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Leselupe.de > Humor und Satire
Essgewohnheiten
Eingestellt am 08. 07. 2008 05:14


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Micham
Routinierter Autor
Registriert: Jun 2008

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Es ist ein optisches Spektakel, mein Rippchen beim Essen zu beobachten. Wenn sie ein Sandwich verspeist, kann man mit hundertprozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass ihr nach dem Verzehr ein Teil des Sandwichs vom Ohrl├Ąppchen baumelt. Selbst der kleinste Snack endet fast immer in einer gewaltigen Schweinerei. Nach jeder Mahlzeit sieht es bei uns aus, als sei etwas Lebendiges explodiert.

Gef├Ąhrlich wird es bei allen Speisen, die kr├╝meln, kleben, tropfen, kleckern oder sich gar in die die L├Ąnge ziehen lassen. Da wei├č man nie so genau, wo hinterher Essensreste auftauchen werden. Vor kurzem gab es mal wieder Nudeln zum Abendessen, und noch ehe die So├če ├╝berhaupt fertig gekocht war, entdeckte ich bereits So├čenkleckse auf der Maus meines Computers. Ich habe auch schon ein St├╝ck Torte, von dem sie steif und fest behauptete, es ganz aufgegessen zu haben, auf der Arbeit von meinen Schuhsolen kratzen m├╝ssen.

In den Augen meines Rippchens habe allerdings ich die seltsamen Essgewohnheiten. F├╝r sie ist es ein echtes R├Ątsel, wie ich es schaffe, ein belegtes Brot zu essen, ohne dass ich mir gleich mit der Butter die Wangen einreibe. Sie dagegen kriegt das schon beim ersten Reinbei├čen hin. Ich habe ihr mal gezeigt, wie man richtig in ein Brot bei├čt, aber das war ihr alles zu aufwendig. "Ich will mein Essen genie├čen und mich nicht konzentrieren m├╝ssen," gab sie mir zu verstehen, worauf mir dann einfach kein Gegenargument einfiel.

Manche Sachen r├╝hre selbst ich nicht an. Schinkenbrote fallen mir jetzt spontan ein. Meine Schneidez├Ąhne sind zu stumpf, als dass sie sich da durchbei├čen k├Ânnten. Ausnahmslos ziehe ich jedesmal die komplette Scheibe von der Stulle. Besonders in Germanyland werden Schinkenbrote bei Festlichkeiten immer gerne serviert. In diese Falle bin ich fr├╝her schlauerweise nie getappt, denn ich wei├č sehr wohl, wie d├Ąmlich es aussieht, wenn die Schinkenscheibe vor den Kehlkopf des Idioten klatscht.

In Gesellschaft von Freunden und Bekannten zu essen, stellt stets ein gro├čes Problem dar. Schlie├člich will man keinen schlechten Eindruck machen. Da uns das leider nur selten gelingt, habe ich mir einige Techniken ausgedacht habe, die den Schaden f├╝r mein Rippchen so gering wie m├Âglich halten sollen.

Ein freundschaftlicher Klaps auf ihren R├╝cken kann beispielsweise ein St├╝ck Kartoffel von der Schulter wieder zur├╝ck auf den Teller bef├Ârdern. Bei Kartoffelbrei allerdings muss man schon etwas fester zuhauen.

Spaghetti, die sich (hoffentlich) auf dem Weg zu ihrem Mund befinden, schneide ich noch in der Luft blitzschnell, f├╝r das blo├če Auge kaum sichtbar, mit der kleinen Schere meines Taschenmessers mehrfach durch. Dabei habe ich meine niedliche Ninjamampferin schon einige Male angeritzt, jedoch wusste sie nie, aus welcher Richtung die Attacke kam.

Vorspeisen wie Suppen oder Salate mit reichlich Dressing, vertilge ich in einem Affenzahn und tausche erstaunt "Schon satt?" fragend unsere Teller aus. Unfair, aber notwendig.

Oder ich sto├če "versehentlich" mein Weinglas um, damit sie gen├╝gend Zeit hat, sich unbemerkt die Stirn oder das Dekollet├ę zu reinigen. F├╝r solche Zwecke habe ich immer eine gro├če Packung feuchte T├╝cher dabei. Die sind zwar eigentlich f├╝r'n Arsch, weisen aber auch im Gesicht und anderorts gute und vor allen Dingen schnelle Ergebnisse auf.

Schokopudding kommt mir noch in den Sinn. Ganz heimt├╝ckischer Nachtisch mit h├Ąsslichen Auswirkungen! Er zwingt mich, sofort einen Erstickungsanfall vorzut├Ąuschen, welcher die Aufmerksamkeit f├╝r den Rest des gem├╝tlichen Zusammenseins auf mich lenkt. Beim Heimlich-Man├Âver winke ich jedoch neuerdings dankend ab und spucke den Pudding freiwillig aus; zu unangenehm!

Soweit funktioniert das alles auch ganz gut, aber manchmal, wenn mein Rippchen mit einem aggressiven Knurren die Z├Ąhne fletscht, weiss ich, dass sie jetzt unbedingt ihr Essen genie├čen will und dies auch tun wird, komme was da wolle. Dann halte ich mich zur├╝ck und beuge mich nur gelegentlich zu ihr her├╝ber, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben (in Wirklichkeit lecke ich ihr nat├╝rlich irgendwelche Speisen vom Gesicht) oder ich entschuldige mich f├╝r einen Augenblick und sammle auf dem Weg zum Badezimmer schonmal die gr├Âbsten Brocken vom Boden auf.

Sollten alle Stricke reissen und mein Rippchen das Essen so schwerwiegend vergewaltigen, dass selbst die Gastgeber ├╝belst in Mitleidenschaft gezogen werden, hilft nur der Trick eines geschickten Themenwechsels in der laufenden Konversation: "Habe ich euch schon von meiner neusten Kurzgeschichte erz├Ąhlt?" Da senken sofort alle Anwesenden geschw├Ącht den Blick auf ihre Teller. Wenn sie dann die Kraft aufbringen wieder aufzuschauen, sind wir schon l├Ąngst ├╝ber alle Berge.

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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
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Hmmm, an sich ist das ja ein gutes Thema, und man kann da gen├╝sslich die Eigenheiten ausw├Ąlzen. Hat ja dann auch einen guten "Schockfaktor", der humoristisch sein kann.

Effektiver allerdings w├Ąre es, wenn die Person, die in Wirklichkeit wie ein "Schwein" isst, nicht das Rippchen ist, sondern der Erz├Ąhler selbst. Kann durchaus mit Hinweis auf das Rippchen starten, aber im Verlaufe des Textes sollte dem Leser klar werden, dass der Erz├Ąhler das Ess-Schweinderl ist.

Das macht den Text dann sympathischer, weil der Humor auf den Erz├Ąhler zur├╝ckf├Ąllt und man sich nicht ├╝ber jemanden anderen lustig macht.

Marius
__________________
Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor f├╝r Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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Micham
Routinierter Autor
Registriert: Jun 2008

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Nee, dem kann ich nicht zustimmen. Ich konstruiere ja nicht irgendwelche wilden Geschichten, sondern schreibe aus meinem Leben. Diese Geschichte ist nocht nicht mal grossartig uebertrieben. Das Rippchen isst halt so, und ich muss darueber schreiben.

Ich verstehe aber deinen Einwand. Danke dafuer.

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presque_rien
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Registriert: Feb 2003

Werke: 200
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Hi Micham,

ich finds ganz unterhaltend und sch├Ân geschrieben, wenn es mich auch nicht so vom Hocker gehauen hat. (Aber ich kenne mich in dem Genre auch nicht so gut aus.)
Ein kleiner Fehler:

quote:
Da uns das leider nur selten gelingt, habe ich mir einige Techniken ausgedacht habe, die den Schaden f├╝r mein Rippchen so gering wie m├Âglich halten sollen.

Lg presque

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