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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Erleuchtung
Eingestellt am 23. 10. 2002 21:34


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Piet
Bl├╝mchendichter
Registriert: Oct 2002

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Das Tor der Erkenntnis

Wieviele Tore habe ich in meinem sehr langen Erdendasein schon bewundern d├╝rfen? Kein Statistik-Weltmeister wird mir das jemals beantworten. Habe ich vielleicht doch damals das sagenumwobenste Tor der vor irrwitzigen Kuriosit├Ąten strotzenden Fu├čballgeschichte live miterlebt? Mit satten 372 Tagen Lebensalter war ich doch ganz sicher schon ballgierig genug, beim WM Finale 1966 mitzufiebern. Die entsetzliche Schmach der peinlichen Schlappe gegen die Inselkicker k├Ânnte auch das Trauma verursacht haben, das mir f├╝r knapp 23 Jahre den allerletzten Spa├č an dem Spiel der K├Ânige versaut hat. Die Generation meines Vaters hatte mich also bitter entt├Ąuscht. Das konnten die mit so ein paar knickerigen Titeln in den Jahren drauf schon deshalb nicht wiedergutmachen, weil ich Null Draht zu jeder Art von Sport hatte. Wie sch├Ân kann die Kindheit sein, wenn sie nur mit Sandkastenspielerei, W├╝rfelspielen und Detektivromanen buntgef├╝llt ist? Na sch├Ân, beim W├╝rfeln kann man auch verlieren. Auch Titel wie ÔÇ×Mensch-├Ąrgere-dich-nicht" kann niemandem so richtig die Pein der Niederlage schmackhaft machen. Irgendwann aber sieht man ein, da├č da wirklich viel Gl├╝ck im Spiel ist und sonst nix. Es folgt keine nationale Depression. Man mu├č nicht die Unf├Ąhigkeit der Krone deutscher W├╝rfelkunst auf sein schmales Ego laden um darunterzusammenzubrechen.
Wie anders ist das beim Wettbewerb ÔÇ×UNSERER Mannschaft" mit den ├ťbergranaten aus aller Herren L├Ąnder!

Das soll sich ein Ignorant mal vorstellen k├Ânnen: eine mir letztlich doch nahezu unbekannte Person macht eine bestimmte Bewegung, die nur in seltensten F├Ąllen besondere akrobatische F├Ąhigkeiten erfordert. Meist ist es nur das Schwingen eines Beins, Nicken des Kopfes bei gleichzeitiger Kr├╝mmung des R├╝ckens. Nix Dolles eigentlich, kann mein Opa auch.

Und das soll mir irgendwas bringen? Wenn ich's selbst mache, na sch├Ân. Ist ja kein Tai-Chi, und selbst das ist eine Besch├Ąftigung die Millionen von Anh├Ąngern hat, dem unge├╝bten Beobachter aber total bescheuert vorkommt.
Wir Fu├čballs├╝chtigen aber m├╝ssen nicht d├Ąmlich Schattenboxen, nee, wir d├╝rfen mit fast allen K├Ârperteilen vor 'ne sch├Âne runde Lederpille kloppen, dass es nur so kracht.

Wen aber soll das wirklich interessieren? Leben wir denn nicht in einer supertechnisierten Zivilisation, voller schlauer Leute? Da kann sich doch ein ernst- und gewissenhafter Mensch nicht mit so einem kindischen Ballspiel besch├Ąftigen. Zumindest nicht, ohne sich L├Ącherlich zu machen. Leute, die Verantwortung in Beruf und Familie tragen und es zu etwas bringen wollen, k├Ânnen die ein paar dreckverschmierten Balltretern zujubeln - ohne total d├Ąmlich auszusehen? Die Antwort liegt so deutlich auf der Hand wie das ÔÇ×Wembleytor" vor der Linie landete: Meterweit!

Da ist es doch logisch, da├č jeder Ballfanatiker vor dem Angesicht der vern├╝nftigen Restwelt bei seinem Outing ansehensm├Ą├čig in ein schwarzes Loch f├Ąllt. Die offensichtliche Dummheit des Proletenballsports reicht ja schon aus um deren Protagonisten als simple Charaktere einzustufen. Wer kann Respekt haben vor einer Figur, die beim belanglosen Ballgebolze auf und abh├╝pft, wie ein Flummi? Ob auf dem Platz, oder nebenher, dem k├Ânnen doch nur Halbgescheite was abgewinnen.

Klar! Und dann kam der 26. April 1989. Wer, der nur einen winzigen Thaler auf seinen Fu├čballverstand gibt, erinnert sich nicht? Logisch, die Bundesballelite darf in Holland antreten, beim frischgebackenen Europameister. Nur 10 Monate zuvor durften die Oranjes einen historischen Sieg feiern: Nein, der Cup war denen ziemlich egal. Wichtig war der Sieg ├╝ber hei├čgeliebten und h├Âchstverehrten Nachbarn.
So sehr wir alle diesen tollen Sportsfreunden aus dem K├Ânigreich am Meer ihren Triumph g├Ânnten, so dezent war unser Kopfsch├╝tteln, als sich Torwart van Breuckelen und Ronald Koeman mit ihren frischertauschten deutschen Nationaltrikots vor der Fankurve die Hintern abwischten. Jaja, im ├ťberschwang der Gef├╝hle macht man schon mal ne kleine Dummheit, was soll's.
Soll man da von Narben sprechen, die noch frisch waren, als wir fr├Âhlich und wohlgemut in Richtung Rotterdam abfuhren? I wo, allen ausgeglichenen und gestandenen Charakteren sowie insbesondere allen Fu├čballfans sind doch Revanchegel├╝ste und derlei kleinkariertes Zeug total fremd. Ein Besuch im wirklich sch├Ânen Nachbarland verbunden mit einem sch├Ânen Fu├čballspiel, Herz, was willst Du mehr.

Die Vorzeichen waren dereinst leider nicht so gut. Den Holl├Ąndern attestierte die vereinigte Expertenwelt die Neuerfindung des modernen, perfekten Fu├čballs. Unsere Jungs hatten sich erst kurz zuvor bis auf die Knochen blamiert - EM-Halbfinale, wie unw├╝rdig - und galten als unerfahrene, technisch wenig ausgereifte Truppe.
Da stolperten solch Untechniker wie die jungen M├Âller, H├Ąssler, V├Âller, Riedle ├╝ber den Rasen. Der Gipfel aber war das lustige Duell Kohler gegen van Basten. Der eine als h├Ąssliche ewiggestrige Symbolfigur urteutonischen Kampf- und Kraftfu├čballs verschrien. Der andere galt als bester St├╝rmer der Welt, die Turboversion von Gerd M├╝ller und Johann Cruyff in einer Person. Die Klischees bl├╝hten in dem Zarten letzten Fr├╝hling der 80er Jahre von allen Sportseiten. Schwarz war nie schw├Ąrzer und dem Wei├č ging's genau umgekehrt.

Wie sollte der gute Marco da eine Chance gegen den lieben J├╝rgen haben? Spa├č beiseite, in aller Fachwelt wurde nur ├╝ber die H├Âhe des sicheren holl├Ąndischen Sieges diskutiert.

Irgend ein missionarisch veranlagter Geist war dennoch in der Lage, mich zu einem kleinen Ausflug an den gr├Â├čten Hafen der Welt zu ├╝berreden. Nein, auf Shanghai hatte ich keine Lust, daher ging es zum ber├╝hmt-ber├╝chtigten ÔÇ×De Kuip" in den schmucken Stadtteil Feyenoord. Wie oft begegnet man Menschen, die die Sinnlosigkeit ihres Tuns damit ├╝berdecken wollen, da├č sie andere unschuldige Menschen dazu ├╝berreden, es ihnen gleich zu tun? Ich war Opfer eines solchen G├Ânners und habe die gravierenden Folgen bis heute zu tragen.
Die 80er waren stets gepr├Ągt von kurzen und heftigen Feindseligkeiten im Umfeld von bedeutenden Fu├čballereignissen. Wer was auf seine Mannschaft und sein Stadion hielt, der musste die b├Âsen G├Ąste ein wenig einsch├╝chtern. Heutzutage geht das meist verbal ab und das ist auch verdammt gut so. Ein paar verwirrte Einheimische hielten n├Ąmlich verdammt viel von ihrer Truppe und erst recht von ihrem Stadion. Das wollten sie auch ihren G├Ąsten nicht verheimlichen, aber was hat das nun wieder mit Sport zu tun.
Letztlich war die Stadionatmosph├Ąre durchaus gepr├Ągt von den etwas verbiesterten Besuchern, was durchaus sein gutes hatte. Niemand kam auf die Idee, da├č das heute abend ein kleiner lustloser Kick werden k├Ânnte. Kein Zuschauer hatte die geringste Lust zu einer Friedhofskulisse beizutragen.
Schon beim ersten Warmlaufen der Ersatzspieler brach ein h├Âllischer L├Ąrm los. Tonne von Papier sollten noch an diesem Abend durch die Luft gepfeffert werden. Bengalische Feuer wurden zu hunderten abgefackelt. Damals gab es noch keine unseligen Sicherheitsbestimmungen, die eine solch irre Traumatmosph├Ąre erst entstehen lie├čen. Nie zuvor habe ich mich so auf ein Spiel gefreut, wie in der letzten halben Stunde vor dem Anpfiff. Hinter dem s├╝dlichen Tor fieberten wir dem Anpfiff entgegen. Vor dem geistigen Auge flogen schon die Flanken vor mein Auge, die Kalle Riedle musterg├╝ltig versenken w├╝rde: lass es endlich losgehen!!
Um so mehr, als die 10.000 Oranjefans im Oberring ├╝ber unserem Block so sehr mitfieberten, als da├č ihre Tropfnasen auf uns herabregneten. Na was soll's. Kann jedem mal passieren. Was soll ich sagen, ein Superspiel folgt, das kann keiner beschreiben. H├Âchstes technisches und ganz sicher k├Ąmpferisches Niveau. U.a. sieht der gro├če van Basten keinen einzigen Stich gegen Holzhacker J├╝rgen, bis der dummerweise verletzt raus mu├čte, aber darum soll's nicht gehen. Die zweite Halbzeit bietet alles, was das Fanherz so richtig in Wallung bringt. Und dann ging's so richtig ab. Unsere Jungs dr├╝cken und spielen, da├č einem die B├Ąckchen gl├╝hen vor Spa├č. Andy Brehme flankt aus vollem Lauf von der linken Seite, am kurzen Pfosten kommt der gr├Â├čte Kopfballspieler seit Horst ÔÇ×Kopfballungeheuer" Hrubesch angeflogen wie eine Rakete und semmelt die Pille genau vor meiner Nase ins Netz des unglaublichen van Breuckelen. Der 1,75m Riese Kalle Riedle erl├Âste uns mit dem Tor des Monats April 1989 aus dem Dornr├Âschenschlaf. ÔÇ×Wir sind hier die Chefs" war jedem klar und bald auch dem Rest der Fu├čballwelt. Was f├╝r ein Traum, welch Genuss. T├Ąglich fliegen weltweit Millionen Flanken und Kopfb├Ąlle durch die Gegend, nie zuvor war eine solche Perfektion erreicht worden. Generationen von Dichtern sind unbeholfen, diese Grazie, Dynamik, Pr├Ązision zu beschreiben.
Was folgt? Eine Explosion ekstatischen Jubels, Tausende sich unbekannte Fans liegen sich mit Tr├Ąnen in den Augen und in den Armen. Nicht war mehr, wie es zuvor war.

Okay, das Spiel wurde zwar nicht gewonnen und bis zum Pokal mu├čte auch noch ein wenig geschwitzt werden. Aber jeder hatte zumindest eine Ahnung, da├č mit dieser Mannschaft was zu ernten war. Wir waren wieder da. Jetzt war unsere Generation am Dr├╝cker und wir w├╝rden uns von schielenden Linienrichtern nicht vom WM-Sieg abhalten lassen. Diese Ahnung ging ├╝ber in eine Riesenvorfreude, bis zur WM '90. Schon gut 14 Monate vor dem Triumph von Rom hatte ich so eine deutliche Ahnung, wie sie sonst wohl nur Hellseher haben. Das war alles viel sch├Âner, als nun auf den Cup zur├╝ckzusehen. Jeder wei├č, Vorfreude ist sch├Âner als mancher Weihnachtsbraten.

Trotz eines soliden und zivilisierten Vorlebens bin ich seitdem ein Gefangener. Das Wort ÔÇ×ZUVIEL" im Zusammenhang mit Fu├čball ist mir v├Âllig unbekannt.
Das Supertor hat deutlich an die Wand geschrieben: ÔÇ×DAS IST ES!" und gar nicht auf Widerrede geh├Ârt. Klar gibt es wirklich wichtige Dinge im Leben. Aber zwischendurch ist es nicht das ├ťbelste, sich in die gigantische Welt zu st├╝rzen, die mit viel Fu├čball zu tun hat.

Ich missioniere st├Ąndig neue Opfer, um ihnen auch mal so einen perfekten Moment zu geben. Bin ich nicht gut?
__________________
Jaa!!

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Piet
Bl├╝mchendichter
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Hallo, ist da jemand????

Ja was denn, bin ich so schlecht???? Warum erbarmt sich denn niemand zu einer kleinen gnadenlosen Kritik???? Auf auf, traut Euch doch Ihr Reich-Ranickis.
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Stoffel
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nix f├╝r ungut..

Hi,

ist Dir aufgefallen, wieviele Autoren es hier gibt?
Die AUCH alle gelesen werden m├Âchten??

Da kommst Du..Piet..angedackelt.. und dr├Ąngelst wegen Aufmerksamkeit.*smile*

Geh erst mal los und kommentiere bei anderen,
dann
"werden sie geholfen"

alles Gute hier
sch├Ânen Abend
Und tief durchatmen.

Stoffel

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Piet
Bl├╝mchendichter
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Hi Stoffel, bin ja dabei, aber noch ganz neu und frisch, werde mich steigern! Uns dann? Dann werden mir auch geholfen, gell?
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Stoffel
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Moin..

*lach*
├╝nsche Dir viel Spa├č hier und nimm mir den Kommentar bitte nicht krumm

sch├Ânen Tag
Stoffel

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Piet
Bl├╝mchendichter
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krumm

Hallo Stoffel, Respekt 1000 Posts! Gl├╝ckwunsch. Ob ich das jemals schaffen werde? Nein, nehme nix krumm, brauche kanllharte Kritik wie die Schildkr├Âte den Salat. Mach nur weiter so! M├Âchte von Euch Koryph├Ąen schlie├člich noch was lernen.
Gr├╝├če, Piet
__________________
Jaa!!

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