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Leselupe.de > Humor und Satire
Familie Bulotti und der Fluch der Missinterpretationen.
Eingestellt am 20. 05. 2003 08:07


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pleistoneun
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Vater Bulotti, Mutter Bulotti und Sohn J├Ârgen legten jedesmal ihre guten Manieren ab, wenn sie die Stra├čen in der Stadt mit ihren schlechten Graffiti verzierten. Die drei Bulottis besa├čen - jeder f├╝r sich - die F├Ąhigkeit aus ihrer Nase zu sprayen, aber anders als man es vom Niesen kennt. Und es war auch weniger eine F├Ąhigkeit, mehr eine Krankheit, ein Fluch, denn eine innerer Zwang trieb diese Leute zum ungehemmten Sprayen. Ein mutiertes Gen produzierte die Farben wie bei einem Farbdrucker und eine ├╝berdimensionierte Lunge schleuderte die K├Ârpersubstanzen an die Wand. Sie verstanden sich weniger als Laune der Natur sondern vielmehr als eine neue, k├╝nstlerische Epoche - und das jeder f├╝r sich, denn keiner wusste vom anderen, dass dieser ebenfalls die Sprayerf├Ąhigkeiten besa├č. Und so sa├čen sie zuhause immer brav beim Abendbrot, und alle drei waren in Gedanken schon bei der n├Ąchsten unbefleckten Wand und sprayten was ihre Nasen hergaben.

Als Sohn Bulotti eines Tages mit blauem Nasenbluten vom angeblichen Spielen abends nachhause kam, war Mutter Bulotti klar, dass sie ihr ungez├╝geltes Gen direkt weiter vererbt hatte. Mitf├╝hlend reinigte Mutter Bulotti den Riech- und Spraykolben ihres Sohnes und tauschte seine Farbpatrone. Sie mussten es vor Vater Bulotti geheim halten, so gut es eben ging. Wer wei├č, wie er reagieren w├╝rde? Bestimmt k├Ânnte er es nicht verstehen und w├Ąre entsetzt ├╝ber den Familienfluch. Nein, gar nicht auszudenken.

Die beiden h├╝teten das Geheimnis gut, bis viele Jahre sp├Ąter Mutter Bulotti im Sterbebett lag. Sie war schon schwach und gebrechlich geworden und die beiden M├Ąnner k├╝mmerten sich Tag und Nacht um sie. Aber nach wenigen Wochen vergeblicher Pflege f├╝hlte Mutter Bulotti den nahenden Tod und fl├╝sterte deshalb leise zu ihrem Sohn die Worte: "Denk an unser Geheimnis, bewahre es gut vor der Welt." Dann verlie├čen sie die Kr├Ąfte und schied dahin. Sohn Bulotti heulte Rotz und Tinte, er konnte es nicht verhindern. Er weinte und weint und weinte rot. Das ganze Bett war rot und orange vollgeheult, das Gesicht der Mutter von den Umarmungen verschmiert mit Farbe und das ganze Szenario machte auf den gerade eintretenden Vater den Eindruck, als h├Ątte gerade ein schreckliches Blutbad stattgefunden. Sofort packte er den Sohn beim Arm und riss ihm vom Bett der Mutter. Der jammernde Sohn fiel in seiner Trauer so ungl├╝cklich zu Boden, dass er sich den Kopf aufschlug und verblutete. Das bemerkte der Vater nicht, weil rot von rot nicht mehr zu unterscheiden war.

Die Polizei fand einen fassungslosen Vater Bulotti mit rotgef├Ąrbten H├Ąnden im Zimmer stehen. F├╝r die Beamten war klar, dass hier ein Familienm├Ârder sein grausames Werk vollendet hatte und f├╝hrten den schweigenden Mann ab. Vater Bulotti war es nicht m├Âglich, das Gericht von seiner Unschuld zu ├╝berzeugen und fristete deshalb ein paar furchtbare Monate im Todestrakt der Haftanstalt.

Bei der Hinrichtung sa├č er gefasst am Stuhl und ergab sich seinem bestechlichen und ungerechten Schicksal. Nachdem der Akt vollzogen war, konnte man beobachten, wie langsam blaue Fl├╝ssigkeit aus Ohr und Mundwinkel Vater Bulottis trat, woraufhin sich die Beamten vorsichtig n├Ąherten, um die offensichtlich nicht-von-dieser-Welt stammende Erscheinung zu erkunden. Schnell war klar, dass man es mit einem Au├čerirdischen zu tun hatte, der in humanoider Form nach menschlichem Leben trachtete. Eine falsche Annahme f├╝hrte zur n├Ąchsten. Es wird niemals enden.

Zu viele Fehldeutungen und ├ängste vor Unverst├Ąndnis kosteten schon zu vielen Menschen das Leben. Plakatieren wir jedoch unsere gesellschaftlichen Abweichungen und Andersartigkeiten, passiert uns dasselbe.

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