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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 28. 04. 2014 15:06


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LeonTD
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2014

Werke: 1
Kommentare: 1
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Ich folge ihr schon seit einer knappen Stunde.
Gar nicht so einfach, sie inmitten dieser hektischen Stadt in den gestresst blickenden Menschenmassen im Auge zu behalten.
Wie anmutig ihr Gang ist, wie schmeichelnd ihre makellos abgestimmte Kleidung zu ihrem Makeup passt. Wahnsinn.
Ihr Haar scheint in einer nur fĂŒr sie hörbaren Melodie mit dem Rest ihres Körpers mitzuschwingen, eine Symphonie der Perfektion.
In meinen Gedanken rufe ich: „Ina bleib stehen! Wie geht es dir? Lust auf einen Kaffee? Den machst du doch so gut.“, aber ich wage es nicht, sie laut auszusprechen.
Zu zerbrechlich ist mein neuer, alter Wunsch.

Instinktiv greife ich in meine Manteltasche, fĂŒhle, wie meine Finger ĂŒber das abgegriffene Foto streicheln und klammere mich daran.
Ich spĂŒre einen leichten Schmerz in meiner Schulter, werde etwas zur Seite gestoßen und mein Kaffeebecher fĂ€llt aus der Hand.
Ein verĂ€chtlicher Blick eines stĂ€mmigen Mannes mittleren Alters straft mich fĂŒr meine Unachtsamkeit.
Mir egal.

Meine persönliche Ina biegt in eine Seitengasse ab. UnauffÀllig tue ich ihr gleich.
Vor einer schĂ€big aussehenden TĂŒr bleibt sie stehen, kramt in ihrer Handtasche und holt einen SchlĂŒssel hervor. Kurz darauf ist sie dahinter verschwunden.
Ich bleibe stehen und blicke sehnsĂŒchtig darauf.
Der weiße Lack blĂ€ttert hier und da schon ab, dennoch wirkt sie anmutig, ja sogar rettend in dieser einsamen Straße, an diesem einsamen Tag, in diesem einsamen Leben.
Ich zĂŒcke eine Zigarette. Mit leicht zitternden HĂ€nden stopfe ich sie mir in den Mund und zĂŒnde sie an. Nahezu flĂŒssig ist diese Bewegung mittlerweile.
GenĂŒsslich ziehe ich an dem gefĂŒhlt zehntausendsten Sargnagel und spĂŒre, wie der blĂ€uliche Qualm meine Lungen fĂŒllt.
Drei tiefe ZĂŒge spĂ€ter schmeiße ich sie auf den Boden, nur, um die nĂ€chste hervorzuholen.

Ein Mann kommt in die Gasse, er ist etwas Àlter als sie.
Langsam nĂ€hert er sich der TĂŒr, hĂ€lt inne und holt ebenfalls eine Zigarette hervor.
Hektisch beginnt er seine Taschen zu durchwĂŒhlen, dann blickt er zu mir und kommt nĂ€her.
„Hallo, entschuldigen Sie? Haben Sie vielleicht ein Feuerzeug fĂŒr mich?“, seine Stimme dringt wie durch einen Schleier in mein Ohr.
Geistesabwesend greife ich in meine Tasche und halte es ihm wortlos hin.
„Oh danke.“, höre ich ihn sagen „Die Kippe hier brauch ich wirklich dringend, meine Freundin Susanne will nicht, dass ich in der Wohnung rauche. Die Möbel wĂŒrden angeblich den Geruch annehmen, Frauen huh?“
Bei dem Wort Susanne deutet er auf den Eingang, hinter der meine Ina verschwunden ist, den Eingang mit nur einer Klingel daran.

Er hÀlt mir das Feuerzeug hin.
Mein Blick liegt zuerst darauf, dann wandert er nach oben in sein Gesicht, in die Visage dieses Proleten.
Wie er mich ansieht, als ob ihm die Welt gehört.
Ich bekomme kaum noch Luft. Seine Arroganz scheint mich zu erdrĂŒcken.
„Behalt es“, höre ich mich verĂ€chtlich sagen, „Du nimmst dir doch eh alles, was du willst, erst recht wenn es dir nicht gehört.“
Verdutzt blickt er mich an: „Was meinen Sie dam..“
Ein heftiger Schlag ins Gesicht verhindert, dass er seinen Satz beenden kann.
Er fÀllt sofort zu Boden.
„Das ist fĂŒr alles, was du mir angetan hast!“, höre ich mich schreien wĂ€hrend ich auf ihn eintrete.
Eine Stimme voller Wahnsinn und Schmerz.
„Bitte, hören Sie auf! Ich kenne Sie nicht!“, ruft er verzweifelt.
Noch ein paar Schmerzensschreie, dann Ruhe. Endlich Ruhe.
Ich hebe einen Backstein zu meiner Linken auf und lasse ihn auf den Kopf des Mannes herabsausen.
Blut. Immer noch Ruhe. Gespenstische Ruhe.

Ein schriller Schrei scheint die Luft zu zerreißen.
Benommen blicke ich von meiner Tat auf.
Da steht sie, meine Ina. Kreidebleich hÀlt sie eine Pistole auf mich gerichtet.
Ich gehe auf sie zu, bereit, sie in meine Arme zu schließen.
Ein Schuss. Wieder Blut. Diesmal meines.
Kraftlos sacke ich zu Boden, der Stein entgleitet meinem Griff. Wie alles andere Monate zuvor.
Die nÀchsten Sekunden ziehen wie in dichtem Nebel an mir vorbei. Oder sind es doch Minuten? Stunden?
Mir egal.

MĂ€nner stehen um mich herum, MĂ€nner in Uniformen.
Hysterisch redet die Frau auf sie ein, wÀhrend sie zu beruhigen versucht wird.
Wie schön sie doch ist, Susanne.
Nein, sie heißt Ina.


Version vom 28. 04. 2014 15:06
Version vom 08. 05. 2014 12:49
Version vom 08. 05. 2014 12:49

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