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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Es gab keinen Grund
Eingestellt am 27. 08. 2003 21:15


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Lorenz
Autorenanw├Ąrter
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Immer st├Ąrker war diese Sehnsucht geworden. Nach dem Nichts, dem v├Âllig Unbekannten. Dem Tod, dem Ende seiner Existenz. Dann h├Ątte er Ruhe, dann w├Ąre Frieden. Es w├Ąre vorbei, es w├╝rde endlich aufh├Âren. Diese unendliche Sinnlosigkeit. Er hatte kein Ziel, keine Liebe in sich. Er war steckengeblieben in einer tiefen Gef├╝hllosigkeit. Nichts schien ihn ber├╝hren zu k├Ânnen. Er ber├╝hrte nichts mehr. Die Regungen anderer lie├čen ihn kalt zur├╝ck. Er war drau├čen. Anfangs waren da noch Verzweiflung, unvorstellbarer Schmerz, tiefe innere Qualen gewesen. Doch jetzt, ein erstarrter Klumpen, was einmal Mensch gewesen war. Ein Schatten lag auf seiner Seele, nein er war ein Schatten geworden. Es gab ihn schon nicht mehr. Er wollte nicht mehr, konnte sich nicht mehr wehren gegen diesen immer dr├Ąngenderen Sog. Es w├Ąre so einfach. Das Chaos und Leid, was er hinterlassen w├╝rde war im mittlerweile egal geworden. Es war die letzte Schranke gewesen.

Mehrere Abschiedsbriefe lagen wartend in einem Umschlag. Immer wieder ging er an die Stelle wo er dem Zug entgegen, sich zerrei├čen lassen wollte. Den Fahrplan kannte er auswendig. Die Szene seines eigenen Todes lief immer wieder durch seinen Kopf, wanderte durch seinen Traum. Es war dunkel, keiner w├╝rde ihn sehen, selbst der Lokf├╝hrer erst im letzten Augenblick, kurz hinter einer leichten Biegung, wenn es kein zur├╝ck mehr geben w├╝rde. Die Geschwindigkeit an dieser Stelle war immer so hoch, dass er keine Chance haben w├╝rde zu ├╝berleben. Es war ein absolut sicherer Plan, todsicher. Alkohol w├╝rde ihm die letzte Hemmung nehmen.

Er sp├╝rte den dumpfen gewaltigen Schmerz des Aufpralls, h├Ârte den st├Âhnenden Seufzer seiner Seele, f├╝hlte wie der Atem aus ihm wich, sah seine blutigen, zerri├čennen Gliedma├čen und Eingeweide ├╝ber den Bahndamm verteilt. Die Knochen in unnat├╝rlichem Winkel gebeugt. Kreischende Bremsen. H├Ârte die Schreie der Menschen die ihn liebten, ihr Warum, wenn er nicht mehr war. Und das alles war gut so. Ja, es gab keinen Grund zu bleiben. Als er sich sicher war, dass nichts schiefgehen konnte, war er ganz ruhig, ganz still. Totale Stille.

Doch irgendetwas regte sich in dieser glatten Leere. Was? Warum? Die Gr├╝nde, die er so m├╝hsam aufs Papier gebracht hatte, sie machten ihn unzufrieden. Es erfasste noch nicht genau das, was war oder eher das was nicht mehr war. Er seufzte. Also nochmal. Die Worte mu├čte er bezwingen. Zeitweise hatte er sie verloren, konnte nicht mehr sprechen. Hatte vergessen wie man spricht, waren bedeutungslos. Doch diese Worte mu├čten aufs Papier. Waren der Grund den er hinterlie├č. Ohne Grund kein Abschied.

W├╝tend kn├╝llte er es zusammen, schmi├č es gegen die Wand und schrie. Es gab keinen Grund. Die Worte waren leere H├╝lsen. F├╝hlte sich betrogen. Fluchend kam er zur├╝ck. Wieder war er drinnen. Er konnte nicht gehen. Erleichtert legte der Schatten sich um ihn. Ohne Licht konnte auch er nicht lange leben. Es war noch nicht so weit. Zeit zum Leben...er liebte wieder. Es w├╝rde st├Ąrker werden, forderte seinen Raum. Voller Sehnsucht wollte er. Wieder war er durch den Tunnel gesogen, geflogen, ins Licht gestellt. Das Leben selbst, ist in sich der Grund...

__________________
"Ich f├╝hle, also bin ich..."

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Lillia
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Deine Idee finde ich gut und deinen Text mag ich auch. Allerdings wuerde ich das Ganze etwas straffen, das Beschriebene in einen zeitlichen Rahmen draengen, um den Leser naeher ran zu bringen.
Den Protagonisten also zum Beispiel gleich zu Beginn an einen Tisch setzen (den grossen leeren Tisch, durch dessen Beschreibung du alles szenischer machen koenntest), ihm einen Stift in die Hand druecken und ihn schreiben lassen. Ihn dann ueber seine Gefuehle nachdenken lassen und schliesslich zum Schluss an den Worten verzweifeln lassen.

Das koennte Deiner Geschichte etwas mehr "Show, don't tell!" geben, denke ich.

Einige Stellen, die ich ueberarbeiten wuerde:

"Das Chaos und Leid, was er hinterlassen w├╝rde war im mittlerweile egal geworden. Es war die letzte Schranke gewesen."

- Das klingt so, als ob etwas Bestimmtes vorgefallen waere.
Warum hat er diese Schranke ueberwunden? Ich wuerde das beantworten oder die Schranke weglassen.

"Ein Schatten lag auf seiner Seele, nein er war ein Schatten geworden."

- ich mag dieses "Selbstunterbrechen" nicht in einer so langsamen Geschichte. Ich wuerde mich fuer einen der beiden Ausdruecke entscheiden.


"Immer wieder ging er an die Stelle wo er dem Zug entgegen, sich zerrei├čen lassen wollte."

-wo er dem Zug entgegen was? Springen, stuerzen, fallen?

"Aufpralls, h├Ârte den st├Âhnenden Seufzer seiner Seele, f├╝hlte wie der Atem aus ihm wich, sah seine blutigen, zerri├čennen Gliedma├čen und Eingeweide ├╝ber den Bahndamm verteilt. Die Knochen in unnat├╝rlichem Winkel gebeugt"

-Ich kenn mich da ja nicht so aus, aber malt man sich das tatsaechlich so eklig aus?? Ich nehme ja an, dass man diesen Teil lieber verdraengt und sich einfach einredet, dass alles ganz schnell geht und danach vorbei ist.

"Als er sich sicher war, dass nichts schiefgehen konnte, war er ganz ruhig, ganz still"

-Hat er vorher Geraeusche gemacht?

(("Doch irgendetwas regte sich in dieser glatten Leere. "
+++wunderschoener Satz, wie ich finde!))

"F├╝hlte sich betrogen."

-ER fuehlte sich betrogen.

"Fluchend kam er zur├╝ck. Wieder war er drinnen"

- Wo war er denn? Wahrscheinlich bei 'der Stelle', doch das kommt nicht richtig rueber. Ich wuerde ihn einfach da sitzen lassen und ihn die Strecke zu der Stelle, die er ja schon so oft gegangen ist, einfach nur gedanklich nochmal gehen lassen.

Die letzten paar Zeilen erscheinen mir etwas schnell runtergeschrieben.

"Erleichtert legte der Schatten sich um ihn"

-Der Schatten ist erleichtert??

"Ohne Licht konnte auch er nicht lange leben"

-versteh ich nicht.

"er liebte wieder. "

-so ploetzlich!? Das geht mir zu schnell.

Ich wuerde das Warum seiner Mitmenschen noch etwas ausbauen. Er erkennt, dass er keine Antwort hat. Also haengt er jetzt im Leeren, der Tod ist keine Loesung mehr. Aber das Leben erscheint doch dann nicht automatisch strahlend hell, oder?

"Es w├╝rde st├Ąrker werden, forderte seinen Raum. Voller Sehnsucht wollte er."

-Was wird straeker, was will er? Wohl leben, aber das geht mir zu schnell.

"Wieder war er durch den Tunnel gesogen, geflogen, ins Licht gestellt"

-Wieso "wieder" ?

"Das Leben selbst, ist in sich der Grund... "

-Diese Aussage wuerde ich dem Leser nicht so hinklatschen. Vom tiefsten Schwarz ins strahlend Helle?


Ich glaube, dass viel in Deiner Idee drinsteckt und wuerde den Text gerne nochmal ueberarbeitet lesen.

Viele gute Gedanken wuenscht

-lilli-
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Ich brauche keine Bequemlichkeiten. Ich will Gott. Ich will Poesie und Freiheit und Tugend. Ich will S├╝nde.

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Lorenz
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Gr├╝├č Dich Lillia,

Danke Dir f├╝r Deine lange, ausf├╝hrliche Kritik. Ja, damit kann ich was anfangen. Ich muss gestehen, Du kennst meinen Text gerade besser als ich scheint mir. Es ist schon ewig her, dass ich ihn das letzte Mal ├╝berarbeitet habe. Ich stelle zur Zeit einige alte Texte ins Forum, weil ich Kritik haben m├Âchte und sie zum x-ten Mal ver├Ąndern will. Die meisten Deiner Ideen find ich gut. Ich werd ihn mir bei Gelegenheit mal vornehmen den "Grund". Aber die Zeit, ich hab da gerade eine Wettbewerbsgeschichte in Geburt, da kann ich gerade nicht st├Âren...oder doch?

Was hast Du da mit S├╝nde und Gott? Willst Du das n├Ąher erkl├Ąren?


Munterbleiben, weiterschreiben...buen camino...Lorenz
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Lillia
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Hallo Lorenz,

freut mich sehr, dass meine Vorschlaege Dir weiterhelfen koennen. Grade wenn ich einen Text lange nicht mehr gelesen und vor allem ueberarbeitet habe, also Abstand habe, kann ich ihn nochmal besser durchgehen als gleich nach der - wie Du sagst - Geburt.
Meistens schreibe ich einen Text, lass ihn dann eine Weile liegen, ueberarbeite ihn dann nochmal und lass ihn dann erst von jemandem anders lesen.

Meine Signatur ist ein Zitat aus Huxleys "Schoene neue Welt" und ich find den Satz einfach nur toll

Liebe Gruesse
-lilli-
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