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Leselupe.de > Horror und Psycho
Familienbande
Eingestellt am 15. 08. 2002 00:23


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Koyuko
M├Âchtegern-Schreiber
Registriert: Aug 2002

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Als Mike Harris an diesem kalten Wintermorgen seinen Volvo vor der Dorfbibliothek des kleinen englischen Dorfes Blakesfield abstellte, ahnte er noch nicht, dass an diesem Tag sein Bild der Welt komplett auf den Kopf gestellt werden w├╝rde. Seit einem Jahr arbeitete er schon f├╝r die Zeitung „Today“ als Journalist und hatte sich vor allem auf politische Reportagen spezialisiert. Gestern hatte ihm allerdings sein Chef den Auftrag erteilt, einen Bericht ├╝ber die Grafenfamilie Howard der Ortschaft Blakesfield zu schreiben. Eher widerstrebend hatte er angenommen, weil ihm solche Arbeit nicht gerade lag.
Er stieg aus seinem Auto, schlug den Mantelkragen hoch, um sich vor dem beissenden Wind zu sch├╝tzen, und ging um das Geb├Ąude zum Eingang. In der Bibliothek war es gl├╝cklicherweise recht warm, so dass er seinen Mantel bereitwillig am Eingang aufh├Ąngte.
Kaum trat er durch die zweite T├╝r, l├Ąchelte ihn Susan, die Bibliothekarin schon von der Theke an und sagte: „Guten Morgen Mike. Was kann ich denn heute f├╝r dich tun?“
„Hi Susan. Gut siehst du heute wieder aus,“ antwortete Mike l├Ąchelnd. „Ich suche nach Informationen ├╝ber die Familie Howard.“
„Du bist immer noch ein richtiger Charmeur,“ kicherte sie. „Wie du wei├čt, haben wir alle Zeitungen und Dokumente, die ├Ąlter als ein Jahr sind, im Computer gespeichert. Geh ans Terminal zwei und lass es mich wissen, wenn du noch etwas brauchst.“ Sie warf ihn einen bedeutungsvollen Blick aus ihren wunderbaren, blauen Augen zu.
Er schenkte ihr sein sch├Ânstes L├Ącheln, bedankte sich und durchquerte dann die Halle zu den Computern, die in der hintersten Ecke standen. Nun w├╝rde eine m├╝hselige Sucherei beginnen, wie er genau wusste.
Dank dem Computer w├╝rde dies allerdings bedeutend weniger m├╝hsam sein als noch vor kurzem, als noch s├Ąmtliche Dokumente auf Mikrofilmen gespeichert waren. Schon nach kurzer Zeit hatte er viele ├Ąltere Zeitungsberichte und offizielle Dokumente ├╝ber die Familie Howard gefunden und begann, alles durchzulesen.
Die Grafschaft war schon ziemlich alt, erst vor relativ kurzer Zeit hatte die Familie begonnen, Land zu verkaufen. Doch noch immer geh├Ârte ein grosser Teil der umliegenden Felder und W├Ąlder dem Grafen. Amtierender Graf war James Howard, der verheiratet war und einen Sohn hatte. Die Familie schien im allgemeinen nie besonders kinderreich gewesen zu sein. Neben dem Land besass der Graf zahllose Aktien der verschiedensten Firmen und hatte sich so zweifellos einen ziemlichen Reichtum angeschafft.
Als Mike danach die Geburtsscheine durchging, geriet er ins Stocken. Von einigen der alten Grafen fehlten sowohl die Geburts- als auch die Todessscheine. „Das kann doch nicht sein,“ murmelte er.
Rasch ├Ąnderte er die Suchbefehle und liess den Computer noch einmal alles durchw├╝hlen. Doch das Ergebnis blieb dasselbe. Sowohl vom letzten Grafen von Blakesfield, Harold Howard, als auch vom aktuellen, James, und auch von dessen Sohn Henry fehlten die Geburtsscheine. Das konnte doch nicht sein. Oder etwa doch? Ein drittes Mal liess Mike den Computer suchen, wieder mit negativem Ergebnis.
Er beschloss, den Grafen pers├Ânlich darauf anzusprechen. Ein Blick auf seine Armbanduhr verriet ihm, dass es fast 11 Uhr war. Er w├╝rde sich so viele Notizen wie m├Âglich von hier machen, dann eine Kleinigkeit Essen und danach den Grafen aufzusuchen.
Rasch f├╝llte sich sein Notizblock mit Informationen ├╝ber die Familie Howard. Einige Dokumente liess er sich von Susan ausdrucken, da das Abschreiben zu viel Zeit in Anspruch genommen h├Ątte. Er merkte kaum, wie die Zeit verging. Als er wieder auf die Uhr sah, war es bereits Viertel vor Eins. Das Mittagessen w├╝rde heute wieder mal ausfallen. Er hatte sowieso keinen Hunger. Nun m├╝sste er aber gehen, er konnte den Grafen doch nicht warten lassen. Beim hinausgehen zwinkerte er Susan zu und sagte, dass er sp├Ąter nochmals kommen w├╝rde. Sie l├Ąchelte ihm zu und nickte wortlos.
Zum Gl├╝ck war die Villa des Grafen nicht allzu weit vom Dorf entfernt, um f├╝nf vor Eins sass er in seinem Auto vor dem Haus und stellte den leise schnurrenden Motor ab. Er stieg aus und betrachtete das Herrenhaus. Das Wort Villa war fast schon eine Untertreibung, das Geb├Ąude war ein richtiges kleines Schloss. Teilweise von B├Ąumen verdeckt stand es in einem kleinen Waldst├╝ck. Was er von hier nicht sehen konnte, waren die alten Pferdest├Ąlle und die Unterk├╝nfte der Bediensteten, die sich hinter dem eigentlichen Schloss befanden. Das grosse Hauptgeb├Ąude war vierst├Âckig und in einem hervorragenden Zustand. Mike erinnerte sich, dass das Haus vor kurzem komplett renoviert worden war. Die Fassade war frisch und wirkte einladend. Obwohl es gr├Âsstenteils im Schatten der grossen B├Ąume lag, wirkte es eher wie ein M├Ąrchenschloss. Die kleinen Eckt├╝rme und die grossen Fenster trugen ihr ├╝briges dazu bei. Es wunderte ihn aber, dass die meisten Vorh├Ąnge zugezogen waren.
Er ging auf die grosse h├Âlzerne Eingangst├╝re zu, die ebenfalls ziemlich neu war. Das Holz war hell und noch ohne Witterungseinfl├╝sse. Der moderne Dr├╝cker der T├╝rklingel wirkte wie ein Anachronismus zu dem alten Haus. Eine sanfte Melodie erklang im innern, als Mike den Taster bet├Ątigte. Schon nach kurzer Zeit h├Ârte er Schritte hinter der massiven T├╝r, die gleich danach aufschwang.
Ein ├Ąlterer Mann mit sch├╝tterem grauen Haar und einem freundlichen L├Ącheln stand in der T├╝r, streckte ihm die Hand entgegen und sagte: „Ah, Sie m├╝ssen Mike Harris sein. Ich bin James Howard.“
Mike nahm seine Hand und erwiderte den Druck. „Freut mich, Sie kennen zu lernen, Mr. Howard. Mike Harris von der Zeitung Today.“
Der Graf f├╝hrte ihn in das grosse, recht altmodisch eingerichtete Wohnzimmer. Es war recht hell, dank dem grossen Fenster, und wirkte irgendwie wie aus einem alten Film. Die alten, massiv wirkenden M├Âbel, der grosse Steinkamin und die mit Bildern und diversen alten Gegenst├Ąnden geschm├╝ckten W├Ąnde verliehen dem Raum ein fast mittelalterliches Flair. Das grosse Sofa wirkte hingegen recht neu, auch wenn es auf alt getrimmt worden war. Mike vermutete, dass es ein ziemlich teures Designermodell war.
Der Graf setzte sich in den grossen Lehnsessel und wies auf das Sofa. „Bitte, setzen Sie sich doch.“
Nachdem Mike es sich auf dem bequemen Sofa gem├╝tlich gemacht hatte, begann er mit dem Interview. Der Graf erz├Ąhlte bereitwillig die Geschichte der Grafschaft von Blakesfield, jedoch nichts, was Mike nicht schon wusste. Auch ├╝ber die aktuelle Situation und die Gesch├Ąfte berichtete der Graf, gab Auskunft ├╝ber seine Familie und die L├Ąndereien, die noch immer im Besitz der Grafschaft waren.
„Etwas w├╝rde mich zum Schluss noch interessieren. Ich habe leider in den offiziellen Dokumenten Ihre Geburtsurkunde nicht gefunden. Wann wurden Sie geboren?“ fragte Mike schliesslich.
„Meine Geburtsurkunde? Da muss jemandem ein Fehler unterlaufen sein. Ich wurde am 12. September 1931 geboren,“ antwortete der Graf.
Mike rechnete im Kopf kurz nach. „Das w├╝rde ja dann heissen, dass Sie bereits mit 13 zum Grafen ernannt wurden.“
Der Graf schien nun etwas nerv├Âs zu werden. „Naja, mein Vater starb fr├╝h, jemand musste die Nachfolge ├╝bernehmen und da ich der einzige Sohn war, fiel es eben auf mich.“
„Sagten Sie nicht, dass Ihr Vater 1952 gestorben war?“ hakte Mike nach.
„Er war zu diesem Zeitpunkt total senil, darum konnte er die Grafschaft nicht mehr f├╝hren.“ Der Graf sah auf die Uhr. „Es ist schon sp├Ąt und ich habe noch viel zu tun. Ich hoffe, ich konnte alle Ihre Fragen beantworten,“ sagte er hastig.
Mike stand auf und l├Ąchelte. „Ich danke Ihnen f├╝r das Interview, es war sehr aufschlussreich. Eine letzte Frage h├Ątte ich aber noch. Sie sahen Ihrem Vater anscheinend sehr ├Ąhnlich, dem Foto von ihm zufolge. Und Ihr Vater glich seinem Vater auch ziemlich. Das ist eher ungew├Âhnlich.“
„Ja, das stimmt. Das ist wohl einfach ein Zufall,“ antwortete er hastig. Howard schien es pl├Âtzlich sehr eilig zu haben, den Reporter los zu werden. Er wurde fast schon aus dem Haus geworfen. Mike kam das sehr merkw├╝rdig vor. Was hatte der Graf zu verbergen, dachte er sich. Er beschloss, sich auf dem Anwesen etwas genauer umzusehen, sobald es dunkel geworden war.
Er fuhr zur├╝ck ins Dorf, nahm in einem Restaurant ein versp├Ątetes Mittagessen zu sich und ordnete seine Notizen, um die Zeit verstreichen zu lassen. Als es schliesslich 22 Uhr geworden war, fuhr er nochmals zur├╝ck zur Villa. Er stellte das Auto ein St├╝ck davon entfernt ab und ging zu Fuss wieder auf das Grundst├╝ck. Vom Grafen hatte er erfahren, dass die Toten der Familie hinter dem Haus in einer Familiengruft beigesetzt wurden. Dort w├╝rde er sich zuerst umsehen.
Im Haus war bereits alles dunkel, die Familie war anscheinend fr├╝h zu Bett gegangen. Trotzdem war Mike sehr vorsichtig, als er sich durch den Wald bewegte. Der nicht ganz volle Mond spendete ziemlich viel Licht, aber trotzdem war es stockfinster. Doch Mike schaffte es, hinter das Haus zu kommen, ohne zu stolpern oder irgendwo gegen zu laufen. Schliesslich sah er im halbdunkeln die alten Pferdest├Ąlle, das offenbar unbenutzte Geb├Ąude der Bediensteten und etwas weiter hinten die Gruft.
Als er sich der Gruft n├Ąherte, bemerkte er, dass sie in einem erstaunlich guten Zustand war. Anscheinend wurde sie gut gepflegt und in gutem Zustand gehalten. Die schwere Holzt├╝r stand weit offen. Er zog eine kleine Stablampe aus der Jackentasche und leuchtete in den Eingang. Eine schmale Steintreppe f├╝hrte ein St├╝ck in den Boden hinein, etwa drei Meter weiter unten sah er den Boden der Gruft. Vorsichtig stieg er hinab und leuchtete den Raum aus.
Der Raum war ziemlich gross, etwa 20 Meter lang und fast ebenso breit. Ein gutes Dutzend steinerne Sarkophage standen darin, alle nach Norden ausgerichtet, wie er bemerkte. Er untersuchte den n├Ąchststehenden, um herauszufinden, wer darin lag. Zu seinem grossen Erstaunen war allerdings nicht angeschrieben, wer darin ruhte. Langsam wurde ihm unheimlich zumute. Was ging hier nur vor?
„Ich dachte mir schon, dass Sie herkommen w├╝rden, Mike,“ erklang pl├Âtzlich eine Stimme vom Eingang.
Mike zuckte zusammen und drehte sich ruckartig um. Der Graf stand am Fuss der Treppe und sah ihn an.
„Sie sind mir zu neugierig und stecken Ihre Nase in Dinge, die Sie nichts angehen und von denen Sie nichts verstehen,“ fuhr er fort.
„Mr. Howard, ich versichere Ihnen...“, begann Mike, wurde aber von einer harschen Handbewegung unterbrochen. Der Graf wirkte irgendwie gr├Âsser als am Nachmittag, oder schien das nur so?
„Versichern Sie, was Sie wollen, Mike. Sie haben jetzt schon zuviel gesehen.“ Langsam trat der Graf auf ihn zu. Er l├Ąchelte, aber es wirkte nicht freundlich. Seine Z├Ąhne schienen viel zu weiss zu sein, viel zu unnat├╝rlich.
Mike wich zur├╝ck. „Mr. Howard, was geht hier vor?“
„Typisch Reporter, neugierig bis zuletzt. Ich werde Sie leider zum Schweigen bringen m├╝ssen.“ Die Augen des Grafen begannen in einem unheimlichen roten Licht zu gl├╝hen. Mit grossen Schritten bewegte er sich auf Mike zu, sein Gesicht zur Fratze eines hungrigen Raubtieres verzogen. Seine Zunge fuhr ├╝ber die Eckz├Ąhne, die nun wesentlich l├Ąnger und spitzer zu sein schienen.
Einen erstickten Schrei ausstossend rannte Mike um den Sarkophag und versuchte so zur T├╝r zu gelangen. Mit grossen Schritten st├╝rmte er die Treppe hinauf und stolperte beinahe ├╝ber die T├╝rschwelle. Rasch fing er sich wieder und rannte so schnell er nur konnte am Haus vorbei und zur├╝ck zum Auto.
Es war totenstill, ausser seinen Schritten und dem keuchenden Atem war ├╝berhaupt nichts zu h├Âren. Mike war in Panik. Als er zur Einfahrt des Grundst├╝cks hinaus wollte, sah er den Grafen am Torpfosten lehnen. Rasch schlug Mike einen Haken und sprang ├╝ber das halboffene Tor.
Als er an seinem Auto ankam und die T├╝r aufriss, h├Ârte er den Grafen vom Tor her rufen: „Ja, rennen Sie nur, Mr. Harris! Sie k├Ânnen rennen, aber Sie k├Ânnen sich nicht verstecken! Wir sind viele und wir sind gut organisiert!“
Das h├Ąmische Lachen, das folgte, sollte Mike noch lange verfolgen. Als er mit hoher Geschwindigkeit aus dem Dorf fuhr, sah er den Grafen am Ortsrand stehen und ihm grinsend zuwinken. Mike holte das letzte aus seinem Volvo heraus und raste viel zu schnell ├╝ber die Landstrasse. Er hatte keine Ahnung, wohin er nun gehen sollte. Sein Verstand weigerte sich, zu akzeptieren, was sein Unterbewusstsein ununterbrochen in seine Gedanken h├Ąmmerte: Das Wort Vampir.


Wird eventuell mal fortgesetzt.

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Paulin
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2002

Werke: 5
Kommentare: 7
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Hallo Koyiko!
Ich habe eben Deine Geschichte gelesen und hoffte auf etwas Blut... leider hast Du "nur" die ├╝blichen Ideen verwendet,finde ich . Das ist schade. Gefallen hat mir der Reporter ,hoffentlich l├Ą├čt Du ihn nicht so schnell sterben ... ich k├Ânnte mir vorstellen ,da├č Du seine Konfrontation mit dem Unvorstellbaren mehr aufbaust und ihr mehr Platz gibst.Gr├╝├če Paulin

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Koyuko
M├Âchtegern-Schreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 2
Kommentare: 4
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Hoi Paulin!
Naja, bis hierhin ist die Story schon nich grad Nobelpreistr├Ąchtig, aber ich musste sie auch ziemlich zusammenschnipseln. Urspr├╝nglich war sie f├╝r einen Kurzgeschichtenwettbewerb und die Buchstabenlimite war streng.
Aber wenn ich die Zeit finde, werd ich sie ausbauen, das Storydesign ist jedenfalls schon fast fertig.
__________________
Der Storycorner

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