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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ewe ist Schluss
Eingestellt am 17. 01. 2009 12:07


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Dichter Nebel
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Jan 2009

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Thomas, ein waschechter Frankfurter Bub und Protagonist meiner ErzĂ€hlung ist eine eher blĂ€ĂŸliche Erscheinung, die von Natur aus mit einem anfĂ€lligen Gesundheitszustand ausgestattet ist, die schon in frĂŒhester Jugend bei seinen MitschĂŒlern die schiere Rauflust provozierte. Seine Arme kann er getrost in einer Fantaflasche waschen und auch sonst fehlt es seinem Körper an der nötigen Durchschlagskraft. So hatte er auch beim weiblichen Geschlecht nie eine wirkliche Chance.

Und doch umspielt mitunter ein schalkhaftes LĂ€cheln seinen Mund, welches ein Wissen um das Wesen der Dinge verrĂ€t. Bei seinen Nachbarn gilt er als Ă€ußerst korrekt und rundherum als herzensguter Mensch. So reiste er auch eines Tages in bester Absicht an den Golf von Siam, um sich dort fĂŒr all die MĂŒh‘ und Plag‘ des Alltags einmal richtig entlohnen zu lassen. Bald schon schlug sein Herz fĂŒr eine zierliche Schönheit. Thomas fasste all seinen Mut zusammen und ließ sich ansprechen. Nach diesem ersten Abenteuer hofierte er seine ‚Queeny’ herzig und bald schon war man zauberhaft vereint.

Prompt wurde er der Familie vorgestellt, die in Àrmlichen VerhÀltnissen im Norden des Landes lebt. Dort angekommen erwies sich unser Held als aufmerksamer Gast und Gentlemen. Umgehend gab die Familie beim dörflichen Schreiner einen Stuhl in
Auftrag, der eigens fĂŒr den weißen Mann aus Gelmany gedacht war und wĂ€hrend dessen Abwesenheit auf dem Dachboden der Behausung aufbewahrt wurde. So saß er denn oft inmitten der am Boden hockenden Familie erhaben auf seinem Stuhl und schlurfte zufrieden „Mekong Whisky“. LĂ€ngst war er nicht mehr der scharfsinnige Beobachter fĂŒr den er sich hielt, sondern auf dem besten Weg, die Dame samt ihrer Familie zu ehelichen. Alsbald wurde man handelseinig und Thomas bekam seine AuserwĂ€hlte als Braut in Aussicht gestellt.

Vom Erlebten gerĂŒhrt versprach er ein baldiges Wiedersehen und machte sich auf den Heimweg nach Frankfurt Sachsenhausen. Nicht ohne schon jetzt eine kleine Liste mit allen technischen Errungenschaften unserer Elektronikindustrie heimlich erstellt zu haben, um so die notierten Artikel beim nĂ€chsten Besuch als Geschenke prĂ€sentieren zu können.

In Frankfurt hatte ihn der graue Alltag rasch wieder eingeholt und hier bot ihm niemand einen erhöhten Platz an. Von den sĂŒĂŸesten TrĂ€umen an sein Versprechen erinnert, verstieg er sich in die irrige Annahme einzig Thailand könne hier Abhilfe schaffen. Von Stund‘ an arbeitete er pausenlos, sparte das nötige Reisegeld zusammen und avisierte seinen erneuten Besuch.

Leider erreichte die Familie die Nachricht zu spĂ€t, so dass ihn die Geliebte nicht am Bahnhof erwartete. Thomas lieh sich einen Wagen und machte sich auf den langen Weg von Bangkok nach Chiang Rai. Am spĂ€ten Vormittag traf er dort ein und ĂŒberraschte die Familie auf Ă€ußerste. Alle umkreisten ihn in heller Aufregung; der Stuhl wurde vom Speicher geholt und der Ladenbesitzer von gegenĂŒber signalisierte schnörkellos seine Kreditbereitschaft. Es war ein wildes Gestikulieren. Jeder redete drauflos und es dauerte noch lange ehe Thomas begriff, dass seine Braut an der Arbeit sei. Sie verdinge sich seit einiger Zeit bei einem Großgrundbesitzer und pflanze Reis wurde ihm mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen klargemacht. Die Familie brĂ€uchte den spĂ€rlichen Lohn dringend, fĂŒgte die Brautmutter wehleidig hinzu. Thomas kochte vor Wut. Er war wild entschlossen, seine Prinzessin von diesem Joch zu befreien. JĂ€h erhob er sich von seinem HĂ€uptlingsstuhl und verlangte an den Ort der Mißhandlung gebracht zu werden, um die Geliebte nach Hause zu holen. Den Einwand, dass das Geld aber wirklich dringend vonnöten sei, wies er mit dem demonstrativen Rollen eines grĂ¶ĂŸeren Geldscheines energisch zurĂŒck. So motiviert bestieg der Brautvater eilends den Mietwagen und fuhr mit Thomas zur Reisplantage.

Schon von weitem sah unser Held die Reihe der Frauen, die in gebĂŒckter Haltung die Pflanzen in den knietiefen Schlamm steckten. Ein Mann, der die Frauen offensichtlich beaufsichtigte, lag unter einem Sonnenschutz in unmittelbarer NĂ€he und schaute der Kolonne gelangweilt zu. Thomas brachte das Fahrzeug am Feldrand zum Stehen und knatschte unter den erwartungsvollen Blicken des Brautvaters beherzt zum Tatort. Die Frauen hatten mittlerweile die Arbeit unterbrochen und schauten interessiert der blasshĂ€utigen Erscheinung entgegen, die da mit kĂŒhnen Schritten auf sie zustrebte. Gerade hatte die Liebste ihn erkannt, als auch schon der Aufseher den Frauen einige Worte zurief, die Thomas als gnadenlose Arbeitsaufforderung interpretierte. Jetzt galt es die HĂ€uptlingswĂŒrde unter Beweis zu stellen. ZĂ€rtlich und fordernd zugleich fasste er seine zukĂŒnftige Braut, die sich gerade anschickte weiterzuarbeiten, am Arm, erhob abwehrend die andere Hand in Richtung des Sklaventreibers und unterbrach diesen barsch mit den Worten: „Moment emal, ewe is Schluss!“ Noch einmal wiederholte er die letzten drei Worte dieser fristlosen KĂŒndigung die keinen Widerspruch duldete und machte sich mit seiner heutigen Frau souverĂ€n vom Acker.



Dichter Nebel

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Dichter Nebel

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Rumpelsstilzchen
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Registriert: Sep 2003

Werke: 30
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Willkommen, Dichter Nebel!

Wenngleich ich bei diesem Text immer noch Bauchschmerzen habe. Nun ja, versprochen ist versprochen und nachdem Du die StammtischprÀambel entfernt hast...

Die paar Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler zwicken noch am wenigsten, viel schwerer liegt mir der lange Einleitungsbericht im Magen. Ein Bericht eben, noch halb roh und mit ungeschÀlten und grob gehackten Informationen gespickt. Nach solcher Hausmannskost geht die filetierte Pointe glatt an den abgestumpften Geschmackspapillen vorbei.

Zwei Möglichkeiten sehe ich, wie das Gericht bekömmlicher zu bereiten wÀre:

Entweder aus dem Berichtsteil eine richtige Geschichte bereiten, bei der wir Leser dabei sind, mit 'nem ordentlichen Spannungsbogen, der in der Pointe bricht.

Oder – eine Variante, die mir persönlich noch eher goutierte – die kurz gebratene Pointe in ein paar wenigen, aber knackig erfrischenden InformationsblĂ€ttern serviert.

In die Schokolade gelegt, wo er seinen Magen pflegt

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Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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