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Familiengrab
Eingestellt am 10. 05. 2003 20:41


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Engel des Lichts
Schriftsteller-Lehrling
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Familiengrab

Der Himmel blickt auf die Trauergemeinde herab, die sich auf dem Friedhof versammelt hat und sich um das Grab schart.
Monoton bewegen sich die Lippen im Gebet, ihr Sprechgesang geleitet den Toten in seine letzte RuhestĂ€tte, die eigens fĂŒr ihn geschaffen wurde.
Der Sarg wird hinuntergelassen. Langsam, StĂŒck fĂŒr StĂŒck gleiten die Seile, die ihn halten, durch die HĂ€nde der MĂ€nner, die ihn mit zusammengebissenen ZĂ€hnen vorsichtig hinablassen. Der Priester steht in einiger Entfernung daneben und beobachtet sie, gibt acht, daß auch alles mit der angemessenen WĂŒrde geschieht. Hinter ihm warten die Meßdiener, tragen Weihwasser, Schaufel und Kerzen. Direkt darauf folgen die Familienmitglieder des Toten. Alle in Schwarz. Alle mit bedecktem Haupt. Manche betupfen sich die Augen, zĂŒcken die schwarzen TaschentĂŒcher, die sie nur aus diesem Anlaß in ihrem Schrank aufbewahren. Man sieht ihre Schultern zucken. Wenn man es nicht besser wĂŒĂŸte, könnte man denken, daß sie lachen.
Auch der Himmel weint. Kalt und nass ist er in einem dezenten Grau auf dem Friedhof erschienen, hat nicht gewagt, in goldenem Sonnengewand zu erscheinen, wĂ€re zu auffĂ€llig und unpassend gewesen. Man hĂ€tte ĂŒber diese Unhöflichkeit den Kopf geschĂŒttelt. Also grau, mit vielen Wolken, damit wirklich kein Gold zu sehen ist. Als stiller Begleiter wohnt er der Zeremonie bei, wartet ab, was geschehen wird.
Die Familienmitglieder stehen geschlossen am Grab, halten sich an den HĂ€nden, weinen sich einander die Schulter nass, können immer noch nicht fassen, daß einer der Ihren ihnen entrissen wurde. Der Tote entschwindet ihren Blicken und mit aller Kraft versuchen sie sich sein Gesicht bis in alle Einzelheiten einzuprĂ€gen. Die Form seines Gesichtes, das sie schon allzu lange nicht mehr gesehen haben, den Mund, den sie schon lange nicht mehr reden hörten, die Augen, die sie schon lange nicht mehr angeblickt haben. Und zum Schluß bedecken sie den Bruder, Vater, Onkel, Cousin, Schwager mit kalter, feuchter Erde, verhĂŒllen das Gesicht, das sich wieder aus ihrer Erinnerung herauszulösen drĂ€ngt, nehmen Abschied von einem ihrer Lieben, der zu dem fremden Stern zurĂŒckkehrte, auf dem er immer gewesen war.
Geschlossen ziehen sie vom Friedhof, in Eintracht vereint. Nichts trĂŒbt die Harmonie in ihrer Gemeinschaft, die Ausdruck in der Stille findet. Das Schweigen der TotengrĂ€ber verlassend, dem Schweigen ihrer Gedanken folgend, wandern sie ĂŒber die Straßen, die vom Friedhof zu den Hallen ihrer eigenen Toten fĂŒhren. Die Harmonie ist durchsetzt von Spannung, in ein fast gleichförmiges Schachbrett unterteilt, auf dessen Feldern sie die einzelnen Figuren sind. Von weiß zu schwarz, von schwarz zu weiß, doch nie berĂŒhren zwei Figuren gleichzeitig dasselbe Harmonie- oder Spannungsfeld.
Auf ihrem Weg begleitet sie der Himmel, folgt der TrĂŒbe ihrer Schritte, der Spur ihres DĂ€mmerzustandes, die sie zum Haus des Familienmitgliedes fĂŒhren, dessen Heim dem Friedhof am nĂ€chsten war, sich nicht entschlossen hatte, vor seiner Zeit ein neues Domizil zu beziehen.
In kleiner Runde, so viele Verwandte eben zum Geleit des Verstorbenen anwesend zu sein vermochten, wird das anschließende KaffeekrĂ€nzchen abgehalten. Ein festlich gedeckter Tisch mit vielen Kerzen, deren Flammen im Windzug verlöschen, wartet auf die Familie. In dem dunklen Zimmer sind die Gesichter kaum zu erkennen, und auch die Stimmen klingen auf einmal gedĂ€mpfter, undeutlicher. Es ist schwer, sie einander zuzuordnen, die Menschen Ă€hneln mehr denn je Fremden. Das Grau hat sich in den Raum und in die Augen geschlichen. Die Luft ist mit unbekannten Teilchen gefĂŒllt, die sich auf Haar und Kleidung setzen und neue Schichten bilden. Matt blinkt das Zahnweiß im bleiernen GemĂŒtszustand.
Man hört StĂŒhlerĂŒcken. Das Klappern der Teller und das Rascheln der Servietten heben den Schleier vor den Augen. In der Mitte des Tisches prangt die Sahnetorte, leistet dem Strudel, der in weichen Apfelkissen versunken Schlaf sucht, Gesellschaft. Es ist nicht zu sagen, welche der Köstlichkeiten von dem Verstorbenen wirklich bevorzugt wurde, doch schließlich belegt die Sahnetorte den ersten Platz. Die Diskussion erstirbt bevor sie begonnen hat.
Von den WĂ€nden starren fremde Gesichter auf die Kaffeegesellschaft, beĂ€ugen den Familienkreis, dessen Angehörige ihnen vor langer Zeit weichen mußten und aus den Bilderrahmen entschwunden sind. Nun sind es nicht mehr die Verwandten, die die kahlen WĂ€nde schmĂŒcken, sie wurden ersetzt von Unbekannten, deren Augen durch sie hindurch blicken, die Stille finden, in der die Samen der Lautlosigkeit gerĂ€uschlos keimen, in der das Schweigen wĂ€chst und gedeiht.
Die Verwandten sitzen nun auf ihren StĂŒhlen, rĂŒcken unbehaglich hin und her. Das vor sich hinplĂ€tschernde GesprĂ€ch ist nur noch ein dĂŒnnes Rinnsal, das im Kampf gegen die trockenen MĂŒnder unterliegt und letztendlich versiegt. In der WĂŒste des Schweigens scheitern die telepathischen Versuche, die Kommunikation beschrĂ€nkt sich auf das Einschenken des Kaffees, der zur Zeit der Favorit in der Werbung ist. Frisch aufgebrĂŒht verbreitet er den Duft Brasiliens, der in Nebelschwaden in die Nasenlöcher dringt und dessen exotische Weichheit in der Fremde Wurzeln schlĂ€gt. Die Melodie der Ferne erklingt, wird als Echo zurĂŒckgeworfen. Das kurzweilige Zusammenspiel der Welten ist beendet, sie driften erneut auseinander, verflĂŒssigen sich, gehen in den gasförmigen Zustand ĂŒber. Auf diese Weise verteilen sie sich ohne einen Zusammenstoß zu erzeugen.
Die gemeinsame Zeit ist vorbei. Die Familie erhebt sich von den PlĂ€tzen, steuert dem Ausgang entgegen, der unvergittert das Grau ins Haus lockt. Vor der TĂŒre stehen sie beieinander, legen nochmals eine Schweigeminute fĂŒr den Toten ein, die sich zu den unzĂ€hligen Schweigeminuten, Stunden, Jahren ihres Lebens gesellt. Dann folgen das HĂ€ndeschĂŒtteln und Abschiednehmen und die Versprechen, die bis zum nĂ€chsten Treffen, wenn der Familienkreis erneut schrumpfen sollte, immer noch auf ihre Einlösung warten.
Der Himmel blickt von oben herab, sieht, wie sich die Menschen in alle Richtungen zerstreuen. Er sieht sie die langen und die kurzen, die breiten und die schmalen Straßen lang gehen und hört das ohrenbetĂ€ubende Schweigen, das der Wind zu ihm hinauftrĂ€gt, das die Stille der Welt zum Dröhnen bringt. Einsame Gestalten und ihre Schatten, die in den Winkeln ihrer Einöde die verlorenen Familienbande suchen, verlieren sich unter den Wolken, die ĂŒber ihnen dahin und in die Ferne ziehen.
Kaum sind sie entschwunden, wendet sich der Himmel wieder dem Friedhof zu, um dem Tod einer lÀngst gestorbenen Familie beizuwohnen.

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Klabautermann
???
Registriert: Feb 2003

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Hallo, Engel des Lichts,

hab mir Deine Geschichte durchgelesen und ein paar kleine Anmerkungen gemacht:

Der Himmel blickt auf die Trauergemeinde herab, die sich auf dem Friedhof versammelt hat und sich um das Grab schart.
wĂŒrde hier entweder versammeln oder scharen nehmen. Ausserdem mĂŒsstest Du in der selben Zeitstufe bleiben:
sich auf dem Friedhof versammelt und um das Grab geschart hat.

Monoton bewegen sich die Lippen im Gebet, ihr Sprechgesang geleitet den Toten zu seiner letzten RuhestĂ€tte, die eigens fĂŒr ihn geschaffen wurde.
Der Sarg wird hinuntergelassen. Langsam, StĂŒck fĂŒr StĂŒck gleiten die Seile, die ihn halten,wenn Du den Halt an sich erwĂ€hnen möchtest, was sich durchaus gut machen kann, dann am besten bei den HĂ€nden oder dem Seil an sich als Adjektiv verwenden durch die HĂ€nde der MĂ€nner, die ihn mit zusammengebissenen ZĂ€hnen --> naja, soo schwer ist ein Sarg fĂŒr MĂ€nner nicht. War schon öfter auf einer Beerdigung, hab noch nie gesehen, dass die MĂ€nner die ZĂ€hne zusammenbeißen mĂŒssen. WĂŒrde das vielleicht weniger extrem formulieren vorsichtig hinablassen. Der Priester steht in einiger Entfernung daneben und beobachtet sie, gibt acht, daß auch alles mit der angemessener WĂŒrde geschieht. Hinter ihm warten die Meßdiener, tragen Weihwasser, Schaufel und Kerzen. Schaufel klingt so, als wĂŒrden die Ministranten gleich den Sarg zuschaufeln. Vielleicht tragen sie eher eine obligatorische Schale mit Sand Direkt darauf folgen die Familienmitglieder des Toten. Alle in Schwarz und mit bedecktem Haupt. Manche betupfen sich die Augen, zĂŒcken die schwarzen TaschentĂŒcher, die sie nur fĂŒr diesen Anlaß in ihrem Schrank aufbewahren. Man sieht ihre Schultern zucken. Wenn man es nicht besser wĂŒĂŸte, könnte man denken, daß sie lachen.
Auch der Himmel weint. Kalt und nass ist er in einem dezenten Grau auf dem Friedhof erschienen, hat nicht gewagt, in goldenem Sonnengewand zu erscheinen, interessanter Gedanke, aber 2x "erscheinen". Formuliere den Satz doch um, dann klingt er wirklich gut. wĂ€re zu auffĂ€llig und unpassend gewesen. Man hĂ€tte ĂŒber diese Unhöflichkeit den Kopf geschĂŒttelt. Also grau, mit vielen Wolken, damit wirklich kein Gold zu sehen ist. Als stiller Begleiter wohnt er der Zeremonie bei, wartet ab, was geschehen wird.
Die Familienmitglieder stehen geschlossen am Grab, halten sich an den HĂ€nden, weinen sich einander die Schulter nass, können immer noch nicht fassen, daß einer der Ihren ihnen eher: einer ihrem Kreis entrissen wurde. Der Tote entschwindet ihren Blicken und mit aller Kraft versuchen sie sich sein Gesicht bis in alle Einzelheiten einzuprĂ€gen. Die Form seines Gesichtes, das sie schon allzu lange nicht mehr gesehen haben, den Mund, den sie schon lange nicht mehr reden hörten, die Augen, die sie schon lange nicht mehr angeblickt haben. Und zum Schluß bedecken sie den Bruder, Vater, Onkel, Cousin, Schwager mit kalter, feuchter Erde, verhĂŒllen das Gesicht, das sich wieder aus ihrer Erinnerung herauszulösen drĂ€ngt, nehmen Abschied von einem ihrer Lieben, der zu dem fremden Stern zurĂŒckkehrte, auf dem er immer gewesen war.
Geschlossen ziehen sie vom Friedhof, in Eintracht vereint. Nichts trĂŒbt die Harmonie in ihrer Gemeinschaft, die Ausdruck in der Stille findet. Das Schweigen der TotengrĂ€ber verlassend, dem Schweigen ihrer Gedanken folgend, wandern sie ĂŒber die Straßen, die vom Friedhof zu den Hallen ihrer eigenen Toten fĂŒhren. Die Harmonie ist durchsetzt von Spannung, in ein fast gleichförmiges Schachbrett unterteilt, auf dessen Feldern sie die einzelnen Figuren sind. Von weiß zu schwarz, von schwarz zu weiß, doch nie berĂŒhren zwei Figuren gleichzeitig dasselbe Harmonie- oder Spannungsfeld. interessanter Gedankengang
Auf ihrem Weg begleitet sie der Himmel, folgt der TrĂŒbe ihrer Schritte, der Spur ihres DĂ€mmerzustandes, die sie zum Haus des Familienmitgliedes fĂŒhren, dessen Heim dem Friedhof am nĂ€chsten war, sich nicht entschlossen hatte, vor seiner Zeit ein neues Domizil zu beziehen. unnötige Information, unangebracht fast
In kleiner Runde, so viele Verwandte eben zum Geleit des Verstorbenen anwesend zu sein vermochten, wird das anschließende KaffeekrĂ€nzchen abgehalten. Ein festlich gedeckter Tisch mit vielen Kerzen, deren Flammen im Windzug verlöschen, wartet auf die Familie. In dem dunklen Zimmer sind die Gesichter kaum zu erkennen, und auch die Stimmen klingen auf einmal gedĂ€mpfter, undeutlicher. Es ist schwer, sie einander zuzuordnen, die Menschen Ă€hneln mehr denn je Fremden. Das Grau hat sich in den Raum und in die Augen geschlichen. Die Luft ist mit unbekannten Teilchen gefĂŒllt, die sich auf Haar und Kleidung setzen und neue Schichten bilden. Matt blinkt das Zahnweiß im bleiernen GemĂŒtszustand.
Man hört StĂŒhlerĂŒcken. Das Klappern der Teller und das Rascheln der Servietten heben den Schleier vor den Augen. In der Mitte des Tisches prangt die Sahnetorte, leistet dem Strudel, der in weichen Apfelkissen versunken Schlaf sucht, Gesellschaft. Es ist nicht zu sagen, welche der Köstlichkeiten von dem Verstorbenen wirklich bevorzugt wurde, doch schließlich belegt die Sahnetorte den ersten Platz. Die Diskussion erstirbt bevor sie begonnen hat.
Von den WĂ€nden starren fremde Gesichter auf die Kaffeegesellschaft, beĂ€ugen den Familienkreis, dessen Angehörige ihnen vor langer Zeit weichen mußten und aus den Bilderrahmen entschwunden sind. Nun sind es nicht mehr die Verwandten, die die kahlen WĂ€nde schmĂŒcken, sie wurden ersetzt von Unbekannten, deren Augen durch sie hindurch blicken, die Stille finden, in der die Samen der Lautlosigkeit gerĂ€uschlos keimen, in der das Schweigen wĂ€chst und gedeiht.
Die Verwandten sitzen nun auf ihren StĂŒhlen, rĂŒcken unbehaglich hin und her. Das vor sich hinplĂ€tschernde GesprĂ€ch ist nur noch ein dĂŒnnes Rinnsal, das im Kampf gegen die trockenen MĂŒnder unterliegt und letztendlich versiegt. In der WĂŒste des Schweigens scheitern die telepathischen Versuche, geht das jetzt nicht ein wenig weit? Sind sich die Verwandten fremd, dann wird es kaum telepathische Versuche geben, sind sie es nicht, dann wird es zu einem GesprĂ€ch kommen. Ausserdem, warst Du wirklich auf einer solchen Leichenfeier? Meistens lebt mit dem Essen, dem scheinbar so wichtigen Instrument der Menschen das GesprĂ€ch auf, man redet ĂŒber alles, meistens ĂŒber sich selbst, nur nicht ĂŒber den Toten. Oft wird der wirklich vergessen. die Kommunikation beschrĂ€nkt sich auf das Einschenken des Kaffees, der zur Zeit der Favorit in der Werbung ist. Frisch aufgebrĂŒht verbreitet er den Duft Brasiliens, der in Nebelschwaden in die Nasenlöcher dringt und dessen exotische Weichheit in der Fremde Wurzeln schlĂ€gt. Die Melodie der Ferne erklingt, wird als Echo zurĂŒckgeworfen. oh, also das geht wirklich ein wenig weit, klingt zu sehr herbeigezerrt. Lass Brasilien weg. Wer denkt sich das denn? Dreht sich das GesprĂ€ch denn wirklich darum? Wer sonst recht oberflĂ€chlich ist, vermag der wirklich ĂŒber einen Zauber der Ferne zu sprechen? Das kurzweilige Zusammenspiel der Welten ist beendet, sie driften erneut auseinander, verflĂŒssigen sich, gehen in den gasförmigen Zustand ĂŒber. Auf diese Weise verteilen sie sich ohne einen Zusammenstoß zu erzeugen.
Die gemeinsame Zeit ist vorbei. Die Familie erhebt sich von den PlĂ€tzen, steuert dem Ausgang entgegen, der unvergittert das Grau ins Haus lockt. Vor der TĂŒre stehen sie beieinander, legen nochmals eine Schweigeminute fĂŒr den Toten ein, die sich zu den unzĂ€hligen Schweigeminuten, Stunden, Jahren ihres Lebens gesellt. Dann folgen das HĂ€ndeschĂŒtteln und Abschiednehmen und die Versprechen, die bis zum nĂ€chsten Treffen, wenn der Familienkreis erneut schrumpfen sollte, immer noch auf ihre Einlösung warten.
Der Himmel blickt von oben herab, sieht, wie sich die Menschen in alle Richtungen zerstreuen. Er sieht sie die langen und die kurzen, die breiten und die schmalen Straßen entlang gehen und hört das ohrenbetĂ€ubende Schweigen, das der Wind zu ihm hinauftrĂ€gt, das die Stille der Welt zum Dröhnen bringt. Einsame Gestalten und ihre Schatten, die in den Winkeln ihrer Einöde die verlorenen Familienbande suchen, verlieren sich unter den Wolken, die ĂŒber ihnen dahin und in die Ferne ziehen.
Kaum sind sie entschwunden, wendet sich der Himmel wieder dem Friedhof zu, um dem Tod einer lÀngst gestorbenen Familie beizuwohnen.

also, was mir sehr gut gefiel waren die Sichtweisen der Welt, das Dröhnen des Schweigens z.B., das vielleicht viele kennen, aber wenige nur auszudrĂŒcken vermögen. Von diesen Bildern hast Du einige sehr gute verwendet. Achte aber vielleicht darauf, ob sie auch zum Text an sich passen (Brasilien).
Eines wĂŒrde aber dem Leser wirklich weiterhelfen. FĂŒg eine Person ein, die vielleicht im Himmel sitzt. Gut wĂŒrde sich der Tote selbst machen, der diese ganze Szenerie beobachtet, von seiner ErzĂ€hlerperspektive aus. Außerdem wĂ€re es auch ganz gut, ab und zu Deinen eigenen Standpunkt der Sicht der Dinge miteinfließen zu lassen. Es ist eine ErzĂ€hlung, das ist richtig. Aber wenn Du ab und an wertest, dann wirkt es vielleicht lebendiger. Dies ist natĂŒrlich nur ein Vorschlag.
Wenn Du alles neutral halten willst, also ohne ErzÀhler etc. dann könntest Du ein wenig Farbe in das zuweilen leider vorhandene Grau bringen, indem Du beispielsweise die GesprÀche etwas "auflockerst", nicht mit Dialogen, aber in der Formulierung als solche dargestellt:
So erwĂ€hnte die Tante des Toten, dass er immer gerne Sahnetorte gegessen hatte, schon seit er als kleines Kind bei ihr auf dem Schoß gesessen hatte... etc.
Ich denke, Du verstehst, was ich meine.
Wie geschrieben, das sind nur Anmerkungen, vielleicht auch Anregungen, die Dir evtl. auch ein wenig weiterhelfen. Versteh sie auch als solche.


WĂŒnsche Dir noch einen schönen Tag.
lieben Gruß
Klabautermann

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 108
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Hallo Engel des Lichts,

Der Schlußabsatz ist wirklich stark.
Hier rĂŒcken die Menschen in den Vordergrund.
Bisher waren Sie in deiner Geschichte nur Staffage fĂŒr die Requisiten (Kaffetafel, Kaffee und Sahnetorte im Wettstreit mit dem Apfelstrudel der im Teigbett dahindĂ€mmert ... oder so Ă€hnlich)

War das deine Absicht?

Die gemeinsame Zeit ist vorbei. Die Familie erhebt sich von den PlĂ€tzen, steuert dem Ausgang entgegen, der unvergittert das Grau ins Haus lockt. Vor der TĂŒre stehen sie beieinander, legen nochmals eine Schweigeminute fĂŒr den Toten ein, die sich zu den unzĂ€hligen Schweigeminuten, Stunden, Jahren ihres Lebens gesellt. Dann folgen das HĂ€ndeschĂŒtteln und Abschiednehmen und die Versprechen, die bis zum nĂ€chsten Treffen, wenn der Familienkreis erneut schrumpfen sollte, immer noch auf ihre Einlösung warten.

Von diesem Schlußabsatz aus, wird deine Geschichte verstĂ€ndlicher und ist gut.
__________________
Was sind das fĂŒr Zeiten, wo ein GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ĂŒber so viele Untaten einschließt! (Bertold Brecht)

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