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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Erzähl oder ich schlage dich
Eingestellt am 01. 03. 2010 09:30


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Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

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Heinrich Heine hat Achim von Arnims 1812 publizierte Erzählung Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe gelobt: Es komme darin mehr Unheimliches vor als in "sämtlichen französischen Schauergeschichten". Heine beschreibt u.a. die Passage, als Arnim eine Kutsche nach Gent fahren läßt, "worin folgende vier Personen beieinander sitzen: 1. Eine alte Zigeunerin, welche zugleich Hexe ist. Sie sieht aus wie die schönste von den sieben Todsünden und steckt im buntesten Goldflitter und Seidenputz. 2. Ein toter Bärenhäuter, welcher, um einige Dukaten zu verdienen, aus dem Grabe gestiegen und sich auf sieben Jahr als Bedienter verdingt. 3. Ein Golem, nämlich eine Figur von Lehm, welche ganz wie ein schönes Weib geformt ist und wie ein schönes Weib sich gebärdet. 4. Der Feldmarschall Cornelius Nepos, welcher durchaus nicht mit dem berühmten Historiker dieses Namens verwandt ist, ja, welcher sich nicht einmal einer bürgerlichen Abkunft rühmen kann, indem er von Geburt eigentlich eine Wurzel ist, eine Alraunwurzel."

Dabei sind die absonderlichen Erlebnisse der beiden "Hauptdarsteller", das sind die Herzogin Isabella von Ägypten und ihr junger Geliebter, der künftige Kaiser Karl V., noch gar nicht erwähnt. Als Isabella den Genter Galgenberg besteigt, auf dem ihr lieber Vater erhängt wurde, wird das schöne junge Mädchen kraft Zauberschlages in die Lage versetzt, eine Alraunwurzel auszugraben. Isabella zieht den o.g. Cornelius groß. Nicht umsonst, denn das Wurzelmännlein hebt bald einen Schatz. Als "Nebenwirkung" der Aktion allerdings steigt dieser Bärenhäuter, der Bewacher des Schatzes, aus dem Grab und dient fortan Isabella. Das Mädchen, eine Vollwaise - ihre Mutter verstarb vier Jahre vor Handlungsbeginn - wird von der Pflegemutter, jener Hexe Braka, "behütet". Cornelius muß sich seine Welterfahrung erst mühsam aneignen. So etwas wie Minderwertigkeitskomplexe kennt er nicht. Als z.B. Braka das Wort Bärenhäuter in den Mund nimmt, will er von Braka Näheres über das Häuten eines Bären wissen und fordert energisch: "Erzähl oder ich schlage dich." Braka gehorcht.

Was ich Ihnen aber eigentlich erzählen wollte, das hängt - um mit Heine zu sprechen - mit 2., dem Golem, zusammen. Das ist eine Kopie von Isabella und heißt Golem Bella. Karl V. ist nämlich in die schöne Isabella verliebt. Leider ist das Mädchen bereits vergeben. Cornelius, das Wurzelmännlein, ist der glückliche Bräutigam. Der Kleine soll nun mit jener Kopie, der Golem Bella, vertröstet werden. Doch Karl, noch Erzherzog, hat weiter nichts als seine Kaiserkarriere im Sinn und verliebt sich in die Tonfigur. Die Liebe der echten Isabella aber ist es, um die sich die ganze Geschichte dreht. Das merkt der Leser gleich bei der ersten Begegnung des Paares. Weder Karl noch Isabella hatten zuvor die Liebe erfahren. Isabella war es bei der ersten Begegnung mit Karl so gewesen, als sei sie von einem zweiten Zauberschlag getroffen worden. Die Frage aller Fragen ist: Wird Isabella die Liebe Karls gewinnen können? Lesen Sie bitte, denn ich darf Ihnen das Ende nicht verraten.

Um noch einmal auf Heinrich Heine zurückzukommen - der hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Stoff, bunt zusammengewürfelt, u.a. aus dem 16. Jahrhundert entnommen, so farbenfroh und so prall ausgefüllt von wirklich gelebtem Leben, erinnert mich an Grimmelshausen, einem der Schöpfer des Bärenhäuters.

Achim von Arnim wurde am 26. Januar 1781 in Berlin geboren und starb am 21. Januar 1831 auf Schloß Wiepersdorf/Fläming. An der Stelle des Geburtshauses des Dichters, dem Palais Arnim, steht heute die Akademie der Künste. Besuchen Sie aber lieber Park und Schloß Wiepersdorf! In der schönen Jahreszeit sind die alten Laubbäume am ca. achthundert Meter langen, ebenen „Rotkäppchen“-Wanderweg bestaunenswert.

Der Text

s.a.
Achim von Arnim: Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe. Eine Erzählung. Mit einem Nachwort von Werner Vordtriede. 143 Seiten. Reclam 1986, ISBN 978-3-15-008894-4

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Hedwig

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