Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92231
Momentan online:
380 Gäste und 22 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Erstling auf Leselupe: Danse Macabre oder In Memoriam
Eingestellt am 05. 09. 2011 16:48


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Fero
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2011

Werke: 1
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fero eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

(hier die etwas schöner formatierte PDF-Version)

Danse Macabre oder In Memoriam


Die alte Frau fasste den Bogen zart an. Liebliche T√∂ne erf√ľllten die Luft, als sie die Saiten ber√ľhrte - leicht.

Sie war umgeben von Sommer. Es duftete nach wucherndem Gras und wilden Blumen, Bienen summten um sie herum, Hummeln wanderten von Bl√ľte zu Bl√ľte, auf ihrer Suche nach Nektar. Der Himmel war von einem freundlichen Blau und die Sonne stand hell und strahlend √ľber der Welt - eine goldene Herrscherin √ľber das Firmament. Ihre Strahlen liebkosten die Haut des kleinen M√§dchens - wohltuend, nicht sengend. Die W√§rme erzeugte ein wohliges Kribbeln in ihr. Sie war gl√ľcklich.

Sie spielte nun intensiver. Die Musik, die sie der Geige entlockte war voller Harmonie. Die Stirn der alten Frau, jedoch, lag in Falten - Dunkle Wolken dräuten am Horizont. Die Musik wurde schneller.

Sie befand sich zu Hause - In dem Haus ihrer Eltern, hei√üt das, welches sie (ein junges Ding von knapp 16 Jahren) damals freilich noch "zu Hause" genannt hatte. Ihr gegen√ľber am Wohnzimmertisch sa√ü ihre Mutter. Ihre verh√§rmte Haltung, ihre Augen, ihre ganze Person waren der Ausdruck tief wurzelnder Sorge...und Angst.

Die Blumenwiese war schon lange Vergangenheit. Sie war kein Kind mehr und inzwischen sah sie die sorgsam verborgenen Tränen in ihrer Mutter Augen, und sie erkannte die schwelende Wut in ihrem zumeist betrunkenen Vater...ihr Vater!

Die Furchen auf der Stirn der Alten wurden tiefer. Ihre blicklosen, milchig-wei√üen Augen schienen ein dunkleres Grau anzunehmen. Der Bogen tanzte nun √ľber die Saiten; die noch immer fr√∂hlichen T√∂ne hatten etwas ironisches gewonnen, als mokierten sie sich √ľber die unschuldige Ignoranz eines etwaigen Zuh√∂rers. Bald...

Es war Abend geworden in dem kleinen Wohnzimmer. Das einzige Licht kam von einer tr√ľben Deckenlampe. Die Schatten schienen lebendig. Das M√§dchen und die gebeugte Frau - ihre Mutter - warteten. Worauf, wussten sie scheinbar selber nicht. Auf einmal flog die Wohnungst√ľr auf, das Deckenlicht flackerte.

Ein plötzlicher Tusch, ein langgezogener, klagender Ton, die alte Frau riss ihre Augen weit auf, und das blinde Weiß darin schien zu pulsieren. Der Bogen sprang nun wie toll umher, ein Danse Macabre , während die Musik immer dunklerer Couleur wurde. Hopsend und drängend und drohend und rennend! Die einst schönen Motive wurden zu grotesken Schattengestalten, spottend dem Licht, das aus dieser Musik vollkommen verdrängt worden war.

Der Vater raste! Seine kleinen, w√§ssrigen Augen warfen Blicke wie Dolche nach der Frau mit dem Kind, die zittrige Hand warf was immer sie zu fassen bekam. Das junge M√§dchen weinte und schrie, die Mutter stand nur wenige Schritte vor dem W√ľterich, Tr√§nen in den Augen. Seinen Wurfgeschossen mehr schlecht als recht ausweichend, redete sie beschwichtigend auf ihn ein. Der Vater bekam ein langes Messer zu greifen -

Pl√∂tzlich! Der Bogen verharrte. Die Hand, die ihn f√ľhrte, war geborgen in einer anderen. Nicht fest, nein, locker und z√§rtlich entwand der Ehemann seiner Frau den Bogen - die Schattend√§monen verschwanden; das Licht kam zur√ľck. Es flutete durch das ge√∂ffnete Fenster in den Raum, begleitet von Vogelgezwitscher und dem Duft der ersten Bl√ľten im Garten vor dem Haus. Die Erinnerungen wichen der Gegenwart. Die Schmerzen nie verblasster Narben verebbten, bis nur die sanfte Ber√ľhrung des Lebensgef√§hrten und das Gef√ľhl warmer Sonnenstrahlen auf der Haut blieben. Bed√§chtig legte die alte Frau die Geige beiseite.
"Es ist Fr√ľhling", fl√ľsterte sie.
"Ja", sagte er mit endloser W√§rme in der Stimme. "Ja, Fr√ľhling ist es tats√§chlich."
Ihre blinden Augen fanden sein Gesicht. Sie lächelte sacht.


__________________
"I'm all in favor of keeping dangerous weapons out of the hands of fools.
Let's start with typewriters."
-- Solomon Short

Version vom 05. 09. 2011 16:48

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Fero,

herzlich willkommen auf der LeLu.

Dein Einverst√§ndnis voraussetzend habe ich deine Einleitungsworte √ľber ein anderes Forum gel√∂scht. In der Rubrik sollen nur die Geschichten als solche stehen ohne Fremdwerbung bzw. Verlinkung auf andere Seiten.

Viel Spass,

KaGeb

Bearbeiten/Löschen    


Fero
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2011

Werke: 1
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fero eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

quote:
Dein Einverst√§ndnis voraussetzend habe ich deine Einleitungsworte √ľber ein anderes Forum gel√∂scht.
Macht nix
Die Formatierung der Überschrift und den Link zu der PDF-Version hättest du aber ruhig stehen lassen können, oder?
__________________
"I'm all in favor of keeping dangerous weapons out of the hands of fools.
Let's start with typewriters."
-- Solomon Short

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!