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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Esserinnerungen
Eingestellt am 25. 03. 2004 10:06


Autor
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Katrin Campari
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2004

Werke: 8
Kommentare: 5
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Wieso hei├čt es eigentlich immer, dass Vanille oder Kakao an die Kindheit erinnern?

Bei mir sind es die matschigen Tomaten. Ich habe schon als Kind Tomaten geliebt, am liebsten h├Ątte ich mich nur von diesen roten Kugeln ern├Ąhrt. Immer nur Tomaten. Au├čer wenn wir bei Oma waren. Da wurde der Tomatensalat schon morgens mit Essig und ├ľl ├╝bersch├╝ttet, damit bis mittags alles richtig durchziehen konnte.

Wenn meine Mutter mich dann von der Schule abgeholt hat und wir den langen Weg ├╝ber die Schnellstra├če bis zu meiner Oma gefahren sind, waren die Tomaten schon l├Ąngst so durchweicht, dass sie beinahe auseinander fielen. Als mein Opa noch lebte, war es mit den Kartoffelkl├Â├čen genauso. Einmal hat er die Kl├Â├če so lange gekocht, bis sie als Brei am Boden des Topfes klebten. Da haben wir eben Kartoffelbrei gegessen. Aber der Tomatensalat war einfach ungenie├čbar.

Nicht so wie zu Hause, wenn es noch richtig knackte im Mund, wenn man in die frischen Tomaten biss. Wenn man sich erst einmal mit den Z├Ąhnen durch die feste Haut der Tomate k├Ąmpfen musste, bis einem der Saft am Kinn heruntertropfte. Nein, bei Oma gab es immer matschigen Tomatensalat. Tomatenbrei zu Kartoffelkl├Â├čchenbrei.

Daf├╝r war der Schrank im Wohnzimmer viel interessanter. Die kleine T├╝r unten links. Dahinter verbarg sich ein ganzes Paradies an S├╝├čigkeiten. Schokolade und Bonbons. Nimm zwei, denn die haben ganz viele Vitamine und der Zucker da drin ist auch bestimmt nicht so sch├Ądlich wie der in anderen Bonbons. Daran habe ich mich dann satt gegessen, wenn es beim Mittagessen wieder nicht geschmeckt hat.

Mama hat abends ├╝ber Oma geschimpft. Sie solle doch nicht st├Ąndig so viele S├╝├čigkeiten f├╝r mich kaufen. Ich fand die Sache mit den Tomaten viel schlimmer. Meine Mutter hat mir dann erkl├Ąrt, dass man das nun mal fr├╝her so gegessen h├Ątte und Oma den Salat schon immer so gemacht h├Ątte.

Mittlerweile vermisse ich diese matschigen Tomaten und den Kartoffelbrei. Was Oma wohl dazu sagen w├╝rde, dass man heutzutage in Scheiben geschnittenen K├Ąse, der in salzigem Wasser schwimmt, zu den Tomaten isst? Und die Tomaten auch nicht mehr in kleine St├╝cke schneidet, sondern passend zu dem K├Ąse ebenfalls in Scheiben. Wahrscheinlich w├╝rde sie ├╝ber diesen neumodischen Kram schimpfen und ihren Tomatensalat wieder drei Stunden ziehen lassen.

Meine Mutter fragt immer, was ich mir zu essen w├╝nsche, wenn ich zu Besuch bin. Kl├Â├če, sage ich dann, aber die selbstgemachten. Wie bei Oma. In der letzten Zeit ist mir aufgefallen, dass sie die Kl├Â├če h├Ąufig ein wenig zu lange kocht. Bis sie schon fast ein bisschen matschig sind. Ob man das automatisch so macht, wenn man ├Ąlter wird?

Nach dem Essen geht mein Vater jedes mal zum Wohnzimmerschrank, um mir etwas Schokolade anzubieten. Sein Haar ist mittlerweile genauso grau wie das Haar meiner Oma war.

Letztens habe ich versucht, selbst zu kochen. Oft mache ich das nicht. Meist reicht es nur f├╝r Tiefk├╝hlkost aus der Mikrowelle. Aber diesmal sollte es etwas selbstgemachtes sein. Kl├Â├če mit Bratensauce. Nun ja, aus der Pappschachtel zugegebenerma├čen. Aber auch das war eine Herausforderung, mit den Anweisungen auf der Verpackung fertig zu werden und die Kl├Â├če genau richtig zu kochen. Nicht zu fest und nicht zu weich. Zum Nachtisch gab es Tomatensalat. Wie nahezu jeden Tag. Nur diesmal hatte ich die Tomaten ein wenig zu lange ziehen lassen und sie schmeckten irgendwie nach Kindheit.




__________________
Katrin Campari, Werne, NRW

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