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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Erlkönig-Rap (Travestie)
Eingestellt am 16. 08. 2015 18:36


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Bernd
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Wer reitet da so spät in dieser stürmischen Nacht?
Es ist gewiss der Vater, hat sein Kind mitgebracht,
Den Knaben presst er fest, er hält ihn im Arm,
er denkt: so ist es sicher, und dem Kind ist warm.

„Hör zu mein Sohn, was ist denn jetzt schon wieder los?“
„Ach, Vati, schau, der Erlenkönig rießengroß!
Er trägt die Krone und hat einen mächtigen Schweif!“
„Sei still, mein Sohn, das ist doch nur ein Nebelstreif!“


„Komm her, komm her mein liebstes Kind, komm mit mit mir!
Ich spiele dann auch wunderschöne Spiele mit dir!
Am Strande blühen Blumen und das Wasser ist ganz klar,
und du kriegst 'ne Lederhose und die passt sogar!“

„Hör zu, mein liebster Pappi, oder hörst du etwa nicht,
was mir der Erlenkönig hier so alles verspricht?“
„Ach sei doch endlich ruhig und schlafe, mein Kind,
hör auf zu phantasieren, in den Blättern rauscht nur Wind.“

„He du, mein kleiner Liebling, du musst mit mir gehn,
meine Töchter, die verwöhnen dich, du wirst schon sehn!
Und sie tanzen und sie springen und sie spielen mit dir,
und sie bringen dich ins Bett und schon schläfst du hier.“

„O Pappi, o Pappi, hör, ich sehe sie genau,
dort im Düstern seine Töchter, Pappi, sieh doch, schau!“
„Mein Sohn, es reicht mir, still jetzt, ich seh ganz genau:
Dort stehen ein paar Weiden im Wald ganz grau.“

„Ich liebe dich, mich reizet deine schöne Gestalt,
und kommst du nicht freiwillig mit, dann brauche ich Gewalt.“
„Ach, Pappi, wehe, wehe, er fasst mich an!
Der Erlenkönig hat mir jetzt sehr weh getan!“

Dem Vater wird ganz anders und er reitet immer schneller,
in seinen Armen stöhnt sein Kind, es wird schon langsam heller,
und endlich kommt er keuchend an, mit Mühe und Not,
das Kind in seinen Armen, es ist tot.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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