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Leselupe.de > Humor und Satire
Extraausgabe
Eingestellt am 12. 11. 2006 19:43


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Raniero
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Extraausgabe

Hugo Hagedorn, der Leiter der Lokalredaktion einer ├╝berregionalen Tageszeitung mit ├╝bergro├čer Auflage, traute seinen Augen kaum, als er mit dem Wagen auf dem Nachhauseweg in die kleine Seitenstra├če einbog.
Diese Stra├če m├╝ndete nach einigen hundert Metern in einen kleinen Platz und dort hatte sich, so bemerkte Hugo aus der Entfernung, eine gro├če Menschenmenge versammelt.
Es war in den fr├╝hen Abendstunden, an einem sonnigen Sp├Ątsommertag, und Hugo Hagedorn hatte sich ein paar Stunden freigenommen, um zu Hause einmal in Ruhe einige dringende private Angelegenheiten, die er schon seit l├Ąngerer Zeit vor sich hergeschoben hatte, zu erledigen.
Selbstverst├Ąndlich aber stand er in Rufbereitschaft, ├╝ber Mobiltelefon, mit seiner Redaktion, f├╝r den Fall, dass eventuelle Neuigkeiten aus der lokalen, regionalen bis zur weltweiten Szene Handlungsbedarf oder Entscheidung seinerseits erfordert h├Ątten, denn so ein Chefredakteur, sei es auch nur einer lokalen Zeitungsebene ist eigentlich immer im Dienst, das hat er mit hohen Vertretern einer Staatsregierung gemeinsam.
Hagedorn war nicht wenig verwundert ├╝ber das, was sich vor seinen Augen im Hintergrund der Stra├če auf dem kleinen Platz auftat, glaubte er doch fest daran, zumindest ├╝ber die planbaren und geplanten Ma├čnahmen auf den Stra├čen seiner Heimatstadt auf dem laufenden zu sein.
Typisch, dachte er sich, da nimmt man sich einmal ein paar Stunden Auszeit, einmal innerhalb von Jahren, und da ereignet sich etwas direkt vor seiner Nase, ohne dass er einen besonderen Riecher daf├╝r gehabt h├Ątte.
Es musste sich dabei um eine Demonstration handeln, eine nicht genehmigte, spontane Aktion, selbstredend, denn sonst h├Ątten sein Team und er selbst ja davon etwas gewusst, im Vorfeld? Aber selbst wenn es eine solche war, so war er doch verbl├╝fft dar├╝ber, dass es keinerlei Vorzeichen gegeben und nichts im Voraus darauf hingewiesen hatte.
Hagedorn stellte sein Fahrzeug auf dem Parkstreifen an der Stra├čenseite ab, denn es war ohnehin kein Durchkommen m├Âglich, mit dem Auto; zudem war seine professionelle Neugier geweckt und er beschloss, die merkw├╝rdige Versammlung einmal von der N├Ąhe aus in Augenschein zu nehmen.
Vielleicht ergab sich daraus etwas Geeignetes f├╝r eine Extraausgabe, das w├Ąre doch mal was, wie lange hatte seine Zeitung eine solche nicht mehr herausbringen k├Ânnen.
Bevor er jedoch den Wagen verlie├č, schaltete er sein Handy ein und w├Ąhlte die Rufnummer seiner Redaktion; es konnte ja sein, dass bei den Kollegen irgendetwas hinsichtlich dieses Menschenauflaufes durchgesickert oder eingetroffen sei, eine Meldung der ├Ârtlichen Polizeistellen oder gar ein anonymer Anruf.
In der Redaktion jedoch lag nichts dergleichen vor; niemand hatte Kenntnis von einem Hinweis oder einer Benachrichtigung ├╝ber eine unvorhergesehene Aktion in diesem Stadtbezirk.
W├Ąhrend er noch mit seiner Stellvertreterin telefonierte, w├Ąre ihm fast das Mobiltelefon aus der Hand entglitten; die ersten Teilnehmer der Versammlung verlie├čen den kleinen Platz und kamen ihm auf der Stra├če entgegen. Was ihn entsetzte, war die Tatsache, dass all diese Personen, m├Ąnnlichen wie weiblichen Geschlechtes, eine Zeitung in der Hand hielten.

Ein Extrablatt, dachte Hugo emp├Ârt, aber nicht eine Extraausgabe meiner Zeitung!
In ├╝beraus scharfem Tonfall machte er sofort seine Stellvertreterin am anderen Ende der Leitung zur Schnecke, und schrie in den H├Ârer, wie es sein k├Ânne, dass die Konkurrenz ein Extrablatt herausbringe, w├Ąhrend seine eigene Mannschaft offensichtlich den Druck eines solchen verschlafen habe.
Seine Stellvertreterin fand in der Tat keine Antwort auf das Geschrei ihres Chefs, und sie gab seine Unmuts├Ąu├čerungen in gleichem Tonfall und gleicher Lautst├Ąrke an die ├╝brigen Redaktionsmitarbeiter weiter.
Indem er weiterhin in sein Handy br├╝llte, stellte Hugo zu seiner ├ťberraschung fest, dass alle die Personen, die dort mit den Extrabl├Ąttern winkten, ausnahmslos der ├Ąlteren Generation angeh├Ârten - keinen von ihnen sch├Ątzte er unter sechzig Jahre ein ÔÇô und alle trugen sie einen gl├╝ckseliges, fast entr├╝cktes L├Ącheln auf den Lippen.
Handelte es sich gar um eine ├Âffentliche Kundgebung einer Sekte, einer dieser heilsversprechenden und unheilbringenden Vereinigungen?
Hugo stieg aus seinem Auto und n├Ąherte sich vorsichtig einem dieser gl├╝ckseligen Passanten und bat ihn behutsam, einen Blick in diese Extraausgabe werfen zu d├╝rfen, nur zur reinen Information.
Bereitwillig reichte ihm der Entr├╝ckte die Zeitung.
Als Hugo das Blatt zur Hand nahm und einen Blick darauf warf, erlitt er einen Schw├Ącheanfall.
ÔÇÜApothekenumschauÔÇś las er in dicken Lettern auf der Titelseite der Ausgabe.

Hugo erholte sich allerdings schnell von diesem Anfall, denn gottlob befand sich ja eine Apotheke in unmittelbarer N├Ąhe, direkt an dem kleinen Platz, und der Inhaber dieser Apotheke, ein feinf├╝hliger Mann sondergleichen, wartete bereits voller Anteilnahme auf ihn.

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