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Leselupe.de > Humor und Satire
Es gibt doch WhatsApp
Eingestellt am 23. 10. 2017 22:35


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Maramareo
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2017

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Tochter Greta, 18 Jahre jung, unser viel gereister Schmetterling, ist auch in diesem Sommer nicht zu halten. Rucksack schnell gepackt, geht es nach Thailand und Bali mit Mutters guten Ratschl├Ągen im Gep├Ąck.
"Pass auf dich auf, mein Kind, sei offen, aber nicht zu vertrauensselig, und hallo, nicht wieder wild campen wie letztes Jahr in Australien!"
Mit einem L├Ącheln voll ironischer Ignoranz schenkt sie mir aus aquamarinblauen Augen diesen Rede-du-mal-Blick. "Ja, alles klar. Melde mich, bleib mal locker, gibt ja WhatsApp."

WahtsApp, die Beruhigung aller Eltern. Was w├Ąren wir nur ohne Handy und dieser genialen App?
Ja, es ist ein wahrer Segen, wenn die junge Brut ├╝ber Handy die Eltern an jedem Ungemach teilhaben l├Ąsst und so nervenschonend, dies fast live, aber ohne wirklichen Zugriff, mitzuerleben, wenn der Nachwuchs ohne Geld hungrig in der Fremde weilt, weil die Scheckkarte eingezogen wurde, der Schl├╝ssel vom Hostel unauffindbar ist oder mit tellergro├čen Spinnen gek├Ąmpft werden muss.

So vergehen Stunden bangen Wartens auf die erl├Âsende WhatsApp Nachricht, dass Greta gut gelandet ist.
Endlich erklingt dann das erl├Âsende "Pling" und in der Familiengruppe erscheint die Nachricht:"Gelandet und keine Unterkunft".

Wie, keine Unterkunft? Ist es dort nicht schon Nacht? ├ťberfl├╝ssig zu erw├Ąhnen, dass keine Antwort zu ersp├Ąhen ist. Greta ist wieder offline.
Sie selbst nimmt ihre Botschaft nicht so genau unter die Lupe und dann erscheint da gerne schon mal "keine" statt "reine", was zur Folge hat, dass ich hier sitze und auf Erl├Âsung warte.

Nach Tagen der Angst, man w├Ąhnte Tochter nachts in Reisfeldern schlafend, kommen dann endlich erl├Âsende Fotos von einem wundersch├Ânen Hostel mit herrlichem Innenhof voll bl├╝hender Bromelien.
Dem Handy, nein, WhatsApp sei dank. Was beschert es doch dem Nutzer herzergreifende Gl├╝cksmomente, die man direkt mit der gesamten Verwandtschaft, den Nachbarn, Freunden, dem Brieftr├Ąger, dem man schon unter Tr├Ąnen vom verlorenen Kind berichtet hatte, teilen muss.
So tr├Ągt man jetzt das Handy in freudiger Erwartung weiterer Endorphin steigernder Botschaften immer am Mann bzw. an der Frau.

Dann ert├Ânt wieder dieses wunderbare "Pling".
Greta: "Die Herbergsmutter hat Bekannten, jungen Mann. Zeigt mir seine W├╝rdigkeiten."
Ich: "Wie W├╝rdigkeiten??"
Greta: "Sehensw├╝rdigkeiten."
Ich: "Ist er Reisef├╝hrer?"
Greta: "Ne, wei├č nicht, kostet nix."
F├╝r Tochter Sparfuchs ist dies immer ein schlagendes Argument, f├╝r mich aber kein wirklich beruhigendes.
Ich: "Aber du kennst ihn doch nicht."
Greta: "Aber Herbergsmutter."
Ich: "Ich kenne diese Frau aber nicht."
Greta: "Die ist in Ordnung, bleib mal locker!"
Ich : "Aber du kennst den Mann doch nicht!"
Greta: "Ne, aber morgen. Nimmt mich auf Roller mit."
Ich: "Auf einem Roller??"
Greta: "Tsch├╝ss, Akku leer."

Beim T├Âchterchen ist grunds├Ątzlich der Akku leer, wenn sie die Diskussion f├╝r beendet erachtet.
Da bietet WhatsApp auch wieder ganz klare Pluspunkte, zumindest f├╝r meine Tochter.
Ich falle dann dank der au├čerordentlich beruhigenden Wirkung von WhatsApp in aufreibende Tr├Ąume von woll├╝stigen Balinesen, die wie Springteufel aus Reisfeldern h├╝pfen.

Es ist um die Mittagszeit und langsam fragt man sich, wie es Greta auf Bali wohl ergeht. "Pling" macht es, als k├Ânne WahtsApp sogar Gedanken lesen. Freudig erregt starre ich auf das Display.

Greta: "Haben uns gemault, bin auf Anschluss gefallen."
Ich: "Gemault? Hast du Streit? Ich habe dich gewarnt vor diesem L├╝stling."
Greta: "Nein, gemault, Mutter. Haben uns mit Roller aufs "Maul" gelegt."
Ich: "Und auf einen Stromanschluss gefallen? Mein Gott, hast du jetzt Verbrennungen? Ach, da ist ja auch nichts T├ťV gepr├╝ft, f├╝rchterliches Land. Bist du im Krankenhaus?"
Greta: "??? Verbrennungen? Krankenhaus? Strom?"
Ich : "Hast du geschrieben!!! Auf Anschluss gefallen!"
Greta: "Nein,auf den Arsch, mein Handy schreibt stattdessen immer Anschluss, Dirty Words Sperre"
Ich: "Ach, aufs Stei├čbein gefallen."
Greta: "Oder soÔÇŽ"
Ich: "Du bist doch wohl nicht schwerer verletzt? Habe doch gesagt, sollst auf dich aufpassen! Was war mit diesem fremden Typen?"
Greta: "Alles easy, chill mal, Akku leer"

Das Handy, die einzige, tr├Âstliche Verbindung zu Greta, klebt wie ein zus├Ątzliches K├Ârperteil an meinen, schwei├čnassen H├Ąnden. Es wird mein st├Ąndiger Begleiter auf dem WC, nachts im Ehebett unter genervtem St├Âhnen des G├Âttergatten, beim Zahnarzt im Behandlungsstuhl , in einem Zipperbeutel gesch├╝tzt unter der Dusche oder w├Ąhrend meines Referates ├╝ber Achille an der Uni.

Ich darf einfach keines der wunderbaren Bilder vers├Ąumen:
Greta mit dick verbundenen Knien auf einem rostigem Roller,
Greta mit dunkelrotem Sonnenbrand und Brandblasen im sommersprossigen Gesicht,
Greta mit drei, frech grinsenden Balinesen, Eis leckend,
Greta in dunklem Gew├Ąsser im Urwaldgestr├╝pp und merkw├╝rdig roten Pusteln am R├╝cken,
und Greta am Stra├čenrand vor einer gammeligen Gark├╝che hockend.

Diese zutiefst beruhigenden Bilder verfehlen ihre Wirkung nicht, ich muss sie immer wieder betrachten und lasse mich mit Schnappatmung auf die heimische Couch sinken.

EndlichÔÇŽ, endlich wieder ein befreiendes "Pling" und dann erscheint dieses einmalig sch├Âne Foto von Greta am D├╝sseldorfer Flughafen, in Good Old Germany gelandet, ein wirklicher Gl├╝cksmoment.

Meine WhatsApp Nachrichten kommen zur Zeit aus einem sehr netten Sanatorium. Ich trage ein wei├čes Bindej├Ąckchen, irgendwie unpraktisch auf dem R├╝cken gebunden und bediene mein Handy mit den Zehen.
"Pst, verratet mich nicht. Darf kein Handy. Kann aber nicht mehr ohne WhatsApp, werde sonst wahnsinnig."




__________________
...ein liebevolles Herz steht selten vor verschlossener T├╝r

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Rumpelsstilzchen
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Alberta
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PLING.
Eine Nachricht an @Maramareo: Cooler Text!
Sucht durchaus nachvollziehbar, wenn Kind vorhanden, das reist. Mitgelitten. Fotografiere Essen. Mache Selfies unter der Dusche. W├Ąhrenddessen Instagram, Facebook, WhatsApp, Skypen, Bloggen, Mailen ... Gott, is` mir laaaangweilich!

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