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Leselupe.de > Kindergeschichten
Evolution
Eingestellt am 18. 10. 2015 19:30


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Maribu
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Evolution

Der Donnerstag ist seit rund zw├Âlf Jahren, bis auf einige Ausnahmen, der sogenannte 'Oma- und Opa-Tag'.
Unser Enkelsohn kommt nach der Schule zu uns und bleibt bis zum Abendbrot.
In den ersten Jahren wurde er von uns abgeholt, und wir hatten viel Zeit f├╝r Unternehmungen. Jetzt kommt er mit dem Fahrrad, den schweren Schulranzen auf dem Gep├Ącktr├Ąger. Nach dem Mittagessen erledigt er erstmal seine Hausaufgaben. Unsere unbeschwerte Zeit mit ihm ist k├╝rzer geworden. Er stimmt nicht mehr jedem Ausflugsziel zu. 'Mensch ├Ąrgere Dich nicht!', 'Rummikub' und 'Triomino' sind f├╝r ihn jetzt langweilige Spiele, seitdem er viele Apps auf sein iPhone geladen hat.
Wir werden jetzt mehr gefordert. Es tauchen Fragen auf, die einen schon mal in Verlegenheit bringen k├Ânnen.
Gestern entwickelte sich folgendes Gespr├Ąch:
"Opa, ich m├Âchte mich eigentlich vom Religionsunterricht befreien lassen. Was h├Ąltst du davon?"
Meine Frau reagierte sofort: "Das gibt┬┤s nicht! Wo du jetzt bald zum Konfirmandenunterricht gehst!"
"Nun lass uns doch erstmal fragen, was f├╝r einen Grund es gibt!", versuchte ich zu beschwichtigen.
"Der Lehrer kann unsere Fragen nicht mehr beantworten und labert nur noch!"
"Das Wort 'labern' ist respektlos!", ereiferte sich meine Frau.
"Immerhin ist es euer Lehrer!"
"Ja, gerade deswegen!" entgegnete er.
Ich ging nicht darauf ein und sagte: "Gib mal ein Beispiel!"
"Wir haben ├╝ber Barmherzigkeit gesprochen und die Gro├čartigkeit, dass wir so viele Fl├╝chtlinge aufnehmen. Einer hat gefragt, warum Gott, wenn es ihn g├Ąbe, die Kriege ├╝berhaupt zul├Ąsst. Und der Lehrer meinte, dass seien alles den Menschen auferlegte Pr├╝fungen. Gottes Wege seien f├╝r uns seltsam und undurchschaubar. Wir m├╝ssten einfach an ihn glauben!"
"Oh!", sagte ich, "dass war ja eine schwierige existenzielle Frage! Da m├╝sste man erstmal ergr├╝nden, wer oder was Gott ist.
Wozu ist er in der Lage? Was stellt man sich darunter vor?
Als ich so jung wie du warst, dachte ich an einen alten weisen Mann, einem Weihnachtsmann nicht un├Ąhnlich, der alles regelt!"
Er musste lachen. "F├╝r mich ist Gott die Natur!"
"Das hast du wohl aus dem Bio-Unterricht, als ihr ├╝ber Darwin und seine Evolutionstheorie gesprochen habt."
"Ja, danach dauerte die Entwicklung hunderttausende von Jahren, w├Ąhrend Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen haben soll!"
Ich nickte und war ziemlich beeindruckt von unserem Enkel und hoffte, dieses schwierige Thema sei damit abgeschlossen.
Aber er sagte nach einer kurzen Pause: "Opa, du bist doch schon so alt, du kannst das bestimmt beantworten! Wenn es Gott wirklich gibt, warum hat er die Menschen nicht alle gleich gemacht? Ich meine nicht im Aussehen, sondern im Charakter. Warum sind wir nicht alle 'gut'? Denn w├╝rde es keine Kriege geben, keine Fl├╝chtlinge, keine M├Ârder, ├╝berhaupt keine Verbrecher!"
Da hatte er mich richtig erwischt! Ich musste nachdenken und sagte, um Zeit zu gewinnen, zu meiner Frau:"Was h├Ąltst du von diesem Gedanken?"
"Ich halt mich da raus! Er hat dich doch gefragt! Au├čerdem bin ich j├╝nger als du!"
"Man kann noch so alt und klug sein, diese Frage ist nicht zu beantworten!", erwiderte ich z├Âgernd. "Dann h├Ątte das erste Menschenpaar, Adam und Eva, schon 'gut' sein m├╝ssen! Vielleicht w├╝rden wir heute noch im Paradies leben. Sie waren aber b├Âse und haben nicht gehorcht! Wir Menschen m├╝ssen es hinnehmen, dass es zwischen Himmel und Erde viele Geheimnisse gibt, die wir nicht entschl├╝sseln k├Ânnen!" Ich war ins Schwitzen gekommen und jetzt beeindruckt von mir, dass ich auf so eine unvorbereitete Frage so eine schl├╝ssige Antwort geben konnte.
"Danke Opa, das hat mir aber nicht geholfen! Du bist auch so ein Phrasendrescher wie unser Religionslehrer!"
Ich musste schlucken und warf einen hilflosen Blick auf meine Frau, die mich verteidigen sollte. Sie verdrehte zwar die Augen, sagte aber: "Das hast du nun davon, wenn du ├╝ber Dinge sprichst, von denen du nichts verstehst!"

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