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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Erwischt!
Eingestellt am 04. 02. 2019 14:51


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G. R. Asool
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Registriert: Apr 2017

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Mit einem lauten Tuten und roten Warnlichtern schlossen sich die Türen. Die U-Bahn setzte sich ruckelnd in Bewegung und verschwand in der Schwärze des Tunnels.
    Ich saß, zwischen einem schwer atmenden Opa und einer Schlafenden, in der Mitte des Waggons. Hier saß ich eigentlich nur, weil der Typ am hinteren Ende sehr reizend nach abgestandenen Urin roch. Die Plätze in der Mitte waren immer unvorteilhaft. Man saß hier praktisch in der Falle.
    Ich schwitzte, aber es waren nur noch zwei Stationen bis nach Hause. Als ich die Beiden von Weitem sah, konnte ich nur leise in mich hinein fluchen. So offensichtlich! Wie konnte ich sie übersehen haben?
    „Guten Tag, die Fahrscheine bitte!“
    Jetzt hieß es Ruhe bewahren und hoffen, dass sie mich nicht erreichten, bevor der Zug das nächste Mal hielt.
    Rechts würde ich keine Chance haben, da der Kontrolleur auf dieser Seite mit seinem massigen Körper jeglichen Ausweg versperrte. Links wohl schon eher. Hier war der Beamte zwar kräftig, aber klein.
    Mein Herz pochte. Ich rückte meine Kopfhörer zurecht und grenzte die Welt aus. Diesen Anschein wollte ich zumindest erwecken, innerlich war ich fokussiert und angespannt.
    Der Fette war jetzt nur noch zwei Sitze von mir entfernt. Ich schloss die Augen und versuchte meinen Atem zu beruhigen. Die U-Bahn wurde langsamer und hielt. Mit einem Zischen öffneten sich die Türen. Ich erhob mich, mied den Blick der Kontrolleure und drückte mich an dem Kleinen vorbei in die Freiheit.
    „Hey!“, schrie der Zwerg, aber ich ignorierte ihn und ging ohne Hast weiter. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Hand schwer auf meine Schulter legte und mich zum Stehen zwang. „Zeig’ mal deinen Fahrschein.“ Ich hasste es, dass dieser Gnom mit mir sprach, wie mit einem kleinen Jungen.
    „Je ne comprends pas“, versuchte ich den Touristentrick.
    „Ton billet!“
    So ein Mist! Mittlerweile war Fatso schnaufend zu uns gewatschelt. Ich begann in meinem Rucksack zu wühlen, um Zeit zu gewinnen.
    „Muss ich wohl vergessen haben.“
    „Ach, du kannst ja doch reden.“
    „Ein bisschen,“ versuchte ich meine Lüge aufrecht zu erhalten.
    „Ausweis?“ Specki atmete immer noch schwer.
    Wieder kramte ich in meinem Rucksack und gab ihm, was er wollte.
    „Willste gleich bezahlen oder soll ich die Polente holen?“ Der Gnom grinste feist.
    „Die Bullen!? Mann, was soll das denn?“
    „Na, kannst auch gleich bei mir bezahlen. Fuffzig Zacken. Bar.“
    „Alter, so viel hab ich nich’ hier!“
    Er zuckte nur mit den Schultern, holte ein Telefon aus seiner Gürteltasche und wandte sich ab. Meine Nägel bohrten sich in meine Handflächen. Ich glaubte, meine Fäuste würden zittern. Speckbert hatte in der Zwischenzeit begonnen die Daten von meinem Ausweis in ein Protokoll zu kopieren. Ein Schweißtropfen lief seine Stirn hinab und drohte auf den pinken Block zu fallen. Seine massige Brust hob und senkte sich mit jedem rasselnden Atemzug. Der Zwerg war ein paar Schritte gewandert. Ich konnte nicht hören, was er in sein Telefon sprach. Mein Blick wechselte noch ein, zweimal zwischen meinen Peinigern hin und her. Mein Herz raste. Ich zögerte noch. Der Zwerg wandte sich von uns ab. Fatso räusperte sich. Ich musste handeln.
    Speckis dümmlicher Gesichtsausdruck zerfiel in Staunen, als er plötzlich nur noch seinen Stift in den Händen hielt.
    „Ey! Ey!“, rief er immer noch begriffsstutzig. Als er verstand, was ich getan hatte, war ich schon die halbe Treppe hinauf. Mein triumphierendes Grinsen konnten sie nicht sehen, denn ich drehte mich nicht mehr um. In meiner Vorstellung bekam der Gnom einen hochroten Kopf, schleuderte sein Telefon umher und schrie seinen Partner an. Der konnte nur dumm gucken.
    Erleichtert tauchte ich in das warme Licht des Nachmittags, atmete den Duft der Freiheit und verschwand.

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