Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92269
Momentan online:
305 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Es war einmal
Eingestellt am 05. 10. 2003 11:48


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Talarmar
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2003

Werke: 88
Kommentare: 345
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es war einmal

Es war einmal vor vielen, sehr vielen Tagen,
die Wiesen waren satt und grĂŒn die WĂ€lder.
Ein Fischer wollte seinen Fang zu Markte tragen.
Am Fluss vorbei und er sah prall gefĂŒllte Felder.
Er sah die BĂ€ume mit FrĂŒchten voll gehangen.
Auch schaute er Herden mit wohl genÀhrtem Vieh.
Nachdem er eine Weile stramm gegangen,
erblickte er ein Kind, welches herzzerreißend schrie.

Ein MĂ€dchen war’s, es schrie zum Steinerweichen.
Es blickte ganz starr dabei auf einen großen Baum.
In seinen Ästen hingen ein paar dutzend Leichen.
Der Fischer schluckte, er glaubte sein Sehen kaum.
Urplötzlich verdunkelte sich da der Himmel.
Drei schwarze Vögel flatterten hoch aus dem GeÀst.
Den Weg her kam ein Reiter, auf einem Schimmel.
Der Fischer sah die Sense und roch die schwarze Pest.

Vor Grauen starr konnte er jetzt nicht mehr weichen.
Es wendete sich zu ihm jetzt noch das kleine Kind.
Voraus Gevatter Tod und hinter ihm die Leichen
und jetzt erkannte er, das MĂ€dchen es war blind.
Voll Schrecken sah er in ihre leeren Augenhöhlen.
Die Leichen schaukelten behÀbig knarrend im GeÀst.
Von vorne hörte er ein furcht erregendes Grölen.
Da entdeckte er hoch im Baum ein gĂŒldenes Nest.

Daraus schwang sich auf, der schönste aller Greifen.
Er stieß pfeilschnell herab, ergriff das blinde Kind.
Die Luft sie war erfĂŒllt von seinem schrillen Pfeifen.
So wie die alten Greifen schon mal am Pfeifen sind.
Der schwarze Reiter straffte die ZĂŒgel und hielt inne.
Aus seinem weiten Umhang zuckte ein Feuerstrahl.
Dem Fischer schwanden vor Grauen fast die Sinne.
Der schöne Greif er trudelte ab und war einmal.

Das Kind, es stĂŒrzt hoch von oben in die Fische.
Herringsköpfe glotzten aus dem blinden MÀdel.
Die Leichen schaukelten weiterhin in alter Frische,
aus dem Astwerk grinsten noch immer ihre SchÀdel.
Der Schwarze gab der weißen MĂ€hre jetzt die ZĂŒgel
und nÀherte sich dem starren Fischer mit Gemach.
Da hörte er ĂŒber sich das Rauschen großer FlĂŒgel,
vom Greifenweibchen, welches durch die BlÀtter brach.

Voller Hass stĂŒrzte es sich auf den schwarzen Reiter.
Ein wilder Kampf entbrannte vor ihm auf dem Weg.
Es war nicht auszumachen wer der bessere Streiter,
doch den Tod zu greifen ist schon ein arges Sakrileg.
Nichts mehr wissen wollte er von Toten, Greifen, Reiter.
Der Fischer floh und schiss sich ein vor Angst und Qual
und wenn er nicht gestorben ist, so lebte er noch weiter.
Ach ja das Kind, auf seinem Grabe stand - Es war einmal.

©RT


__________________
"Die historische Wahrheit ist ein MÀdchen, das man vergewaltigen kann, Hauptsache man macht ihr schöne Kinder" Alexandre Dumas

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 73
Kommentare: 552
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Marcus Richter eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Talamar,
wieder mal klasse. Erinnert mich irgendwie an AlptrÀume eines gewissen Herrn Poe. Also lass die Finger von den Drogen.

Ok, je mehr ich von deinen Gedichten lese, desto mehr verspĂŒhre ich ein Konzept darin. Oft(oder immer?) wird die logische Auflösung am Schluss durch einen ironischen Spruch, eine Verallgemeinerung oder ein sehr bekanntes Klischee ersetzt. Ich finds interessant aber nicht immer hilfreich, wenn du der "Moral der Geschichte" abschwörst. Deshalb auch immer dieser Traumcharakter.

Wenn ich es mal auf ungewöhnliche Art formulieren darf: du verkaufst im Bauchladen deiner Gedichte Ideen. Das war mir ja schon beim letzten Gedicht aufgefallen. Man hat das GefĂŒhl, daß du dich hinsetzt, klasse Ideen entwickelst, sie aber offen lĂ€ĂŸt, so daß jeder aufmerksame und halbwegs begabte Leser das GefĂŒhl hat, die Geschichte wĂ€re noch nicht zu ende geschrieben.

Mhm, wenn ich darĂŒber nachdenke, gefĂ€llt mir das, auch wenn ich nicht weiß, ob es so ist. Vielleicht darf ich ja mal eins deiner Gedicht als Vorlage fĂŒr eine Horrorgeschichte nutzen. Könnte ganz interessant sein, das Gedicht vorweg zu setzen, als eine Art Zitat.

Naja, kommt Zeit, kommt Rat - aber erstmal Zeit.

Gruss, Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs GrĂŒnbein

Bearbeiten/Löschen    


Talarmar
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2003

Werke: 88
Kommentare: 345
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Hallo Marcus,

"Allohol und Nikotin rafft die halbe Menschheit hin,
ohne Allohol und Rauch stirbt die andere HĂ€lfte auch."

Einem gewissen Mr. E. A. Poe,
dem ging es bestimmt ebenso.
Eines hab ich ihm aber voraus,
mit 40 ging die Luft ihm aus.

wenn AlptrĂ€ume so wĂ€ren, dann wĂŒrde ich noch ein paar
in Kauf nehmen. Stimmt, bei vielen meiner StĂŒcke versuche
ich ein hinterfotziges Ende hinzukriegen, was mir ab und an,
glaube ich, auch gelingt. Geschichten die erst mit der letzten
Zeile bitter aufstoßen, oder eine Ohrfeige verteilen, sind mir
die Liebsten.
Mach ruhig mal was in der Art mit davor setzen.
Mein OK hast Du, wenn’s keine Heiligengeschichte wird.
Aber das kann ich mir bei Dir auch kaum Vorstellen

Danke fĂŒr Dein Lob
Einen netten Sonntag noch,
Talarmar


__________________
"Die historische Wahrheit ist ein MÀdchen, das man vergewaltigen kann, Hauptsache man macht ihr schöne Kinder" Alexandre Dumas

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!