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Leselupe.de > Kurzprosa
Extra
Eingestellt am 21. 03. 2008 23:06


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R. Herder
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Registriert: Jan 2008

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I want to do whatever common people do...

Pulp - Common People





Bilderrahmen ausm Baumarkt. Da kann er seine SonnenuntergĂ€nge reintun. Aber erst noch die Tapete streichen! Die is vom Nikotin ganz gelb. Eigenlich ham se ja ne nette Wohnung, er und seine Frau. Schönes Wohnzimmer, n bisschen zu vollgestellt vielleicht mit Ramsch und Kitsch. Ne riesige KĂŒche, wobei aber die Waschmaschine und der Trockner doch son bisschen Platz wegnehmen, aber das is ja bloß die eine Ecke, fĂ€llt kaum auf. So, und im Schlafzimmer wird geschlafen und im Bad wird geduscht und sich aufs Klo gehockt. Das is halt funktional. Aber insgesamt is eben alles schon Ă€lter und is bekannt und alltĂ€glich, irgenwie langweilig. Darum hat er auch zum Beispiel die Bilderrahmen ausm Baumarkt geholt, und darum streicht er die verfĂ€rbten WĂ€nde nochma neu. Undn Teil von diesem Kitschkrams im Wohnzimmer will er ma aufn MĂŒll tun, das is echt zu viel. Klar, son bisschen kann da ruhig stehen bleiben, soll ja auch nich wie beim Zahnarzt sein.

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Zaghafte Versuche zu kotzen. Vorstellungen abseits der OP-Erotik von Weiberzeitschriften, die seine Angetraute jeden Tag aufs Neue kauft. In denen der verklemmte Fickhabitus der ParteigÀnger und ProtestwÀhler einen sterilen Photoshop-Ausdruck erfÀhrt. Vorstellungen, die jede Form von Smalltalk und Lookism ausweiden und verbrennen wollen. Er soll mit seiner Frau beginnen. Ihre ZÀhne Richtung Luftröhre rammen. Und das mit Speichel versetzte Blut auf ihren verzweifelten Körper schmieren.

Am ZOB einen dieser kaputten Halbschlafjunkies schnappen und seine Nase brechen. In einer trockenen Nacht. Wenn der die HĂ€nde schĂŒtzend vors Gesicht zieht muss man drauftreten. Vorbei an seinen HĂ€nden und den Kehlkopf treffen, immer wieder, bis er pfeift. Die Hose öffnen und draufpissen, nebenbei Mukophagie. Das LĂ€cheln nicht vergessen.

Durchs Fenster beobachtet er Affen in der Primetime falscher Projektion. Seine rechte Hand zerrt den Seilzugstarter einer ganz persönlichen Unterhaltungsmaschine in die Nichtstruktur des Umweltlichen. Drinnen entzĂŒndet das Affen-MĂ€nnchen eine Kippe und brennt sich Benzol, Nitrosamine, Formaldehyd und BlausĂ€ure in die Lunge. Dann kratzt es sich durch seine Boxershorts den behaarten Arsch. Dann sagt es was zum Affen-Weibchen. Dann klingelt er am Haupteingang. Dann öffnet ein noch junges Affen-Kind die TĂŒr und wird zersĂ€gt.

Auf dem RĂŒcken vorm Schrankspiegel liegen. Mit den Armen die eingeklappten Beine links und rechts neben den Oberkörper ziehen. Zusehen, wie der per Laxans verdĂŒnnte Schiss gegen das Glas und auf den Boden spritzt. Zwischendurch an den eigenen verschwitzten Achselhaaren lecken. Das LĂ€cheln nicht vergessen.

Zaghafte Versuche zu kotzen. 24/7 im durchgeformten Ledersessel sitzen. Den Dekubitus behandeln wie einen guten Freund. Auf die Angetraute warten, bis sie entlassen wird aus den FĂ€ngen dienstleistender Reproduktion. Keine Montecristo rauchen, keine Sonnenbrille von Gucci im Pilotenstyle auf die Nase schieben. Vorstellungen abseits der Werbefressen des Horrors.

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Abends isser total erledigt. Die ganze Bude stinkt nach Farbe, aber da mĂŒssen se jetzt durch. War n gutes StĂŒck Arbeit. Streichen is scheiße. An und fĂŒr sich wĂŒrd er ja andre Sachen machen, was mit Verantwortung und Ansehen. Na, einmal Hartz IV, immer Hartz IV. Wenns nach ihm ginge, mĂŒssten andre Deppen fĂŒr ihn streichen und den Mist seiner Frau aufn MĂŒll werfen. Er brĂ€t sich ne Scheibe LeberkĂ€s, haut sich vorn Fernseher in den Farbgestank und wartet auf die Schlafenszeit. Das wird so 23 Uhr sein. Ab 23 Uhr wirds Fernsehen anstrengend. Nur Titten und BilderrĂ€tsel, wer guckt das schon. Nach fĂŒnf Minuten hat man genug. Is doch fĂŒr Bekloppte. N Kollege von ihm, den trifft er immer aufm Amt, der findet das geil und erzĂ€hlt immer, Alter, die hat Öcken, die wĂŒrd ich auch mal, aber beide wissen ganz genau, von ihnen wird die keiner mal. Da muss man Kohle haben, n schnieken Anzug mit Krawatte, so Politikerscheiß eben.

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Ein Sodomit ist der Senator. Manchmal kleidet er sich nachts mit Leberwurst und bittet seinen Hund herbei. Das macht ihn geil. Das Schlappen der Hundezunge, das schmatzende GerĂ€usch des Hungers, die wollĂŒstigen Laute der political correctness formen sich zu einem Mantra der Innerlichkeit, wie es nur in Tierbegleitung und Dunkelheit möglich wird.

Beruflich bestimmt der gĂ€nzlich Innerliche, was die Arbeitslosen essen wollen. Damit kennt er sich aus. Effizienz und rationales Denken sind gefragt. Man muss ein kompetenter Hundeficker sein fĂŒr diesen Job. Die Kosten fĂŒr einen der TĂŒrknĂ€ufe in seinem Haus achteln – und je ein Achtel auf einen Mittellosen pro Monat kommen lassen. Einen Futterplan aufstellen und das Achtel ökonomisch einsetzen. So geht das.

An Frau und Kind denkt er jedes Jahr nach den unvermeidlichen GeburtstagsglĂŒckwĂŒnschen. Die erinnern ihn stets an die nĂ€chsten. Ohne die beiden, Weib und Balg, wĂ€re vieles leichter. Was soll man machen. Sonst hat der Futterplaner sich nichts vorzuwerfen. Ein Beispiel: Er raucht nicht. Rauchen ist ungesund und teuer. Es ist der eitle Schmutz des Pöbels.

Essen gibt es meist bei Schlitzaugen. Warmgehaltene Suppe, vorgeschnittene Ente, labbrige Backbanane mit Honig. Das lĂ€sst den Nichtraucher bĂŒrgernah sein. Ein gnĂ€diger Herr, der sich zu jeder Scheinparty von zwei Dutzend Kameras begleiten lĂ€sst. Damit sie sehen, was er trinkt. Damit sie sehen, wie er singt. Damit das exklusiv in den Boulevardmagazinen erscheinen kann.

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Seine Frau hat nochn bisschen geflucht als sie nachhause kam, warum er denn nichts gesagt hat, warum er denn nich bis zum Wochenende wartet, und wo sind ihre Teelichter und FigĂŒrchen, und es is giftig diesen Scheiß einzuatmen, dabei kann man nich schlafen, und sie sagt kein Wort, wie schön die weißen WĂ€nde wieder sind. Dann legt sie sich ins Bett und er legt sich aufs Sofa und fĂ€ngt sofort zu schnarchen an, weshalb er eben auch seit 14 Jahren schon auf Sofas schlĂ€ft. Er könnte sich ja n bisschen aufregen und sagen, das hab ich fĂŒr uns gemacht, damit das nichmehr so grau is alles und so alltĂ€glich, aber er hat irgenwann ma gemerkt, dass Schlafen viel leichter is, und seitdem legt er sich immer pennen wenns Ärger gibt. Er trĂ€umt auch selten. Also, kann sich selten dran erinnern. Er legt sich auffe Seite und wacht genauso wieder auf wie er eingeschlafen is, als gĂ€be es in seinen NĂ€chten keine KĂ€mpfe.

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Es nĂ€hert sich ein Ritter, der sieht aus wie eine Playmobilfigur aus Kindertagen. Sein schwerer Schritt die Treppe hoch jagt Schall als Angst ins junge Herz, es gibt hier keine Flucht. Die Dunkelheit wird irritiert nur von dem Lichtbalken, der seit Stunden zwischen TĂŒr und Teppich liegt.

Es liegt ein schwĂŒles Warten in der Luft, dass jener Balken an zwei Stellen unterbrochen werden wird. Hilfe ist nicht zu erwarten, die Eltern koksen in dem Badezimmer, seit sie ihren Auswurf einsperrten. Die Daunendecke bis zum Kinn ist ein nur mangelhafter Schutz vor der Phantasie eines AchtjĂ€hrigen.

Es nÀhert sich ein Ritter, der erreicht in keiner Nacht sein Ziel.

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Version vom 21. 03. 2008 23:06
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