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Leselupe.de > Kurzprosa
Essay, "Der Himmel ist blau wie eine Orange"
Eingestellt am 07. 07. 2002 14:34


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eufemiapursche
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Der Himmel ist blau wie eine Orange." Nein, diese provokante Feststellung stammt nicht nicht vom gleichnamigen smarten Popduo, sondern vom Schriftsteller St├ęphane Mallarm├ę. Banane der Mann? (Mallarm├ę, nicht Orangeblue). Nicht zu Zeiten der Symbolisten und Surrealisten.... best├Ątigt das Zitat doch das Sprichwort "├ťber Geschmack und Farben l├Ąsst sich nicht streiten." Trotzdem ├╝berrascht dieser Ausspruch, da in jeder Kultur Interpretationsregeln und ein verankertes Farbempfinden existieren.

Niemand wird sonderlich auffallen, wenn Mann in einer Theaterpremiere eine rote Krawatte zum blauen Dreireiher tr├Ągt. Doch spaziert besagter Mann im tomatenroten Anzug und blauer Krawatte zu den Wagnerfestspielen in Bayreuth zieht er verbl├╝ffte Blicke auf sich, selbst wenn Haarpracht und Erscheinung auf einen K├╝nstler tippen lassen.... Es gibt nat├╝rlich Situationen, in denen genau dieses Outfit absolut hipp und sogar empfehlenswert w├Ąre. Mitten im Rosenmontagsget├╝mmel auf der K├Âlner Domplatte beispielsweise..... Die Mode kann selbst f├╝r immer g├╝ltig geglaubte Gewohnheiten v├Âllig umkrempeln. Mittlerweile hat es nichts Auff├Ąlliges mehr, wenn sich nicht nur ├Ąltere Damen die Haare f├Ąrben lassen. Sch├Âpfe in den lebhaftesten Rotschattierungen - von violett bis rosa, gr├╝ne oder blaue Str├Ąhnen schlendern durch die Stra├čen. Aber der Normalsterbliche tut sich immer noch schwer mit gleicher Toleranz gegen├╝ber dem Papst beim Ostersegen oder der in Skand├Ąlchen ergrauten Queen beim xten Thronjubil├Ąum – h├Âchstens ein Bundeskanzler darf da ein wenig nachhelfen (aber nur ein bisschen in schwarz *gg*).

Die Universalit├Ąt der Farbsymbole ist wirklich beeindruckend: ob geografisch, kosmisch, biologisch, psychologisch oder mystisch – auch wenn zwischen den V├Âlkern gro├če Unterschiede bestehen. Zun├Ąchst die erstaunliche ├ťbereinstimmung, das Spektrum des Regenbogens in sieben Bereiche einzuteilen. Dies trotz der Tatsache, dass das menschliche Auge nach Aussage der Psychologen mehr als 700 verschiedene Farbt├Âne unterscheiden kann. Es besteht ebenfalls ein allgemein g├╝ltig empfundener Zusammenhang zwischen den sieben Grundfarben mit den sieben Musiknoten, den sieben Himmel der Mythologie und ... den sieben Tagen der Woche!

Bei den vier Elementen werden rot und orange dem Symbol des Feuers zugeordnet, gelb oder wei├č der Luft, gr├╝n dem Wasser und der Vegetation, schwarz und braun der Erde. Wissenschaftliche Abhandlungen oder geografische Karten benutzen fast ausschlie├člich diese Zuordnungen.


Gegens├Ątzlich auch das Empfinden von schwarz und wei├č. Bereits Aristoteles ordnete wei├č der Freude und schwarz der Trauer zu. So assoziieren viele Kulturen das Schwarze mit den M├Ąchten der Nacht, dem Dunkel, negativen Str├Âmungen. F├╝r andere stellt schwarz den Inbegriff des Keimens und den Urbeginn dar: Am Anfang war nichts. Dunkelheit herrschte.... (1,Mose, 1:1 Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. 2 Und die Erde war w├╝st und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte ├╝ber den Wassern. 3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 4 Und Gott sah, dass das Licht gut war; da schied Gott das Licht von der Finsternis; 5 und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis Nacht. Und es ward Abend, und es ward Morgen: der erste Tag....)

F├╝r die Indianer Amerikas haben Farben wie G├Âtter Anteil am gro├čen kosmischen Plan. Bei den Mayas bezeichnen vier Farben die Schutzgeister der vier Himmelsrichtungen. Wei├č – Norden (der erste Baum); gelb – S├╝den (der Mais, die nahrungsspendende Erde); schwarz – Westen (die Mutter, die Nacht); rot – Osten (Honig und Reichtum). Die Azteken besa├čen, wie viele indianische V├Âlker, kein Wort um gr├╝n oder blau zu bezeichnen. Das war seltsamerweise ebenfalls bei Asterix und seinen Galliern der Fall. (Wie wussten sie dann, wo ihr Rasen zu Ende war und das Meer begann? *gr├╝bel*)

In der Kunst der alten ├ägypter gab es sowohl eine biologische, als auch eine ethische Farbsymbolik. Schwarz entsprach der Wiedergeburt und der ewigen Rettung. Es ist die Farbe der Bitumenmasse, mit der die Mumien bestrichen und konserviert wurden. Gr├╝n bedeutete Gesundheit und Jugend; gelb Gold und Licht; wei├č die Freude; blau die G├Âtter der L├╝fte; rot Aggressivit├Ąt, das B├Âse und Perverse. Die Schreiber schrieben die Namen b├Âser Prophezeihungen in roter Tinte.

In den Religionen sind Farben Teile des g├Âttlichen Lichts. Die christliche Tradition l├Ąsst die Farben im Auschm├╝cken der Handschriften und in Kirchenfenstern hervortreten. In der Dreieinigkeit entspricht wei├č dem g├Âttlichen Vater, blau dem Sohn und rot dem Heiligen Geist. Wei├č ist dar├╝ber hinaus Symbol des Glaubens und der Keuschheit, rot der Liebe und Barmherzigkeit, schwarz der Bu├če und gr├╝n der Hoffnung. Die Jungfrau Maria tr├Ągt immer einen blauen Mantel. Himmelblau selbstverst├Ąndlich. Auch Messgew├Ąnder besitzen einen komplexen symbolischen Charakter und ihre Farben wechseln je nach Festtag.

Die Willk├╝rlichkeit dieser Symbole tritt offen zutage, wenn wir uns orientalische oder afrikanische Religionen anschauen. Selbst innerhalb ein und derselben Religion gibt es gegens├Ątzliche Zuordnungen. In der islamischen Tradition ist wei├č die Farbe par excellence. Schwarze Tiere sind ein schlechtes Omen, trotzdem trug der Prophet bei seinem Eintritt in Mekka einen schwarzen Turban. Und die Kaaba ist ebenfalls schwarz bedeckt.

Bei Verkehrsampeln opponieren gr├╝n (erlaubt) und rot (verboten). Von Rotgr├╝nblindheit betroffene Fahrer k├Ânnen sich also nur am Aufleuchten der oberen oder unteren Lichter orientieren....

Der Einfluss der Farben auf Stimmungen und Verhalten wurde lang und breit nicht erst von der modernen Farbpsychologie untersucht. Pastellfarben beruhigen, lebhafte Farben sollen anregen. In einem blassblau gestrichenen B├╝ro arbeitet es sich also langsamer als in einem rotbewandeten?

Bereits in Goethes "Farbenlehre" oder Newtons "Opticks" sto├čen wir auf den Zusammenhang zwischen einzelnen Farben und damit assoziierten Gef├╝hlen, vom Aufbau des Auges und den physikalischen Abl├Ąufen des Sehens.

An den Anfang seiner Farbenlehre stellte Goethe das Gedicht


W├Ąr’ nicht das Auge sonnenhaft
Wie k├Ânnten wir das Licht erblicken?
Lebt' nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie k├Ânnt' uns G├Âttliches entz├╝cken?


Ja, ja, das Leben ist keinesfalls immer nur schwarz oder wei├č. Bisweilen erscheint es uns gar rosarot......

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ElsaLaska
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Liebste Femi,

ich erlaube mir, Deinen lesenswerten und teilweise nachdenklich machenden Essay um folgende Info ├╝ber die Farben der menschlichen (unsichtbaren) Energiezentren -Chakren- nach indischem Glauben, zu erg├Ąnzen:
Rot, das Wurzelchakra, Vitalit├Ąt, Fortpflanzung, Nahrungsbeschaffung
Orange, das Sexualchakra: Sexualit├Ąt, Kreativit├Ąt
Gelb, Solarplexuschakra: das Ego, der Wille, die Macht
Gr├╝n, das Herzchakra: die hoffnungsvolle, die gebende Liebe
Blau, das Halschakra: Kommunikation
T├╝rkis, das Dritte Auge: Spiritualit├Ąt, erweiterte Wahrnehmung
Violett, Scheitelchakra: unsere Verbindung zum Kosmos.

Diese Farbzuordnung erscheint mir ebenfalls sehr interessant. Nehmen wir z.B. das Violett (Scheitelchakra), eine sehr spirituelle Farbe, sogar in der katholischen Kirche, oder Orange (Sexualchakra), eine sehr sinnliche Farbe, andererseits auch die Farbe der buddhistischen M├Ânchsgew├Ąnder (das "Feuer der Askese", in dem die Leidenschaften verbrannt werden).

Alles in allem ein sehr interessantes Gebiet, die Farbenlehre.

Einen lieben Gruss
Elsa

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eufemiapursche
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Liebste Elsa,

klasse, dass du gleich voll mit ins Thema einsteigst!

├╝ber die Chakren habe ich heute Abend (mit einem Gl├Ąschen Wein - rot (du wei├čt, was das bedeutet...-)) bereits einen h├Âchst vergn├╝glichen Diskussionsaustausch gehabt!!!

Diesen Aspekt habe ich im Text ganz klar str├Ąflichst vernachl├Ąssigt ((- ...

Mittlerweile habe ich Hunger und arbeite noch ein wenig am n├Ąchsten Essay mit Titel "Babylonische S├╝ppchen".

Bin gerade auf dem vorgeschichtlichen Trip, wie du im Essay ├╝ber die pr├Ąhistorische Liebe nachlesen kannst...

Nein, musst dir keine ernsthaften Sorgen machen - der Fu├č zur Realit├Ąt ist fest verankert, viele neue Gedichte im Kopf...

Mist, morgen klingelt der Wecker kurz vor vier!!!!! Wo hab ich nur dieses orange Neglige hingestopft??? Ich schau mal in die t├╝rkise Kommode bevor ich unter die rote Bettw├Ąsche krabbele.

Liebste gr├╝ne Gr├╝├če
von deiner blauen (nur leicht)FeeMI
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ElsaLaska
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Liebe Femi,

ich schau mir den Essay ├╝ber die pr├Ąhistorische Liebe gleich mal an. Auf das Babylonische S├╝ppchen bin ich aber neugieriger.
Du hast ja einen richtigen kreativen Flow im Moment!

Die Farben der Chakren w├╝rde ich noch irgendwie einbauen, muss ja nicht so ausf├╝hrlich werden.
Laut moderner Esoterik (das mag ich ja nicht so gerne), gibt es noch ein achtes Chakra ├╝ber dem Scheitel ausserhalb des K├Ârpers, das die Farbe MAGENTA besitzen soll.

Liebe Gr├╝sse
Elsa (noch irgendwie im Urlaubsfeeling )

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