Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
303 Gäste und 6 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Erinnerungen an Mama
Eingestellt am 22. 03. 2006 16:44


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Erinnerungen an Mama
(erneut eingestellt)

Als ich noch ganz klein war und die Erlebnisse des Tages mich nicht einschlafen lassen wollten, sagte Mama immer zu mir: "Du musst dir das, was sich ├Ąndern soll, ganz, ganz fest w├╝nschen und wenn es wirklich fest genug ist, dann geht es auch in Erf├╝llung." Da habe ich mir dann gew├╝nscht, dass meine Lieblingspuppe, die mit den langen blonden Z├Âpfen, keine verfilzten Haare mehr hat oder meine Freundin wieder meine Freundin ist oder dass wir am Wochenende baden fahren, Mama, Papa und ich.
Wenn ich es mir im Bett immer wieder leise vorgesagt hatte, ging es auch wirklich in Erf├╝llung. Ich war einfach noch zu klein, um zu verstehen, wie es tats├Ąchlich war. ├ťber die struppigen Haare meiner Puppe hatte ich schon den ganzen Tag gejammert und Mama hatte sie daher heimlich gewaschen und geb├╝rstet. Meine Freundin hatte unseren Streit, genau wie ich, l├Ąngst vergessen und der Badeausflug war schon besprochen worden, nur ich hatte nicht richtig zugeh├Ârt.

Eines Tages wurde meine Mama pl├Âtzlich krank, jeden Tag lag sie im Bett und wir konnten nicht mehr zusammen im Garten spielen. Dann kam Wochen sp├Ąter der Krankenwagen und nahm sie einfach mit. Papa hat gesagt, dass ich jetzt ganz tapfer sein muss, ich sei ja auch schon ein gro├čes M├Ądchen.
Jeden Abend, beim Einschlafen, habe ich mir fest gew├╝nscht, dass Mama wieder nach Hause kommen soll und der Krankenwagen brachte sie wirklich zur├╝ck.
Ich bekam einen richtig gro├čen Schreck, denn Mama sah v├Âllig ver├Ąndert aus.
Sie war sehr d├╝nn, sie hatten ihr dort wohl nicht genug zu Essen gegeben. Die Haare waren auch weg. Ich habe Papa gefragt, ob Mama L├Ąuse hatte. Bei uns in der Kita hatte auch mal ein Junge L├Ąuse und dem hatte seine Mutti auch die Haare abgeschnitten. Aber Papa meinte, dass dies von Mamas Krankheit k├Ąme und die Haare bestimmt schnell wieder wachsen w├╝rden. Mama hat gelacht und mir eine sch├Âne Per├╝cke gezeigt. Sie hat gemeint, dies sind bis dahin ihre neuen Haare und wenn ich wollte, d├╝rfte ich sie abends b├╝rsten, wie die von meinen Puppen. Da habe ich Mama ganz fest gedr├╝ckt und gesagt, dass sie auch ohne Haare die sch├Ânste Mama von der Welt ist.
Jeden Tag habe ich nun an ihrem Bett gesessen und sie hat mir viele sch├Âne Geschichten erz├Ąhlt. Wir konnten nicht mehr baden fahren oder im Garten tollen, aber zusammen erz├Ąhlen und singen.
Doch dann kam ein gro├čer Husten und Mama hat Blut gespuckt und ich hatte schrecklich gro├če Angst und musste weinen. Der Arzt hat uns gesagt, dass sie wieder ins Krankenhaus muss und er hat auch noch mit Papa gefl├╝stert.
Als der Krankenwagen mit Mama weg war, hat mich Papa in den Arm genommen und geweint. Ich habe ihn getr├Âstet und gesagt: "Mama ist doch bald wieder hier, du muss es dir beim Einschlafen nur ganz fest w├╝nschen. Das hat Mama mit mir auch immer so gemacht."
An diesem Abend hat Papa mit in meinem Zimmer geschlafen und wir haben beide sehr fest gew├╝nscht, dass Mama bald wieder gesund ist.
Am n├Ąchsten Tag hat das Krankenhaus angerufen. Papa hat mich h├╝bsch gemacht und wir sind mit dem Taxi hingefahren. Ich bin noch nie mit dem Taxi gefahren, denn wir haben doch ein eigenes Auto, aber Papa hat so merkw├╝rdig geguckt und da habe ich lieber nicht gefragt.
Im Krankenhaus waren soo viele Menschen mit wei├čen Kitteln und die liefen immer hin und her. Eine ├ärztin kam und brachte uns zu Mama.
Sie lag ganz allein in dem Zimmer und ├╝berall waren so Maschinen und Schl├Ąuche an Mama. Als sie uns sah, l├Ąchelte sie. Ich wollte gleich in ihre Arme rennen, doch Papa holte uns einen Stuhl und wie setzten uns an ihr Bett. Mama sah m├╝de aus, aber sie l├Ąchelte. Ganz langsam und sacht fuhr sie ├╝ber mein Haar und sagte: "Schade, dass ich dir nun niemals Z├Âpfe flechten kann" und dabei hatte sie eine Tr├Ąne in den Augen. Ich wollte sie gerade tr├Âsten, ihr ein K├╝sschen geben, da schloss sie wieder m├╝de die Augen. Wir warteten und warteten, aber Mama machte die Augen nicht wieder auf. Papa hielt lange ihre Hand und als er weinte, weinte ich einfach mit. Ich wusste ja nicht, dass Mama nun nie wieder aufwachen w├╝rde.
Zu Hause hat mir Papa dann erz├Ąhlt, dass Mama nie wieder zu uns zur├╝ck kommt. Dass sie nun ein Engel ist und auf uns beide aufpassen wird. Ich habe ihm nicht geglaubt und jeden Abend ganz fest gew├╝nscht, dass Mama wieder nach Hause kommt, aber es war wohl nicht stark genug.

Jetzt bin ich gr├Â├čer. Mama fehlt mir noch immer. Ich wei├č jetzt auch dass sie Krebs hatte, eine sehr b├Âse Krankheit. Wenn ich mal richtig gro├č bin, erfinde ich was gegen Krebs, dann macht der Niemanden mehr krank.
Papa ist auch noch doll traurig, aber neulich, da hat er mit meiner Lehrerin gelacht und sie gefragt, ob er sie mal zum Essen ausf├╝hren darf.
Meine Lehrein ist sehr nett, ihr habe ich alles von Mama erz├Ąhlt und sie hat es so f├╝r mich aufgeschrieben. Sie hat dabei gesagt: "Damit du dich immer an die sch├Âne Zeit mit deiner Mama erinnern kannst."
Wenn sie mal Kinder hat, wird sie bestimmt auch eine Mama wie meine Mama. ┬ę

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
einfach

zum heulen sch├Ân. die kindgerechte sprache verleiht dem werk eine gro├če tiefe.
lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Da ich ja meinen Namen ge├Ąndert habe, bin ich dabei einige meiner Lieblingsgeschichten/Gedichte wieder neu einzustellen.
Dieser Text ist einer davon und gleichzeitig meine erste Geschichte ├╝berhaupt.
Danke und LG
Franka

Bearbeiten/Löschen    


Micha v.d. Rosenh├Âhe
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo franka,

das ist ja ne genial schaurig-sch├Ân-traurige Geschichte.

Vor allem der Stil das so aus Kindermund zu erz├Ąhlen hat mich sehr betroffen, tieftraurig und auch erschrocken gemacht.

Aber ganz furchtbar toll geschrieben. Bin ganz sprachlos.
Ich hoffe nur das das nicht wirklich irgendjemanden auf der Welt passiert ist.

Leider hatte ich nie ne Mama..aber h├Ątte ich eine dann w├╝rde ich sicher genau so traurig sein wie das Kind das dieses beschrieb.

gru├č
micha

Bearbeiten/Löschen    


M├Ąrchentante
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2002

Werke: 63
Kommentare: 73
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um M├Ąrchentante eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Erinnerungen an Mama

Sehr zu Herzen gehend und r├╝hrend geschrieben,
ich war sehr betroffen.

Lieber Gru├č
M├Ąrchentante

Bearbeiten/Löschen    


Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo,

danke f├╝r eure R├╝ckmeldungen. Ich arbeite in einem Berliner Kinderheim und habe den Kindern schon ein wenig "auf den Mund geschaut".
Ansonsten ist die Geschichte zum Gl├╝ck rein fiktiv.

LG Franka

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!