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Leselupe.de > Horror und Psycho
Fahrgemeinschaft
Eingestellt am 23. 11. 2002 22:56


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Sn0wflake
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Fahrgemeinschaft


Morten l├╝mmelte auf dem sch├Ąbigen R├╝cksitz und schaute durch das Fenster zum Himmel hinauf. Die Morgend├Ąmmerung war l├Ąngst vor├╝ber und durch schmale Wolkenfetzen drangen bleiche Sonnenstrahlen hindurch.
„Hoffentlich ist heute nicht schon wieder Stau“ bemerkte Jule mit einem leichten Seufzer.
Fast jeden Tag bildete sich auf der Strecke zwischen Kantstadt und B├Ąrtraun ein sich endlos hinziehender Stau auf der engen Stadtautobahn.
„Wann werden die mit ihrer bescheuerten Baustelle endlich fertig? Bestimmt wenn wir fertig studiert haben!“ schimpfte sie vor sich hin. Morten zog die Schultern hoch und nickte, obwohl Jule, die sich auf den dichten Morgenverkehr konzentrieren musste, ihn nicht sehen konnte.
Chrischi schaute wie immer aus dem Fenster und sagte nichts.
Nur ganz selten bekam er seine Z├Ąhne auseinander, und wenn, dann waren seine Laute meist einsilbig.
Es gab Tage an denen Morten und Jule v├Âllig ausgelassen waren und ├╝ber alles lachten und die ganze Fahrt ├╝ber herumalberten. Morten wartete schon seit fast einem Jahr darauf, dem schweigsamen Chrischi aus ihrer Fahrgemeinschaft ein kleines L├Ącheln oder eine andere Gef├╝hlsregung zu entlocken. Vergebens. Chrischi schien wie ein k├╝hler Stein zu sein. Er war freundlich, h├Âflich und auf seine stille Weise irgendwie charmant. Aber Morten hoffte noch immer darauf, dass Chrischi eines Tages platzen w├╝rde, wie er es nannte.
Jule drehte das Radio lauter, denn jetzt kam der t├Ągliche Scherzanruf des Senders. Einer von denen, wo ahnungslose Menschen auf ihrer Arbeit nach Strich und Faden verarscht wurden. Sie lachte schrill auf, als ein besonderer H├Âhepunkt in der heutigen Episode dran kam, so dass Morten unwillk├╝rlich zusammenzuckte. Auf der Hinfahrt musste er sich sehr anstrengen nicht wieder seinen n├Ąchtlichen Tr├Ąume zu verfallen.
Wann wird nur endlich das Beamen erfunden? Fragte er sich Tag f├╝r Tag.
Pl├Âtzlich blitzten von den Autos vor ihnen die Warnblinker auf und Morten und Jule st├Âhnten gleichzeitig auf. Angewidert dr├╝ckte auch sie den Knopf f├╝r das Warnblinklicht und trat energisch auf die Bremse. „Ich hasse diese beschissene Baustelle! Hatte ich das schon mal erw├Ąhnt?“.
├ťberall um sie herum standen nun die Wagen mit laufenden Motoren. Man konnte die Enge f├Ârmlich sp├╝ren, die von den dicht beieinander wartenden Autos ausging. Wie K├╝he vor dem Schlachttransporter warteten die Autos. Und genauso war ein Entkommen geradezu aussichtslos. Stop and Go war an diesem Septembermorgen angesagt.
Morten schaute zu Chrischi. Aber er verzog keine Miene und starrte aus Fenster. Seine gelockten, schwarzen Haare fielen ihm ins Gesicht und Morten gab es f├╝r heute Morgen auf, eine kleine Gef├╝hlsregung von Chrischi zu erhaschen.
Im Radio ert├Ânte jetzt ein Lied von Madonna. Morton st├╝tzte sich auf seinen Ellenbogen und schaute wartend aus dem schmierigen Fenster hinaus. ├ťberall Autos. Vor ihnen, hinter ihnen, neben ihnen. Der erdr├╝ckende Gestank von Abgasen trat in seine Nase.
Die auf der anderen Fahrbahn haben┬┤s gut, dachte Morton, die haben freie Bahn und m├╝ssen nicht wie wir jeden Morgen an dieser bl├Âden Baustelle verrecken!
Die Stelle, wo die Schnellstra├če wegen der Baustelle einspurig wurde lag noch 900 Meter vor ihnen und erstreckte sich dann ├╝ber 5 Kilometer gen S├╝den.
„Wenn wir erstmal im Brennpunkt sind wird┬┤s hoffentlich besser!“ flehte Jule zu den R├╝cklichtern des Toyotas vor ihnen.
Madonna wurde in ihrem Gesang unterbrochen und das Radio st├Ârte, als wenn sie in ein Sendefunkloch geraten w├Ąren. Das Radio schnarrte und krisselte, bis eine undeutliche Radiostimme einen schweren Unfall zwischen B├Ąrtraun und Kantstadt meldete.
„…der LKW verliert hochgiftige, chemische Substanzen, wie uns unser Verkehrsberichterstatter so eben meldete. Die Insassen des Wagens, der gerammt wurde scheinen schwer verletzt zu sein. Liebe H├Ârer, ich bitte sie eingehend Platz f├╝r den ankommenden Rettungshubschrauber und die Rettungswagen zu machen!“
„Das ist aber nicht auf unserer Seite, oder?“ fragte Morten.
Jule blickte kurz ├╝ber die Schulter nach hinten und zog die Stirn kraus. „Was ist auf unserer Seite?“
„Na der Unfall“
„Welcher Unfall?“
„Hast du das eben nicht geh├Ârt?“
Jule zuckte mit den Schultern und sch├╝ttelte gleichzeitig mit dem Kopf, so dass ihr geflochtener Zopf wie die Rute eines Hundes hin und her wedelte.
„Die Meldung eben“ Morten merkte, dass er mit seinen Worten nur f├╝r Fragezeichen in Jules Kopf sorgte. Best├Ątigung suchend schaute er zu Chrischi, der sich r├Ąusperte, um dann doch nichts zu sagen.
Morten atmete tief aus. Dann also nicht, dachte er und schaute wieder aus dem Fenster.
Z├Ąh floss der Verkehr dahin. Gas geben, bremsen. Jedes Mal beim Anfahren heulte der alte wei├če Golf laut auf und gab dr├Âhnende Seufzer von sich. W├╝tend klopfte Jule auf das Lenkrad.
Morten fing an sich zu fragen, ob er die Meldung tats├Ąchlich geh├Ârt hatte oder ob er sich irgendwo zwischen Halbschlaf und Wachsein befunden hatte. Jule hatte ihr Verhalten bez├╝glich des ├╝blichen Staus nicht ver├Ąndert. Sie hatte es nicht geh├Ârt. Hatte sie es ├╝berh├Ârt? Morten befand, dass sie es ├╝berh├Ârt haben musste. Denn eigentlich f├╝hlte er sich den Umst├Ąnden entsprechend wach.
Er hatte keine Lust auf einen Smalltalk, daf├╝r war es heute noch zu fr├╝h. Aber dennoch besch├Ąftigte ihn die Aussage des Radiosprechers. Chemischer Unfall? Mit Rettungshubschrauber? Das schien ihm ein verdammt ├╝bler Unfall zu sein. Er hatte Mitleid mit den Beteiligten, war aber trotzdem erleichtert, dass es nicht auf ihrer Seite der Autobahn geschehen war.
Der Verkehr floss. Zwar tr├Ąge, aber dennoch so wie sonst auch, wenn es die Leute mal wieder nicht verstanden sich gleichm├Ą├čig in die einspurige Stra├če einzuf├Ądeln.
Beil├Ąufig warf er wieder einen Blick aus dem Fenster und mit einem Male war er hellwach.
Auf der linken Seite, auf der Gegenautobahn, war ein Riesenspektakel.
Ein riesiger gelber Lastwagen lag quer auf der Stra├če. Er war an allen Ecken derbe zerbeult und schmutzig. Grauer Dampf vernebelte die Sicht auf die sich langsam drehenden Reifen. Aus allen m├Âglichen ├ľffnungen schien eine r├Âtlichgr├╝ne Fl├╝ssigkeit auszutreten.
Der Chemie-Unfall! Schoss es durch Mortens Kopf.
Neugierig presste er die Nase gegen die Scheibe. Eigentlich hasste er Gaffer. Aber da sie so oder so daran vorbei fahren mussten, sah er keinen Grund wegzusehen. In der Fahrerkabine des Transporters konnte man nichts erkennen. Die Frontscheibe war teilweise zersplittert und drinnen war es dunkel. Zwischen dem Lastwagen und der Leitplanke quetschten die ├ťberreste eines Pkws. Von der Motorhaube war fast gar nichts mehr ├╝brig und an den Seiten hatte das Auto um mehrer Zentimeter drastisch abgenommen. Glassplitter lagen ├╝berall herum und auch Teile von der Lichtmaschine konnte man auf dem nassen Asphalt liegen sehen. Nasser Asphalt? Jetzt sah Morten genauer hin. Tats├Ąchlich, der Asphalte war nass, als wenn dem Unfall ein kr├Ąftiger Regenschauer vorausgegangen w├Ąre. Er betrachtete das Auto und stellte fest, dass auch der Rest des Wagens von Regentropfen ├╝bers├Ąt war. Das wei├če Blech des Wagens war von der chemischen Fl├╝ssigkeit gesprenkelt und an der heil gebliebenen Frontscheibe war ein gro├čer roter Fleck, der langsam hinab lief, wie von einem gro├čen Vogel, der mit voller Wucht gegen eine Fensterscheibe geflogen war. Die Rettungsfahrzeuge waren noch nicht eingetroffen und nur ein paar Unbeteiligte standen ratlos hinter dem Unfall und inspizierten vorsichtig die Blechhaufen. In der Ferne war das Geknatter eines herannahenden Hubschraubers zuh├Âren.
In dem ├ťberrest des wei├čen Autos konnte man auf dem R├╝cksitz den schemenhaften Umriss von einer in sich zusammen gekr├╝mmten Gestalt erkennen. Mortens Magen zog sich zusammen und wollte das magere Fr├╝hst├╝ck, das aus einem Glas Milch und einem M├╝sliriegel bestand, herauspressen.
„├ťbel!“ stie├č er japsend hervor. Die beiden Autos waren jetzt auf gleicher H├Âhe, so dass Mortens Scheibe der von der Gestalt genau gegen├╝berlag. Gerade wollte er einen weiteren Kommentar abgeben, als ihm der Atem stockte. Auf einmal richtete sich, die auf die Knie gebeugte Gestalt auf und drehte langsam den Kopf in Richtung Morten. Ein junger Mann in dem Alter von Chrischi glotzte ihn mit blutunterlaufenen Augen an und bewegte langsam die Lippen. Morten zuckte zur├╝ck, konnte seinen Blick aber nicht abwenden. Die blutverschmierten Haare des Mannes klebten ihm im Gesicht und aus der Nase floss das Blut wie Schnodder bei einem kleinen Kind. Langsam hob der Verletzte den Arm, als wenn er etwas Wichtiges zu sagen h├Ątte. „Oh mein Gott!“ schrie Morten aus. Der blutige Mann lie├č den Arm wieder sinken und bewegte immer wieder das rote, verschmierte Loch, das einmal sein Mund gewesen war. Er schien seine Worte zu wiederholen. Morten versuchte von seinen Lippen zu lesen und stellte fest, dass es sich um zwei sich immer wiederholende Worte handeln musste. Krampfhaft konzentrierte er sich auf die Lippen, konnte aber nicht entr├Ątseln, was er meinte. Man sah das Entsetzen in den Augen des Verletzten und das Grauen in Mortens eigenem Gesicht. Er schluckte und dann waren sie auch schon daran vorbei gefahren.
Der Verkehr ging jetzt z├╝giger voran und Jule gab einen erleichterten Sto├čseufzer von sich.
Mortens Herz pochte bis zum Hals hinauf und immer wieder ballte er seine F├Ąuste im Scho├č. „Nicht ├╝berholen!“ schoss es ihm pl├Âtzlich in den Sinn. Hatte der Verletzte das gesagt? Es war so schnell gegangen. Wahrscheinlich waren es nur Sekunden, in denen Morten und der Verletzte sich gegen├╝ber sa├čen, aber ihm war es wie eine Ewigkeit vorgekommen. Er hatte ganz genau den quietschgelben LKW mit der Aufschrift „eilige Chemikalien“ gesehen und er hatte auch das schlimm zugerichtete Auto gesehen. Das Gesicht des jungen Mannes hatte man nicht wirklich erkennen k├Ânnen, denn es war ├╝ber und ├╝ber mit Blut verschmiert gewesen aber Morten war es, als wenn ihm diese Person bekannt vor kam. Wie ein Zombie aus den alten Filmen der 70er Jahre, dachte Morten ersch├╝ttert.
„Geht’s dir wieder besser? -ich dachte schon du kotzt mir den Wagen voll!“ schimpfte Jule mit einem besorgten Unterton.
Chrischi presste nerv├Âs die Lippen aufeinander, so dass sie bereits eine wei├če F├Ąrbung annahmen. Aber Jule schien ganz unbek├╝mmert, fast gut gelaunt zu sein.
„Das sah ganz schon heftig aus!“ verteidigte sich Morten.
„H├Ą?“
„Der Unfall!“
Im R├╝ckspiegel konnte Morten erkennen, dass Jule fragend die Augenbrauen hob. Genervt stie├č er hervor: „Der schlimme Unfall eben! Auf der Gegenfahrbahn! Sag jetzt nicht, du hast auch das nicht gesehen!“ Falls das wieder einer Jules bl├Âder Scherze ist, dachte Morten, dann hat sie diesmal nicht den passenden Zeitpunkt daf├╝r gew├Ąhlt. Ver├Ąrgert biss er die Z├Ąhne zusammen.
„Hast du eben geschlafen? Oder was hast du andauernd mit deinem Unfall?“ In Jules Stimme klang Spott mit und Morten wurde langsam richtig w├╝tend.
„Ich wei├č ja nicht wo du w├Ąhrend des Fahrens so hinschaust, aber ich finde, das war jetzt un├╝bersehbar!“
Gleichg├╝ltig zuckte sie mit den Achseln. Jule, obwohl sie doch sonst immer so sensibel auf alles M├Âgliche reagierte. Einmal w├Ąre sie fast in den Graben gefahren, als eine vermeintliche Maus ├╝ber die Stra├če gehuscht war. Letztendlich war es nur ein vertrocknetes Blatt gewesen, das der Wind her├╝ber geweht hatte, und sie hatten hinterher herzhaft dar├╝ber gelacht. Aber Jule war immer sehr empf├Ąnglich f├╝r Unf├Ąlle jeglicher Art.
Aus diesem Grund war Morten jetzt zutiefst beunruhigt. „was sagst du dazu, Chrischi?“ Er bekam keine Antwort. Noch immer sa├č Chrischi mit verkrampften Gesicht auf seinem Sitz und starrte nach vorn. Morten war es, als wenn er ein leichtes Zittern an Chrischi wahrnahm, aber sicher war er sich nicht. Au├čerdem war es kalt, denn die Heizung in Jules Golf funktionierte nur, wenn sie gerade Lust dazu hatte.
Langsam fragte sich Morten, ob er sich das nicht vielleicht doch alles nur eingebildet haben k├Ânnte. Eigentlich war er sicher was er gesehen und geh├Ârt hatte. Aber wie konnten die beiden das ├╝bersehen haben?
Nachdenklich knabberte er an seinen Fingern├Ągeln.


Der Tag in der Hochschule war sehr anstrengend gewesen. Drau├čen d├Ąmmerte es bereits und aus dem Nieselregen wurde langsam ein heftiger Regenguss. Die Scheibenwischer quietschten in gleichm├Ą├čigem Rhythmus und schoben angestrengt die Wassermassen von der Scheibe. Morten und Jule flachsten ausgelassen herum. Chrischi sa├č starr auf dem R├╝cksitz und betrachtete die hinab laufenden Tropfen an der Scheibe. Die ersten abfallenden Bl├Ątter wirbelten im Wind umher wie Schneeflocken und gaben beim Aufprall auf das Auto dumpfe, klickende Ger├Ąusche von sich. Der nasse Asphalt spiegelte die Lichter der Autos wieder und an einigen Stellen der Stra├če bildeten sich bereits tiefe Pf├╝tzen.
„Hoffentlich ist wenigstens jetzt die Autobahn frei!“ sagte Jule.
„Bestimmt!“ ermunterte Morten die Fahrgemeinschaft.
Sie kamen gut voran und nirgends war auch nur der Hauch von einem Stau in Sicht. Die Autobahn war ungew├Âhnlich leer zu dieser Zeit, wo der Feierabendverkehr normalerweise die Fahrstreifen verstopfte. Auf der parallel laufenden Autobahn begann nun die Baustelle und je weiter man fuhr, desto enger fuhren die Autos und bald darauf konnte man die genervten Gesichter der Insassen erkennen, als sie endlich am Schwerpunkt der Baustelle vorbeifuhren. Stau. Aber diesmal nicht bei uns, freute sich Morten.
Jule ├╝berholte alle Lastwagen und sie fuhren ein gutes Tempo auf der linken Spur.
„Was ist das denn f├╝r einer?!“ Jule schnitt eine emp├Ârte Grimasse. Morten schaute genauer hin und sah vor ihnen einen gelben Lastwagen, der sich scheinbar nicht zwischen den beiden Fahrspuren entscheiden konnte. Immer wieder ber├╝hrten seine R├Ąder die linke H├Ąlfte der Autobahn. Jule ├╝berlegte und setzte zum ├╝berholen an.
Morten musste pl├Âtzlich an den schweren Unfall von heute Morgen denken. Nicht ├╝berholen! Schoss es ihm wieder durch den Kopf. Erschrocken stellte er nun fest, dass dieser gelbe Lkw auf eine unheimliche Weise dem von heute morgen verdammt ├Ąhnlich sah. Auf einmal war ihm alles klar. Ihr wei├čer Golf, wie der von heute morgen fuhr hinter dem Lastwagen.. Das gleiche Fabrikat wie dieser hier. Und der Verletzte! Hatte er nicht Chrischi zum verwechseln ├Ąhnlich gesehen? Morten drehte sich abrupt um, als wolle er sich vergewissern, dass Chrischi noch unversehrt auf der R├╝ckbank sa├č. Er hatte die Lippen wieder zusammengepresst, und seine Augen schienen besorgt nach vorn zu starren. Aber Morten hatte sich oft Dinge in Chrischis Verhalten hineininterpretiert.
Nicht ├╝berholen!
Morten wollte sagen, was er bef├╝rchtete, aber seine Kehle war trocken und es kam nichts als ein schwaches Kr├Ąchzen heraus.
Jule setzte erneut zum ├ťberholen an.
Sein ungutes Gef├╝hl wich einer l├Ąhmenden in ihm aufsteigenden Panik. Die chemischen Zeichen auf dem gelben Lastwagen leuchteten drohend in den verregneten Abend hinein. Wie unheimliche Fratzen schienen sie h├Ąmisch auf Morten und seine Mitfahrer hinab zu grinsen. Fast h├Ątte man ihr blechernes Lachen geh├Ârt, das sich zu den polternden Ger├Ąuschen des Lkws mischte
„Nicht ├╝berholen!!!“
Morten und Jule zuckten vor Schreck zusammen als sie Chrischis energischen, gellenden Ausruf h├Ârten. Jule war so ├╝berrascht, dass sie unvermittelt auf die Bremse trat, und so hinter dem Chemietransporter blieb.
Morten drehte sich um und starrte zu Chrischi, der immer noch steif auf dem R├╝cksitz sa├č, als wenn ├╝berhaupt nichts geschehen w├Ąre. Nur seine Augen dr├╝ckten tiefe Best├╝rzung aus. Seine fahle Haut war nicht nur blas, sondern schneewei├č. Morten war so ├╝berrascht, dass sich seine Gedanken immer und immer wieder in seinem Kopf ├╝berschlugen
Jule fuhr nerv├Âs hinter dem noch immer schlingernden Lastwagen hinterher. Auf einmal setzte der Lkw den Warnblinker und blieb schleudernd und mit quietschenden Reifen schr├Ąg zwischen dem schmalen Randstreifen und der rechten Fahrbahnh├Ąlfte stehen.
Vorsichtig bugsierte Jule ihren wei├čen Golf an dem Lastwagen vorbei.
Auf Mortens Stirn hatte sich Schwei├č gebildet, der nun in seichten Perlen an den Schl├Ąfen herunter lief. Sein Herz h├Ąmmerte in seiner Brust und er merkte nicht, dass er gleich drei Finger auf einmal mit seinen Z├Ąhnen bearbeitete. Am liebsten h├Ątte er sich in einen Ecke verkrochen um vor Erleichterung zu heulen. Was eben geschehen war, war so unglaublich. Er konnte seine Gef├╝hle kaum beschreiben.
„Wow!“ stie├č Jule ungl├Ąubig hervor. „Danke, Chrischi! Das h├Ątte knapp werden k├Ânnen!“ Morten drehte sich wieder zu Chrischi, um seine Reaktion zu sehen. Aber Chrischi sa├č da wie immer. Den Blick starr geradeaus, verkniffene Gesichtsz├╝ge. Die schwarzen Haare stumpf auf seinen Schultern liegend. Und nichts sagend.


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Michael Schmidt
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Sehr sch├Âne Geschichte, gegen Ende fast unertr├Ąglich spannend, nur der "flapsige" Beginn pa├čt nicht so recht zu dem Rest der Geschichte, daher gibt es einen Stilbruch, das w├╝rde ich mal ├╝berdenken.

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Sn0wflake
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ich freu mich dass sie dir gefallen hat und danke auch f├╝r deine anmerkung. welche stelle (oder was genau) meinst du denn mit flapsig?...ich seh den wald mal wieder vor lauter b├Ąumen nicht...hehe


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Michael Schmidt
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Hallo Sn0wflake,

ich habe mal drei Beispiele herauskopiert:

Wann wird nur endlich das Beamen erfunden? Fragte er sich Tag f├╝r Tag.
Pl├Âtzlich blitzten von den Autos vor ihnen die Warnblinker auf und Morten und Jule st├Âhnten gleichzeitig auf. Angewidert dr├╝ckte auch sie den Knopf f├╝r das Warnblinklicht und trat energisch auf die Bremse. „Ich hasse diese beschissene Baustelle! Hatte ich das schon mal erw├Ąhnt?“.

Die auf der anderen Fahrbahn haben┬┤s gut, dachte Morton, die haben freie Bahn und m├╝ssen nicht wie wir jeden Morgen an dieser bl├Âden Baustelle verrecken!

Z├Ąh floss der Verkehr dahin. Gas geben, bremsen. Jedes Mal beim Anfahren heulte der alte wei├če Golf laut auf und gab dr├Âhnende Seufzer von sich. W├╝tend klopfte Jule auf das Lenkrad.

An diesen drei Abs├Ątzen ist normalerweise nichts zu m├Ąkeln, nur passen sie meiner Meinung nach nicht zum Rest der Geschichte. Egal ob die Sache mit der beschissenen Baustelle, dem Beamen, oder dem aufheulenden Golf, es ist ein ganz anderer Stil als sp├Ąter, daher gibt es f├╝r mich einen Bruch in der Geschichte.

Mir pers├Ânlich w├╝rde es f├╝r diese Geschichte besser gefallen, wenn der Anfang ein wenig mehr sachlich w├Ąre.

Gru├č,
Michael

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Sn0wflake
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erstmal vielen lieben dank f├╝r deine anmerkungen!
ich werde das mal ├╝berdenken...denn irgendwie kams mir auch so vor als wenn irgendwas noch nicht so ganz stimmt.
ich werd einfach mal ausprobieren wie es am besten klingt

gru├č Snowflake
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Amely_Lea_Brandon
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WOW

Also die Geschichte finde ich auf jeden Fall echt gut geschrieben, nur muss ich mich michael anschlie├čen, dass der Anfang noch nicht so gelungen ist.
Auf jeden Fall bin ich gespannt bald mehr von dir zu lesen.

Ganz liebe Gr├╝├če,

Deine Amely

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