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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Es ist etwas im Busch
Eingestellt am 27. 06. 2007 14:06


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heike von glockenklang
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Es ist etwas im Busch

Gestern war ich ├╝berreizt und nerv├Âs drauf, das bedeutet bei mir meistens, es ist was unterschwellig im Busch. Tja, und ... im Busch stand eine Friseurin ... spontan lie├č ich mir eine neue Frisur schneiden (jetzt modisch frech gestuft, und Gold gestr├Ąhnt). Das ist stimmig mit dem, wie ich im Moment so manchem in meinem Leben einen neuen Zuschnitt gebe.
Ein nicht unwesentlicher Ausl├Âser war folgende Erfahrung:

So fragte ich mich gestern pl├Âtzlich, warum ich meiner Schwester von meinen sch├Ânsten Klamotten gebe, nur weil sie sich beschwert, dass sie wieder Mal zugenommen hat, und ihr nichts, aber auch absolut nichts mehr passt.
Vor etlichen Wochen hatte ich wieder Mal eines dieser ber├╝hmt - ber├╝chtigten Telefonate mit meiner Lieblingsschwester. Sie ist wirklich meine Lieblingsschwester, ihre Ehrlichkeit, ihre Geradlinigkeit, ja und auch ihre Herzlichkeit bedeuten mir viel. Wenn sie nicht die benannte klitze kleine menschliche Schw├Ąche am Telefon ausleben w├╝rde, h├Ątte sie gar keine Berechtigung, auf Erden zu sein, vermutlich w├╝rde sie dann als Posaunenengel auf einer Wolke residieren.
Oh die Arme, dachte ich, bedr├╝ckt von ihrer Misere. Umgehend eilte ich schnell an meinen Kleiderschrank und gab ihr mein Pfiffige, sogar dreiteilige Jeansstyle Glitzerkombination und dazu auch noch die passende hellgr├╝ne Bluse. Ich schenkte ihr zu dem eine meiner damals sehr teuren blauen Jeans, schaute meine T-shirts durch, suchte ihr davon einige aus, und gab ihr meinen neuesten Schlafanzug dazu. Nach einer Stunde Durchw├╝hlen meiner Zimmer und Schr├Ąnke hatte ich einen gro├čen Kleidersack voller guter, modischer Kleidungsst├╝cke zusammen gepackt. Umgehend rief ich sie an, sie solle f├╝r uns einen Kaffee zubereiten, ich k├Ąme mit einer ├ťberraschung. Freudig fuhr ich mit meinem Auto ├╝ber die Autobahn in weniger als f├╝nfundvierzig Minuten. Meistens brauchte ich f├╝r den Weg zu Dorles Wohnung deutlich l├Ąnger. Dorle war sehr dankbar und gl├╝cklich ├╝ber den Lazarussack, sie betonte wieder, wie dick ihr Busen und ihr Hintern sei. Zur Zeit wolle und k├Ânne sie aber nichts kaufen. Dorle nahm den Sack, stellte ihn in die Ecke. Ich bedauerte es sehr, da sie keine Lust empfand, auch nur ein Teil daraus anzuprobieren, obwohl ich mir das w├╝nschte.
Inzwischen waren nach unserem Treffen zwei Wochen vergangen, als Dorle mich wieder einmal anrief und mir ihr Leid klagte. Diesmal war sie frustriert, weil sie keine Ordnung in ihrer Wohnung schaffte, weil sie seit Wochen nicht mehr in ihrem Bett schlafen konnte, da dies ja mit geschenkten und von ihr selbst ausrangierten Klamotten haushoch ├╝berladen sei. Auch sei sie noch nicht dazu gekommen, die Kleider, die ich ihr gebracht hatte, anzuprobieren und in den Schrank zu h├Ąngen. Sie habe ja keinen Platz daf├╝r. Arbeit habe sie auch noch immer nicht gefunden. Sie w├╝sste nicht, wovon sie demn├Ąchst leben sollte. Ihr Gespartes vom Hausverkauf sei bald aufgebraucht. Ich sprach eingehend mit ihr, obwohl mich dieses Gejammer schon lange nervte, schlie├člich wusste ich ja, dass Dorle eine starke Pers├Ânlichkeit besa├č und nahezu alles, was ihr wichtig war, in den Griff bekam. Ich ├╝berlegte, gab ihr Tipps, wie sie ihren Haushalt einfacher und besser organisieren konnte, motivierte sie und war bem├╝ht, ihre Zukunfts├Ąngste zu mildern. Gespr├Ąche dieser Art dauerten in der Regel entschieden l├Ąnger als zwei Stunden. Nach jedem solcher Gespr├Ąche war ich fix und fertig. Mir war schon seit einiger Zeit klar, dass ich mit meinen eigenen Kr├Ąften vorsichtiger haushalten musste. Schlie├člich war das Bornout-Syndrom vor drei Jahren ja nicht ohne eigene Hintergr├╝nde passiert. Wenn ich mit den N├Âten meiner Liebsten konfrontiert wurde, fiel es mir aber ├Ąu├čerst schwer, konsequent zu sein. Hm, irgendetwas musste geschehen, damit ich selbst endlich vern├╝nftig wurde, um meine eigenen Grenzen zu akzeptieren.
Gestern rief sie, Dorle, mich wieder an und erz├Ąhlte mir, dass sie f├╝r ihren kranken Hund mehr als 3000 Euro ausgegeben hat. Bedauernd sagte ich, dass ich soviel Geld f├╝r meinen kleinen Zwegpudel nicht er├╝brigen k├Ânne. Danach erz├Ąhlte sie mir, dass sie in den acht Wochen nach unserem Treffen noch keine Zeit hatte, meine Kleider in ihren Schrank zu r├Ąumen. Alles l├Ąge immer noch auf dem Bett, weil ihr Kleiderschrank so voll w├Ąre, dass nichts mehr hinein passte.

Tolle Wurst!
Man sagte mir schon immer, Gro├čmut, Herzensw├Ąrme und Menschlichkeit als gro├če Tugenden nach, diese waren mir auch wichtig, aber jetzt hatte ich die Faxen dicke. Warum nur lie├č ich mich von jammernden Leuten so beeinflussen?
Was geschieht mit mir, wenn mir jemand sein Leid klagt? Ist es sinnvoll, vermeintliche L├Âcher zu stopfen oder sollte ich lernen, zu den vermeintlichen L├Âchern neue Perspektiven zu finden? Kann man das Leid anderer mildern, indem man ihnen eine neue imagin├Ąre Brille anbietet? Eines wurde mir durch diese beispielhafte Erfahrung klar, ich w├╝rde mich fortan an meinen eigenen Grenzen orientieren.
Innerhalb dieser besagten acht Wochen habe ich stolze zehn Kilo abgenommen. Seit zwei Jahren bekomme ich eine kleine miese Rente, mit der ich mein Auto(chen) abstottere. Also bleibt kein Geld f├╝r neue Klamotten ├╝brig. Das einzige, was ich mir neulich leisten konnte, waren ein paar Jeans bei Aldi, das St├╝ck f├╝r knapp zehn Euro, sowie eine Dreierpackung T-shirts f├╝r acht Euro. Ich trage alles mittlerweile ohne dass meine Psyche gr├Â├čeren Schaden genommen hat. Fr├╝her kosteten meine Hosen das F├╝nfzehnfache. In letzter Zeit habe ich ├╝ber vieles nachgedacht, wobei ich zu der Erkenntnis kam, dass ich mich dem Konsumrausch entsage. Dieses kaum zu Ende gedacht, war ich auch schon dabei, mich von un├Âtigem Kram zu trennen. Im Laufe der Jahre hatte ich viele teure und wertvolle Dinge angeschafft, mit denen ich mir, f├╝r leider nur kurze Zeit, ein euphorisches Gl├╝cksgef├╝hl erkauft hatte. Nun waren inzwischen mein Haus, sowie s├Ąmtliche Schr├Ąnke v├Âllig ├╝berladen. Ich f├╝hlte mich nur noch erdr├╝ckt, wodurch ich erkennen musste, dass ich jahrelang den falschen G├Âttern geglaubt hatte. Ich war fest entschlossen, meine Suche nach Gl├╝ck und Zufriedenheit an anderen Werten festzumachen.
Kaum hatte ich den einen Entschluss gefasst, plagten mich schon neue Fragen. Wie: bin ich auf dem richtigen Weg? Ist es eine Schande(Komma) sich nicht mehr vom Konsumrausch regieren zu lassen? Wenn ich nun nicht mehr den teuren Wein kredenze, den ich mir f├╝r mich allein selbst sowieso nie geg├Ânnt hatte? Wenn ich statt der teuren Geschenke ein selbst gemaltes Bild oder eine andere Handarbeit verschenke? Wenn alle ├äu├čerlichkeiten in allem nun schlichter ausfallen? Kann ich damit leben wenn Freunde, Bekannte, Nachbarn mich nicht mehr ganz verstehen, wenn sie sich vielleicht irritiert zur├╝ckziehen ?
Was kommt dann wenn alte Regeln gebrochen sind?

Heike Keuper ÔÇôG├Âbel 26.06.07



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Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, k├╝hle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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H Keuper-g /13.07.06

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