Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92277
Momentan online:
495 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Familienbesuch
Eingestellt am 25. 02. 2004 18:51


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Tochter des Ozeans
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2003

Werke: 51
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Tochter des Ozeans eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Sieben Jahr war es nun her. Sieben Jahre, das sind vierundachtzig Monate. Sieben verdammte Jahre. Dieser Feigling! Sieben Jahre hat Tom nichts mehr von sich h├Âren lassen, so ein Idiot! Energisch fuhr Anna sich durch's Haar. Mit der rechten Hand griff sie nach der B├╝rste, mit der linken nach einem Gummiband. Streng band sie sich die Haare zu einem Zopf. Anschlie├čend fuhr sie mit der Hand ├╝ber den Kopf um die letzten abstehenden Haare zu gl├Ątten. Was er wohl jetzt macht? Fr├╝her tr├Ąumte er immer von einem Luxusschlitten und einem supper Job, am besten gleich Chef, in einer gutzahlenden Firma. Am liebsten hatte er sich das Leben eines Gesch├Ąftsf├╝hrers ausgemalt, mit einem schwarzen Mercedes. Anna hatte scherzhaft seine geilen blonden Weiber auf der Motorhaube erw├Ąhnt. Ganz viel Haut sollten sie zeigen. Jaja, sie hatten zusammen gelacht. Der M├Âchtegern-Million├Ąr und sie.
Anna setzte sich an den Schreibtisch und beugte sich ├╝ber ihre Mathehausaufgaben. Textaufgaben, sie hasste es. Widerwillig griff sie nach Stift und Papier, las die Aufgabe durch. Las sie noch einmal durch. Ihr Blick schweifte aus dem Fenster. Sie sp├Ąhte auf die Stra├če. Es war recht viel los, dort unten. Gelbe, rote, wei├če Autos – aber kein schwarzer Mercedes. Ob Tom inzwischen eine Freundin hat? Sicher eine schlanke Blonde. Vielleicht eine Journalistin? Oder eine Moderatorin? Nein, sicher hat er sich ein geiles Supermodel geangelt. 90-60-90 und abends nur Spinat. Anna l├Ąchelte ironisch. Inzwischen tummelten sich ein paar Zahlen auf dem Blatt. Nun sollten sie nur irgendwie in Beziehung zueinander gebracht werden. Vielleicht so?, sie stellte eine Gleichung auf. Wenn er reich ist, fuhr es ihr durch den Kopf, bringt er uns sicher etwas mit. Ein "kleines" Geschenk, das in Wirklichkeit ein Verm├Âgen kostet. Er w├╝rde grinsen, seine Mieze am Arsch streicheln und gespielt verlegen behaupten, das sei doch nicht so wild. Nur eine Kleinigkeit. Um sich einzuschmeicheln, w├╝rde ihr Bruder sie beschenken. Aber mit mir nicht! beschloss sie. Mit mir nicht!
Die Gleichung nahm langsam Gestalt an. Ich muss ihn irgendwie beeindrucken, schoss es Anna durch den Kopf. Negativ, versteht sich. Sie sprang auf, w├╝hlte in ihrem Kosmetikschrank und griff nach einer Spraydose und einem Kamm. Sie hielt die Haarstr├Ąhnen fest und k├Ąmmte mit dem Kamm r├╝ckw├Ąrts, zum Kopf hin. Dadurch bekamen sie mehr Volumen und wirkten wild und zottelig, fand sie. Anschlie├čend besprayte sie ihre Haarpracht mit dem schwarzen Spray und zog ihre Lider mit Kajal nach. Es klingelte. Oh Shit, ich bin doch noch gar nicht fertig! Sie h├Ârte wie ihre Eltern Tom und seine Freundin empfingen. "Anna! Dein Bruder ist da!" schrie ihre Mutter durch die Wohnung. "Komme gleich!", antwortete sie. Schnell griff sie nach einer pinken Seidenstrumpfhose und einem schwarzen Mini. Rasch zog sie sich um. ├ťber ihr Top strich sie ein rotes H├Ąckelshirt. Sie begutachtete sich im Spiegel und verlie├č den Raum.
Ihre Mutter und ihr Vater sa├čen mit den "G├Ąsten" im Wohnzimmer und servierten Kaffe und Kuchen. Anna stand in der T├╝r. "Wie siehst du denn aus?" entfuhr es ihrer Mutter entsetzt. "Ich? Wieso?", fragte sie schnippisch und setzte sich auf die Sofalehne. "Man wird ja wohl noch was Neues ausprobieren d├╝rfen." "Aber das..." ihre Mutter erinnerte an eine alte, verwirrte Oma. "Als ich in deinem Alter war, habe ich auch immer alles M├Âgliche ausprobiert." Mischte sich Toms Freundin ein. Wie konnte sie es wagen? Kaum hier, und schon denkt sie, hier so vorlaut sein zu d├╝rfen! Wie sah sie ├╝berhaupt aus! Anna be├Ąugte sie kritisch. Blaue Jeans, einen roten Pulli und schwarze kurze Haare. Gar nicht schlank, wohlgeformt. Nett, dachte Anna. Schei├če! regte Anna sich innerlich auf. Ich finde, sie sieht nett aus! Stopp, nein, wieso ist sie nett?
Ihr Bruder meldete sich kaum zu Wort, er wirkte etwas sch├╝chtern. Daf├╝r war seine Freundin umso lebhafter. "Was arbeitest du denn?" wurde die Freundin von Annas Vater gefragt. Sie waren also schon beim DU. Irgendwie klar... "Anna, darf ich mal dein Zimmer sehen?", fragte die Schwarzhaarige. Anna nickte und f├╝hrte sie in ihren Raum. Schon seltsam. Sonst lie├č sie nur ungern jemanden in ihr Quartier. "Wie hei├čt du eigentlich?", fragte Anna. "Sibylle", antwortet die junge Frau und l├Ąchelte. "Und das sind deine Freunde?" wollte Sibylle wissen und deutete auf ein Foto an der Wand. "Ja, das sind Tina und Jenny", best├Ątigte Anna. "Sch├Ânes Zimmer", meine Sibylle. "Doch gef├Ąllt mir echt." Anna glaubte ihr. "Telefonierst du gerne?" fragte Sibylle. Anna verdrehte die Augen. "Ich finde nicht, dass ich lange telefoniere. Aber Mama. Sie beschwert sich andauernd!" "Jaja, das kenne ich. Meine Mutter lie├č mich manchmal einen Anteil der Telefongeb├╝hren zahlen!" "Soweit ist sie zum Gl├╝ck nicht. Aber ich k├Ânnte nicht ohne...". Anna l├Ąchelte. Die beiden kehrten wieder ins Wohnzimmer zur├╝ck.

"So, jetzt m├╝ssen wir aber gehen. Wir haben noch einen Termin." sagte Tom nach einer Weile. Sie verabschiedeten sich, vereinbarten ein neues Treffe und verlie├čen das Haus.
Anna half ihrer Mutter das Kaffeegeschirr wegzur├Ąumen. "Sch├Ân, dass wir wieder zueinander gefunden haben." sagte ihre Mutter und k├╝sste ihren Mann auf die Wange. "Er hat sich gemacht, das muss man im lassen." meinte ihr Vater. "Ich wei├č nicht..." warf Anna ein. "Aber seine Freundin, die ist ganz nett."

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!