Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
291 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Fabelhaft reich - eine Fabel zur Wirtschaftskrise
Eingestellt am 28. 01. 2009 17:41


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
SIWA
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2009

Werke: 2
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um SIWA eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Reinecke war nicht nur hübsch, stolz und schlau, er war auch der beste Räuber des Waldes. Niemand wusste, wie er es machte, aber jeden Morgen kam er mit einem Sack voller Eier nach Hause. Obwohl Reinecke seine Kinder gut ernährte, blieben ihm noch so viele Eier übrig, dass er sie an Wiesel und Iltis verkaufen konnte.
„Hast du nicht noch mehr Eier?“, fragte eines Morgens der Marder.
Reinecke ĂĽberlegte kurz und antwortete dann: „Es tut mir leid, heute bin ich schon ausverkauft, aber ich hätte da ein neues Produkt!“
„Welches Produkt?“
„Etwas, das dich reichen machen wird!“
„Und das wäre?“
Reinecke warf dem Marder einen verschwörerischen Blick zu und holte einen Zettel aus seinem Eiersack:
„BERECHTIGUNG ZUM KAUF EINES EIES – gefertigt und gezeichnet - Reinecke Fuchs“, stand in groĂźen Buchstaben darauf.
„Wenn du mir dieses Zertifikat abkaufst, bekommst du morgen dafĂĽr ein Ei. Ich wĂĽrde dir aber raten, das nicht zu tun! Die Anzahl der Interessenten wächst nämlich täglich und mit der Nachfrage steigt der Wert deines Zertifikates. Man wird es dir aus den Händen reiĂźen und dir dafĂĽr weit mehr bezahlen als du mir gegeben hast!“
Der Marder war begeistert und zeigte Reineckes neues Produkt den anderen Tieren. Jetzt wollten alle Zertifikate und Reinecke hatte gar keine Zeit mehr für Raubzüge. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, seinen Pfotenabdruck auf immer neuen Dokumenten zu hinterlassen. Bald stellte er Zertifikate für den Kauf von Zertifikaten aus. Das Geschäft blühte, bis sich eines Tages beim Marder der Hunger meldete.
„Fuchs!“, rief er laut vor dem Bau. „Ich will ein Ei!“
Er drĂĽckte Reinecke ein Zertifikat fĂĽr den Erwerb eines Eies in die Hand und wartete. Reinecke verschwand im Bau, rannte durch den langen Tunnel, den er vorsichtshalber gegraben hatte und wurde in unserm Wald nie mehr gesehen.


Version vom 28. 01. 2009 17:41

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo SIWA,

eine runde Sache, Dein Kurzplot - und herrlich komisch in seiner Realität. Das nenn ich wahrhaft subtil.

Kleine Vorschläge:


quote:
Reinecke war nicht nur hĂĽbsch, stolz und schlau,

Auf das "hübsch" könntest Du m.M.n. verzichten. Packt zu viel ...


quote:
Reinecke verschwand im Bau, rannte durch den langen Tunnel, den er vorsichtshalber gegraben hatte und wurde in unserm Wald nie mehr gesehen.

Vorschlag: ... wurde im Wald nie mehr gesehen.
Das "unsere" wechselt m.M.n. die sonstige Sicht von Reinecke auf irgendwen anderes, der bis dato noch nicht gelesen wurde.

Ansonsten fabelhaft satirisch.

LG, KaGeb

Bearbeiten/Löschen    


SIWA
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2009

Werke: 2
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um SIWA eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo KaGeb,

danke für Deine professionelle Kritik. Die beiden Änderungsvorschläge wirken sich positiv auf den Text aus!

LG SIWA

Bearbeiten/Löschen    


bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

leider, lieber @siwa, hat deine fabel ein paar grobe webfehler – jedenfalls dann, wenn damit, wie im titel suggeriert, der weg in die wirtschaftskrise symbolisiert werden soll.

denn dein schlauer fuchs macht nur das, was unter den menschen schon in der steinzeit gang und gäbe war und eben gerade nicht zur wirtschaftskrise führt: er verdient gezielt am mangel eines produktes, verkauft optionen darauf und verschwindet ohne gegenleistung.

durch diesen simplen betrug wird aber das (durchaus erfolgreiche) system nicht in frage gestellt: die eier sind ja nach wie vor ein begehrtes, knappes gut und würden, wenn sie denn auf den markt geworfen würden, hohe preise erzielen. ein anderer fuchs, ein schlaues wiesel oder ein findiger marder könnten diese geschäfte augenblicklich wieder aufnehmen und entweder verlässlich liefern oder erneut bescheißen.

welteierkrise geht anders:

da kommt der fuchs zum bauern und sagt, dass er mehr eier braucht, und dass er ihm etwas gibt, für die. der bauer sagt, er braucht dafür einen zweiten stall, hat aber kein geld, und geht zur uhu-bank und will sich’s leihen. als sicherheit bietet er den vertrag mit dem fuchs über den eierhandel. der uhu schaut in den tresor und holt das geld raus, das der fuchs einbezahlt hat, als er den waldtieren die eieroptionen verkauft hatte. der bauer nimmt das geld, baut den stall, schafft sich die hühner an und produziert eier. als er ein paar tausend davon hat, ruft er den fuchs. der geht zur bank, um sich liquide zu machen; der uhu schaut in den tresor, findet aber nix, weil er das geld des fuchses ja in der eierproduktion des bauern investiert hat. „momentchen“, sagt er, und fliegt rüber zum bauern. „sorry“, sagt der, „wenn mir der fuchs die eier nicht zahlt, kann ich meine schulden nicht tilgen. und wenn ich von dir keinen kredit mehr bekomme, müssen meine hühner verhungern!“

da fliegt der uhu zurück zum fuchs und sagt: „wir brauchen frisches geld. wenn du keins mehr hast und der bauer nicht und ich auch nicht, dann müssen wir uns einen neuen wald suchen!“

gesagt, getan: binnen kurzem hing im ganzen land alles voneinander ab, und es gab haufenweise banken, füchse und eier: die bankgebäude so hoch wie wolkenkratzer, die füchse eine landplage und die eierhalden so hoch wie die zugspitze.

an einem freitag war's so weit: ein eichhörnchen, das darauf bestand, für einen anteilschein ein ei zu empfangen, bekam zu hören, es seien zwar haufenweise eier da, aber fast kein geld mehr, um die anteilscheine einzulösen. man müsse deshalb für ein ei zwanzig anteilscheine nehmen, mit steigender tendenz. als das die runde machte, kamen alle tiere des landes auf einmal, und es regnete anteilscheine wie bei einem schneesturm. das gefiel den uhus gar nicht. sie berieten sich mit den füchsen, und die hatten die rettende idee: sie holten die waschbären mit ins boot und ließen sich von denen frisches geld drucken.

als der wert eines eies nach kurzer zeit auf über eine billion waldmark gestiegen war, schlugen die füchse ein neues system vor: der freie handel sei zugunsten einer zwangsbewirtschaftung aufzugeben, schafften das geld ganz ab und führten sogenannte „bezugsscheine“ ein. aber da gab es schon keine eier mehr, weil das waldvolk in seiner not alle hühner aufgefressen hatte.

„was nun?“, fragte der uhu. „ich hab’s“, sagte der fuchs. „die maulwürfe! wir sagen, die maulwürfe sind schuld an der ganzen misere. die mit ihrem komischen gesicht und mit ihren unterirdischen vorratshaltungen!“ so fielen die waldbewohner über die maulwürfe her, schlugen sie tot und nahmen ihnen ihre vorräte. das hielt ein paar wochen und monate vor, dann war alles wieder beim alten.

„und jetzt?“ „jetzt heißt’s geduld haben“, sagte der fuchs, und machte sich unsichtbar, während alle waldvölker übereinander herfielen.

viele jahre später wuchs gras dort, wo früher ein wald gestanden hatte. es gab keine hasen mehr und keine rehe, keine eichhörnchen, keine waschbären und keine bauern. nur noch den uhu und den fuchs.

„wo hast du denn die eier her?“, fragte der uhu den fuchs. „verkaufst du mir eins?“

Bearbeiten/Löschen    


4 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!