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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Erinnerungen an Oma
Eingestellt am 15. 10. 2006 10:27


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Cathexe
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Sep 2006

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Es ist August, das Wetter ist schw├╝lwarm-sonnig, ich schwitze.
Ich erinnere mich - ich wei├č nicht warum - an diese steile Kellertreppe im Haus meiner Oma und daran, wie sehr ich es als Kind genossen habe, in die angenehme K├╝hle da unten hinabzusteigen. Ich f├╝hle noch genau die Form des runden Knaufs mit der Metallumrundung an der Holzt├╝r, die man mit einem quietschenden Ruck nach innen aufsto├čen musste. Bei den ersten Stufen musste man h├Âllisch aufpassen: Sie gingen um eine eh schon enge Ecke, waren schmal und steil - ein Gel├Ąnder gab es nicht. Auf dem ersten Treppenabsatz standen oft leere Einmachgl├Ąser oder Flaschen hinter der T├╝r, die sollte man dann mit runternehmen. An der Wand hing ein Staubsauger, an dem man immer leicht vorbeischrappte, so dass der an seinem Nagel an der Wand schaukelte. Bevor ihr euch damals endlich den Vorwerk mit dem dunkelgr├╝nen Stoffbeutel leisten konntet, hattet ihr einen petrolfarbene aus Kunststoff der Marke \"Sauge-laut-und-schlecht\" oder so ├Ąhnlich. Der neue Vorwerk war ungeheuer schwer und musste mit aller Kraft von und auf seinen Nagel gewuchtet werden, saugte aber unglaublich. Und ein von-T├╝r-zu-T├╝r-Vertreter brachte immer neue Beutel und Prospekte.
Unten angelangt, kam man rechts in einen Kellerraum, in dem vor allem eine gro├če Gefriertruhe stand. So eine mit Deckel, der nach oben aufging und in dem in den alten Krimis immer die Leichen versteckt wurden. Bei dir war Vanilleeis oder das Schoko-Vanille-Erdbeer-Gemisch drin. Vor allem im Sommer. Wie oft habe ich micht heimlich mit einem gro├čen L├Âffel bewaffnet und bin heimlich in den Keller geschlichen um in aller Schnelle ein paar Riesenl├Âffel davon zu verschlingen? Ich a├č so schnell, dass ich Kopfschmerzen davon bekam ,aber es gab nun mal zu selten Eis zum Nachtisch...!
Der Raum hinter der Eistruhe war jedoch die eigentliche Schatzkammer: Dort lagerte das ganze eingemachte Obst und Gem├╝se, eingesickter Saft, Kartoffeln, Zwiebeln usw.
Schon der Geruch war typisch Vorratskeller: modrig-muffig, etwas staubig, aber nicht feucht. Nach alt-trockenem Holz und ein bisschen nach den roten Einmachringen aus Gummi und den Metallspangen f├╝r die Weckgl├Ąser. Gleich rechts um die Ecke beim Eingang stand die gro├če Kartoffelkiste mit der Lade unten, aus der man die noch erdigen Kartoffeln rausnahm. Danaben der rundliche Drahtkorb mit dem runden Holzgriff am Henkel. Als ich klein war, konnte ich nicht in die Kiste schauen, so hoch war sie. Und man musste h├Âllisch aufpassen, dass man sich keinen Splitter in den Finger jagte, das Lattenholz war ziemlich rau.
Ich glaube, es waren auch ein paar Zwiebeln drin in der Kiste. Die brauchen ja auch trockene Dunkelheit zum Lagern, hast du mir mal erkl├Ąrt.
Die gegen├╝ber liegende Wand war ├╝ber und ├╝ber mit Gl├Ąsern gef├╝llt: Eingemachte ├äpfel, Birnen, Plaumen, Kirschen.
Ich wei├č nicht, wie viele der Kirschen ich erst gepfl├╝ckt, dann gewaschen und schlie├člich mit dem Entsteiner entsteint habe. Das war eine Heidenarbeit, ich war danach ├╝ber und ├╝ber bespritzt mit Sauerkirschsaft.
Gurken mit Senfk├Ârnern und Dillstengelchen, knalloranger K├╝rbis s├╝├č-sauer - mich ├╝berkommen immer noch Ekelschauer in Erinnerung an diesen Geschmack. Ich mag ihn bis heute nicht.
Auch f├╝r die eingemachten Bohnen wei├č und gr├╝n, als Salat und f├╝r die Suppe sa├č ich oft stundenlang auf der roten Treppe hinten und d├Âppte entweder die Bohnen aus ihren Schoten oder schnippelte die Enden ab.
Die meisten Gl├Ąser wurden dann in dem gro├čen hellblauen Emaille-Topf mit dem Loch im Deckel auf dem Gasherd zugekocht.
Am liebsten war mir die Abteilung \"Marmelade und Gelee\" aus Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeergelee, das ich nie mochte, weil es so sauer schmeckte und das so viel Arbeit machte: Ich erinnere mich noch genau wie damals auf den Hintertreppen sa├č, umgeben von Eimern und Sch├╝sseln voller gepfl├╝ckter Rebchen, die Abgestribbelt werden mussten. Auf dem Scho├č hatte ich eine Schale, in die ich die abgezupften kleinen Beeren sammelte. Die ersten Zweige waren die d├Â├Âfsten, weil diese 20 Beeren einsam in der grauen R├╝hrsch├╝ssel herumkullerten und sich fast darin verloren. Wie lange das immer dauerte, bis die Sch├╝ssel wenigstens halb voll war...!
Meine Finger waren danach immer noch zwei Tage lang knallrot. Von diesen Fr├╝chten blieb auch immer viel mehr ├╝brige als wenn ich Himbeeren oder Erdbeeren verlesen musste - kein Wunder, denn Himbeeren mochte ich ja auch viiiiel lieber!
Die Beeren wurden danach mit Gelierzucker aufgekocht. Du hattest daf├╝r einen gro├čen, dicken braunroten Topf, der vorne ein Ventil hatte, durch das dann der Geleesaft durch ein es dieser rot-wei├č karierten K├╝chent├╝cher in die Gl├Ąser lief damit auch ja kein Kernchen oder Sch├Ąlchen im Gelee blieb. Das Tuch musste gaaaanz sauber sein, ebenso die Gl├Ąser damit sich zum einen kein Schimmel bilden konnte, zum anderen damit dier Gl├Ąser sauber schlie├čen und beim ├ľffnen dann so sch├Ân \"knack!\" machen wie die Gl├Ąser aus dem Supermarkt.
Auf jedes Glas kam dann eines von diesen blau umrandeten, mit Schn├Ârkeln und Punkten gemusterten Schildchen, auf die du zuvor mit deiner alt anmutenden, etwas wackligen Halbs├╝tterlinschrift geschrieben hattest: \"Johannisbeer \'82\" oder \"Himbeer 84\"

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Lebe wild und gf├Ąhrlich!

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strolch
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hallo Cathexe,

also der text ist fl├╝ssig geschrieben, man bleibt bei der stange und es entstehen auch bilder - soweit ok.
jetzt kommt meine einw├Ąnde:
der tietel ist "erinnerung an oma" sind diese geschilderten dinge wirklich die einzigen erinnerungen? ich erfahre etwas ├╝ber den staubsauger. ├╝ber den keller. dass sie wohl einen gro├čen garten hatte - so viel zum verarbeiten hatte - vorratswirtschaft hielt. - aber ├╝ber die frau erfahre nichts. wie sah sie aus?
war sie warmherzig oder hart, wie war sie als oma?
fand sie statt -au├čer. dass du vorbeiten zum einkochen und so leisten mu├čtest. welche rolle spielte sie in der familie?

lg brigitte
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"Ich will nicht, da├č Frauen Macht ├╝ber die M├Ąnner, sondern ├╝ber sich selbst erlangen."(Mary Wollstonecraft)

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Cathexe
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Hallo Strolch,

danke f├╝r deine Antwort f├╝r mein Erstlingswerk hier im Forum.
Ich hatte mir schon gedacht, dass der Titel nicht ganz passig ist, er hie├č auch vorher anders ("Briefe an Oma")
Das mit der pers├Ânlichen Beschreibung ist eine schwierige Sache, meine Erinnerungen bestehen haupts├Ąchlich aus solchen "sachlichen" Details. Vielleicht muss ich einfach mal noch tiefer in meiner Erinnerung kramen...?
Es gibt ja noch mehr "Briefe"...
Gru├č aus der Rheinmetropole D├╝sseldorf
die Cathexe

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