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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Exkurs nach Genf
Eingestellt am 31. 01. 2014 00:05


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Benjaminstar
Hobbydichter
Registriert: Jan 2014

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Exkurs nach Genf

Ein gediegener Fahrgast mittleren Alters lief stockend durch den Wagon im Sektor B, in der Hoffnung, einen Sitzplatz am Fenster zu ergattern. Man hätte sich darüber wundern können, da der Suchende gerade mal vor fünf Minuten einen Platz hatte, doch der ihm damals gegenübersitzende Herr gestikulierte andauernd und wirkte aufdringlich. Die Wagen im Sektor C waren indessen mit Menschen bepackt. Vor und hinter ihm standen gross gewachsene Männer in Paletots, die ihre Leiber gegen seines pressten, als ob sie seine Nähe suchten.

In dieser dichten Menge fühlte er sich ausgesondert und zermürbt und drängelte sich rüde vor.
Als er sich von ihr absonderte, schweifte sein Blick durch den ersten Wagen im Sektor D, der deutlich vielversprechender aussah als die anderen, und erblickte mit trüben Augen einen freien Platz am Fenster. Er setzte sich, legte seinen bunten Schal und den purpurroten, leicht gewölbten Hut beiseite und betrachtete inzwischen das Alpenmeer, welches sich von Lausanne bis Genf erstreckte. „Welch Augenfest! Alle Welt habe ich vor Augen! Einfach himmlisch!\" murmelte er vor sich hin. Au bord du lac schwoite ein kleines Boot dessen einsteigende Passagiere einem treibenden Dampfer zuwinkten. Am fleckenlosen Himmel über dem See flogen Flugzeuge auf die Landebahn vom Flughafen Genf. „Denen dort oben kann man die Freiheit wohl nicht nehmen. Ha! Und hier unten bleibt man auf der Strecke.\" Unser Herr schien ganz zufrieden und dachte kaum mehr an den Störenfried der ihm vorhin den Frieden raubte. Jetzt, da dieser unvollkommene Tag sein Gleichgewicht gefunden hatte, konnte effektiv nichts mehr geschehen. Wie sich der Herr aber irrte! Gerade als er ein paar Fotos von der Landschaft knipsen wollte, kam ihm ein verwachsenes Männlein in einem Clown Kostüm gekleidet entgegen. Verlegen begrüsste ihn der Herr doch das Männlein regte sich kaum. Nur seine Lippen bebten und auch er schien pathetischer Natur zu sein wie der andere. „Kann ich ihnen irgendwie behilflich sein?\" fragte unser Herr. „Gestatten, mein Name ist Wheezy. Wie Sie sehen können bin ich Clown.“ erwiderte das Männlein. Dieser liess sich offensichtlich nichts gefallen, hockte sich auf den Schal und den Hut unseres Herrn und schaute diesen gierig an. „Darf ich Sie mit ein paar komischen Witzen belustigen?“ fragte Wheezy. „Wenn sie wollen“ sagte ein allmählich nachgiebiger Herr und schaute den Menschen im Boot nach, die mittlerweile salutierten, als ob sie Mitleid mit ihm hatten.

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