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Leselupe.de > Humor und Satire
Esoderrick
Eingestellt am 11. 05. 2002 16:50


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Christian Savoy
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 3
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Der Bauer war tot, mausetot sogar. Inspektor Erik Deso, genannt Esoderrick, starrte auf den gekrĂŒmmten Leichnam, der am Fuße der langen Wendeltreppe in unnatĂŒrlich verkrĂŒmmter Haltung lag, die Beine angewinkelt, den Kopf lose am Nacken hĂ€ngend, als habe man ihn wie bei einer Puppe verdreht. Seine HĂ€nde waren zu FĂ€usten geballt, stummer Zorn ĂŒber ein abscheuliches Verbrechen, dessen Opfer dieser Sohn der Scholle im zarten Alter von dreiundsechzig Jahren geworden war.
Der Inspektor schĂŒttelte das faltige Haupt und griff nach dem unvermeidlichen Kaugummi, dem Markenzeichen des erfahrenen Beamten, der einen freilich aussichtslosen Kampf gegen des Inspektors ĂŒblen Mundgeruch ausfocht, der von dessen Vorliebe fĂŒr Limonade und Ablehnung gegenĂŒber ZahnĂ€rzten herrĂŒhrte.
„Ist er so gefunden worden?“
„Ja, Inspektor. Wir haben nichts verĂ€ndert. Die einzige Spur ist der Abdruck auf dem Allerwertesten des Opfers“, antwortete der junge Kripobeamte neben dem Inspektor.
Dieser beugte sich ĂŒber die Leiche, ein spöttisches Grinsen umspielte seine Lippen. Mit festem Griff öffnete er die Faust des Toten und zog ein langes, schwarzes Haar hervor.
„Und was ist damit?“, fragte er herausfordernd und hielt seinem Assistenten das Haar hin, sodaß der junge Ermittler errötete.
„Ich lasse es sofort untersuchen“, murmelte er verschĂ€mt, steckte das Haar in einen Plastikbeutel und verließ den Raum. Inspektor Esoderrick, dem selbst das Außergewöhnliche und Phantastische nur ein mĂŒdes, spöttisches LĂ€cheln abzuringen imstande war, ließ den geschulten Blick durch das dunkle Eingangszimmer des Landhauses gleiten, ehe er blinzelnd durch die TĂŒr ins Sonnenlicht trat, das die blĂŒhenden Maisfelder in eine goldene Flut tauchte, wĂ€hrend sich das Korn sanft im Winde beugte und in der Ferne friedlich Schafe weideten. Der Inspektor ging zum einem abgeblĂ€tterten Holzzaun am Rand eines kleinen WĂ€ldchens, weitab vom Gehöft, aus dessen Schornstein Rauch drang, das der Bauer aber niemals wieder betreten wĂŒrde.
Es war ein wundervoller SpĂ€tsommertag, und der Inspektor trat auf einen alten Mann in einem Rollstuhl zu, der von einer jungen Krankenschwester geschoben wurde. Sofort fielen dem Polizisten sowohl der verbitterte Gesichtsausdruck des GelĂ€hmten, als auch die außergewöhnliche Schönheit der asiatischen Frau auf, ein seltsames Paar, das auf geheimnisvolle Weise in den Mordfall verstrickt zu sein schien. Ein wenig abseits graste eine Kuh und warf gelegentlich einen gelangweilten Blick in Richtung der Menschen. Sie trug ein Schild mit der Aufschrift „Miss Berta“ um den Hals, eine Marotte des Verblichenen, der allen Tieren seines Hofes Namen gegeben hatte.
„Ihnen gehört ja wohl das Haus, in dem die Leiche gefunden wurde, was?“, begann der Inspektor auf unnachahmlich subtile Weise seine Ermittlungen.
„Hm, jaja, ist wohl so“, krĂ€chzte der Alte mit dem schĂŒtteren Haar. „Obwohl der Grund dem Landmann gehörte, und ich hier nur die Sommerwochenenden verbringe, jaja, so war das!“
Der Inspektor musterte die Krankenschwester, deren langes, schwarzes Haar sanft ĂŒber die Schultern fiel, deren Blick aber kalt und voller Haß war, sodaß dem Inspektor trotz der hohen Temperaturen schauderte.
„Und wer ist Ihre Miss Saigon hier?“, erkundigte er sich, aufreizend kauend, wĂ€hrend sie die hohe Stirn in mißbilligende Falten legte.
„Lai Li Lu?“ Der alte Hauptmann im Ruhestand hustete, weißen Auswurf ausstoßend.
„Ich habe sie mitgenommen, als ich aus China zurĂŒckkam. Ich habe sie gerettet, als sie von einem weißen Tiger angefallen wurde, und nun pflegt sie mich aus Dankbarkeit. Spekuliert wohl auch auf mein Vermögen, das Biest! Versteht kein Deutsch, aber wirft mit Deutschmark um sich, daß es ein VergnĂŒgen ist. Genau wie dieser Bauer, der ebenfalls hinter meinem Geld her war! Alle sind sie das, Aasgeier allesamt!“
Der alte Offizier hatte sich in Rage geredet. Lai Li Lu legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter, ohne die tiefgrĂŒndigen Augen vom Inspektor zu nehmen.
In des Beamten Kopf wirbelten die Gedanken, das Mal am Po des Opfers, das wie ein Hufabdruck aussah, der Bauer, der genau wie die Asiatin hinter dem Reichtum des Hauptmanns her war, mit dem Unterschied, daß der Landmann tot, die Chinesin aber sehr lebendig war, und plötzlich gab es im Gehirn des Kripobeamten jenes verrĂ€terische „Klick“, das bereits so viele Verbecher hinter Schloß und Riegel gebracht hatte.
„Ziehen Sie sich aus!“, sprach er mit ruhiger Stimme zu Lai Li Lu, die ihn zornig anfunkelte, ohne zu reagieren, wĂ€hrend der Hauptmann Esoderrick erstaunt ansah.
„Was erlauben Sie sich...“
„Luft anhalten, Tattergreis, vielleicht brauchen Sie sie noch“, antwortete der Inspektor schmatzend. „Und Sie spielen hier nicht FrĂ€ulein-ich-versteh-Sie-nicht, sondern ziehen sich sofort die Schuhe aus!“
„Tu, was der Mann sagt. Aber ich werde mich beschweren!“, keuchte der Alte und hob drohend den Arm, was Erik Deso aber ignorierte.
Langsam steifte sich die schöne Chinesin den Schuh vom Fuß, und triumphierend wies der Inspektor, der nicht umsonst als bester Mann von Interpol galt, auf den Klumpfuß, der zum Vorschein kam.
„Ha! Ich wußte, daß in China KlumpfĂŒĂŸe als schön gelten! Und eine solche Schönheit wie Sie hat dann ja wohl auch die klumpigsten FĂŒĂŸe im ganzen Reich der Mitte, ist es nicht so? Sie haben um Ihr Erbe gefĂŒrchtet, denn der senile alte Greis hĂ€tte sein Testament jederzeit zugunsten des Bauern Ă€ndern können, war es nicht so? Also haben Sie ihn mit dem, zugegeben verlockenden, Angebot von Sex ins Haus gelockt, sich ausgezogen“, hier hielt der Inspektor einen Moment inne, um sich die Szene vor Augen zu halten, „und ihn dann mit einem Fußtritt ĂŒber die Treppe befördert, wobei sich der Farmer das Genick gebrochen hat! Daher auch der Abtritt wie von einem Huf! Ja, Lai Li Lu, Sie waren das Lai Li Luder!“ Und schon zog der Inspektor die Handschellen hervor, um sie der Asiatin anzulegen, da kam, hĂ€nderingend und in raschem Lauf, sein Assistent herbeigestĂŒrzt.
„Inspektor! Das Haar...“
„Hier ist der Kopf, zu dem es paßt!“, rief Erik Deso und wies auf die ĂŒberfĂŒhrte Mörderin.
„Nein, Chef, es ist ein Haar von einem Kuhschweif!“ und langsam wandten sich die Köpfe der Menschen zu Miss Berta, die aus großen, braunen Augen die Blicke erwiderte.

Der Hahn saß auf dem Misthaufen und sah zu, wie Miss Berta nach kurzer Verfolgungsjagd von Erik Deso, dem besten Lassowerfer und Rodeoreiter bei Interpol, gefaßt und weggebracht wurde. KopfschĂŒttelnd wandte sich der Gockel zu Hanni der Henne und strĂ€ubte seinen Kamm.
„Ich habe immer gewußt, daß es mit Miss Berta ein böses Ende nehmen wĂŒrde, ja, das habe ich. Du weißt ja, wie ich immer sage“, krĂ€hte er aufgeregt, „wie ich schon seit Jahren sage: Ist der Kuh das Hirn zerronnen, hat sie BSE bekommen!“
„Und wenn die Kuh sich nicht mehr spĂŒrt, ist sie lang schon infiziert!“, gackerte Hanni und wandte sich wieder den Körnern zu, die auf dem Boden verstreut lagen.


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Michael Schmidt
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Da hast du ja einfach alles auf das Korn genommen. Aber mĂŒsste es nicht Kripo statt Interpol heißen? Und wie verstĂ€ndigt sich der Rollstuhlfahrer mit seiner Chinesin? Mit der Hand?
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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