8
Kommentare: 31
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vero eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, bluefin,

dass diese Art der "Tierbehandlung" im Trend ist, ist mir entgangen. Vielleicht gut so, sonst h├Ątte ich das nicht geschrieben.

Eigentlich sollte es humorvoll sein, sollte den Leser inklusive erotischer Anspielungen auf die falsche F├Ąhrte locken. Ist vielleicht auch gelungen, wei├č ich nicht, ob man schon zu zeitig erkennt (verbale Spuren waren gelegt), dass es sich um einen Hund handelt -nicht Katze, aber das ist eigentlich austauschbar, aber Katzen jaulen nat├╝rlich nicht, klar.

Die "Vermenschlichung" ist hier selbstredende Voraussetzung.
("Vertierlichung" - wie du schreibst - hatte ich nicht im Sinn). Die tierische Realit├Ąt ist nat├╝rlich eine andere.

Aber wie gesagt, es sollte humorvoll sein, hier vielleicht durch das Melancholische zu sehr ├╝berdeckt.

├ťbrigens: Wichtiger ist dein Qualit├Ątsurteil der Schreibe.

Lg Vero
__________________
Ein gerader Weg erspart viele krumme Gedanken.

Bearbeiten/Löschen    


bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo @vero,

ab dem "festkrallen" wei├č man's, denkt aber unwillk├╝rlich an einen kater.

"lustig" im eigentlichen sinne ist die geschichte ja nicht - daf├╝r ist das tierchen am anfang und am ende zu einsam.

wer tiere vermenschlicht, vertierlicht menschen: eine tr├Ąchtige eisb├Ąrin mutiert zur schwangeren mutter, und der zur anbetung herbeieilende mensch wird von der allm├Ąchtigen zoodirektion weitr├Ąumig ausgesperrt wie ungeziefer.

w├Ąr das nicht eine geile weihnachtsgeschichte?

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!