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Leselupe.de > Gereimtes
Es ist alles super eitel oder: Gryphie goes Anathema.
Eingestellt am 27. 02. 2005 11:40


Autor
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San Martin
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Das Menschen-leben ist eyn Lidschlag in der Zeith
Je fester unser Griff / so schneller wird's entschwinden.
Wir sind nur Schattenspihl / die Tr├Ąume eynes Blinden /
eyn schwaches Kertzenlicht in der Unendlichkeith

Es bl├╝hn uns au├čer Schmertz nur Noth vnd grimmes Leyd
anstatt Unsterblichkeidt solln wir nur Elend finden
Was nutzt es darob dann / sich leblang hart zu schinden /
h├Ąlt uns der Knochenmann das Todtenkleid bereit?

Das Aug, das itzund blitzt / ist bald eyn Fra├č der Raben
Wer itzund sie verscheucht / wird sie am Ende laben /
Di├č ist das Urgesetz vnd immerw├Ąhrnde Regel

Es ist eyn Narr / wer denckt / er sey in seynem Boot
allzeit der Steuermann / das Ruder h├Ąlt der Tod.
Eyn kalter Wind kommt auff / vnd bl├Ąht die bleichen Segel.

***

Anmerkung: das obige Sonett basiert auf dem Lied "Shroud of False" ( Hier klicken) der Musikgruppe Anathema. Es wird die Bombastform und die verhunzte Orthographie des Andreas Gryphius parodiert. Ansonsten: Vanitas! Vanitatum Vanitas!

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"I still can remember the way that you smiled on the fifth day of May in the drizzling rain."

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Sandra
Guest
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Hallo San Martin

Beeindruckend, auch ohne erkl├Ąrende Anmerkung hat mich dein Gedicht sehr schnell in seinen Bann gezogen.
Teils am Rande des "Richtig" (itz= das veraltete jetzt), dann konsequent, regelm├Ą├čig falsch, wobei jedoch durch die falsche Rechtschreibung das Auge (wie bei vnd) oder die Betonung (wie bei Unendlichkeith) auf eine sch├Âne Art hervorgehoben u. ├╝berzeichnet wird.

Das Sonett vom Inhalt - sehr gelungen (ich konnte den Zeilen einiges abgewinnen und sehe das Gedicht nicht unbedingt in Humor) - stolperte ich jedoch ├╝ber eine Silbe hier:

sich leblang hart zu schinden /

Lies es mal ohne, es liest sich fl├╝ssiger.

Kleinigkeit: Steuermann statt Steuersmann??

Sehr gelungen und gerne gelesen!!
LG
Sandra

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Vera-Lena
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Hallo San Martin,

das klingt f├╝r mich inhaltlich dann doch eher philosophisch, und die ├╝bernommene Sprache des Gryphius wirkt auf mich nicht irgendwie komisch.

Das "hart" muss f├╝r mein Gef├╝hl drin bleiben, damit die 12 Silben stimmen.

(Hier klicken) funktioniert leider nicht, deshalb kann ich mir das Original nicht anschauen.

Es wirkt auf mich gar nicht wie eine Parodie, deshalb bin ich jetzt ein wenig ratlos.

Es gef├Ąllt mir gut, so wie es da steht.

Liebe Gr├╝├če von Vera-Lena




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Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Vera-Lena
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Hallo San Martin,

jetzt habe ich den urspr├╝nglichen Text gefunden:"Es ist alles eitel" von Gryphius.

Ich finde Du hast das gut nachempfunden, wenn das jetzt Dein Werk ist, und Du f├╝r die genannte Gruppe diesen Text geschrieben hast.

Alle Achtung!
Vera-Lena
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MarenS
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...gut gemacht...sch├Ân ├╝berspitzt. Ein sch├Ânes Sonett, ziemlich klassisch.

Das "hart" ist zwingend notwendig...sonst stimmt die Silbenzahl nicht...und es spricht sich mit "Loch"!

Durchaus sehr erfreulich....l├Ąchel

Gr├╝├če von MarenS

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San Martin
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Huch, ich bin offiziell ├╝berrascht von diesem Zuspruch. Hei├čt das Forum "Humor und Satire", weil auch die Kommentare satirisch gemeint sind? ;) Erst einmal danke f├╝r die lieben Kommentare; damit h├Ątte ich ├╝berhaupt nicht gerechnet. Schlie├člich ist das Sonett eine Parodie auf Gryphius' Zentnerw├Ârter und seine Vanitas-Gedanken.

@Sandra: Das "hart" ist in der Tat unerl├Ąsslich f├╝r den Alexandriner, und Gryphie, der alte Formfanatiker, h├Ątte nicht die Form verletzt, wenn nicht unbedingt n├Âtig UND aus tieferen Motiven beabsichtigt. ;)
Das "Steuersmann" war wohl ├╝bertrieben. Ich werde es nach deinem Vorschlag ersetzen, danke.

@Vera-Lena: Wir haben uns missverstanden. Zur Entstehungsgeschichte, etwas weiter ausgeholt: Hier ( Hier klicken, "Shroud of False" ) findet sich der Text des Liedes, das mich schon immer an Gryphius erinnert hat. Und da es noch dazu das (pianolastige, wundersch├Âne) Intro zum Lieblingsalbum meiner Lieblingsmetalband (Anathema) ist (f├╝r die ich gern Texte schreiben w├╝rde, aber es nat├╝rlich nie getan habe ;)), habe ich es in einem deutschen Gedicht verarbeitet, das ich inzwischen auf der Leselupe ver├Âffentlicht habe:

Hier klicken

U.a. dadurch bekam ich die Idee, ein Gryphiussonett zu schreiben, welches so klingt, als w├Ąre Gryphie ein Anathema-Fan gewesen. :)
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Vera-Lena
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Hallo San Martin,

danke f├╝r die Aufkl├Ąrung! Nun bin ich voll im Bilde.

Dir einen sch├Ânen Tag!
Liebe Gr├╝├če von Vera-Lena


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