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Leselupe.de > Kurzprosa
Eve of Destruction
Eingestellt am 20. 10. 2006 10:25


Autor
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hardmate
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2006

Werke: 1
Kommentare: 2
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Fl├╝sternde Blumen. Vom Wind leicht bewegt, angehaucht. Auf den Matratzen am Boden Diskussionen. Was passiert mit der Welt? Die blecherne Gie├čkanne liegt gut in ihrer Hand. Sie beugt sich ├╝ber die Gew├Ąchse. Die Sonne f├Ąhrt ihr dabei ├╝bers Gesicht. Sie r├╝ckt die T├Âpfe zurecht. Nickt zufrieden und l├Ąsst sich nach Indianerart auf dem Boden nieder um sich am regen Streitgespr├Ąch zu beteiligen. Innerlich blendet sie langsam aus. Konzentriert sich auf ihre Lippen und die Worte die sich wie von selbst formen. Vollkommen globalisierungskritisch. Wie ein Flie├čband wirkt der Gedankenstrom. Sie zieht an der Selbstgedrehten. Gestikuliert, um ihre Worte zu unterstreichen. Blickt auf einmal trotzig. Jemand klettert zur Stereoanlage. Musik erklingt. Radio. Nachrichten. Was geschieht da draussen? Und wie kann man sich dem verschlie├čen? Geht das ├╝berhaupt? Behutsam macht sie eine Anspielung auf fr├╝her. Ihre Gegen├╝ber wirken nun nicht mehr entspannt. Ihre Dr├╝sen sondern Bitterkeit ab. Die Musik wirkt fast schon ironisch. „Tell me, over and over and over and over again now“. Sie versucht sich zu entspannen, verkl├Ąrt den Blick.
Zuckt aber pl├Âtzlich zusammen. Greift nach einem der zerfledderten B├╝cher. Warum sollten jetzt ausgerechnet politische Schriften aus der Sinnkrise helfen? Sie bl├Ąttert sich zweifelnd hindurch. Ihre Gegen├╝ber schweigen kurz. Jemand macht Tee.

„Die Butterkekse sind aus Amerika.“

Niemand weiss weiter. Keiner will das aber eingestehen. Sie versucht es mit einem Singsang aus Heute und Gestern. Wirft das Buch in die Ecke. Reisst sich die Bluse auf. Ruft „Schaut nur“.
Ihre Gegen├╝ber reagieren gleichg├╝ltig. F├╝rs erste. Ihre Argumente bauen auf gefestigteren Grundlagen. Alles scheint weiter weg als vermutet. Die Blumen, wie sie da auf der Fensterbank stehen. Es schaut milit├Ąrisch aus. Staatsfeind Gew├Ąchs. Staatlich kontrollierter Anbau. Kontrolle von ├╝berall her.
Ihre Gegen├╝ber erscheinen ihr auf sonderbare Weise selbstsicher. Wie sie da sitzen. Die Politik und den Kampf gegen den Kapitalismus und alles andere steuern. Mit schier grenzenloser Selbstsicherheit dabei andere mit├╝berzeugen. Aus den Fugen geraten ist anscheinend nur die allgemeine Ordnung da draussen. Das Totalit├Ąre ist verschwunden. Das Leben ist allgemeing├╝ltig geworden. Statt sesshaft zu bleiben stehen alle auf und gehen hinaus auf die Stra├čen. Oder bleiben in Gespr├Ąchskreisen wie diesem hier.
Sie schaut unauff├Ąllig zur Wanduhr. Die Zeit bleibt. Sie redet auf ihre Gegen├╝ber eindringlich ein. Deutet auf das Fenster. „Da!“ Springt auf. Hebt eine Blume nach der anderen hoch. Ruft: „Gewehrl├Ąufe! Kr├Ąnze! Immer!“ Starrt erwartungsvoll verharrend. Die anderen im Raum stimmen ihr beruhigend zu. Deuten ihr, sich wieder hinzusetzen. Der Tag gerann schlie├člich schlagzeilentr├Ąchtiger. „Es ist an der Zeit.“

Das Telefon unterbricht. Blaulicht blitzt von der Zimmerwand wieder. Glas zerberstet. Tumult um sie herum. Man packt sie an den Armen, in denen sie noch eine der Blumen h├Ąlt und sanft wiegt. Schlagst├Âcke prasseln auf ihre Gegen├╝ber ein. Es bleibt keine Zeit, die Kapsel zu schlucken. Reporter dr├Ąngen sich draussen hinter der Absperrung. Ein Wasserwerfer h├Ąlt die Menge stoisch gen├╝sslich in Schach.
Sie versucht, nicht weiterzudenken. Kein Widerstand. Man st├Â├čt sie auf die R├╝ckbank des Autos. Die T├╝r f├Ąllt zu. Vom Wind leicht bewegt, angehaucht. Auf den Matratzen am Boden Diskussionen. Was passiert mit der Welt?

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Andy
Guest
Registriert: Not Yet

Wow...dein Werk macht zumindest mich sehr nachdenklich!
Hier ist dir ein wunderbares Erstwerk in der Leselupe gelungen.

Weiter so...

Liebe Gr├╝├če

Andy

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

sch├Ânes lied, m├Ąssiger text.
sprachlich unausgefeilt.
inhaltlich wenigstens bedenklich aber unreflektiert
und klischeelastig.

bon.

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Zaunk├Ânig
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2006

Werke: 20
Kommentare: 31
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Eve of Destruction

Hallo Hardmate

Andy hat recht. Ein gelungenes Deb├╝t unter der kritischen Leselupe. Ein Sinn hinterfragender Text, brutal offen und doch gleichzeitig poetisch. Nein, es gibt wohl keinen Ausweg aus unserer Daseinskrise. Trotzdem w├╝nsche ich Dir, da├č Dein Wunsch, Schriftsteller zu werden, in Erf├╝llung gehen wird.

Einen lieben Gru├č
Zaunk├Ânig
__________________
Werner Fletcher

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petrasmiles
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2005

Werke: 31
Kommentare: 868
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Hallo hardmate,

sch├Âner als 'Zaunk├Ânig' das gesagt hat, schaffe ich das nicht. Es dr├╝ckt exakt meine Empfindung beim Lesen Deines Textes aus.

Bon war ein bisschen zu streng. Vielleicht, weil er mit dem Kopf an den Text ging. Ich meine, dass Du eine Perspektive gew├Ąhlt hast, die so mitten im Geschehen ist, so hastig wie das Geschehen selbst daher kommt, Gef├╝hle, die nur aufblitzen, nicht wissen, nicht reflektieren k├Ânnen. Was geschieht, entzieht sich ebenso der Bewertung wie das ├ťberqueren der Stra├če einer alten Frau durch meine Augenzeugenschaft festgehalten.

Eine atemberaubende Schreibe.

Liebe Gr├╝├če
Petra
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

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hardmate
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2006

Werke: 1
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Danke euch schonmal herzlich f├╝r das Feedback, mehr in K├╝rze (etwas im Stress momentan)

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