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Leselupe.de > Kurzprosa
Essay: Genrationskonlikt
Eingestellt am 23. 03. 2002 13:11


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Anamida
???
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Das unverstandene Kind

Marie erwachte aus einem scheinbar traumlosen Schlaf, 7:00 Uhr. Zeit den allt├Ąglichen Verpflichtungen nachzukommen. Erst sechs Stunden bedingungslose Aufmerksamkeit, sozialisiert und
f├╝gsam f├╝rs Leben lernen und dann wie ein erfahrener Mensch das Leben meistern m├╝ssen.
Doch darin lag das Problem, das keiner wahrhaben wollte. Marie konnte nicht erst unschuldig sein und danach diese Unschuld ablegen, nur weil die nicht mehr Unschuldigen vergessen, dass man auch einmal ein Recht auf Unschuldigkeit hatte. Oder vielleicht auch aus Neid, dass sie diese verloren hatten und sie nicht zu sch├Ątzen wussten, weil sie, wie der Rest der Welt, nach Erwachsenheit strebten.
So musste Marie eine doppelte Last auf ihren jungen Schultern tragen. Einmal versuchte sie, sich zu finden, trotz der Lawinen von Steinen, die auf ihren Weg geworfen wurden und anderes mal musste sie dem Ideal ihrer Mutter und dem Rest der Welt vom Verhalten eines Menschen, der sie noch gar nicht war, nachkommen.
Das Problem verkomplizierte sich, als sie kennenlernte, was in der Natur aller lebenden Wesen einen wichtigen Teil der Existenz ausmachte:
Jonas, ihr erster Freund. Er war genauso alt wie sie, 13. Und somit laut der allgemein g├╝ltigen gesellschaftlichen Norm unwissend und unreif seine Gef├╝hle zu kennen und das Recht, abgesprochen seine keimenden Gef├╝hle zu erkunden.
Sie sind gefangen in einem kommerzialisierten, digitalisierten, auf Perfektionismus getrimmten System, in dem kein Platz f├╝r Unsicherheit oder Unwissenheit ist. Wo Demokratie den Platz von Monarchie eingenommen hat, wo die westliche Welt Kinderarbeit vertabuisiert und den Kindern das Recht auf Kindheit abspricht. In dieser Welt versucht Marie um 13:20 Uhr, auf dem Weg nach Hause ein vom Leben geformter Mensch zu werden, um den Anforderungen ihrer Mutter nachzukommen und ein vern├╝nftiger, gesetzter, akzeptabler Mensch zu sein, dessem man sich nicht sch├Ąmen oder der gar ├╝berm├Ą├čig viel erzogen werden m├╝sste.
So blieb es nicht aus, dass das unrealistische Kartenhaus begann. in sich zusammenzubrechen, weil Marie einfach nicht daf├╝r geschaffen war, zu sein, was sie nie sein kann, wenn sie die Freiheit, aus Fehlern zu lernen abgesprochen bekommt.
Schon beim Betreten eines eigentlich vor den Unbillen der Welt gesch├╝tzten Ortes, wird Marie mit einer ganzen Kolonne von Anforderungen ├╝berrollt, die sie beim besten Willen nicht nachkommen kann. Und so wird sie von ihrer mit sich selbst unzufriedenen Mutter unverstanden und als unreif stigmatisiert. Eifers├╝chtig versucht sie, den aufkeimenden eignen Willen ihrer Tochter zu mit f├╝r sie nicht nachvollziehbaren Argumenten der logischen Erwachsenendenkweise zu ersticken.
Diese, f├╝r Marie unlogische Demonstration von Macht wird von Marie bek├Ąmpft, obgleich sie keine Chance sieht, zu gewinnen. So wird sie denn als gest├Ârt zu einem Gelehrten geschickt, der das menschliche Wesen anhand von B├╝chern erforscht hat. Dieser stellt auch gleich fest, dass Marie nicht wei├č, was sie will.
Wer wei├č schon, was er will. Oder wann mu├č man wissen, was man will. Und vielleicht wei├č Marie nicht, was sie will, weil sie etwas andres will, als man meint, dass sie wollen sollte. Ja, mit dreizehn Lebensjahren mu├č man schlie├člich wissen, wie die Welt funktioniert und was man von ihr zu erwarten hat.
Und so wird Marie von Eltern, Verwandten, Erziehern und dem Rest der Gesellschaft gedr├Ąngt, ger├╝ckt und gezerrt in Richtungen, die sie nicht bestimmen darf, bis sie sp├Ąter, wenn sie die Welt lernt zu verstehen, so in ihrer pers├Ânlichen Entwicklung gehemmt wurde, dass sie zu einem achtbaren, leicht zu f├╝hrenden Mitglied der Gesellschaft wird und jede Form von aufkeimender Selbstfindung in dass Reich von Sonderlingen, Freaks oder gar Kriminellen geschoben wird. Keiner, der auf ihrer Seite steht, keiner, der sich sch├╝tzend vor sie stellt.
So war es auch kein Wunder, dass die "Beziehung" von Marie und Jonas nicht lange den ├Ąu├čeren Einfl├╝ssen standhalten konnte, wo doch der gr├Â├čte Nebenbuhler ihre Mutter war, die sich die uneingeschr├Ąnkte Liebe ihrer Tochter w├╝nscht. Und Marie f├╝r alle scheinbar gl├╝cklich ist, wieder allein zu sein. Kein angehender Erwachsener, nur ein Kind mit der Erfahrung und Lebensweisheit eines Erwachsenen. Ohne sich von dem h├Ąuslichen Schutz zu entfernen. Untergeben und doch selbstst├Ąndig zu sein, ist das Ziel.
Um dann sp├Ąter, wenn Marie dann erwachsen ist, ihre unterdr├╝ckten kindlichen W├╝nsche nach Verst├Ąndnis und selbstloser Liebe mit egoistischen Mitteln fordern zu sucht. Unf├Ąhig ohne Gegenleistung zu geben, unf├Ąhig zu sein zu geben, was ihr verwehrt wurde.



__________________
Gesten der Liebe oder der Freundschaft sind nicht mit Geld aufzuwiegen.
by Mich

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