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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Fabel vom Tod
Eingestellt am 19. 04. 2004 10:35


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Kurt Werner Sänger
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Registriert: Apr 2004

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Deam Foks sain Duud

Eine Kriminalgeschichte vom Fressen, Verraten und Umbringen in zwei Akten und acht Bildern.

Dem Leser ist zum besseren Verständnis dieser garstigen Geschichte die Rede der beteiligten Figuren im originalen Dialekt beigegeben - der Sprache des Tatortes. Es handelt sich hierbei um die Variante eines alten oberhessischen Dialektes, wie er auch heute noch den Menschen von den Lippen grummelt. Wer sich der Mühe nicht scheut, diese Worte zu erschließen, der lese sie laut und mit dem gedanklichen Behelf, als trage er eine Kanne Murmelsteine im Maule mit sich.

Einmal, als es keine Mäuse mehr gab, besann ein Fuchs sich wieder auf das Federvieh. Er schlich in einen Hühnerhof und stürzte sich auf eine alte, magere Henne.
„Asch will Dasch freasse!“ - raunzte er der Unglücklichen zu. Dann packte er sie mit seinen grausigen Zähnen.
Aber die Henne fĂĽrchtete den Fuchs nicht. Sie zappelte sich aus seinem Maule heraus, ordnete ihr Gefieder und sagte:
„Ai, doas eas ma doch de Ehre fiel ze fiel! Asch sai nuar e aales, moachares Huingl, groat noch fear e dinne Soppe göut, un Aajer lääje ka asch aach näad mii. Gii, freass ma doch den aale Giggel do, wann´s raascht eas! - Dear eas suwisu baal dro. ”
Und die Henne trippelte gackernd davon.
„Ean Giggel freasse? - Doas deet mer gefann!” - dachte der Fuchs und bedankte sich bei der alten Henne für ihre guten Empfehlungen.
Frohen Mutes schnürte er seines Wegs dahin, um sich des Hahnes zu bemächtigen. An seinem Blute wollte er sich köstlich laben.
„Häi, komm doch emool bai misch!” - suchte er den Hahn mit freundlicher List zu locken.
„Worim?” - krächzte der Hahn missmutig zurück.
„Asch will dai Blöut säffe!” - verriet der Fuchs sein Verlangen.
„Wäi, döu weat mai Blöut säffe?” - fuhr da der Hahn für den Moment eines Lidschlages auf. Dann, mit einem prasselnden Flügelgeflatter, ließ er Reineke - Hoppla! - auf der Stelle eins, zwei, drei um dessen Ohren wissen, wie es um die Angelegenheiten des Blutsaufens im Geviert der Mistkaute bestellt war.
Mit einmal schaute der Fuchs drein wie der Bauer, dem der Blitz aus heiterem Himmel just mit grollendem Donner in die Sense eingeschlagen hatte.
Und mit geschwinden Flügelschlägen wurde Reinekes Pracht und Herrlichkeit auf dem Mist danieder geworfen.
Aber kaum, dass er sich aus dieser Pein aufgerappelt und neu besonnen hatte, sperrte er wieder sein gieriges Maul auf, und er ließ seine grausigen Zähne aufblitzen, dass allein der Schrecken davor jedermann den Tod hätte bringen können.
So doch nicht dem Hahn.
Wie die Henne fĂĽrchtete er weder den Fuchs noch den Tod, wohl aber den Unfrieden, den Reineke ĂĽber den Hof gebracht hatte. Mit einer zweiten Lektion sollte er sich zu guter Letzt den gebĂĽhrenden Respekt verschaffen.
Geschwind flatterte er auf seinen Misthaufen hinauf und scharrte hinterrĂĽcks allen Kot und Dreck geradewegs in Reinekes aufgesperrten Rachen hinein.
„Do hest´e etz dei Freasse! Lang da´s doch bai´n Gense, wann de Gleck hest!” - höhnte der Hahn von hoher Warte herab.
Und mit strammen, majestätischen Paradeschritten, wie es kleine Offiziere gerne tun, wenn sie einen Sieg ihr eigen glauben dürfen, stolzierte er nach vollendeter Schlacht davon.
„Gense? - Doas soll ma doch mai Späßje sai!” - lachte Reineke und bedankte sich bei dem Hahn für dessen gute Empfehlungen.
Der Fuchs rotzte und kotzte und schĂĽttelte den Dreck aus seinem Maul heraus, dass es weithin nur so schnaufte und so schniefte.
Dann machte er sich mit leisen Pfoten auf den Weg, die Gänse mit seiner Aufwartung beglücken zu wollen.
Aber diese wurden seines heimlichen Kommens längst gewahr:
„Guggd emool, de Reineke kimmt un will ois duut mache!” - rief lachend eine Gans.
Und alle watschelten herbei.
„Wäi schii he doch eas!“ - spöttelte eine andere. Denn nach der Attacke des Hahnes war es um Meister Reineke als eine Zierde seines Geschlechtes nicht zum Besten bestellt.
Derlei Hänselei freilich nicht genug; bot ihm doch eine blutjunge Gans sogar ihre Liebe an:
„Asch kinnt groat Aajer merrem gelääje!“ - seufzte sie.
ĂśbermĂĽtig im Spott, gesellten sie sich in einem lustigen Reigen um Reinekes nunmehr zerlumpte Gestalt herum und stimmten gar ein freches Liedchen in der Art der gemeinen Leute an:

Gans,du hast den Fuchs erwischt
lass ihn nie mehr aus
steck´ihn in den Schweinekoben
mach´ihm den Garaus

Nun, aus vielerlei Erwägungen heraus, mochte Meister Reineke diese Schmähung nicht auf sich beruhen lassen; wurde dem Schlaukopf doch ob seiner Kühnheit und Verstandeskraft seit alters her stets Achtung und Ehrfurcht dargebracht.
„Asch will Each Mores learn, woar´es hääßt, ean aale Foks ze uze!” - zürnte Reineke.
Wieder zeigte er seine grausigen Zähne.
Doch die Gänse wie die Henne so der Hahn fürchteten den Tod leider auch nicht - und erst recht nicht den Fuchs.
Sie purzelten und latschten ĂĽber ihn hinweg, zupften und zausten seinen Pelz, dass es ihn nur so zwickte und so zwackte.
Mit einem kühnen Sprung auf eine wackelige Bohnenstange gelang es ihm, sein Schicksal zu wenden und sich aus ärgster Bedrängnis vor den garstigen Schnabelhieben der Gänse zu retten.
„Lang Da doch de Däwwe foom Himmel, wann de groat suu´n uuflerischte Hunga hest!” - schnatterten die Gänse hinterdrein und watschelten vergnügt davon, eine jede hinter der anderen, in ihren Weiher, und ließen sich´s wohl ergehen.
„Däwwe!?“ - Geringer konnte eine Fuchsmahlzeit wahrlich nicht mehr ausfallen! So unterließ er auch weitere Dankesbezeugungen gegenüber dem Schnattervieh, zumal er augenblicklich andere Widrigkeiten zu bewältigen hatte. Denn ähnlich einer Vogelscheuche im Wind wankte der Fuchs nunmehr auf der Bohnenstange hin und her und schnappte nach einer leckeren Taubenmahlzeit.
Doch nichts als laue Luft bekam er zu reißen und zu beißen. Bald peinigten ihn arge Blähungen und ein Bauchgrimmen stellte sich ein, dass er von sich glauben mochte, er stürbe bald.
Und wie zuvor die Henne, der Hahn und so Gänse fürchteten die Tauben den Fuchs und den Tod auch nicht.
Auch sie hatten einen tollen SpaĂź mit ihm.
Keck und frech schwirrten sie um seinen Kopf herum, sausten an seinem gierig schnappenden Maul vorbei, dass ihm noch elender wurde.
„Woas traibst´e disch da of dear Buuneschdang erim, wu De doch de Hoinga un de Gense gefreasse kaast?” - verspotteten die Tauben den Fuchs.
„Asch will Each de Hals rimdriä!” - brüllte der Fuchs gen Himmel.
„Do misst´e uschd doas Fläije learn, su wäi de Habicht - guggemool!” - gurrten die Tauben und entschwanden mit einem eleganten Bogen hoch oben im weiten Himmel über den Dächern von Ellersbach.
„Nuar Schinneesa un Missgebeatta häi!” - fluchte Reineke lauthals über den Hühnerhof hinweg.
Doch selbst mit Gottes Hilfe und einem Stoßgebet war der Schande nicht mehr beizukommen. Zwar hatte ihn der Allmächtige mit allerlei Künsten ausgestattet, deretwegen er reichlich gerühmt wurde, aber als er die Kunst des Fliegens ersonnen hatte, musste er doch anderen Sinnes gewesen sein als es der Fuchs jetzt im Stillen wünschte.
Geschwind machte Reineke seinem mit reichlichem Kummer erfüllten Aufenthalt in luftiger Höhe ein Ende. Mit einem beherzten Satz sauste er zu Boden. Dann trottete er - mit grimmiger und garstiger Wut unterm Pelz - zurück in den Hühnerhof. Dort erhoffte er sich endlich sein Fressen, wenn auch mager und in Gestalt der alten Henne, wie er sie schon einmal im Maule gehabt hatte. Auf diese gierte wieder sein ganzes Sinnen und geiferndes Trachten.
Aber er fand die Henne nicht mehr lebendigen Leibes vor.
BlutĂĽbergossen und mit zerzausten Federn lag diese unter einem Beerenstrauch meuchlings dahingestreckt.
Der Fuchs wusste sich darauf keinen Reim zu machen.
Da flog eine Taube herbei, ließ sich auf einem Zweig des Beerenstrauches nieder, und erzählte dem Fuchs, was geschehen war:
„Doas woar dear Giggl!” - gurrte die Taube.
„Dear het doas Huingl duutgepeckt, wail doas Huingl deam Giggl de Foks geschicht hat.”
„Wäi kunt dear Giggl doas da wesse?” - fragte der Fuchs die Taube.
„Miar hu´s deam Giggl heannerim faroore.” - antwortete die Taube und entschwand hoch oben im weiten Himmel über den Dächern von Ellersbach.
„Woas lait mer dro!” - brummte der Fuchs in sich hinein; besann er sich doch wieder des Hahnes. Dessen Grobheiten trachtete er nun mit gleicher Münze heimzuzahlen. Schnurstracks folgte er seiner alten Fährte zur Mistkaute, dorthin, wo er den Hahn noch saftigen Leibes wähnte.
Doch wie die Henne so weilte auch der Hahn nicht mehr unter den Lebendigen.
Mit durchnässtem Gefieder lag der stolze Chef des Hühnerhofes am Rande des Gänseweihers heimtückisch ertränkt.
Erneut wusste der Fuchs sich darauf keinen Reim zu machen.
Da flog eine zweite Taube herbei, setzte sich auf einen Stein und erzählte dem Fuchs, was geschehen war:
„Doas woarn däi Gense!” - gurrte die Taube.
„Däi hu den Giggel ii´s Wassa geschdumpt un ärsoffe, wail dear Giggl den Gense de Foks geschicht hat.”
„Wäi kunte däi Gense doas da wesse?” - fragte der Fuchs die Taube.
„Miar hu´s den Gense heannerim faroore.” - antwortete die Taube, und entschwand hoch oben im weiten Himmel über den Dächern von Ellersbach.
So blieben dem Fuchs nur noch die Gänse.
An ihnen wollte er sich nun grenzenlos seinen Rachen voll schlagen, jedoch dieses Mal mit List zu Werke gehen. Er fasste einen Plan: Im Gewand als Vertreter fĂĽr Lebensversicherungen wollte er es mit der liebestollen Gans noch einmal wagen, so seine messerscharfe Idee, und hierbei gleich, in aller Seelenruhe, die ganze Sippschaft zur Unterschrift bitten.
Aber auch diese Hinterlist sollte ein weiteres Mal daneben gehen.
Auch die Seelen der Gänse waren längst gen Gottes Himmel gefahren.
Ihre kalten Leiber lagen mit geborstenen Köpfchen und zerbrochenen Flügelchen in einem Massengrab unter Tausenden von Kieselsteinen begraben.
Einmal mehr wusste der Fuchs sich darauf keinen Reim zu machen.
Da flogen alle Tauben herbei, setzten sich der Reihe nach auf die Bohnenstange, und erzählten dem Fuchs, was geschehen war:
„Doas woarn miar!”- gurrten die Tauben im Chor.
„Miar hu däi Gense duutgeschloo, wail däi Gense ois Däww de Foks geschicht harre!“
Da verstummte der Fuchs und es ĂĽberkam ihn ein groĂźer Schrecken.
Gleich dem Bilde der verrĂĽckten Schlange fraĂź er sich sodann vom Schwanze her selber auf, bis nichts mehr von ihm war - nur sein Maul, das blieb von ihm ĂĽbrig.
Es konnte sich ja schlecht noch selber fressen.
Die Tauben entschwanden indessen mit leisen Schwingen hoch über den Dächern ihres Tatortes im weiten Himmel von Ellersbach.
Und sie machten sich einen schönen Tag.










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