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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Eugen
Eingestellt am 09. 08. 2009 11:58


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Lio
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Eugen (verÀndert)

Jetzt musste er doch wieder an Anna denken. Wie sie immer zusammen getanzt hatten und er dabei so glĂŒcklich gewesen war. Wie sollte er sich vorstellen, dass sie das nie mehr machen wĂŒrden? Wieder spĂŒrte Eugen wie ihm schummrig wurde. Er hatte seit beinah drei Wochen nicht mehr geschlafen, immer nur ein paar Stunden zwischendurch, weil er stĂ€ndig an Anna denken musste. Seitdem sie ihm am Telefon gesagt hatte, dass sie ihn nicht mehr liebe, dachte er eigentlich immer an sie. Vor allem nachts, aber auch bei der Arbeit und beim Essen, eigentlich immer.

Jetzt stand er hier am anderen Ende der Welt, schaute den Kolumbianern beim Tanzen zu, hatte einen guten Job und das alles, aber lief umher wie ein halbtoter Zombie. Seine Kollegen hatten schon gefragt, ob alles in Ordnung sei. Aber denen wollte er nichts sagen. Er kannte sie ja kaum.

Wenn Anna sagen wĂŒrde, dass sie es noch einmal versuchen wollte mit ihm, wĂŒrde er den Koffer packen und sofort zu ihr kommen. Aber Anna wollte ihn ja nicht mehr.

Eugen bemerkte die Kolumbianerin, die sich von ihrem Tanzpartner gelöst hatte und lĂ€chelnd auf ihn zugegangen war, erst, als sie vor ihm stand. Ihm fielen ihre schwarzen Augen auf und die kleine, gerade Nase. Wie es so sei, am Rand der TanzflĂ€che zu stehen und dabei zuzusehen, wie alle Spaß hĂ€tten, fragte sie. Eugen sammelte sich und antwortete ihr, dass es 1. Unhöflich sei ihm zu unterstellen, dass er keinen Spaß habe und, dass sie 2., nicht wissen könne, ob hier ĂŒberhaupt alle Spaß hĂ€tten. Daraufhin drehte er sich um und ging ins Haus, um sich ein neues Bier zu holen.

„Ich weiß jetzt, dass ich dich nicht mehr liebe!“, hatte Anna am Telefon gesagt. Einfach so, als ob sie ihm durchgebe, was er zum Abendessen einkaufen sollte.
„Aber warum hast du denn nie ÂŽwas gesagt?“ hatte er immer wieder gerufen, wĂ€hrend sie ihm erzĂ€hlt hatte, dass sie sich einsam gefĂŒhlt habe und verzweifelt war wegen den ganzen PrĂŒfungen.
„Weil du so weit weg bist und ich dich nicht belasten wollte!“, hatte sie ihm erklĂ€rt und dann hatte sie ihm noch gesagt, dass es da jetzt einen anderen gab. Eugen hatte den Hörer auf die Gabel geknallt und war zur ihr geflogen, weil er sich sicher war, dass sie ihre Meinung Ă€ndern wĂŒrde, wenn er vor ihr stand.

Aber als er mit einem Strauß Rosen vor ihrer Wohnung aufgetaucht war, war sie nicht da gewesen. Stattdessen hatte er von ihrem neuen Mitbewohner erfahren, dass sie gerade bei Paul sei. Und als er gefragt hatte, wer das sei, dieser Paul, hatte ihm der Mitbewohner erzĂ€hlt, dass das eben ihr neuer Freund wĂ€re.

Da war er noch einigermaßen ausgeschlafen gewesen, weil er im Flugzeug ganz gut geschlafen hatte. Aber nachdem er sie angerufen hatte und sie tatsĂ€chlich vor ihm gestanden war, nach so langer Zeit und ihn dabei so fremdartig angeguckt hatte, da war ihm schon alles klar gewesen.
Sie hatten Kaffe getrunken und am Ende hatte sie ihm gesagt, dass sie jetzt in Paul verliebt sei. Da hatte sich sein Magen so richtig schlimm zusammengezogen und er war aufs Klo gegangen und hatte sich gegen die Oberarme geboxt, um seinem Frust irgendwie Luft zu machen.

Auf dem RĂŒckflug hatte das dann angefangen mit dem Schlafproblem. Die ganzen 12 Stunden lang hatte er auf die graue Plastikabdeckung ĂŒber sich gestarrt und sich gefragt, was das eigentlich fĂŒr eine beschissene Welt war, in der er lebte.


Im KĂŒhlschrank in der KĂŒche fand Eugen ein neues Bier der Marke „Club Columbia“. Er hatte kaum den ersten Schluck getan, da kam die Kolumbianerin in die KĂŒche, stellte sich vor ihn hin und fragte, was er sich eigentlich einbilde, sie einfach so stehen zu lassen.
„Das macht man nicht mit einer Señorita“, rief sie und sah ihn böse an.
Eugen stellte fest, dass sie sehr hĂŒbsch war, wie sie so vor ihm stand, die Stirn des eigentlich fröhlichen Gesichts in Falten gelegt mit den böse blitzenden Augen. Aber sie hatte Recht. Er entschuldigte sich bei ihr und sagte, dass es ihm Leid tue, das er unfreundlich gewesen war.

Als sie fragte, ob sie sich setzen sollten, stimmte Eugen zu, obwohl er lieber alleine geblieben wĂ€re. Sie setzten sich an die kleine Bar in der KĂŒche und sie erzĂ€hlte ihm, dass sie Carla hieße und die Schwester von Caramela sei. Sie sagte, dass Caramela schon von ihm erzĂ€hlt habe, dem schweigsamen, mysteriösen Deutschen. Dabei schnitt sie eine Fratze, die Eugen, zu seinem eigenen Erstaunen, zum LĂ€cheln brachte.
„Der bleiche Deutsche kann ja doch lĂ€cheln!“, rief sie daraufhin und freute sich wirklich. Sie fragte Eugen, ob er nicht seine Familie vermisse und Eugen antwortete ihr, dass es natĂŒrlich nicht leicht sei hier allein zu leben. So weit weg von der Familie, den Freunden und allen.
Daraufhin schwiegen sie eine Weile und dann fragte sie „Ob sich seine Freundin denn nicht nach ihm sehne?“. Da wurde Eugen wieder so schummrig, weil er an Anna dachte, seine schöne Anna, die ihn nicht mehr liebte. Er antwortete, dass das wohl nicht der Fall sei und schluckte dabei ein wenig.

„Und du? Liebst du sie noch?“, fragte das MĂ€dchen daraufhin. Eugen schaute auf und stellte fest, dass sie ihn ganz ohne Hintergedanken fragte, ihn sogar traurig ansah dabei und deshalb rief er:
„Ja, eigentlich schon!“ und: „Ja, verdammt noch mal!“, dabei merkte er wie sich seine Stimme ĂŒberschlug, was bestimmt lĂ€cherlich klang, so weibisch, aber was ihm in diesem Moment egal war. Und dann erzĂ€hlte er dem fremden MĂ€dchen, dass er schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr schlafen könne, weil er immer an Anna denken musste, dass er sie ĂŒber alles liebe, weil sie auf alles eine kluge Antwort wĂŒsste und dass ihre Augen blauer als das Meer seien und er sich mit ihr die dĂ€mlichsten Hollywoodkomödien angucken könnte und dabei totlachen wĂŒrde, dass sie doch schon so viel zusammen durchgemacht hĂ€tten und sie doch jetzt nicht einfach so Schluss machen könnte, dass sie doch etwas besonderes hĂ€tten, verdammt nochmal, und er sich ĂŒberhaupt nicht erklĂ€ren könnte, was auf einmal los sei mit ihr.

Nachdem Eugen das alles gesagt hatte, kam er sich ganz ausgelaugt vor. Er sagte zu Carla, dass er sich so wie ein randvolles Waschbecken gefĂŒhlt habe und sie jetzt sozusagen den Stöpsel gezogen hĂ€tte.
Dann entschuldigte er sich noch bei ihr, dass er sie mit seinem Mist belastet hĂ€tte und dankte ihr gleichzeitig dafĂŒr, dass sie ihm zugehört hatte. Aber sie sagte, dass ihre Schwester genau so sei und daraufhin mussten beide lachen.
Carla fragte, ob er nach draußen gehen wollte, aber Eugen wollte nicht. Er sagte, dass sie ruhig gehen sollte, dass er vielleicht nachkomme, vielleicht aber auch nicht, aber dass man sich ja bestimmt wieder treffen wĂŒrde, weil ihre Schwester bei ihm am Institut sei.

Nachdem sie nach draußen gegangen war, dachte Eugen noch ein paar Minuten darĂŒber nach, dass er diesem fremden MĂ€dchen gerade sein ganzes Herz ausgeschĂŒttet hatte. Dann ĂŒberkam ihn eine Art SchwĂ€cheanfall. Er wurde ganz zittrig und hatte das GefĂŒhl er mĂŒsse sich ĂŒbergeben. MĂŒhsam stand er auf, stakte wackelig nach draußen, um sich ein Taxi zu rufen und endlich` mal wieder auszuschlafen.




Version vom 09. 08. 2009 11:58
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bluefin
Guest
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hallo @lio, ich weiß nicht, ob dich schon jemand begrĂŒĂŸt hat. jedenfalls wĂŒnsch ich dir, dass du viel spaß hier drin hast und ĂŒber den austausch, den du mit allen haben kannst, etwas fĂŒr dich und deine arbeiten gewinnst.

diese geschichte hier ist sehr routiniert geschrieben - da ist kein komma daneben, kein falscher konjunktiv drin, kein falscher bezug. man liest's durch und sieht's!

leider ist es eine typisch deutsche geschichte geworden, in der zwar viel wert auf detaillierteste zusammenhĂ€nge gelegt wird, aber ĂŒberhaupt nichts darĂŒber vorkommt, was die protagonisten zu besonderen machte. es plĂ€tschert so dahin wie die sequenz eines beliebigen deutschen farbfilms aus den 50ern oder 60ern, in dem beim dorffest die tanzflĂ€che immer fĂŒr den aus der fremde kommenden hauptdarsteller freigemacht wird, wobei die imn kreis herumstehenden aborigines im takt dazu klatschen. und der kummer ĂŒber das mĂ€del daheim, das mit einem anderen auf und davon ging! so stark noch, dass man den verlockungen der latina widersteht und mitsamt bierflasche zurĂŒck in die kummerhöhle flieht...*so(a)p*...

ich finde, liebe(r) @lio, du verkaufst dich hier weit unter wert. dass einer ein williges glutauge wirklich stehen lĂ€ĂŸt in der fremde, schreit nach plausibilisierung - die gretel daheim ist kein grund, jedenfalls keiner, den der leser nachvollziehen könnte. wer es - umstĂ€ndlich, umstĂ€ndlich - bis nach kolumbien schafft und endlich einen sitzen hat, legt sich unter den gegebenen umstĂ€nden nicht allein in die kiste, wenn er keinen dachschaden hat. welcher hier vorliegen könnte, erfahren wir leider nicht. vielleicht gibt's demnĂ€chst einen erweiterten ansatz?

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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Lio
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Hi Bluefin,

hach, endlich ÂŽmal eine konstruktive Kritik, dafĂŒr danke ich dir sehr!

Du bist der Meinung, dass ich ein Klischee bediene, wenn ich den "verkopften", traurigen Deutschen auf "wild" umhertanzende Lateinamerikaner treffen lassen. Ich glaube, hier hast du Recht. Vielleicht hilft es, wenn ich die Szenen genauer ausfĂŒhre, naja, zumindest werde ich mir ÂŽwas ĂŒberlegen.

Ich verstehe dich auch, wenn es dir unlogisch erscheint, dass der Protagonist nicht auf das Angebot der Kolombianerin eingeht und stattdessen lieber einsam und allein nach hause trottet. Ich halte seine Reaktion aber dennoch fĂŒr möglich. Warum sich gleich mit einer anderen trösten? Was wenn die Trennung erst wenige Wochen her ist? Ich denke, hier handelt jeder unterschiedlich. Vielleicht sollte ich ihn aber tatsĂ€chlich noch besser motivieren, seinen "Dachschaden" (:-)) noch deutlicher machen, so dass jedem klar wird, warum er lieber alleine bleibt....

Noch ÂŽmal Danke (auch fĂŒrÂŽs Willkommenheißen)

Lio

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Lio
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Ende verÀndert...Na, mal sehen...

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bluefin
Guest
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was, liebe(r) lio, möchtest du mit deiner geschichte eigentlich zum ausdruck bringen? dass eine sĂŒdamerikanerin viel zu rau ist, um einen treuen deutschmann auf vernĂŒnftige gedanken und weg von seiner treulosen gretel zu bringen?

man wĂŒrde gern begreifen, warum der junge ununterbrochen an eine jule denkt, wenn ihm doch das weib den hof macht (der inirekte dialog mit dem mĂ€del klingt so hölzern, dass deren vorgeblich raue zunge dagegen wie ein samtkissen wirkt).

du willst wahrscheinlich gefĂŒhle beschreiben und beschreibst doch nur details, die ziemlich unwichtig sind. wie das loch wirklich aussieht, das der junge in der seele hat, und wie groß seine angst davor ist, sie mit etwas völlig fremdem auszustopfen, erfahren wir nicht. du erzĂ€hlst sozusagen "um den heißen brei herum".

erfahrungsgemĂ€ĂŸ kommen die gedanken, die du dem ziemlich langweiligen protagonisten zuschreibst, immer erst hinterher. post coitum omnium animal triste non ante...

vieleicht geb ich dir besser ein beispiel aus der malerei: wenn man eine herbstzeitlose so abbilden möchte, dass man das gift in ihr erkennt, darf man nicht die ganze wiese mitsamt dem baum und dem darauf herumwieselnden kleiber zeichnen: sowas machen nur knipser. schreib nicht, als ob du mit einer gießkanne unterwegs wĂ€rst, die eine ganze rabatte zu versorgen hĂ€tte, sondern nimm nur ein paar tropfen und bring die genau dorthin, wo das pflĂ€nzchen keimt, auf das es (dir) ankommt. dann wĂ€chst's ĂŒber alles andere empor.

vielleicht magst du mal Hier klicken und dir von natasha musikalisch erklÀren lassen, worauf's beim "schreiben" wirklich ankommt. sie ist eine ganz coole und kann's viel besser sagen als ein stinkender walfisch.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin







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Lio
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Hi Bluefin und eenemenetekel,

ich verstehe was ihr meint. Das ist wahrscheinlich mit das schwierigste am Schreiben: eine Figur lebendig werden zu lassen. Na gut, ich werde mich noch einmal mit Eugen und seiner Position zu Jule außeiandersetzen.

Die Kritik hier im Forum ist trotz InternetanonymitÀt echt konstruktiv! Find ich super!

Lio



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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

ich glaube nicht, @lio, dass du bei dem gewĂ€hlten genre mit "figuren" und noch mehr details weiter kommst. es geht im prinzip doch um nichts als liebe, gepaart mit so genanntem heimweh. da brĂ€uchz keine riesigen verpackungskartons mit gottweißwas fĂŒr schleiferln drauf - am ende findet dann nĂ€mlich, so wie hier, keiner mehr das mazipanschweinchen, auf das es (dir) eigentlich ankommt.

konstruktiver tipp: lass deinen eugen nur "er" sein und das mĂ€dchen eine, die nicht nur fremd ist wie das land, sondern die auch so riecht und sich so anfĂŒhlt. und lass die teutsche (gedanklich) dazwischenkommen nicht als leuchtendes gestirn an einem fernen horizont der verklĂ€rten erinnerung, sondern als hexe, die sie ist: sie versaut dem wehleidenden ĂŒber kontinente hinweg den aufbruch zu neuen ufern.

hör auf natashas worte. ĂŒbersetzen muss ich sie ja nicht - sie sagt nichts anderes als bluefin, nur tausend mal besser.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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