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Leselupe.de > Kindergeschichten
Familiensaga
Eingestellt am 15. 06. 2006 12:10


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Jan Balu
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2006

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Inhalt


Mada und Adam

Ein Vormittag in der Heinrich Spoerl-Grundschule Klasse 1B

Die Revanche

Die Fahrt zum Truppenübungsplatz
Die Bärenapotheke
Die Klassenfahrt
Die Zwillinge
Besuch auf der Entbindungsstation
Vier Jahre später
Die Geheimsprachen
Stille Mächte
Das erste Handy
Schulkleidung für das Otto-Hahn-Gymnasium
Der Zoobesuch
Wo sind die Bärenkinder?
Igor kommt voran
Im Jagdhaus von Opi Doc
Wer ist Herr Iborian?
Wieder im Forsthaus
Die Spur wird heiß
Die Jagd geht weiter
Das erste Ziel ist erreicht
In Belgien geehrt
Mada und Adam sehen die kleinen Bären
Die Rückfahrt
Die Bärenfamilie vereint
Die neue Lehrerin
Der Heißluftballon
Der Orientexpress
Warna
Gold- und Dixieland
Das Rosental
Abschied von Warna
Zuhause
„Drof und Lepo“
Eine entscheidende Nachricht
Noch ein paar Tage
Lisa und Frantek
Die ersten E-Mails



Mada und Adam

Der Schulbus hält zwischen den Hausnummern 3 und 5 im Fliederweg.
Aus Haus Nummer 3 kommt Adam herausgerannt. Die Schnürsenkel flattern über seine Schuhe, seine dicken, braunen Haare zwirbeln wuselig in alle Richtungen.
Seine Großmutter, Omi Nudel genannt, sie macht die besten Nudeln weit und breit, die weiße Schürze nur von einem Träger gehalten, wackelt laut rufend hinter ihm her. Adam knallt ihr das Gartentor vor der Nase zu.
„Adam, Junge, so warte doch, wie siehst du wieder aus!“
Sie hat seinen Sportbeutel und die Dose mit den Pausenbroten in der Hand.
„Der Bengel macht mich noch verrückt.“
Adam steht schon am Bus, als seine Omi ihn schnaufend einholt.
Sie öffnet den Ranzen auf seinem Rücken und platziert Dose und Sportbeutel hinein.
„Moin, Moin“, dröhnt der Busfahrer, nachdem er die Tür geöffnet hat.
Drei andere Kinder sitzen bereits im Bus und drücken ihre Nasen an die Scheiben.
Adam flutscht jetzt auch hinein.
„Im Bus bindest du dir die Schuhe zu, Adam!“
„Da ist noch ein Kind mehr auf meiner Liste“, bemerkt der Busfahrer zu Omi Nudel.
„Ja, unser Nachbarskind aus Nummer 5, die kleine Mada.“
Schon knallt auch das Gartentor von Nummer 5 ins Schloss.
Mada kommt daher!
Blonde Kräusellocken und über einem hellroten Jeansanzug führt der schmale, lange Hals zu einem süßen, frechen, ovalen Gesicht. Sie schlendert auf den Bus zu, als hätte sie alle Zeit der Welt.
„Nun mal los, min Deern, ich habe noch vier Kinder auf der Liste und die Zeit wird knapp!“
Mada begrüßt noch schnell Omi Nudel und springt behände in den Bus. Ein letztes Winken und der Bus fährt ab.
„Hi Adam!“ „Hi Mada!“, begrüßen sich die beiden Nachbarskinder.
Mada stupst Adam auf seinem Platz zur Seite und pflanzt sich neben ihn.
Die kleine Quasselstrippe redet sogleich mit Händen und Füßen auf ihn ein.

Mada und Adam sind seit ihrer Geburt Nachbarskinder.
Die Eltern der beiden wurden gute Freunde, etwas, was sehr selten vorkommt. Adams Eltern, Sybille und Götz Draeger, sind vor sieben Jahren in den Fliederweg 3 eingezogen. Karin und Lutz Schröder, die Eltern von Mada, leben ebenso lange im Haus Nummer 5. In der gepflegten Neubausiedlung waren alle Häuser etwa zur gleichen Zeit bezugsfertig.
Die beiden Ehepaare haben viel gemeinsam gemacht. Alles musste wohnlich hergerichtet werden. Sogar die Gärten wurden zusammengelegt. Es gab keinen
trennenden Zaun oder gar eine Hecke.
Allen Unkenrufen anderer Bewohner der Siedlung zum Trotz hat dieses vorbildliche Beispiel guter Nachbarschaft bewundernde Anerkennung gefunden.
Die Kinder der beiden Paare sind fast zur gleichen Zeit auf die Welt gekommen. Adam wurde vor sechs Jahren im Mai geboren und Mada im August, knapp drei Monate später.
Sybille und Götz Draeger gaben ihrem Sohn den Namen Adam nach dem Großvater von Götz.
Als Karin und Lutz Schröder ihre Tochter bekamen, schuf man eine weitere Gemeinsamkeit. Man nannte sie Mada, nämlich Adam von hinten geschrieben.
Vor der gemeinsamen Taufe beider Kinder gab es zwar erst Probleme beim Standesamt und dann auch noch ein Naserümpfen seitens des Pastors, aber wegen der charmanten Begründung der beiden Paare wurde dieses Novum akzeptiert.

Ein Vormittag in der Heinrich-Spoerl-Grundschule Klasse 1 B

Mada und Adam dürfen nicht mehr nebeneinander sitzen.
Seit drei Tagen sind sie nun zusammen in der ersten Klasse, aber heute bestimmt Frau Greve, die Klassenlehrerin:
„Mada, du kommst hier nach vorne zu mir neben Kerstin!“
Da hilft kein Weinen und kein Schimpfen, kein Betteln und Flehen, Frau Greve spricht ein Machtwort.
Mada nimmt ihren Ranzen und tränt auf ihren neuen Platz in der ersten Reihe, direkt unter den Augen von Frau Greve.
Adam hat nicht geweint, Adam sagt keinen Ton.
Neben Adam sitzt jetzt Paul.
Paul grient über beide Backen.
Paul hat rote Haare.
Sein Gesicht ist voller Sommersprossen.
Plötzlich springt Paul von seiner Bank hoch, dicker roter Tomatensaft läuft aus der Tasche seiner Jeans.
Wo kommt die Tomate her?
„Igitt!“, schimpft Paul, der Saft läuft ihm an seinem linken Bein herunter. Wütend guckt er auf Adam.
Adam schaut ganz ernst geradeaus, hebt nur ein bisschen die Schultern, als ginge ihn die Sache gar nichts an.
Frau Greve schickt Paul in den Waschraum. Mit seinen Sportshorts kommt Paul zurück und setzt sich knurrend wieder neben Adam.
Die Pausenklingel!
Mada läuft als Erste nach draußen.
Kerstin heult und klagt Frau Greve, dass Mada sie ganz doll gekniffen habe.
Adam rennt hinter Mada her. Die ganze Pause stehen die beiden allein miteinander.
Was bereden sie wohl?
Auch in der großen Pause hocken sie wieder beieinander und essen Obst und Brote.
Die Tomate fehlt bei Adam, die Omi Nudel doch nie vergisst.

Die Revanche

Natürlich weiß Paul, wer die überreife Tomate in seine Jeanstasche gesteckt hat.
Schultage vergehen, beide Kinder müssen an dem gemeinsamen Pult miteinander klar kommen.
Adam wundert sich, dass Paul ihn wegen dieser Blamage überhaupt nicht angemacht hat, immerhin hat die ganze Klasse lauthals gelacht, als Paul in seiner Sporthose zurückkommen musste.
Aber Paul ist nicht doof!
Soll doch Adam denken was er will, er sinnt auf Rache und wird es ihm schon irgendwie heimzahlen.
Mada ließ Adam bei Mathearbeiten immer mal abgucken, kein Problem für sie, aber wie hält es Paul damit?
Paul ist gut mit diesen blöden Zahlen, irre locker schreibt er die Kolonnen hin. Addieren, Subtrahieren, Dividieren, Multiplizieren - blöder Kram!
Adam kann nicht anders, er schielt immer mal rüber zu Paul.
Paul merkt alles!
Soll Adam doch abschreiben!
Paul baut bewusst Fehler ein und freut sich, wenn Adam sie auf sein Blatt übernimmt. Danach, ohne dass Adam es merkt, korrigiert er die Ergebnisse wieder.
Angeschmiert!
„Also, Adam, mir ist das unverständlich, du schreibst die Zahlenkolonnen korrekt auf, aber die Resultate sind falsch!“, tadelt Frau Greve vor versammelter Klasse.
Mada schielt zu Adam herüber.
Den Blick kennt er, ätzend diese Situation.
Paul hat alles richtig.
„So ein Mistkerl!“, denkt sich Adam, als Paul ebenfalls diesen bedauernden Blick auf ihn wirft.
„Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt...“
Die Klingel zur großen Pause schrillt, alle Kinder stürmen nach draußen, auch Adam, aber mit dem Stuhl an seinem Hinterteil.
Pattex auf der Sitzfläche klebt wie Teufel!
„Ach du Armer, bleib stehen, lass mal sehen!“
Frau Greve will helfen, als Adam versucht, seinen Po mit den schon angerissenen Jeans vom Stuhl zu befreien.
Kleber auf dem Stuhl, wie konnte das passieren?
„Paul!“, bereits an der Tür, „bitte hilf mir mal!“, ruft Frau Greve.
„Aber gerne doch!“, erwidert Paul. Er kommt grinsend zurück und hilft Frau Greve mit der Schere, den Jeansstoff vom verklebten Stuhl zu schaben.
„Nun sag’ wenigstens Danke zu deinem Freund, Adam!“
„Danke Paul!“
Mada ist schon längst draußen, sie hat das mit dem Stuhl nicht mitbekommen.
„Wieso sind denn deine Jeans so verschmiert und eingerissen?“
„Frag doch nicht so blöd!“

Die Fahrt zum Truppenübungsplatz

Herr Wegener steht mit seiner Taxe vor der Schule.
„Hallo Kinder, kommt, heute fahrt ihr mit mir.“
Herr Wegener hat die Taxe mit der Lizenz von OpaTaxi, dem Vater von Lutz Schöder, übernommen. Opa Taxi lebt nicht mehr. Seine Witwe Omi Schwarz darf immer umsonst fahren und häufig auch Adam und Mada.
Herr Wegener hat den Schulbusfahrer informiert und auch über Funk Omi Nudel Bescheid gesagt, dass er die Kinder mitnehmen will.
„Also, ihr beiden, nun hört mal gut zu, ich habe eine Überraschung für euch. Ich habe eine Tour zum Nato-Truppenübungsplatz, muss dort in einer Stunde einen hohen Offizier abholen. Ich nehme euch jetzt mit und dann werden wir mal sehen, was passiert.“
„Das ist ja klasse!“, meint Adam.
Mada findet es zwar nicht so toll, sie will sich aber überraschen lassen.
Der Natoplatz ist bekannt. Er liegt etwa 20 Kilometer entfernt, aber kaum einer darf da hin, alles soll dort so geheim sein.
Herr Wegener hat häufig Touren dahin, er kennt die Posten gut und meint, die Kinder ruhig einmal mitnehmen zu dürfen.
Schon von weitem sehen sie die riesigen Einzäunungen, große Wachtürme mit lauter Geräten und Scheinwerfermonturen. Es gibt zwei große Stopschilder vor dem ersten Tor.
Herr Wegener steigt aus und redet mit dem ersten Posten. Zwei Soldaten kommen mit ihm zum Wagen zurück. Die haben richtige Maschinengewehre um, die Läufe nach oben gerichtet.
Mada hat ein wenig Angst, sie drückt sich ganz eng an Adam.
„Aua, lass’ das Mada, die tun dir doch nichts!“
Herr Wegener lächelt und macht die hintere Autotür auf.
„Kommt raus Kinder, ihr werdet verhaftet.“
Die beiden Soldaten grinsen.
Sie müssen aussteigen, die Soldaten kontrollieren das Innere des Wagens sowie die Schulranzen und alle Taschen.
„Na ausnahmsweise“, sagt der eine Soldat, alle dürfen wieder einsteigen und weiter zum nächsten Stopp fahren.
Wieder Halt!
Wieder zwei Soldaten!
Herr Wegener zeigt ein Papier, auch die Namen der Kinder sind darauf. Beide Soldaten salutieren, die Schranke geht auf und sie fahren ganz langsam auf das Gelände. Adam bekommt tellergroße Augen und staunt, was da alles zu sehen ist.
Mada kann sich gar nicht so richtig begeistern.
Wie an einer Leine parken da riesige Panzer mit Geschützen, Haubitzen auf Lafetten, Hubschrauber mit tiefhängenden Rotorblättern.
Bei einem Hubschrauber drehen sich die Rotoren und Staub wird aufgewirbelt.
Herr Wegener muss ganz genau auf einer blauen Linie fahren, er kennt das bereits.
Vor einem großen Gelände mit einer Glastür bleiben sie stehen.
„Nun wartet mal im Wagen, ich bin gleich wieder da.“
Nach ein paar Minuten kommt Herr Wegener in Begleitung eines Mannes in einer Uniform mit lauter Streifen und Abzeichen zurück, viel schöner als im Kino.
Herr Wegener reißt die Autotür auf:
„Herr Major, darf ich vorstellen, das sind Mada Schröder und Adam Draeger!“
Der Major salutiert:
„Herzlich willkommen, Mada und Adam, ihr habt ja originelle Namen.“
„Also Kinder, steigt mal aus, wir wollen unseren zukünftigen Soldaten mal zeigen, was wir hier alles machen.“
Der Major ist irre nett.
Adam strahlt, als der Major veranlasst, dass er auf einen Panzer darf.
Dann bekommen Mada, Adam und Herr Wegener die Erlaubnis, einen kurzen Rundflug im Hubschrauber über das riesige Gelände machen.
Auch für Herrn Wegener ist das neu.
Das erste Mal, dass beide Kinder ganz still und fasziniert mit großen Augen alles in sich aufnehmen.
Nach zehn Minuten ist das tolle Erlebnis vorbei.
Leider ist kaum noch Zeit. Der Major muss zu einem Termin in die Stadt. Er sitzt vorne und die Kinder dürfen hinten seinen spannenden Geschichten lauschen.
Was für ein Abschluss nach der Schule.
Sie verabschieden den Major in der Stadt.
Er salutiert noch einmal: „Auf Wiedersehen, Adam und Mada!“

Die Bärenapotheke

„Hallo, ihr beiden“, grüßt der Apotheker Herr Weinlich, als Adam und Mada durch die Automatiktür hereinstürmen.
„Wartet mal und schaut euch um.“
Er bedient gerade eine Kundin, die ganz aufgeregt mit ihm redet.
Christel Meyer, die PTA, kommt von hinten an den Tresen und begrüßt die beiden wie alte Bekannte:
„Möchtet ihr nur wieder gucken oder kann ich was für euch tun?“
„Nur mal gucken!“, sagen beide fast gleichzeitig.
Speziell Mada liebt die Apotheke und Adam kommt ihr zuliebe immer mit. „Frau Meyer, sie wissen ja, lassen sie die beiden ruhig hinten durch zu den Mörsern.“
„O.k. Kinder, kommt durch“, sagt Frau Meyer.
Sie hebt die Durchgangsklappe hoch und die beiden flitzen durch. Vorbei an den Regalen mit Medikamenten und den vielen flachen Schubladen, die sich ganz leicht und leise öffnen lassen.
Alles ist so sauber und still hier.
Richtig spannend aber wird es im so genannten „Mörserraum“.
Mada kennt hier alles genau. Adam muss immer anreichen und festhalten wenn Mada „mörsert“, wie sie es immer nennt.
Der nette Herr Weinlich hat die beiden oft zu Gast und lässt sie da hinten werkeln.
Er sagt immer: „ Mada, du wirst mal eine gute Apothekerin oder Arzt wie dein Großvater.“
Madas Großvater Opi Doc hat die beiden das erste Mal Herrn Weinlich vorgestellt und seitdem dürfen sie, so oft sie mögen, in dem „Mörserraum“ spielen.
Hier riecht es nach so vielen verschiedenen Sachen.
Halbgefüllte Dosen mit Pulvern in vielen Farben.
Glockenähnliche Gefäße mit Stößeln, die nennt man Mörser.
Zwei Apothekerwaagen mit ganz kleinen Gewichten, man nennt die Gran, zehn Stück in einer Reihe, damit kann man ganz kleine Sachen wiegen.
„Alles ist schon hundert Jahre alt“, sagt Christel Meyer immer, „ihr müsst schön aufpassen mit den kleinen Gewichten, die sind antik und man kann sie nicht mehr kaufen.“
Die Waagen sollten immer ganz sauber sein, sonst zeigen sie das falsche Gewicht. Sogar eine tote Fliege kann man damit wiegen, hat Herr Weinlich mal gesagt. Er meint auch, dass man die Mörser heutzutage gar nicht mehr benutzt. Die ganzen schönen Sachen sind schon von seinem Großvater, der hatte eine Apotheke in Pommern. Sein Vater - auch Apotheker - hat sie auf der Flucht Ende des zweiten Weltkrieges hierher mitgebracht. Sein Großvater hat fast noch alle Medizin und Salben selbst gemacht.
Herr Weinlich fertigt aber auch noch einiges.
Neulich hat er Adam und Mada gezeigt, wie er eine spezielle Salbe aus Ökoprodukten herstellt. Deswegen hat er auch viele getrocknete Pflanzen. Mada kennt sie alle: Arnika, Eibisch, Fingerhut, Aloe, Salbei, Melisse, Nieswurz und Wegerich.
Da gibt es ältere Damen, die wollen nur von Herrn Weinlich diese selbst gemachten Wundermittel haben und bezahlen ihm gutes Geld.
Neuerdings kommen auch junge Leute, die durch ihre Eltern an diese Arzneien herangeführt werden. Alles ohne chemische Zusätze, sagt Herr Weinlich immer.
Auch Madas Großvater Opi Doc, der ein sehr beliebter praktischer Arzt ist, glaubt an die Naturmedizin und verschreibt sie seinen Patienten.
So kommt es auch, dass der Mörserraum immer mal wieder zu neuem Leben erweckt wird. Den Großvater von Herrn Weinlich aus Pommern wird es im Himmel erfreuen.
Mada möchte eine Mixtur aus Wasser, Gips und rotem Ton herstellen. Herr Weinlich hat Mada mehrfach geholfen und sie gelehrt, welchen Mörser und welche Mittel sie benutzen darf.
Mada beschäftigt ihren Freund nach allen Regeln der Kunst.
Hier wird gestoßen und gemixt.
Adam hält mal hier und bringt mal das.
Die Zutaten werden in kleinen Schalen abgewogen und genauestens dosiert.
Beide Kinder tragen einen Apothekerkittel mit ihrem Namen, der immer für sie am gleichen Haken hängt. Opi Doc hat ihnen die kleinen Kittel besorgen lassen.
Am schlimmsten findet Adam nachher das Saubermachen, zumal Mada eine Art hat, Adam dabei immer den Vortritt zu lassen.
Mada entwickelt immer etwas Neues, das sie gehärtet mit nach Hause nimmt, ein ganzes Regal in ihrem Zimmer ist schon voll.
Adam hat Hunger und Schulaufgaben sind auch noch zu machen.
Opi Doc wird sie in einer halben Stunde aus der Apotheke abholen, so ist es mit Herrn Weinlich verabredet.
„Komm’ Mada, wir müssen noch sauber machen.“
Christel Meyer kommt herein: „So, ihr Süßen, Schluss jetzt, heute ist Mittwoch, der Doktor holt euch gleich ab, es ist sein freier Nachmittag.“
Die liebe Christel Meyer - wie fast jeden Mittwoch hilft sie den Kindern bei der Reinigungsaktion. Bei ihr geht das immer ruckzuck. Die Kittel sind voller Gips und Farbflecken. Mada findet das schick, deswegen werden sie nicht so oft gewaschen wie die Kittel der Großen.
Jetzt taucht auch schon Opi Doc im Raum auf - große Begrüßung. Mada hängt an seinem Hals.
Herr Weinlich hat für beide Kinder noch eine kleine, süße Überraschung. „Vielleicht bis zum nächsten Mittwoch, wenn ihr Lust habt.“
Adam gequält: „Vielleicht.“
Mada sagt: „Quatsch, ich komme bestimmt!“
Da Mada aber die Tonangebende ist, kann man sich denken, wo die beiden am nächsten Mittwoch anzutreffen sind.
Opi Doc nimmt beide Kinder in seinem Auto mit zum Fliederweg, wo er an fast jedem Mittwochnachmittag zu Besuch ist.


Die Klassenfahrt

Kurz vor Schulschlussklingeln verkündet Frau Greve:
„In drei Tagen ist unser Klassenausflug! Kinder, bitte denkt daran, dass sich jeder von euch für diesen Tag, vielleicht mit Hilfe seiner Familie, etwas Lustiges einfallen lässt.“
Vor Tagen schon wurde der bevorstehende Ausflug ausführlich besprochen.
Das i-Tüpfelchen - der persönliche Beitrag - bewirkt bei vielen Kindern ratlose Gesichter.
Einige sind begeistert und überbieten sich mit kuriosen Vorschlägen. Nur ein paar wenige sagen gar nichts, aber der Schalk sitzt ihnen bereits im Nacken.
Ihr könnt euch wohl denken, zu welcher Gruppe Mada und Adam gehören.
Frau Greve betont immer wieder, dass die Kinder die Überraschung bis zur Ausführung für sich behalten sollen, auch wenn es ihnen schwer fällt.
Die unterschiedlichen Reaktionen der Kinder von Betroffenheit, Ratlosigkeit bis zu Begeisterung lassen ihren pädagogischen Kamm anschwellen, sprich - sie ist sichtlich beeindruckt von ihrer genialen Idee.
Immer etwas Neues ausdenken für meine Kleinen - ist stets ihre Devise - natürlich getragen von dem Grundsatz sinnvoller Gedanken- und Fantasieentfaltung. Ihre Ideen gehen in die Richtung, dass die Kinder wohl ein Lied oder Gedicht einüben, einen Zaubertrick oder ein besonderes Spiel vorführen werden.
Frau Greve freut sich sehr auf die Fahrt, ihre Freundin Stefanie Stängel wird sie und die Kinder begleiten.
„Wir besuchen jetzt Herrn Weinlich in der Apotheke!“, bestimmt Mada nach Schulschluss.
„Nöö, nicht schon wieder!“, stöhnt Adam.
„Warte ab, Adam, ich habe einen Plan für den Klassenausflug.“
Muffelig folgt Adam Mada zur Apotheke.
Herr Weinlich ist nicht da, aber Frau Meyer, die PTA, begrüßt die beiden erfreut wie immer.
Mada zieht Frau Meyer beiseite und flüstert ihr etwas ins Ohr. Adam versorgt sich derweil mit Drops aus einem großen Glasbehälter.
Frau Meyer hebt die Klappe am Durchgang und geht mit Mada in den Mörserraum.
Adam schlendert gelangweilt, die Hände voller Drops, hinterher.
Die Türglocke ruft Frau Meyer zurück.
„Was hast du vor?“, nörgelt Adam, als er Mada werkeln sieht.
„Zieh erst mal deinen Kittel an, vielleicht brauche ich dich als Handlanger!“
„Was riecht das hier so ätzend mit einem Mal!“, rümpft Adam die Nase, als er gerade den Kittel falsch herum anzuziehen versucht.
„Das wird unsere Überraschung für Frau Greve und Frau Stängel.“
„Ja, was denn nun?“
„Wirst schon sehen!“
„Es wollen doch alle ihren Spaß auf der Klassenfahrt haben - ach so, jetzt kapier ich - du meinst unseren persönlichen Beitrag?!“
„Ja, du Blitzmerker!“
„O.k., ich stelle Omi Sing hinter einen Baum und lasse sie eine Arie zum Besten geben!“, meint Adam.
„Etwas Persönliches - hat Frau Greve gesagt.“
„Na, wenn das nicht etwas Persönliches ist, eine Omi trällern zu lassen, was dann?“
„Erstens ist es meine Großmutter und zweitens bist du blöd und stinkfaul.“
„Also, was braust du da?“
„Ein Zulugetränk mit Urwaldcharakter - warte ab!“
Herr Weinlich betritt den Raum.
„Um Himmelswillen, riecht es hier aufdringlich!“
„Das kann nur Aceton sein“, flunkert Mada kleinlaut.
„Hat das Frau Meyer erlaubt?“
„Ja, Herr Weinlich, sie hat mir die Tipps gegeben - es ist ganz harmlos, wirklich!“, blickt Mada ihn treuherzig an.
„Also nun erst mal guten Tag und herzlich willkommen, ihr Giftmischer, für wen oder was ist das gedacht?“
Nach ausführlicher Erklärung nimmt sein Gesicht schelmische Züge an und seine Augen strahlen, wie die Kinder es noch nie an ihm gesehen haben.
„So, nun lass’ mich mal ran, Mada!“, sagt Herr Weinlich begeistert.
Erst eine halbe Stunde später hört man wieder etwas von ihm:
„Mit meinem Verfeinerungszusatz habt ihr jetzt einen Zaubertrank, der die Damen lustig macht.“
Adam und Mada lauschen Herrn Weinlichs Worten gebannt, als der die Wirkung seiner Tinktur bei Zugabe in ein Glas Wein beschreibt.
Herr Weinlich reicht den Kinder das kleine Fläschchen und wünscht ihnen viel Spaß damit bei ihrem Tagesausflug.
Die Reise nimmt wie geplant ihren Lauf.
Frau Greve sitzt vorne und hält ein Schwätzchen mit dem Fahrer. Zwischendurch ergreift sie das Mikrofon und ergeht sich in Landschaftsbeschreibungen.
Alle Kinder müssen ihre CD-Player, Gameboys und Pokémon-Spiele der einsammelnden Frau Stängel überlassen.
Das daraus resultierende Gequengel übersteigt an Lautstärke bei weitem die Ausführungen von Frau Greve.
„Die Findlinge..., die Heide..., die Schäfchen..., die winkenden Schäfer..., die flinken Hunde..., die Farbkomposition im Lichtspiel der dahin ziehenden Schäfchenwolken... „ - unterlegt mit leiser, tragender Musik.
Die Kinder ergötzten sich in kaum nachvollziehbarer Einigkeit - so der Bericht von Frau Greve später an den Direktor ihrer Schule.
Frau Stängel sitzt mit zwei schlafenden Kinderköpfen rechts und links auf ihrem Schoß hinten auf der durchgehenden Sitzbank des Busses.
Auch sonst sieht man keinen Kopf über die Lehne herausragen.
„Wir sind da!“, erklingt die sonore Stimme des Busfahrers.
„Wo - wie - was?“, schrecken plötzlich 24 Kinder aus dem Schlaf hoch.
Die Türen gehen auf. Die Kinder strömen hinaus.
Was erwartet sie?
Ein Bauernhof!
Mit Schafen natürlich!
Wie kommt der Schäfer so schnell hierher? Den haben sie doch vor Stunden noch mit seiner Herde unterwegs gesehen!
Ach so, die sehen ja alle gleich aus! Das soll man nun wissen!?
„Ist das nicht romantisch hier?!“, sprüht Frau Greve und rafft ihren langen Wickelrock, um an der Hand des höflichen Busfahrers die Stufen aus dem Bus herabzusteigen.
Frau Stängel in Jeans und Idla-Steppjacke nimmt den hinteren Ausgang. Sie streicht sich leicht über die Wangen, die frische Heideluft lässt ihren Teint rosig erscheinen.
Im Hofgebäude erwartet die Gruppe ein langer gedeckter Tisch. Die Bäuerin stellt sich vor:
„Ich bin Frau Iwersen und das ist meine Schwiegertochter Elfriede Iwersen.
Elfriede hat zwei dicke Krüge in den Händen. Laut ruft sie in den Raum:
„Wer will frische Milch haben?“
Außer Frau Greve und Frau Stängel meldet sich niemand.
Elfriede schüttelt enttäuscht ihren Kopf:
„Diese Kinder - sie wollen meine leckere, frische Heidemilch nicht!“
Zum nun folgenden Mittagessen gibt es für Frau Greve und Frau Stängel eine Flasche Wein und ein Bier für den Busfahrer.
Nachdem die beiden Damen ihr Glas serviert bekommen haben, wird die noch dreiviertelvolle Flasche zum Nachschenken zurück auf das Büfett gestellt.
Dies ist das Signal für Adam!
Er schleicht unauffällig zum Büfett und zieht geschickt den locker aufgesetzten Korken heraus. Jetzt kippt er ungefähr die Hälfte der völlig geschmacklosen Tinktur in die Weinflasche.
Kein Mensch bemerkt sein Tun. Zurück am Tisch zwinkert er Mada zu.
Frau Greve und Frau Stängel gönnen sich mit sichtlichem Vergnügen noch ein weiteres Gläschen.
Mit Spannung verfolgen Mada und Adam die Wirkung des Weines.
Im Bauerngarten soll nun der Nachmittag bei wolkigem, aber mildem und trockenem Wetter mit Spielen und Einlagen der Kinder verbracht werden. Vorab hatte Frau Greve mit der Bäuerin lange Gespräche über die Gestaltung des Nachmittages geführt.
Derweil unternimmt Frau Stängel in Gesellschaft einiger Kinder einen Rundgang auf dem Bauernhof.
Da sind die Schafställe, ein Kuhstall, Enten, Hühner, fünf Ziegen, vier Ponys, zwei Pferde, ein großer Geräteschuppen, die Sattelgeschirrkammer, kleine und große Kutschen, ein Güllecontainer, eine Scheune und ein Silo für festgepresstes Viehfutter zu sehen.
Die Kinder staunen, wie seltsam und lustig sich Frau Stängel, die sie ja vorher nicht kannten, verhält.
Sie tänzelt umher, streichelt mutig die überrascht, blöde dreinblickenden Kühe und tritt dabei prompt in einen frischen Kuhfladen. Statt zu fluchen, wirft sie sich lachend auf einen Ballen Stroh und versucht, mit den Strohhalmen ihren Schuh und den Saum ihrer Jeans vom Fladen zu befreien. Dabei juchzt sie und gebärdet sich, als sei es die lustigste Sache der Welt.
Die Kinder sind erstaunt, aber auch begeistert.
„Ist ja scharf, was die da abzieht!“
Schon hängen alle in den Strohballen und toben mit Frau Stängel, dass die Heide wackelt.
Angelockt von dem Gegröle erscheint Schwiegertochter Elfriede Iwersen. Sie staunt nicht schlecht, die kichernde Frau Stängel mit Strohhaaren und nur einem Schuh, umgeben von einer Horde mit Strohhalmen behafteter tobender Kinder, zu erleben.
Auch die Bäuerin ist überrascht, als plötzlich Frau Greve mit sieben Kindern und vier Ponys auftaucht.
Frau Greve sitzt mit ihrem gerafften Wickelrock auf einem der ungesattelten Ponys und fuchtelt aufgelöst mit den Armen. Der Bauer führt die Ponys am Zügel und scheint die Situation zu genießen.
Er hilft jetzt drei Kindern auf die anderen Ponys. Sie wollen es ihrer fidelen Lehrerin nachmachen. Eine Riesengaudi - so fröhlich haben sie ihre sonst eher ernste und strenge Lehrerin noch nicht erlebt.
Das ganze Programm ist durcheinander geworfen. Das Treiben der beiden Damen macht den Kindern weitaus mehr Spaß.
Mada und Adam sind voll mit dabei und denken: „Da hat Herr Weinlich doch was Tolles gezaubert.“
Frau Greve und Frau Stängel sind so aufgedreht und guter Laune, dass sie alle Kinder mitreißen.
Familie Iwersen kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Häufig werden sie von Schulklassen aus der Stadt besucht, aber so etwas haben sie noch nicht erlebt. Endlich mal etwas Neues! Keiner ahnt, was das ausgelöst hat.
Frau Stängel sitzt am alten Klavier in der Essdiele und hämmert die wildesten Stücke in die Tasten.
Frau Greve hat ihren Wickelrock zur Hälfte in den Gürtel gesteckt und legt einen Stepptanz auf dem Holzfußboden hin, dass alle vor Begeisterung klatschen.
„Zwei Gläser sind noch in der Flasche, komm Steffi, die genehmigen wir uns noch!“, sagt Frau Greve zu ihrer Freundin.
Die Bäuerin schenkt den letzten Rest korrekt zu gleichen Teilen aus.
Einige Kinder toben draußen mit den Ponys, in der Scheune und auf Schaukeln im Obstgarten. Den umsichtigen Augen der Bauernfamilie entgeht nichts und selbst der Busfahrer, dessen Aufsichtspflicht sich eigentlich nur auf die Fahrt beschränkt, nimmt regen Anteil am Geschehen, ziehen doch die beiden pädagogisch Verantwortlichen eine Riesenschau ab.
„Das kann ja noch heiter werden“, stößt Elfriede ihre Schwiegermutter an, „nur gut, dass mein Micha noch nicht da ist, der würde sich doch gleich die mit dem hochgesteckten Wickelrock greifen!“
„Und das vor den Kindern - wenn das die Eltern mitkriegen würden!“, scherzt Mutter Iwersen.
„Ja, aber irgendwie sind die Damen ja auch nett dabei und den Kindern macht es einen Heidenspaß. Schau mal, die stehen alle im Kreis, klatschen und tanzen ausgelassen mit.“
In der Zwischenzeit haben die Kinder dafür gesorgt, dass die Musikanlage das eintönige Klavierspiel von Frau Stängel abgelöst hat.
Das letzte Glas Wein zeigt seine Wirkung.
„Nenn mich Steffi!“, ruft Frau Stängel dem Busfahrer zu, „wie heißt du mit Vornamen?“
„Ich? Jochen!“, grient er Steffi an.
„Jochen, ich spendiere dir einen Drink, wenn du jetzt ein Tänzchen mit mir wagst!“
„Alkohol im Dienst - das geht nicht und Tanzen ist nicht meine Sache!“, gibt Jochen leicht beschämt von sich.
„Aber ich!“, ruft Bauer Iwersen.
Er wirft seine verschwitzte Mütze auf einen Stuhl und packt Frau Stängel.
Mutti Iwersen bekommt Stielaugen und lächelt verkniffen, immerhin wirkt die Dame, jetzt ohne die auftragende Idla-Jacke, doch recht verführerisch.
Die Bäuerin und ihre Schwiegertochter beschließen, zum Nachmittagskaffee zu bitten, in zwei Stunden muss der Bus die Heimreise antreten.
Ermattet, aber noch immer vergnügt, erscheinen Frau Greve und Frau Stängel am Kaffeetisch. Zusammen mit Jochen, Herrn und Frau Iwersen, Elfriede und versammelter Kinderschar verdrücken sie Berge von Kuchen und trinken Kaffee und Schokolade.
Adam und Mada tuscheln wie üblich miteinander.
Paul spitzt die Ohren, bekommt aber nichts mit.
Der Bus fährt zurück.
Die Atmosphäre im Bus ist gedämpft, aber fröhlich.
Sommersprossen-Paul, der sich einen besonderen Schabernack ausgedacht hatte, ist nicht zum Zuge gekommen.
Auch andere Kinder, die sorgfältig mit ihren eifrigen Eltern einstudierte Vorstellungen zum Besten geben wollten, sind ein wenig enttäuscht.
Aber alles wurde durch den unverhofften Spaß bei weitem wettgemacht.
Weiß doch keiner, das Mada und Adam die Verursacher sind.
Aber was wäre wenn?

Die Zwillinge

Große Freude im Fliederweg 3.
Sybille Draeger hat Zwillingsmädchen geboren. Mutter und Kinder sind wohlauf.
Ein großes Fest soll im gemeinsamen Garten gefeiert werden. Alle Vorbereitungen organisiert die Familie Schröder von nebenan.
Lampions werden in die Bäume gehängt, viele Tische aneinander gereiht. Das Wasser im Springbrunnen wird mit einem speziellen Farbsirup tiefblau gefärbt.
„Eine tolle Idee!“, lacht Karin, als Lutz dieses Experiment das erste Mal ausprobiert und tiefblaues Wasser nach oben spritzt.
„Auch abends mit Beleuchtung wird das hübsch aussehen, warten wir es nur ab“, bemerkt Lutz.
Adam hat gar nicht so richtig mitbekommen, dass da plötzlich zwei Geschwister erscheinen sollen.
Omi Nudel hat irgendwann gesagt: „Adam, geh nicht in das Zimmer, das ist neu dekoriert.“
Ihm fiel auch auf, dass Mami in letzter Zeit einen ziemlich dicken Bauch hatte, aber er hat sich nichts weiter dabei gedacht und keiner hat ihm was gesagt.
„Bin gespannt, wie die wohl aussehen!“
„Ich frage meine Mutter heute, ob sie auch zwei Babys bekommt“, erwidert Mada.
„Wieso wissen wir das nicht? Wir sind doch keine Babys mehr!“
Adam und Mada kommen sich ziemlich verlassen vor.
Alles dreht sich um das Gartenfest und um die neuen Zwillinge. Im Haus Draeger steht alles Kopf. Adams Vater fährt oft zur Klinik und zurück. Kisten mit lauter Flaschen und Essenssachen und viele Blumen werden angeliefert.
Mada und Adam laufen wie Falschgeld im Garten herum und staunen über das Gewusel.
Es heißt immer nur:
„Kinder, bitte fasst das nicht an!“
„Vorsicht, Adam, lass das, Mada!“
Noch kommt bei den beiden keine Freude auf.
Erst als Opa Mobil plötzlich auftaucht und beide herzlich begrüßt, kommen Adam und Mada wieder in Stimmung. Er nimmt die beiden in seine Arme und brüllt:
„Wo ist meine Frau?“
Omi Nudel ruft: „Hier!“, und kommt mit ihrer ewig auf Halbmast hängenden Schürze auf ihn zu.
Er lässt die Kinder einfach fallen, die rollen lachend auf den Boden, dann gibt er Omi Nudel einen dicken Kuss, einen Klaps auf ihren Po und wettert mit seiner typisch lauten Stimme:
„So, mein kleiner Apfelstrudel“, so nennt er Omi Nudel wenn er gute Laune hat, „ich fahre jetzt mit Adam und Mada an den Baggersee! Die beiden sind hier ja wohl völlig überflüssig bei eurem ganzen Gedödel!“
„Na, meinetwegen!“, knurrt Omi Nudel und streichelt ihren beklapsten Hintern. Opi Mobil brüllt den anderen noch zu: „Hallo und auf Wiedersehen!“, und dann, „los Kinder, ab zu meinem zweiten Wohnsitz.“
Beide Kinder stürmen jetzt zu Opis Wohnmobil.
Opi Mobil hat alles im Wagen: Badesachen der Kinder, Handtücher, viele Spielsachen, eine große Schale mit Früchten und jede Menge Getränke.
Er ist immer lustig, die Kinder dürfen fast alles in seinem großen Wagen, nur manchmal mahnt er: „Geht bitte nicht an meine Stereoanlage, an das Zündschloss, an die Bremse, die Gangschaltung und an meinen Schnaps!“
Los geht’s - die Musik auf voller Lautstärke. Er legt nur die Spitzensongs für seine Lieblinge auf.
Beide Kinder stehen hinter seinem Sitz und fragen ihn ein Loch in den Bauch: „Wusstest du das mit den Zwillingen?“
„Wieso kommen die so schnell?“
„Warum hatten wir keine Ahnung?“
„An welche Stelle vom Baggersee fahren wir?“
Opi Mobil ist geduldig wie ein Ochse und brüllt die Antworten, zur scheinbaren Zufriedenheit beider, in die laute Musik.
„So Kinder, wir kommen auf die Hauptstrasse, bitte nach hinten und anschnallen!“
Beide gehorchen aufs Wort.
„Opi Mobil duldet nämlich keine Befehlsverweigerung!“, sagt er immer mit todernstem, aber verschmitztem Gesichtsausdruck.
Es ist schönes Augustwetter und eine ganze Menge Menschen sind an ihrer Lieblingsstelle.
Adam und Mada ziehen im Wohnmobil alles aus und toben wie die Wilden.
Opi Mobil zieht eine riesige Badehose an.
„Los Kinder, Badesachen anziehen, ihr kennt ja eure Fächer und bitte die Klamotten auf die Bank!“
Sie stehen nur fünfzehn Meter vom Ufer entfernt, so können sie einfach zum Mobil zurückgehen, wenn sie etwas brauchen.
Auf dem Dach des Mobils hat Opi im Sommer, wenn er nicht weit weg fährt, ein aufgeblasenes, schönes, großes Schlauchboot mit Paddeln festgezurrt.
Auch ein Motor liegt an seinem festen Platz hinter dem Fahrersitz. Sie haben also alles in Reichweite, wenn sie es brauchen.
„Heute ist aber nur Baden angesagt!“
Mada und Adam haben zur gleichen Zeit den „Seepferdchenschein“ bekommen, schon mit fünf Jahren konnten sie im tiefen Wasser schwimmen.
Adam kann auch schon tauchen, Mada zwar auch, aber sie mag es nicht so gern. Trotzdem - Opi Mobil lässt die beiden keinen Moment aus den Augen.
Was glaubt ihr wohl, was Omi Nudel mit ihm macht, wenn irgendetwas mit den Kindern passiert?
Der Baggersee ist für Kinder ideal abgesteckt und im Sommer wacht hier die DLRG. Es gibt keinen Schlick, keine großen Steine und das Wasser ist sehr sauber.
Schwimmflügel lassen sich die beiden nicht mehr anlegen, sie haben ja schon die coole Schwimmauszeichnung.
Zwei Stunden haben sie zusammen mit anderen Kindern aus der Siedlung viel Spaß. Zwischendurch zeigen sie stolz Opis Wohnmobil, es gibt Getränke und Früchte.
Aber wehe, einer der anderen Jungs will Mada im Wasser untertauchen oder ihr sonst was tun, dann sollt ihr mal den Adam sehen, er rastet aus und kämpft für sie, auch wenn die Jungs größer und stärker sind.
Mada ist immer sehr stolz, wenn Adam gewinnt.
Opi Mobil bläst zum Aufbruch!
Er ist schon umgezogen und schaut auf seine Uhr.
„In zehn Minuten geht es los, Kinder, ihr müsst eure nassen Sachen noch ausziehen und euch abtrocknen, ich will kein Wasser und keinen Sand im Wagen haben!“
Jetzt hilft kein „Nöö!“, „Ja gleich!“, „Ist so schön!“ oder „Noch ein bisschen länger!“, Befehlsverweigerung gibt es nicht bei Opi Mobil.
Die anderen Kinder schauen und staunen Adam und Mada nach, wie sie mit ihrem tollen Großvater in dessen Mobil wieder davonfahren.

Besuch auf der Entbindungsstation

„Heute hole ich dich und Mada von der Schule ab und wir fahren anschließend zu deiner Mutter und den Zwillingen“, sagt Götz Draeger am Frühstückstisch zu seinem Sohn, „Mami hat schon Sehnsucht nach dir. Bist du stolz, gleich zwei Geschwister zu haben?“
„Nöö, ich kenne die doch noch gar nicht!“
Omi Nudel, die die Draegers seit langem im Haus versorgt, lacht auf:
„Aber Junge, das ist wunderbar, zwei auf einmal, was glaubst du denn, wie lustig das wird im Haus!“
„Och, das sind doch Babys, was soll ich denn mit denen machen?“
Da lacht auch sein Vater.
„Warte mal ab, mein Junge, die werden auch größer und du wirst sie mögen. Jetzt muss ich aber schnell ins Büro, wir sehen uns heute Mittag!“
Er gibt seinem Sohn noch einen Kuss auf die Stirn und verlässt schmunzelnd das Haus.
Omi Nudel ganz weise:
„Mein lieber Adam, du musst jetzt von deiner Liebe zu Mada ein Stück an deine Geschwister abgeben.“
„Nie, nie“, erwidert Adam laut und empört, „ niemals!“
Er steht wütend vom Tisch auf und guckt richtig böse auf Omi Nudel.
„Du weißt ja gar nichts!“
„Ist ja gut, mein Junge, Mada ist und bleibt die Beste!“
Im Schulbus erzählt Adam alles Mada, aber zu seinem Erstaunen findet Mada es prima mit den Zwillingen und freut sich auf den Besuch.
Vor der Schule wartet Götz Draeger bereits in seinem blauen BMW auf die Kinder.
Schon kommen die beiden angerannt - Mada vorweg, Adam etwas verhalten. Götz drückt Mada ganz herzlich und lächelt launig zu Adam. „Na, wie war es heute?“ - die Standardfrage!
„Prima!“, antwortet Mada spontan, „wir hatten Kunst und ich habe ein Bild von den Zwillingen gemalt!“
„Wie doof, lass mal sehen!“, knurrt Adam.
Siehe da, Mada hat ein schönes Bild in rosa Farbe von zwei Babys in einem Bettchen gemalt. Die haben rosa Mützen auf dem Kopf und die Gesichter sind richtig lieb.
Götz Draeger nimmt von hinten Madas Bild und wirft einen Blick darauf.
„Ganz toll für deine sechs Jahre“, sagt Vater Götz anerkennend, „da wird sich meine Frau aber sehr freuen.“
Adam mault und sagt gar nichts.
Die Kinder sind zum ersten Mal in einem Krankenhaus.
Sie schleichen dicht hinter Götz Draeger her.
Hinter dem Fahrstuhlausgang im dritten Stock ist Halt.
Sie müssen rechts in einem Zimmer ihre Hände waschen, bekommen eine grüne OP-Maske und kleine, weiße Kittel, von hinten zugeschnürt.
Erst jetzt dürfen sie heraus und unter Begleitung einer Schwester den Gang betreten.
Sie hören leises Geschrei!
Plötzlich links ein großer weißer Raum hinter Glaswänden mit lauter Babys! Mada bleibt fasziniert vor den Scheiben stehen:
„Schau mal Adam, lauter schreiende Babys.“ Auch die Stationsschwester bleibt stehen und lässt die Kinder schauen.
Adam gelangweilt: „Wo sind denn unsere?“
Die Schwester antwortet: „Die süßen Draeger-Zwillinge sind bei ihrer Mutter und gerade gestillt worden.“
„Gestillt, was ist das denn?“
„Die Kinder bekommen Milch aus den Brüsten deiner Mutter, weißt du das noch nicht?“
Mada antwortet für Adam: „Na klar, Adam, das weiß doch jeder!“
Adam sagt gar nichts.
Sein Vater legt jetzt die Hand auf Adams Schulter und sagt ganz lieb und ruhig: „Du wirst es schon mal sehen, mein Junge.“
Als sie das Zimmer von Sabine Draeger betreten, strahlt auch der Adam. Da liegt seine Mutter und lächelt ihn zauberhaft an, sie hat links und rechts die Zwillinge in den Armen.
„Da seid ihr ja alle drei“, strahlt Sybille.
Götz beugt sich über seine Frau und gibt ihr einen zärtlichen Kuss.
„Jetzt aber, Adam“, ruft sie, „komm mal her, mein Großer! Hier sind deine Schwestern Lucie und Luise!“
Adam wird von ihr ganz doll hinabgezogen, gedrückt und gekost. Ein Baby wird von Adam richtig gepresst, beide sagen aber keinen Pieps, sind wohl zu satt und faul.
Adam befreit sich von seiner Mutter, zu viel Knutschen und Drücken mag er nicht.
„Und du Mada, nett, dass du mitgekommen bist!“
Mada geht zu Sybille, gibt ihr die Hand und macht einen leichten Knicks. „Herzlichen Glückwunsch, Tante Sybille, zu den Zwillingen und ganz viele Grüße von meinen Eltern, meiner Omi und meinem Opi! Ich habe dir ein Bild gemalt!“
„Mada, du? Zeig es mir!“
Mada holt verschämt die große Hartpapierrolle hinter ihrem Rücken hervor, entrollt sie und zeigt Sybille das Bild.
Sybille schaut es sich an, Adam schielt auch noch mal drauf.
Sybille streckt die Arme aus, zieht Mada zu sich herunter und gibt ihr einen Kuss: „Mada, welch ein liebevolles Geschenk, das kommt zu den Zwillingen ins Zimmer!“
Mada will das Bild wieder zusammenrollen, aber Sybille protestiert: „Nein, lege es so auf den Tisch, ich möchte es den Schwestern zeigen und selbst noch mal bestaunen! Vielen Dank, Mada!“
Die Kinder sitzen jetzt auf beiden Seiten des Bettes und schauen sich die schlafenden Zwillinge an, wie sie satt und zufrieden in den Armen ihrer strahlenden Mutter liegen.
Vater Götz hat sich einen Stuhl herangezogen, er sagt nichts, er sieht seine Frau nur verliebt und glücklich an.
Die Schwester kommt herein und befreit die Mutter vorsichtig von ihren Babys.
Sybille reckt die Arme und atmet erleichtert durch:
„Ach, ist das schön, endlich kann ich mich wieder richtig bewegen, die Süßen schaffen mich doch ganz schön!“
Professionell hält die Schwester die Kleinen auf dem Arm, die Babys haben beim Wechsel nicht einmal ihren Schlaf unterbrochen.
„Ja, Frau Draeger, zwei auf einen Streich sind ein seltenes Glück, jedoch nicht leicht für die Mutter. Wie ich aber sehe, haben sie genug Milch und wir brauchen zur Zeit noch keine zusätzlichen Fläschchen. Muttermilch ist das Beste für die Kinder, aber lange wird ihr Vorrat nicht reichen bei zwei so gesunden Mädchen.“
Mada meldet sich dazwischen: „Oh, darf ich dann die Babys mit der Flasche füttern? Ich durfte das auch schon bei Tante Petra, ich weiß wie man sie vorwärmt und wie man am Handrücken die Temperatur feststellen kann.“
Alle lachen und Sybille sagt: „Das machen wir Mada, du wirst mir bestimmt eine große Hilfe sein.“
Adam jetzt brummelig zu Mada gewandt: „Dann musst du auch die stinkigen Windeln wechseln und die Kacke wegwischen - igitt!“
Wieder Gelächter von allen.
„Dich will ich gar nicht dabeihaben!“, erwidert Mada schnippisch.
Die Schwester spricht jetzt zu Mada und Adam: „Kommt mit mir, Kinder, zieht eure Masken wieder über Mund und Nase, ich zeige euch jetzt all die anderen Babys und Herr und Frau Draeger können noch ein bisschen allein miteinander sein.“
„Prima!“, antwortet Mada und zieht Adams und ihre Maske hoch, so schnell, dass Adam gar nicht weiß, wie ihm geschieht.
„Ich komme dann auch gleich zu euch“, sagt Herr Draeger.
„Tschüs Mami!“ „Tschüs Tante Sybille!“, und schon sind sie mit der Schwester draußen.
Adam will partout im Korridor warten und nicht mit in den Babysaal.
„Das Gequake geht mir auf die Nerven, ich warte hier auf der Bank, bis mein Vater kommt!“
Mada ist selig, mit zu den Babys zu dürfen.
So viele lebende Puppen hat sie noch nie gesehen.
Vorsichtig darf Mada, nachdem die Schwester die immer noch schlafenden Zwillinge zusammen in ein Doppelbettchen gelegt hat, mit ihr von Bettchen zu Bettchen gehen.
So viele verknautschte Gesichter mit allen nur denkbaren Grimassen und Farben. Nur die Köpfchen sind zu sehen, die Ärmchen sind alle fest in die Decke gewickelt.
Drei weitere Schwestern laufen auf und ab und haben alle Hände voll zu tun. In einer abgeteilten Ecke gibt es einen großen Wickeltisch. Immer wieder kommt ein meist schreiendes Kind auf diesen Tisch, wird in Windeseile nackig ausgezogen, gesäubert, gesalbt, gepudert und auf einer gepolsterten Waage gewogen, alle Daten werden mit Namen und Uhrzeit für jedes Kind in eine Liste eingetragen.
Da stehen viele Dosen, Schüsseln und Körbe, Reinigungsstäbchen für Augen, Ohren und die Nase.
Für Mada ist es unglaublich spannend, zusehen zu dürfen. Die Schwestern machen das alles so sanft und doch ganz schnell.
Als Mada mal zur Glaswand nach draußen schaut, sieht sie Adam gestikulierend - komm doch bloß da endlich raus.
Sie kennt seine blöden Gesten ganz genau, jedes seiner Zeichen hat eine Bedeutung.
Ihre Rückgeste lässt ihn innehalten, die muss gesessen haben, denn auch er kennt Madas Taubstummensprache bestens.
Es ist ja sowieso jetzt vorbei!
Die Schwester nimmt Mada lächelnd bei der Hand und führt sie hinaus.

Wisst ihr übrigens.....

Die Wissenschaftler - ihr wisst ja - das sind die, die alles wissen,
wissen, dass ein Kind ab der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr mehr lernt, als in der gesamten folgenden Lebenszeit.

Ihr glaubt das nicht?
Wir können es beweisen!!

Also, ab dem nächsten Kapitel wissen Adam und Mada schon alles!

Vier Jahre später

Heute am 15.Mai wird Adam zehn Jahre alt.
Gott sei Dank ist Sonnabend und die Kinder brauchen nicht zur Schule. Schon vor dem Frühstück kommt Mada zu Draegers durch den Garten herübergerannt. Es ist immer noch Omi Nudel, die wieder alles vorbereitet.
„Bei diesem schönen Maiwetter können wir heute alle draußen frühstücken!“, heißt es schon am frühen Morgen.
Alle schlafen noch, als sie im Garten den großen Tisch festlich und kindergerecht schmückt und aufdeckt.
„Um 10.00 Uhr kommen sie, dann muss alles fertig sein!“
Nur Mada geht Omi Nudel zur Hand. „Schläft Adam noch?“, fragt Mada die Omi.
„Du kennst ihn doch, der faule Langschläfer drückt sich mal wieder vor der Arbeit, heute ist sein Tag und er kommt sich vor wie der Erbprinz“, kommentiert Omi Nudel in ihrer weißen Schürze, wieder nur mit einem Träger. Es wäre auch ein Wunder, Omi Nudel mal nicht mit einem heruntergerutschten Schürzenträger zu erleben.
„Ich gehe rauf in seine Mansarde und scheuche den Blödmann!“
„Na dann viel Spaß, der lässt Dich bestimmt nicht in seine Rumpelbude.“ Adams Tür ist verschlossen, als Mada einfach so auf die Klinke drückt.
Schade, sie will so gern hineinschleichen.
Was nun? Dieser blöde Kerl! Klopfen?
Mal wieder schaut sie sich seine Tür von draußen an, während sie überlegt.
Der Türgriff hängt auf Halbmast vom ewigen Zuhalten und Gegendrücken.
Ihr wisst ja wie das geht!
Die Tür ist voll mit Postern und ein alter Soldatensäbel hängt schräg an zwei Krampen.
Der Stoffstier, sein Sternzeichen, den Mada ihm vor zwei Jahren geschenkt hat, baumelt kopfüber mit einem Nagel durch den Bauch in diesem Stillleben.
Ganz unten hat die Tür keine Farbe mehr.
Mada weiß, das waren die Zwillingsmädchen, die immer mit ihren Schuhen dagegen treten, wenn ihr Bruder nicht für sie öffnen will.
Jetzt klopft Mada leise an seine Tür.
Keine Antwort!
„Soll sie oder soll sie nicht? Er hat doch immerhin heute Geburtstag, da muss man doch besonders lieb sein, oder?“
Mada will es jetzt aber doch wissen.
Sie klopft lauter und zischt durch das Schlüsselloch:
„Hey, mach auf, du Blöder!“
Keine Regung, kein Geräusch.
„Der Idiot weiß ganz genau, dass ich das hier vor seiner Tür bin, schämt sich aber wohl, weil seine Stinkesocken und Unterhosen überall herumliegen und seine Bude mieft, da er immer vergisst, das Fenster aufzumachen!“
Tante Sybille sagt immer: „Adam, bei dir sieht es aus wie im Saustall und es riecht auch so!“ Wenn Tante Sybille nicht immer seine Bettwäsche waschen würde, schliefe er jahrelang darin und fände es auch noch schön.
„Soll er doch, der Stinker!“ denkt sich Mada und geht leise wieder hinunter.
Im ersten Stock schlafen die Eltern und die Zwillinge vermutlich noch. Sie will aber keinen auf sich aufmerksam machen.
Unten bei Omi Nudel atmet sie durch.
„Die pennen alle noch, das ganze Haus ist still!“
„Aber Mada, es ist ja auch erst 8.00 Uhr und heute ist Sonnabend, die Eltern genießen es, dass die Zwillinge noch keinen Rabatz machen, denn wenn die wach werden, ist doch wieder kein Halten mehr. Ach, da kommt ja endlich mein lieber Mann!“
Opa Mobil steigt aus seinem zweiten Wohnsitz.
„Hallo Kinder!“, dröhnt er bereits an der Pforte.
„Leise!“, schimpft Omi Nudel, „die schlafen doch noch alle. Bitte, du sollst mir und Mada nur ohne Worte helfen, bei deinem Stimmvolumen weckst du alle bis auf 100 Meter auf.“
„Ist ja gut, mein Apfelstrudel, ich schweige wie ein Grab!“
Opa Mobil kann alles und ist stark.
Der große Tisch wird versetzt, achtzehn Stühle herangeschleppt und noch zwei lange Bänke kommen an den Grillplatz.
Es soll ein „Brunch“ mit allen Schikanen werden.
Oben im Schlafzimmer der Draegers öffnet sich ein Fenster. Sybille erscheint im Nachthemd:
„Guten Morgen, ihr Lieben, wenn ich euch nicht hätte - ihr seid zum Küssen! Lucie und Luise sind schon bei uns im Bett und toben beide auf Götz, der kaum noch Luft bekommt. Sie singen immer: „Adam der Doofe, der hat heut Geburtstag!“ Ich mache jetzt die Mädchen fertig und komme dann zu euch hinunter!“
„Lass dir Zeit, Kind, wir kommen schon klar!“
„Schwiegerpapa, denkst du bitte daran, dass wir noch Musik im Garten brauchen?“
„Wird gemacht, mein Mädchen!“
Die Vorbereitungen gehen gut voran.
Mada trägt heute ein Kleid!
Als kleines Mädchen hat sie zuletzt ein Kleid getragen. Ihre Mutter hat sie dazu überredet, so ganz wohl fühlt sie sich noch nicht darin, aber schon beim Anprobieren waren alle begeistert und nun ist sie gespannt, was die anderen und vor allen Adam dazu sagen.
Schon kommt die Überraschung!
Die Zwillinge kommen aus dem Haus geflitzt. Beide in sehr hübschen Kleidchen - eines hellrosa und eines dunkelrosa. Sie stürzen zuerst auf Mada zu. „Toll Mada, du im Kleid - und dann so ein schickes - so schön warst du noch nie!“
Mada strahlt! Das erste Kompliment von den Kleinen tut ihr gut. Sie nimmt beide in die Arme und drückt sie fest an sich.
Dann springen die beiden Opa Mobil an, eine am Hals und die andere am Rücken. Gott sei Dank ist der Opa so stark, sonst wäre er umgefallen.
„Meine beiden L’s, ihr seid ja mal wieder wie die Wilden!“
Die Eltern Götz und Sybille erscheinen - große, freudige Begrüßung mit Anerkennung der toll geleisteten Vorbereitungen.
Es ist 9.45 Uhr. Die ersten Geburtstagsgäste trudeln ein.
Karin und Lutz Schröder kommen mit Moritz durch den Garten. Moritz läuft zu Mada und drückt sich an ihre langen nackten Beine. Mada knuddelt zärtlich ihren kleinen Bruder. Vor drei Jahren ist dieser süße Knirps auf die Welt gekommen, ein Jahr nach den Zwillingen von Draegers.
Die Familien werden immer größer und das Miteinander immer enger.
Als Nächste erscheinen Großvater Sander und Omi Bete, die Eltern von Sybille Draeger. Omi Bete heißt so, weil Adam bei ihr immer ein Nachtgebet sprechen muss, wenn sie ihn mal ins Bett bringt.
Omi Schwarz, die Mutter von Lutz Schröder, fährt mit Herrn Wegener in dessen Taxe vor.
Woher hat Omi Schwarz ihren Namen? Sie ist Witwe und trägt ständig schwarze Sachen.
Vornehm und würdevoll steigen Opi Doc und Omi Sing, die Eltern von Karin Schroeder, aus ihrem schicken BMW.
Omi Sing geht gerne in die Oper und trällert Arien aus vollem Halse.
Gleich danach erscheint das Apothekerehepaar Herr Weinlich mit seiner Frau Ilse.
Alle haben Pakete in den Händen. Ein imposanter Geschenketisch erwartet Adam.
Aus der Siedlung kommen noch elf weitere Gäste mit ihren Kindern und Großeltern. Der Garten ist bunt gemischt von fröhlichen Menschen und die Maisonne wärmt die Gemüter.
Der Einzige, der noch fehlt ist Adam, das Geburtstagskind. Der Kronprinz, wie ihn Omi Nudel immer scherzhaft nennt.
Doch Adam bekommt seinen Auftritt! Seine Mutter Sybille hat ihn zur Eile angetrieben.
Opi Mobil - zuständig für die Musik - legt eine Kassette ein. Laut erschallt das Lied: „Zum Geburtstag viel Glück...“
In der Tür zum Garten erscheint stolz und strahlend schön Sybille mit ihrem Sohn Adam.
Alle singen mit und strömen auf Adam zu. Da wird geküsst, geherzt und geredet. Adam trägt hellgraue Hosen und einen sehr schicken blauen Blazer mit Goldknöpfen und dunkelblauer Krawatte.
„Donnerwetter!“, sagen alle, „der Adam sieht aber flott aus!“
Mada hat ihren kleinen Bruder noch immer an ihren Beinen und gewährt den Großen den Vortritt.
Aber jetzt!
Adam löst sich aus dem Kreis und geht auf seine Mada zu.
Es bildet sich eine staunende Gasse für die beiden.
Mit ihrem Brüderchen am Bein geht sie Adam entgegen und fällt ihm in die Arme.
„Herzlichen Glückwunsch, du Stinksocke!“, flüstert sie ihm küssend ins Ohr. Adam tritt jetzt zurück, sie an beiden Händen haltend:
„Du siehst ja toll aus in deinem Kleid!“
„Du aber auch, Geburtstagskind.“
Mada lächelt verlegen zu Adam und in den Kreis - das Kleid scheint wohl doch sehr hübsch zu sein!
Sybille und Götz Draeger nehmen jetzt Mada und Adam unter die Arme und führen sie an den großen Tisch, der mit so viel Liebe hergerichtet ist.
In der Mitte, wo Adam sitzen soll, steht Omi Nudels Geburtstagstorte, die keiner vorher sehen sollte. Im Rund des Kuchens liegt ein dünnes Glas mit einem Bild von Adam vom Tag seiner Einschulung ins Gymnasium. Das war vor einem Monat. Um das Bild herum brennen zehn Kerzen in verschiedenen Farben. Der Kuchen ist natürlich eine Wucht und schmecken wird er vermutlich genauso gut wie Omis Nudeln.
Neben Adam sitzen seine Eltern. Die Zwillinge toben mit anderen Kindern an einem Extratisch. Adam gegenüber sitzt natürlich Mada und daneben ihre Eltern.
„Auspusten, auspusten!“, rufen jetzt einige.
Adam beugt sich über den Kuchen und bläst die zehn kleinen Kerzen lässig mit einem Atemzug aus. Nach dem folgenden Gegröle der Kinder muss er nun den Kuchen anschneiden. Alle wollen zuerst ein Stück vom Kuchen haben.
Der Geburtstag im Garten ist voller Überraschungen. Die Rede von Adams Vater - alle sind sehr gerührt - der Rückblick auf zehn Jahre, die gute Nachbarschaft, die Freundschaft zwischen Adam und Mada, ihre Einschulung in das selbe Gymnasium, lustige Anekdoten beider Familien und zum Schluss die frohe Nachricht, dass Sybille wieder ein Baby erwartet.
Stürmischer Applaus braust auf. Nach dem Jubel wendet sich Sybille lächelnd an ihren Sohn:
„Diesmal ist es aber nur ein Kind und du weißt es rechtzeitig!“
Lutz Schröder steht auf und gratuliert Sybille und Götz zum bevorstehenden Nachwuchs.
An seine Frau Karin gewandt:
„Schatz, wir sollten es mal mit Zwillingen versuchen, damit wir den Ausgleich wieder herstellen können.“
Das nun folgende Gelächter will kein Ende nehmen.
„Eigentlich ist es ja toll, einen Tag so im Mittelpunkt zu stehen“, denkt sich Adam, während er zum überladenen Gabentisch schaut, „was da wohl alles drin ist?“
Noch muss er ja zwischen seinen Eltern sitzen bleiben, aber er kann aus der Entfernung einige Teile erraten.
Mada schielt zum Tisch hinüber und grinst Adam dabei an, sie weiß immer, was der Kerl gerade denkt.
„Wirst ganz schön verwöhnt, du feingemachter Pinsel!“
„Du bist ja auch bald dran mit deinem Geburtstag“, und bufft sie dabei leicht mit seinem Schuh unter dem Tisch, „ich schenke dir dann zehn Kilogramm Lakritzen, damit du nicht immer an jeder Bude von mir Geld dafür erbettelst!“
„Du Stinksocke, wer schuldet mir denn noch fünf Euro und wer hat dir denn die CD geschenkt, als du wieder mal dein Taschengeld verbraten hattest? Du hast es gerade nötig! Für dein Geschenk heute habe ich zwei Monate gespart!“
Mada will gar nicht aufhören aufzuzählen.
„Was hast du mir denn Tolles geschenkt?“
„Ich habe es oben in deiner Miefbude versteckt, du sollst heute Abend danach suchen!“
„Hoffentlich ist es keine tote Ratte!“
„Du hast es erfasst! Nein, leider ist es ein viel zu schönes Geschenk, wenn ich so darüber nachdenke!“
„Och Mada, ich freue mich doch schon darauf, ich weiß doch, dass du mich heiß und innig liebst!“
„Du eingebildeter Idiot! Liebe, pfff...!“
„Adam, der Geschenketisch wartet auf dich“, unterbricht sein Vater Götz die Sticheleien der beiden.
Adam springt auf und viele folgen ihm.
Mada aber bleibt sitzen, wirft ihren Kopf in den Nacken und tut so, als würde sie gen Himmel schauen.
Erspart mir, euch aufzuzählen, was Adam alles bekommen hat.
„Viel zu viel“, brummt Opi Mobil, „die Kinder werden heutzutage enorm verwöhnt - zu meiner Zeit...!“
„Ja, ja, Opi, das kennen wir alles schon“, stichelt Adam, „du hast zu deiner Zeit Hacke und Spaten bekommen und ich heute von dir und Omi Nudel einen Computer, ihr seid ja selbst schuld, dass ihr mich so liebt!“
„Mein lieber Mann, das muss einem erst mal einfallen! Hast du das gehört, mein Apfelstrudel, was dieser eingebildete Bengel eben zu mir gesagt hat?“
„Nee, was denn?“
„Ist schon gut, hast wieder mal nichts mitbekommen!“
Alles, auch das schönste Fest, hat mal ein Ende.
„Auf Wiedersehen, ihr Lieben, es war wunderschön heute“, tönt es von allen Seiten.
Adam wird fast verrückt von der ganzen Küsserei.
„Vielen Dank für das schöne Geschenk“, manchmal weiß er nicht, was von wem ist, also lieber keinen Fehler machen.
Seine Haare sind zerzaust, warum greifen alle immer in seine dicke Haarpracht? Aber was soll er machen?
Mada sieht zu und kichert sich eins, sie weiß wie er diese Knutscherei hasst. Geschieht ihm recht, dass er dies erleiden muss, dieser undankbare Stinker! Aber schmilzt sie selbst nicht immer dahin, wenn sie ihn nur von hinten sieht?!
Es wurde viel zu viel gegessen und getrunken.
Für Herrn Wegener und zwei seiner Kollegen ein gutes Geschäft, die Autos der Gäste bleiben stehen - morgen ist ja Sonntag.
Adam ist gespannt, was Mada für ihn in seinem Zimmer in seiner Abwesenheit heimlich versteckt hat.
„So früh wolltest du noch nie auf dein Zimmer“, staunen seine Eltern.
Die wissen ja auch nicht warum!
Peinlich wie seine Bude aussieht, was wird Mada sich bloß gedacht haben? Seinen Mief jedoch riecht er nicht. Ist ja schön so.
Adam schaut überall, im Bett und darunter, in und auf den Schränken - wo?
Ist es so klein? Hier nicht, da nicht!
Doch! Jetzt sieht er was in grünem Geschenkpapier mit einem dunklen Karoband.
Es schaut hinter einem Regal hervor.
Er reißt es auf!
Es ist ein Buch mit dem Titel „Die Geheimsprachen“.

Die Geheimsprachen

Adam öffnet zuerst das rosa Kuvert, das mit einem kleinen roten Herz an der Spitze versiegelt ist.
Auf dem gleichfarbigen Papier hat Mada einen Stier gezeichnet, der ebenfalls von einem Herz umgeben ist.
Die ersten Zeilen bleiben Adams Geheimnis, aber was dann kommt, das dürft ihr wissen.
Es geht um das Buch „Die Geheimsprachen“, das Mada ihm zum zehnten Geburtstag geschenkt hat.
„Studiere das Buch gut, lieber Adam, für uns habe ich ‚Korea’ ausgesucht, ich meine es ist die interessanteste Sprache!“
Adam ist jetzt sehr gespannt und kein bisschen müde mehr. Er öffnet die feste, dicke Umschlagseite.
Da steht es: „Die sechs Geheimsprachen dieser Erde“.
Auf den folgenden Seiten gibt es ein Vorwort, das unter anderem erläutert wie schwierig es war, diese Geheimsprachen zu erhalten, sie zu entschlüsseln, zu übersetzen und letztendlich zu drucken und sie herausgeben zu dürfen.
Auf der Seite davor wird natürlich der Verlag genannt mit allen Rechtsbelehrungen. Die Auflagenhöhe wird erwähnt und den Menschen gedankt, die die Geheimcodes in schwieriger Mission entschlüsselt haben.
Es existieren nur fünfzig Exemplare als Privatdruck:
„Für Freunde des Verlegers, nicht im Handel erhältlich!“
„Wo sie das wohl her hat? Das ist ja toll!“
Das Buch ist in sechs versiegelten Einzelteilen gebunden. Die angeführten Länder bilden somit geschlossene und gebundene Hefte im Buch.
Geöffnet, also entsiegelt, hat Mada nur zwei Länder: „Deutschland“ und „Korea“.
Warum ausgerechnet Korea?
Mada hat vermutlich Informationen, die sie ganz für sich behalten will. Sie bittet in ihrem Brief: lieber Adam, lasse die anderen Länder versiegelt, ich sage dir später auch warum.
„Die Sache ist cool!“ Adam ist unglaublich gespannt, als er sich erst einmal den entsiegelten deutschen Teil herauszieht. Neben den genannten Ländern gibt es noch Großbritannien, USA, Russland und Japan.
Aber jetzt zum deutschen Heft!
Auch hier gibt es wieder ein Vorwort und dann eine Anleitung.
Adam blättert weiter und entdeckt merkwürdige Wortbildungen und lauter Zeichen mit diversen Gesten aller zehn Finger sowie der Arme und Ellenbogen. Alles präzise angeordnet in senkrechtem und waagerechtem Verlauf.
„Das ist ja ein Ding!“
Da gibt es circa zwanzig Seiten mit diesen ganzen Zeichen und Wortbildungen, aber um das auch nur ansatzweise zu verstehen, muss man sicher die lange Anleitung genauestens studieren und dafür ist Adam jetzt doch zu müde.
Morgen ist Sonntag - wie schön - ausschlafen und dann mit Mada das spannende Buch zum Leben erwecken!
„Guten Morgen Adam!“, begrüßt ihn seine Mutter, als er bereits angezogen um 9.00 Uhr in der Küche erscheint, „schon so früh am Sonntagmorgen? Bist du aus dem Bett gefallen?“
„Hallo Mami!“, Adam lässt sich einen flüchtigen Kuss geben, „ich habe eben mit Mada telefoniert - ich soll um 9.00 Uhr bei ihr sein. Ihre Eltern haben mich zum Frühstück eingeladen.“
„Na gut, meinetwegen, dann lauf rüber, es ist schon nach 9.00 Uhr!“
„O.k., tschüs“, ruft Adam und biegt bereits um die Ecke.
Bei den Schröders wird er schon von allen erwartet. Da sitzt die Familie morgens immer an der Küchenbar. Ein toller Platz!
Ein breiter Tresen trennt die offene Küche vom Wohnraum und man sitzt auf Barhockern mit Lehnen wie an einem gedeckten langen Tisch. Auf der Küchenseite hocken meistens Karin und Lutz, die Kinder und Gäste gegenüber. So auch heute!
Ein großes Hallo gilt Adam, als er hereinkommt. Das Buch von Mada unter dem Arm begrüßt er alle nacheinander.
Geschickt entwendet Mada ihm das Buch und legt es heimlich auf einen Stuhl um die Ecke.
„Keine Fragen, keine Antworten!“, denkt sich Mada.
„Bei anderen schmeckt es immer besser“, findet Adam, und haut ordentlich rein.
Der Geburtstag wird beredet und belacht und erst nach über einer Stunde kann Adam endlich mit Mada in ihrem Zimmer sein neues, geheimnisvolles Buch bequatschen.
„Ich sage dir, wir müssen ‚Korea’ nehmen, Opi Doc hat mich davon überzeugt. Er hat das Buch direkt beim Verleger für 580 Euro besorgt und ich musste ihm 20 Euro von meinem Taschengeld geben. Er meint, wenn ich es dir schenke, so muss ich es erwerben und ein kleines Opfer dafür erbringen.“
„Das ist ja verschärft! Was weiß Opi Doc von der koreanischen Geheimsprache? Warum nicht von einem anderen Land wie Deutschland oder USA?
„Adam, mein Opi Doc kennt die Geheimsprache aus dem Koreakrieg mit den Amerikanern, das ist schon fünfzig Jahre her. Opi Doc hatte ein ganz spannendes Leben, das muss ich dir der Reihe nach erzählen!
Also hör zu!
Opi Doc war Militärarzt für die Amerikaner in Korea!“
„Krass, damals schon, da unten?“
„Ja, er war als junger Mann nach seiner Arztzulassung in der amerikanischen Besatzungszone für die US-Soldaten in Deutschland tätig. Opi Doc muss ein ganz toller Arzt gewesen sein, alle haben ihn bewundert und er sprach perfekt amerikanisches Englisch.
Eines Tages nahm ihn der Divisionsgeneral beiseite und fragte ihn, ob er nicht für die USA in Korea als Militärarzt arbeiten wollte.
Opi Doc war erst 26 Jahre alt, frei und voller Unternehmungslust. Er hat begeistert zugesagt, ohne zu ahnen, auf was für ein Abenteuer er sich da einlässt. Ich mache es jetzt kurz:
Mein Opi flog mit vielen Soldaten nach Korea, er erhielt die amerikanische Staatsangehörigkeit und eine Uniform, später wurde er sogar Major.
Wie ein Verrückter hat Opi Doc Koreanisch gelernt, er kannte als Einziger von seinen neuen Kameraden vieles in der koreanischen Sprache.
Opi Doc muss sehr ehrgeizig gewesen sein, er leistete viel mehr als gefordert wurde.
Dort unten erwartete ihn ein brutaler Krieg. Er muss furchtbare Dinge erlebt haben und wurde auch mal selbst am linken Oberschenkel verwundet.
Drei Jahre war Opi Doc in Korea und beherrschte die Sprache so gut, dass er prima übersetzen konnte. Auch bei den Koreanern war er beliebt und hat selbstverständlich vielen als Arzt geholfen.
Das sei er seinem Eid schuldig, betonte er immer.“
„Ach ja, dieser berühmte Eid der Ärzte - wie heißt noch gleich der Mann mit dem griechischen Namen?“, bemerkt Adam.
„Hippokrates!“, so Mada belehrend, „auf diesem Weg hat Opi Doc dann die koreanische Geheimsprache gelernt. Sie wurde für die koreanischen Soldaten entwickelt und diente in der Kriegsführung bei Partisanenkämpfen.
Die Zeichensprache für die Verständigung in Sichtweite, die Wörtercodes beim Rufen aus der Nähe über Funk oder Radio. Bei Radioübertragungen wurde sie unterschwellig in Sprache oder Musik eingeblendet, z.B. konnten drei Tonvarianten einen vollständigen Satz übermitteln.
All dies war aber nur verständlich, wenn man auch die koreanisch-chinesischen Schriftzeichen beherrschte und Opi Doc war einer der wenigen Europäer, der sie lesen und schreiben konnte.
Heute noch besitzt Opi Doc diese Kenntnisse!“
„Mensch Mada, hast du einen tollen Opi, das habe ich ja gar nicht gewusst!“
„Jetzt kann ich es dir ja auch sagen - Opi Doc ist der Mann, der den koreanischen Teil des Buches unter einem Pseudonym geschrieben hat. Schon deswegen ist es doch Ehrensache, dass für uns nur die koreanische Geheimsprache in Frage kommt, oder?“
„Aber klar, Mada, nur die koreanische!“
„Also, mein Lieber, fangen wir doch gleich mit ganz einfachen Sachen an!“
„O.k., los geht’s!“
„Was machen die Kinder bei dem schönen Sommerwetter seit drei Stunden auf Madas Zimmer?“, fragt Lutz seine Karin als er um 12.00 Uhr mittags von einem Spaziergang mit seinem Freund zurückkommt.
„Das frage ich mich auch!“
„Ich gehe mal rauf zu den beiden!“
Mada bewohnt die gleiche Mansarde wie Adam in seinem Elternhaus, die Häuser sind mit Ausnahme kleiner persönlicher Extras im Baustil identisch.
Die Tür zu Madas Zimmer ist angelehnt, Lutz hört schon von der Treppe lautes Gelache und Geschnatter. Die beiden scheinen mit Händen und Füßen aufeinander einzureden und zu gestikulieren.
Vater Lutz macht sich durch lautes Klopfen an der angelehnten Tür bemerkbar. Beide schrecken förmlich auf und starren Lutz an. Der hat mit einem Blick alles erfasst.
„Ach du liebe Güte, das Buch von meinem Schwiegervater, da hat Opi Doc ja was angerichtet, seine koreanische Geheimsprache wird wohl wieder zum Leben erweckt!“
„Och Papi, du Spielverderber, das solltest du gar nicht wissen!“
„Aber Mada, mein süßer kleiner Schatz“, und drückt ihr einen Kuss auf die Wange, „ich kenne Deine Mutter und Opi Doc schon zwölf Jahre, Opi Doc hätte doch nie an sich halten können, uns nicht von seiner spannenden Koreazeit zu erzählen. Mami kennt seine Geschichten von klein an und Omi Sing kann ein Lied davon singen.
Aber jetzt will ich euch was sagen, ich finde es ganz prima, dass ihr beiden euch so intensiv mit der Geheimschrift vertraut macht, von uns hat sich nämlich keiner so richtig dafür interessiert. Wir wussten noch nicht einmal, dass Opi Doc das Buch durch seinen Freund hat verlegen lassen, er hat mit vielen Menschen sehr konzentriert daran gearbeitet. Ich kenne es noch gar nicht, darf ich es mal sehen?“
Mada reicht ihm das Buch.
„Donnerwetter, das ist ja eine prachtvolle Ausgabe, wunderbar gefasst, mit großartigen Bildern, die muss ja ein Vermögen gekostet haben!“
„Hat sie auch, 580 Euro, aber ich habe nur 20 Euro an Opi gezahlt, sie war mein Geburtstagsgeschenk für Adam. Zusammen werden wir die Geheimsprache lernen, dann weiß niemand mehr was wir bereden. Keiner in der Schule wird uns verstehen oder bestrafen können, wenn wir uns Zeichen geben. Die merken nicht mal, dass wir uns verständigen!“
Lutz lacht: „Na dann mal los, ihr beiden, werdet meinetwegen die besten Spione der Stadt! Kinder, es ist 12.00 Uhr, es ist ein herrlicher Tag, wollt ihr nicht mal nach draußen?“
„Ist gut Papi! Wir kommen runter!“

Ein paar Zeichen und Wörter will ich euch verraten, aber nur ein paar!

Zeigefinger nach oben = rechts herum
Daumen nach oben = links herum
Zeigefinger und Daumen nach oben = rückwärts
Zeigefinger und Daumen nach unten = geradeaus

XA = Achtung
XU = keine Gefahr
ZZT = ein Feind kommt
TZZ = ein Freund kommt

Man kann dann alles miteinander verbinden, wenn man 100 mal mehr Codes kennt, es gibt auch noch Trenn- und Verbindungscodes.
Alles ist exakt vorgeschrieben, das gilt für Zeichen, Wörter und Töne.
Mehr sage ich euch nicht, ihr wisst ja auch nicht, ob ich euch womöglich etwas vorschwindele, Geheimsprache soll ja auch Geheimsprache bleiben, oder?

Stille Mächte

„Wen dürfen wir überhaupt in die Geheimsprache einweihen?, gibt Adam etwas enttäuscht von sich, „ wenn wir damit nicht angeben können, macht das ja gar keinen Spaß!“
„Du bist mir so einer, darin liegt doch gerade die Spannung! Die anderen müssen vor Neugierde verrückt werden. Sollen sie doch denken, wir verständigen uns wie die Affen im Zoo! Was glaubst du, was dann getuschelt und gelästert wird. Der Neid bringt die doch total aus dem Häuschen, das wird irre spannend!“, ereifert sich Mada.
„Roger! Versprochen, ich halte dicht, gehen wir verschärft an die Sache heran!“
„Nicht verschärft oder irre cool, wie du immer sagst, sondern klug, fleißig und genau, du halber Macho!
Als erstes muss jeder von uns genau nach Vorschrift eine Flöte aus Bambusrohr schnitzen - schau hier auf Seite 3.“
Da steht:
Von dem oberen Teil der frischen, noch grünlichen Bambusstange 20 cm abschneiden, dieses zwei Tage mit menschlichem Urin bedecken.
Adam kann kaum an sich halten:
„Pfui Teufel, wir sollen auf das Holz pinkeln? Ist ja eklig!“
„Ja, so steht es hier! Die Koreaner haben es auch so gemacht - andere Länder, andere Sitten! Was glaubst du, was noch alles so kommt, von dem wir nichts wissen.“
Mada konzentriert sich mit ernstem Gesicht auf das Geschriebene und die Zeichnungen. Allmählich lässt sich auch Adam von all dem Ungewöhnlichen und Interessanten mitreißen.
Adam und Mada finden das beschriebene Bambusgewächs im botanischen Garten. Der Gärtner ist so freundlich, ihnen zwei Teile abzuschneiden.
In mühevoller Kleinarbeit und mit großer Leidenschaft erfüllen sie alle Vorgaben aus dem Buch und es gelingt ihnen, die zwei Flöten herzustellen.
Ihr werdet verstehen, dass ich euch nur Bruchstücke verraten kann - es soll schließlich ein Geheimnis bleiben!
Eines muss ich euch noch sagen - es ist sehr wichtig für die weitere Geschichte.
Die Flöten geben Töne in hohen Frequenzen von sich, auf die nur gewisse Tiere reagieren.
Mit Hilfe von Opi Doc und den Instrumenten aus seiner Arztpraxis haben die Kinder winzige Ohrstöpsel aus Bambus gebastelt, mit denen sie die Töne empfangen können.
Die Flöten sehen wie kleine Bleistifte aus. Kein Mensch ahnt etwas, wenn die Kinder in der Schule diese Bleistifte zum Mund führen und für andere unhörbare Töne von sich geben.
Bei Klassenarbeiten gibt es zwischen Adam und Mada keine Probleme mehr - beim Schummeln.
Witzig ist auch, dass wildfremde Hunde erfreut auf Adam und Mada zulaufen, wenn die beiden sie mit der Flöte anlocken. Es macht ihnen unglaublichen Spaß, wenn die Hunde nicht auf das laute Rufen ihrer Frauchen oder Herrchen reagieren.
Ihr kennt doch alle die Geschichte von „dem Rattenfänger von Hameln“, oder?
Die Hundebesitzer kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Die haben magische Kräfte!“, geht die Runde.
Ein großer Rottweiler mit Maulkorb zieht sein laut fluchendes Herrchen an der Leine hinter sich her - ein Bild für die Götter!
Mittels Zeichensprache verständigen sich Adam und Mada, wer von den beiden die Tiere anlocken soll. Die jagen dann, wie von Taranteln gestochen und zur Freude ihrer Besitzer, von einer Ecke der Hundewiese zur anderen.
Die Bleistiftflöten sind sehr dünn und unauffällig. Im Mittelteil befindet sich jeweils ein winziger Magnet, dessen Gegenpol in der Kleidung der Kinder versteckt ist. Wenn sich jemand neugierig nähert, können sie die kleinen Flöten schnell und unbemerkt unter die Kleidung rutschen lassen und dort anhaften.
Das Geheimsprachenbuch hat ihnen diese Handhabung bis ins kleinste Detail erläutert. Sogar einen Bären kann man nach der Flöte tanzen lassen, steht dort geschrieben.
Natürlich hat sich auf dem Otto-Hahn-Gymnasium schnell herumgesprochen, über welche geheimen Mächte Adam und Mada verfügen.
Zweimal mussten sie getrennt im Lehrerzimmer erscheinen, doch man fand nichts bei ihnen und hat auch nichts aus ihnen herausbekommen.
Es gab keinerlei Versäumnisse. Mada ist nach wie vor sehr gut in ihren Leistungen und Adam wird erstaunlicherweise immer besser.
Was sollte man ihnen vorwerfen?
Opi Doc wird in seiner Praxis unentwegt auf seine Enkelin und Adam angesprochen:
„Was sind das nur für Kinder?“
„Was haben die für Begabungen?“
„Haben sie sie schon mal ärztlich untersucht?“
Für Opi Doc ist es ein großes Vergnügen, er hält dicht und sagt höchstens mal so am Rande:
„Ja, natürlich untersuche ich die beiden, wie andere Kinder auch. Außer eines besonders hohen IQ kann ich nichts Ungewöhnliches feststellen.“
Das gibt immer mehr Anlass zu wildesten Gerüchten.
Opi Doc hat seine Familie und auch die von Adam zum Schweigen verdonnert. Sollen die Kinder doch ihre Freude haben und ihre Kindheit in vollen Zügen genießen.

Das erste Handy

„Eigentlich heißt es ja Mobiltelefon, was bei uns Handy genannt wird“, erzählt Adam dem Paul.
Paul, der Rothaarige mit den Sommersprossen, ist mit auf das
Otto-Hahn-Gymnasium gewechselt und sitzt immer noch neben Adam. Beide sind mittlerweile gute Freunde geworden.
„Das ist vielleicht verrückt, da haben die Deutschen das englische Wort ‚Handy’ und die Engländer kennen den Begriff gar nicht!“
„Ich finde ‚Handy’ aber cool - ein kleines Telefon in der Hand.“
„Ist sowieso seltsam, da lernen wir nun Englisch in der Schule, müssen alles genau übersetzen und vielen Vokabeln, die wir im Deutschen benutzen, wird der Sinn genommen. ‚Cool’ ist auch so ein Wort.“
„Mein Vater hat mir gesagt, dass es das Wort für Anzug - ‚smoking’ - im Englischen gar nicht gibt. Du weißt doch, diesen Festanzug mit Seide vorne auf dem Aufschlag. Das Ding heißt im Englischen ‚dinner-jacket’ oder ‚tuxedo’ im amerikanischen Englisch. Warum sagt man dann nicht Rauchanzug?“
„Ganz schön bescheuert, wer erfindet so etwas, wenn es im Englischen gar nicht existiert?“
„Ja, ja Paul, da werden wir im Englischunterricht noch einiges zum Lachen haben.“
„Ich zeig dir mal mein neues Handy“, Adam zückt es aus seinem Ranzen.
„Mensch Adam, das ist ja der neueste Hit von ‚Nokia’, dagegen ist meins ja eine alte Gurke, das musste ich von meinem älteren Bruder Sven übernehmen. Immer das Gleiche - der Ältere bekommt bei so was andauernd das Bessere, ich bin ja der Kleine und soll erst mal üben. Adam, sei du bloß froh, dass du keinen älteren Bruder hast!“
Der Mathematiklehrer Herr Semmelroth erscheint verspätet in der Klasse, die Handys werden weggesteckt und die Unterhaltung abgebrochen.
In der Pause stehen sie alle beieinander - Adam, Paul, Mada und Kerstin. Die beiden Mädchen sitzen seit Beginn der Grundschule nebeneinander und sind mittlerweile gute Freundinnen geworden. Da kann man mal sehen, dass aus einer ursprünglichen Zwangsgemeinschaft große Zuneigung entstehen kann.
Mada und Adam haben natürlich den gleichen Handytyp zur Einschulung in das Gymnasium bekommen, außerdem von den Großeltern jeweils eine Chipkarte im Wert von 25 Euro mit der Auflage, dass diese für zwei Monate halten muss.
„Adam hat schon nach der ersten Woche die Hälfte davon verbraucht, typisch Adam! Ich habe mindestens noch 21 Euro auf meiner Karte!“
„Du Geizliese lässt dich ja nur anrufen!“
„Ja, gekonnt ist gekonnt, mein Lieber!“
Nach der Schule hecken sie einige Streiche mit ihren Handys aus. Adams erster Vorschlag:
„Wir bestellen über die Zentrale Herrn Wegeners Taxe zur Bärenapotheke für eine Tour zum Natogelände!“
„Das ist gemein!“, sagt Mada, „der denkt, er bekommt eine dolle Tour und dann stehen wir da.“
„Das ist doch gerade der Spaß, der wird uns schon nicht böse sein.“
„Ich weiß was viel Besseres! Ich kann Omi Nudels Stimme imitieren, Opa Mobil anrufen und ihn bitten, uns Kinder von der Schule abzuholen, zum Spaghettiessen einzuladen und anschließend mit uns zum Baggersee zu fahren. Ich sag ihm, sie hätte keine Zeit, uns was zu Essen zu machen! Seinem ‚Apfelstrudel’ kann der doch nichts abschlagen!“
„Prima Idee! Paul und Kerstin, ihr kommt mit, ruft eure Eltern an und erzählt ihnen, dass wir alle eingeladen sind.“
In der letzten Pause hat Mada tatsächlich Opa Mobil so getäuscht, dass er pünktlich nach Schulschluss auf die Kinder wartet. Opa Mobil tut so, als sei es für ihn eine große Freude, die vier zu verwöhnen, außerdem erfüllt er seinem „Apfelstrudel“ doch jeden Wunsch.
Mada, das kleine Luder, hat vorher den Schulbusfahrer gebeten, Omi Nudel mitzuteilen, dass die Kinder von ihrem Mann abgeholt werden und er anschließend mit ihnen an den Baggersee fährt.
Omi Nudel wird natürlich mit ihrem Mann böse sein, dass er ihr wegen der Zubereitung des Essens und der Schularbeiten der Kinder nicht vorher Bescheid gesagt hat, doch sie würde nie ihrem Mann hinterher telefonieren oder gar vermuten, dass man sie beide in die Irre geführt haben könnte, das käme ihr nun wirklich nicht in den Sinn.
Aber die Enkelkinder werden größer und alle werden sich noch wundern, was sich die lieben Kleinen noch an Streichen werden einfallen lassen.
Es ist ein besonders schöner Nachmittag mit Opa Mobil, erst ein super Spaghettiessen für alle vier Kinder, dann ab zum Baggersee.
Zum Schluss, Opa Mobil ist guter Laune, weil die Kinder heute so besonders brav sind, verplappert sich Mada mit ihrem mädchenhaften Charme und erzählt Opa Mobil von dieser Täuschung. Opa ist weich wie Butter. Später gibt er seiner Frau gegenüber alles als seine Idee aus und nimmt die Vorwürfe auf sich. Apfelstrudel kann ihm nie lange böse sein.
Opa Mobil hat dieser Streich wohl am meisten Spaß gemacht und irgendwann, vielleicht schon heute Abend, wird er Omi Nudel erzählen, wie sie beide auf die Kinder hereingefallen sind.

Schulkleidung für das Otto-Hahn-Gymnasium

Großvater Sander beim Schachspiel mit seinem Schwiegersohn Götz:
„In der Bürgerschaft haben wir mehrheitlich durchgesetzt, dass im
Otto-Hahn-Gymnasium Schulkleidung eingeführt werden soll.“
Götz schaut seinen Schwiegervater erstaunt an:
„Das habt ihr tatsächlich durchgesetzt? Da wird unser Adam aber ein langes Gesicht machen. Und Mada erst!“
„Die Kinder werden sich daran gewöhnen müssen. Schule ist Gott sei Dank Ländersache und wir sind die Vorreiter, somit das erste Bundesland, das Schulkleidung im Gymnasium wieder einführen wird. Der alte, gute pädagogische Grundsatz, Schulkleidung fördert soziale Gerechtigkeit, wurde schon von Bismarck vertreten.“
„Vater, ich teile deine Ansicht, aber ist es bei den Kindern durchsetzbar und wie werden sich die zum Teil volljährigen Schüler ab Unterprima verhalten?“
„Wir haben Schulpflicht und daran wird die vorgeschriebene Kleidungsordnung gebunden. Die Polizei kann auch nicht in Lederhosen herumlaufen!
In sehr vielen europäischen Ländern ist die Schulkleidung nach wie vor selbstverständlich. Man nehme nur England als Beispiel. Über England machte diese gute Tradition überall Schule, im wahrsten Sinne des Wortes - Kanada, Australien, Südafrika - um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Auch das Lehrpersonal wird sich in Zukunft vorbildlich kleiden müssen, das wird Bestandteil dieser Maßnahme werden.“
Nachdem Götz beim Schachspiel alles über die Beschlüsse von seinem Schwiegervater erfahren hat, schneidet er das Thema beim Abendessen an.
Sybille und Adam staunen über diese Neuigkeiten.
„Ja, mein Vater muss es ja wohl wissen!“
„Was macht Großvater eigentlich genau?“
„Großvater ist Kulturdezernent der städtischen Gemeinde, das heißt, ihm untersteht das Ressort, welches sich mit Schulen, Universitäten, Museen usw. befasst.“
„Dann ist Großvater ja ein mächtiger Mann!“
„Ja, mein Junge, was deine Schule betrifft, da ist er der oberste Boss!“
„Donnerwetter, da wird Mada aber staunen, wenn ich ihr das erzähle, dann kann er uns ja auch schulfrei geben, wann immer er will?“
„Das könnte euch beiden so passen!“, bemerkt Sybille mit schallendem Gelächter.
Ganz ernst der Vater: „Dein Großvater würde abgewählt und sogar bestraft werden, wenn er in seiner Position der Familie Vorteile verschaffen würde!“
„Schade!“
Sybille möchte nun aber einiges wissen: „Götz, was heißt das nun praktisch, wer bezahlt die Schuluniformen und ab wann müssen die Kinder in der neuen Kleidung erscheinen?“
„So weit ich Großvater verstehe, sollen die Kinder nach den Sommerferien in der Schulkleidung erscheinen, also Ende August. Schule und Elternrat werden mit Hilfe eines Designers und eines Textilfabrikanten im Wege einer Ausschreibung die Kleidung entwerfen und zur Ansicht vorlegen. Dann werden die Entwürfe abgesegnet, die Preise festgelegt und die Eltern bestellen alles direkt bei der Fabrik für ihre Kinder.“
„Was denn Papi, alles? Auch Unterhosen, Socken und Schuhe?“
„Nein Adam, ich vermute mal nur die Oberbekleidung jeweils für Mädchen und Jungen, also Jacken, Hosen, Röcke, Hemden und Blusen.“
„Und wer bezahlt das?“, wirft Sybille ein.
„Die Eltern natürlich, aber die sparen auch eine Menge Geld, weil es direkt vom Hersteller viel billiger wird.“
„Darf ich noch mal schnell rüber zu Mada?“
„Nein Junge, nicht mehr heute Abend, du kannst ihr morgen im Schulbus alles erzählen!“
Es dauert nicht bis zur zweiten Pause am nächsten Morgen im Gymnasium, da hat sich die Nachricht durch Mada und Adam bereits in der ganzen Schule herumgesprochen. Da ist vielleicht was los!
Adam wird ins Lehrerzimmer zitiert und muss Rede und Antwort stehen.
Außer dem Schuldirektor weiß nämlich noch keiner der Lehrkräfte von diesem Vorhaben.
Adam und Mada werden an diesem Tag berühmt.
Wie sich später herausstellt, kamen die Plappereien der beiden Kinder dem Schuldirektor sehr gelegen, lösten sie bei den Kinder, den Eltern und dem Lehrerkollegium doch jetzt schon gewünschte Diskussionen aus.
Es ist schon ein Ding! Da läuten ausgerechnet zwei Kinder aus der Sechsta, also der ersten Gymnasialstufe, Pausenkonferenzen auf dem Schulhof ein.
Was man da alles hört:
„Endlich, dann können die Markenfuzzies nicht mehr so angeben!“
„Von wegen, mein Vater kann sich das leisten, der verdient viel mehr als
deiner!“
„Scheiss Schuluniform, ich mach das nicht mit!“
„Ich trage doch keine Röckchen wie im Kindergarten!“
„Alle in den gleichen Farben, ohne mich!“
Aber viele Mädchen und Jungen sind aus vielerlei Gründen auch dafür, die ihr bestimmt verstehen könnt, z.B. wird zukünftig unter den Kindern vielleicht kein Neid mehr aufkommen und außerdem sind es häufig die Doofen, die die teuersten Klamotten tragen.
Für Mada und Adam ist es toll, mit ihrem Supergerücht im Mittelpunkt zu stehen.
Aber nun glaubt mal ja nicht, dass die Lehrer einer Meinung sind.
Da ist vielleicht ein Rabatz im Lehrerzimmer, die Schüler lauschen folgenden Aussagen:
„Das können die mit mir nicht machen!“
„Mein Sohn bekommt keine Uniform!“
„Das wurde mal zu Recht abgeschafft!“
„Ich trage aus Prinzip nur Jeans und keine Schulkrawatte!“
„Ja, ja“, sagt da ein älterer Lehrer, „15 Kollegen und 16 Meinungen, so war und wird es immer bleiben.“


Der Zoobesuch

Die neue Schulkleidung hat sich durchgesetzt und die meisten Kinder haben sich daran gewöhnt. Bei den großen Gymnasiasten gab es zwar am Anfang viele Proteste vor allem bei den Mädchen - wen wundert es - sie wurden zum Umziehen wieder nach Hause geschickt, ohne Schulkleidung gab es keinen Einlass am Tor.
Heute ist das alles vergessen!
Mittlerweile haben auch die Zeitungen positiv darüber geschrieben und das lokale Fernsehen sendet häufig Filmberichte von ihrem Schulhof.
Die Reaktionen der Schüler, der Eltern, der Lehrer und der lokalen Politiker aller Parteien nutzen den Schulhof für Pro und Kontra der Schulkleidung und nehmen sich dabei auch bei ungefragten Themen sehr wichtig.
Es ist richtig toll, wenn die Kinder auf der Strasse winkend begrüßt werden:
„Hallo, ihr seid doch die von der Otto-Hahn-Schule!“
Sie sind eine verschworene Gemeinschaft. Kinder anderer Schulen sind neidisch, obwohl sie das häufig durch Pöbeleien verdecken wollen.
Als die Klasse geschlossen einen Zoobesuch antritt, erhalten sie am Eingang ein großes Hallo! „Da sind die wieder!“, hört man die Menschen bewundernd über sie reden.
Heute herrscht große Aufregung auf dem Zoogelände, die Polizei ist da, Leute diskutieren und es wird immer wieder die Frage gestellt:
„Was ist los?“
Der Klassenlehrer Herr Dr. Zabel - Englisch und Latein - und Frau Bock, genannt Böckchen - Sport - machen sich schlau und berichten den im Kreis gespannt lauschenden Kindern, dass zwei Bärenjunge heute am frühen Morgen gestohlen sein sollen, man könne sie nirgendwo finden.
Viele Menschen, allen voran das Zoopersonal, sind in heller Aufregung.
Ein noch junger Wärter vom Bärengehege wird vom Zoodirektor und der Polizei vernommen. Der arme Kerl liebt seine Bären und besonders die beiden Kleinen. Er ist völlig verzweifelt, zumal er Nachtdienst hatte und sich den Verlust überhaupt nicht erklären kann. Allmählich erfährt Dr. Zabel noch viel mehr.
Die Bärenmutter tobt wie verrückt in ihrem Käfig, sie erhält jetzt ein Beruhigungsmittel, das durch einen Pfeil injiziert wird. Die Bärin brüllt nach ihren Jungen. Die gestaute Milch schmerzt die Mutter, wenn die Bärenkinder sie nicht abtrinken. Jetzt muss die Milch wie bei einer Kuh abgepumpt werden.
Nachts hatte man die kleinen Bären von der Mutter getrennt und in einem Käfig in der Nähe untergebracht. Die Gründe dafür kennen sie nicht, aber Herr Dr. Zabel meint, das macht man vermutlich zum Schutz der Kleinen, denn sowohl in freier Natur als auch in Gefangenschaft kommt es vor, dass Vaterbär und Mutterbär manchmal ihre eigenen Kinder beißen oder erdrücken..
Vaterbär befindet sich ebenfalls in einem getrennten Käfigteil, soll aber relativ friedlich sein. Er brummt nur mehr als sonst, weil ihn Mutterbär wohl nervt.
Das gesamte, sehr schöne und großzügige Bärengehege steht unter Bewachung, man will in dieser Situation keine Zuschauer dulden.
Die Kinder haben jetzt gar keine Lust auf weitere Zooerkundung, sie sind alle viel zu gespannt und neugierig, was jetzt passiert und was man über die verschwundenen Bären herausfindet.
Überall wird diskutiert und die wildesten Gerüchte werden laut:
„Wer kann die gestohlen haben?“
„Bärenhändler, Bärenmafia, Auftragsklau für verrückte Privatzoomillionäre?“
„Die kleinen Bären können sich nur von Muttermilch, die ganz fetthaltig ist, ernähren“, sagt eine Frau zu einer anderen.
Ein Mann daneben: „Da hilft auch nicht die Original Bärenmarke aus dem Laden!“
„Blödmann!“, brummen die anderen über diesen vermeintlichen Witz.
Von überall kommen plötzlich Fernsehleute mit ihren Kameras und bahnen sich frech ihren Weg zum Bärengehege. Über Megaphon spricht nun der Zoodirektor zu allen:
„Neue Zoobesucher können nicht mehr auf das Gelände. Alle, die sich bereits im Zoo aufhalten, möchten sich bitte auf dem gesamten Gelände verteilen und Ruhe bewahren!“
Vor allem mahnt er die Presse- und Fernsehleute zur Vernunft. Die Bärenmutter müsse versorgt werden und man solle Verständnis dafür haben, dass jetzt die Bärenfamilie Vorrang habe.
„Wer das Zoogelände wegen der außergewöhnlichen Maßnahmen verlassen möchte, kann sich an der Eingangskasse einen Gutschein abholen, der unbegrenzte Gültigkeit für einen erneuten Besuch hat. Vielen Dank, meine Damen und Herren und liebe Kinder für ihr Verständnis!“
Plötzlich tauchen am Eingang zwei schwarze Limousinen auf. Vier Herren werden die Schläge aufgerissen. Würdevoll, aber schnellen Schrittes durchschreiten sie die von Menschen verstopfte Eingangstür.
Man tuschelt: „ Der Herr Bürgermeister und sein Referent!“
Dann munkelt man, die beiden anderen Männer seien vom Bundeskriminalamt.
Dr. Zabel bemerkt zu den Kindern gewandt:
„Ja, wisst ihr, es ist auch eine ungeheure Sache, als vor zwei Wochen in der Presse auf der ersten Seite jubelnd von zwei neugeborenen Bärenkindern berichtet wurde. Es ist nämlich sehr selten, dass diese Bären in Gefangenschaft Kinder zur Welt bringen und dann gleich zwei! Das ist eine Sensation und auch der Hauptgrund, dass ich euch heute mit Frau Bock hierher gebracht habe. Dieses Ereignis in unserem Zoo erschien in den Hauptfernsehnachrichten im ganzen Land und in fast allen Zeitungen. Auch im Ausland war das für viele Zoobetreiber und Tierliebhaber eine Sensation und nun das! Wie kann das nur möglich sein, was steckt dahinter?“
Dr. Zabel bespricht sich jetzt mit „Böckchen“ und wendet sich dann an die Klasse:
„Ich schlage vor, wir verlassen jetzt den Zoo, weil doch keiner von uns mehr in der Stimmung ist, die anderen Tiere noch in Ruhe zu betrachten. Wir holen unseren Gruppengutschein an der Kasse ab und kommen hoffentlich bald wieder, um dann auch die Bärenkinder erleben zu dürfen. Einverstanden, Kinder?“
„Einverstanden!“
Dr. Zabel lädt alle noch zu einem Vierkugeleis ein.
„Kinder, ich bin nur ein armer Lehrer, die Hälfte des Geldes nehme ich aus unserer Klassenkasse.“
Die Ablenkung mit dem leckeren Eis lässt die vermissten Bärenkinder kurz vergessen.


Wo sind die Bärenkinder?

In Adams Elternhaus ist der Bär los - sagt man doch so gerne, wenn zum Beispiel eine Megaparty mit Supermusik abgeht.
Hier und heute hat es aber eine Bärenbedeutung, weil alle im Haus über die Hintergründe des Bärenkinderdiebstahls spekulieren.
Großvater Sander, der Kulturboss der Stadt, hat neue Informationen über den Bärenklau aus dem Zoo.
Bürgermeister und Landrat haben die Angelegenheit zur Chefsache erklärt.
Das Landeskriminalamt hat aus zehn Leuten eine Sonderkommission gebildet. Die Tatsache, dass die zwei Bären verschwunden sind, macht überall Schlagzeilen - für die Boulevardpresse ein Knaller im Sommerloch!
Nach nunmehr fünf Tagen gibt es noch immer keine Spur von den Tieren. Stattdessen Vorwurfstiraden an die Zooleitung - Sicherheitsmängel, Verantwortungslosigkeit, sogar von Korruption ist die Rede.
Sind die Bärenzwillinge für viel Geld vom Zoodirektor verkauft worden?
„Landesweit sind die Bären los“, liest man sogar an den Sonnenstränden europäischer Urlaubsländer.
Mada und Adam können das Gerede schon nicht mehr hören und verstehen nur die Hälfte von dem, was die Erwachsenen von sich geben.
Draußen regnet es und daher verdrücken sich die beiden unbemerkt durch den Garten nach drüben in Madas Mansarde.
Dort brüten sie über einem Plan, wie zwei Menschenkinder Bärenkinder finden können.
Herr Weinlich, der Apotheker, hat ihnen bei ihrem letzten Besuch erklärt:
„Die Bärendiebe müssen das alles von langer Hand vorbereitet haben, vermutlich sind das Russen, die sich mit Bären besonders gut auskennen. Die haben Bärenmuttermilch besorgt und sie in sterilisierten, vakuumverschlossenen Flaschen haltbar gemacht. Kleine Bären benötigen reichlich Nahrung und vor allem viel Milch.“
Er ist sich sicher, dass die Tiere am Leben sind und von Experten versorgt werden.
„Die können für ein Bärenzwillingspärchen über 100.000 Euro erzielen, wenn sie in gutem Zustand innerhalb eines Jahres verkauft werden.“
Die Kinder glauben, was ihnen Herr Weinlich so ruhig und logisch erklärt.
Ein Klassenkamerad von Adam und Mada ist Russe. Er emigrierte vor acht Jahren nach Deutschland. Sein Name ist Igor Ruplew, er ist still und sehr gut in der Schule.
Mada findet ihn sehr nett. Schüchtern hat er ihr auf dem Schulhof viele russische Wörter erklärt.
Er ist der jüngste von vier Geschwistern. Seine Mutter gibt Russischunterricht an ihrem Gymnasium. Sein Vater war in Russland Lokführer und ist nun nach diversen Kursen ICE-Lokführer in Deutschland.
„Liebenswerte, tüchtige Leute!“, hat Sybille Draeger gesagt.
„Wir müssen Igor die Vermutungen von Herrn Weinlich bzgl. der Bären mitteilen!“
„O.k. Adam, rufen wir ihn doch gleich an, ich habe seine Telefonnummer im Handy gespeichert!“
Igor wohnt mit seiner Familie ebenfalls in der Neubausiedlung, im Nelkenstieg 30, circa zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt.
„In einer Stunde bin ich bei euch“, vermeldet Igor am Telefon.
Pünktlich steht er mit seinem Rad am Gartentor.
Kurzes Hallo bei Karin Schröder und schon sind die drei in Madas Mansarde. Igor war im Zoo dabei und auch in seiner Familie wird das Thema heftig diskutiert.
„Wisst ihr was? Mein Vater hat sofort unsere russischen Landsleute verdächtigt!“
„Diese seltenen, teuren Bären stehen in Russland unter Naturschutz, es kann sogar die Todesstrafe verhängt werden, wenn ein Mensch mehrfach gegen diese strenge Auflage verstößt, immerhin ist der Bär das russische Staatssymbol und die Gefahr des Aussterbens will man um jeden Preis bannen, hat mein Vater uns erklärt!“, so Adam.
Igor schaltet schnell: „Mensch, ihr beiden, eventuell können wir gemeinsam etwas herausfinden! Meine Mutter ist Vorsitzende der russischen Gemeinde und Mitglied des Aussiedlerkomitees, vielleicht hat sie eine Idee.“
Ohne viel zu sagen erscheint Igor nach zwei Tagen mit einer 14-seitigen Schrift bei Adam und Mada.
Seine Mutter hat ihm vertraulich mitgeteilt, dass sie im Besitz von Namenslisten z.B. der Russenmafia und illegaler Immigranten ist, über die nicht einmal der Bundesnachrichtendienst verfügt.
„Igor! Krass! Ist das etwa die Liste, die du mitgebracht hast?“, braust Mada auf.
„Ja, ich habe sie meiner Mutter geklaut!“
„Aber Igor, wenn sie die nun nicht findet, springt sie doch im Karree!“, setzt Adam nach.
„Glaubst du, ich bin blöd? Hab’ die Liste fotokopiert. Kapito?“
„Roger!“
„Wir müssen alles für uns behalten, wir dürfen meine Mutter nicht ins Unglück stürzen, denn mit den Leuten auf dieser Liste ist nicht zu Spaßen!“
„Ich hab die Idee, Jungs“, tönt Mada plötzlich, „wir übersetzen die Liste mit Namen und allen weiteren Angaben in unsere koreanische Geheimsprache.“
„Was ist das denn?“ Igor ist sehr interessiert.
Mada und Adam klären Igor auf und geben ihm das tolle Buch. Igor ist nach kurzem Einblick Feuer und Flamme.
„Donnerwetter, das ist ja der Hammer, ich will beide lernen, die russische für mich und die koreanische.“
Igor ist superschlau. Schon nach vier Tagen kann er sich mit Mada und Adam brillant in der koreanischen Geheimsprache verständigen.
„Mensch Meier, du bist ja ein cleveres Bürschchen! Mada und ich haben Monate geübt, bevor wir so viel wussten.“
Adam und Mada sind voller Bewunderung.
Nach gemeinsamer Arbeit, die Hausaufgaben waren auch noch zu bewältigen, haben sie die Liste mit 14 Seiten und 620 Personen, deren Daten und Vergehen, in die koreanische Geheimsprache übersetzt.
Dieses Kauderwelsch kann keiner außer ihnen erraten, geschweige denn entschlüsseln.
Jedes Kind erhält eine Fotokopie, die Mada im Büro ihres Vaters fertigt.
Geheim! Was soll’s?
Kein Mensch kann mit diesem Kinderkram etwas anfangen.
Ja, ja, wie man sich doch täuschen kann!
Die für jedermann lesbare Kopie von Igors Mutter wird gemeinsam feierlich im Garten verbrannt.
620 Personen!!
Eine oder zwei sind vielleicht die Bärendiebe.
Aber wer?


Igor kommt voran

Zehn Tage sind vergangen.
Die Bären machen keine Schlagzeilen mehr, aber unsere drei Detektive haben in ihrer Freizeit kaum etwas anderes im Sinn.
Igor ist durch seine Russischkenntnisse zur Zeit der Wichtigste im Bunde.
Nur im Notfall telefonieren sie mit ihren Handys - das wird sonst zu teuer!
Da man sich hauptsächlich bei Madas Eltern trifft, wird das Festnetz der Familie Schröder ganz schön in Anspruch genommen, aber noch merken die Eltern nichts, die Rechnung kommt ja erst Ende des Monats.
Außerdem arbeitet Karin häufig bei Lutz im Büro, während das ungarische Au-pair-Mädchen Ilona Moritz versorgt. Ist Ilona mit Moritz unterwegs, laufen bei Schröders die Telefondrähte heiß.
Die meisten Kinder der russischen Einwanderer sprechen kaum Deutsch, aber fast alle kennen den Namen Ruplew, weil Igors Eltern angesehene Leute sind. Igor kennt aus der Liste seiner Mutter natürlich die Namen und das Alter aller Landsleute. Er schlägt die Brücke über die Kinder. Folgende Fragen und Antworten kommen:
„Weißt du was vom Bärenklau?“
„Die Deutschen wissen gar nichts!“
„Wieso gerade unsere Bären?“
„Was sagt dein Vater?“
„Wer könnte das gewesen sein?“
Allmählich kommt Igor der Sache näher.
„Ich habe gehört, dass der Vater von...gesagt hat, dass..., meine Mutter gehört hat wie er...davon erzählt hat!“
Auf diese Art erfährt Igor von den Kindern was Sache ist.
Namen werden noch nicht preisgegeben.
„Aber warum diese Tiere aus Deutschland besorgen?“, fragt Igor naiv.
„Weißt du, mein Vater hat gesagt, dass ein kanadischer Zoo sehr interessiert ist.“
„Ein kanadischer Zoo?“, fragt Igor nach.
„Ja, Kanada hat ähnliche Bären und es fällt weniger auf.“
Igor informiert Adam und Mada über diese Gespräche.
Heute haben sie Erfolg!
Igor in der Schulpause: „Meine Mutter wurde angerufen - es ging um mich - eine Frau wollte wissen, warum ich so viele Kinder aus unserer Gemeinde anrufe.“
Darauf meine Mutter erstaunt: „Igor, warum stellst du so viele Fragen über die Bären? Woher hast du all die Telefonnummern?“
„Mutter, ich weiß gar nicht, was du meinst, das hat sich durch Zufall so ergeben.“
„Also bitte lass’ das, unsere Leute haben das von ihren Kindern erfahren und den Eltern ist das unangenehm.“
„Mutter, die Kinder sagen ganz normale Dinge, die sie gehört haben, lass’ mich nur machen!“
Frau Ruplew ahnt nicht, was ihr Sohn im Schilde führt.
Die Spur wird heiß.
Malik, der 14-jährige Sohn der Familie Tapov, bewirkt den Durchbruch!
Die vier treffen sich am „Fichteneck“ in der Nähe unserer Siedlung. Das „Fichteneck“ kennt jeder, weil dort der Fußballplatz ist.
Malik aufgeregt: „Mein Vater hat meinem Onkel erzählt, die Sauerei mit den Bären stammt sicher von den drei Gaunern.“
„Welche drei Gauner?“, hakt Igor auf Russisch nach.
Adam und Mada verstehen nicht, was die beiden bereden. Mada lädt alle zu einem Eis ein, sie hat immer Geld.
Malik muss nach Hause.
Mada und Adam sind gespannt:
„Igor, was hat Malik gesagt?“
„Also, hört gut zu. Ich habe Malik gesagt, dass wir unbedingt die Namen der drei erfahren müssen, er soll seinen Eltern nicht sagen, dass wir uns getroffen haben. Wenn er unser Geheimnis teilt, dann ist er unser Freund. Malik will deutsche Freunde haben und ich glaube, er wird herausfinden, wen sein Vater meint. Warten wir es ab, ich glaube, morgen wissen wir mehr.“
Malik besitzt kein Handy, er besucht nicht das Otto-Hahn-Gymnasium, steht aber am nächsten Tag nach Schulschluss am Eingangstor.
Wieder spendiert Mada zur Freude aller ein Eis.
Der Schulbus fährt ohne sie, irgendwie werden sie schon nach Hause kommen.
Am Eisstand redet Malik in Russisch auf Igor ein und steckt ihm einen Zettel zu. Dann darf Malik Adams Handy benutzen, um seine Mutter anzurufen.
Plötzlich ein Hupen!
Malik winkt dem Fahrer eines blauen VW Golf zu.
Der Wagen hält, ein Mann steigt aus und kommt auf sie zu. Er grüßt alle freundlich und spricht dann in Russisch zu Malik.
Malik steigt bedrückt in den VW, verhalten sagt er noch schnell in die Runde: „Doswidanie - Auf Wiedersehen!“ und fort ist er.
Igor klärt uns auf: „Also, ich habe die drei Namen, ich glaube, sie stehen auch auf der Liste!“
„Erzähl’, wer sind die Leute?“, wollen Mada und Adam begierig wissen.
„Ich sage sie euch noch nicht, bitte wartet ab - nicht hier - und im übrigen sollten wir leise reden. Wir müssen die Liste prüfen und erst mal zu Mada nach Hause fahren.“
Mada und Adam sehen sich erstaunt an. Irgendetwas ist mit Igor geschehen, er hat Angst, denken die beiden.
„Wie kommen wir jetzt nach Hause?“, unterbricht Adam die plötzliche Stille.
„Mit Herrn Wegeners Taxi!“, schlägt Mada vor.
„Meinst du, das macht er?“
Mada hat die Funknummer von Herrn Wegener im Handy gespeichert. Es dauert eine Weile, dann redet sie auch schon auf ihn ein.
Wer kann Mada etwas abschlagen. Nach 30 Sekunden schaltet Mada das Handy aus.
„Er macht es, er holt uns in einer halben Stunde hier ab, vorher klappt es nicht, wir dürfen uns in der Zeit auf seine Kosten ein Eis bestellen!“
Typisch Mada, die kriegt alles was sie will.
Die halbe Stunde vergeht langsam, das zweite Eis ist längst vergessen, alle drei sind irgendwie unter stiller Spannung. Igor ist völlig in sich versunken.
Plötzlich steht Herr Wegener neben den Kindern.
„Was guckt ihr so bedröppelt? Los ab in den Wagen, in 30 Minuten hat mir die Zentrale eine Rücktour aus der Siedlung vermittelt, ihr habt mal wieder Glück!“
„Herr Wegener, das Eis ist noch nicht...!“
Schon zückt der seine dicke Geldtasche - sechs Portionen Eis - ja, ja, das hat die Mada wieder gut hinbekommen.
Herr Wegener stellt keine unangenehmen Fragen, er ist guter Laune und bringt alle flott in den Fliederweg.
In Madas Zimmer zieht Igor den Zettel von Malik aus der Tasche, er verlangt wegen der Entzifferung der Nachnamen nach dem Geheimschriftenbuch. Mada und Adam verfolgen alles aufmerksam.
„Da habe ich sie, hier auf Seite acht und die beiden anderen auf Seite elf! Zwei Männer und eine Frau, seht her, das sind sie!“

Serge Herzen: 28 Jahre, geboren in Borispal bei Kiew, ledig, seit 1999 in der BRD, Buchdrucker, z.Zt. arbeitslos
Anna Zeiga: 29 Jahre, geboren in Borispal bei Kiew, geschieden, seit 1999 in der BRD, Tierärztin, z.Zt. arbeitslos
Leo Iwanow: 32 Jahre, geboren in Borispal bei Kiew, geschieden, seit 1999 in der BRD, Zoologe, z.Zt. arbeitslos

Adam bekommt den Mund nicht wieder zu, gebannt liest er die Namen und die Berufe.
„Das passt ja zur Tat!“
Igor und Mada nicken zustimmend.
„Aber jetzt kommt das Schärfste“, fährt Igor fort, „alle drei haben vor sechs Monaten einen deutschen Pass erhalten und sind seit 14 Tagen unauffindbar. Sie unterstehen nicht mehr der Ausländerbehörde und können somit tun und lassen was sie wollen. Bisher wohnten sie zusammen in einer Pension, die von der Stadt bezahlt wurde. Malik hat mir das vorhin alles erzählt!“
„Und was machen wir jetzt?“, will Mada wissen.
„Weiß denn die Polizei von den dreien im Zusammenhang mit den Bären etwas?“
„Keine Ahnung, ich habe Malik nicht gefragt. Ich mache mir Sorgen um Malik, er war irgendwie ängstlich, dass er uns zu viel erzählt. Vielleicht bekommt er auch Stress mit seinen Eltern, weil er sich mit uns trifft. Ich weiß nicht - ich habe ein komisches Gefühl, ich kenne meine Landsleute, die wollen sich in Deutschland vorbildlich benehmen und sind sehr aufgebracht, wenn gerade in ihrer Gemeinschaft etwas Kriminelles passiert.“
„Aber Igor, das ist unsere Chance, wir erfahren als Kinder Dinge, die die Eltern nicht nach außen tragen. Mit uns rechnet keiner und uns tut keiner was. Skrupellose Menschen gibt es überall, ob nun Deutsche, Engländer, Amerikaner oder Türken, das sagt doch nichts gegen deine Landsleute im Allgemeinen aus“, meint Mada.
„Also was machen wir?“, fragt Adam in die Runde.
„Adam und ich sind für zwei Tage im Jagdhaus von Opi Doc, wir sehen uns danach wieder und wollen in der Zwischenzeit überlegen, wie es weitergeht.
Bis in drei Tagen, Igor!“

Im Jagdhaus von Opi Doc

Adam und Mada dürfen Jacko, den Rauhaardackel, mit ins Revier nehmen. Er gehorcht Mada genauso wie ihrem Opi Doc.
„Jacko kennt alle Wege, so könnt ihr euch nicht verlaufen!“, meint Opi Doc.
Als die zwei gerade an einen schmalen Bachlauf kommen, gibt Jacko Laut und springt mit hohem Satz aus dem Gestrüpp.
„Da muss ein Fremder im Revier sein, bei Wild macht Jacko das nicht!“, meint Mada.
Sie entdecken einen Mann, der ruhig neben dem laut bellenden Jacko steht.
„Hier Jacko!“, ruft Mada, während beide Kinder auf den Mann zugehen.
Jacko bellt jetzt nicht mehr, weicht aber dennoch nicht von dessen Seite.
„Iborian ist mein Name, bin ich hier auf verbotenem Grund?!“, fragt der Herr mit freundlichem Lächeln.
„Wie man es nimmt, das Revier gehört meinem Großvater und zum Schutz des Waldes und der Tiere sollen Fremde eigentlich die ausgewiesenen Wege benutzen. Wir heißen übrigens Adam und Mada und das ist unser Dackel Jacko.“
„Freut mich!“, erwidert der Fremde und entschuldigt sich höflich für sein unbefugtes Betreten des Geländes.
Herr Iborian spricht perfekt Deutsch mit einem fremden Akzent, er redet langsam und betont.
„Ich bin Altertumsforscher und komme aus Bulgarien.“
Auf die fragenden Blicke hin erklärt er ihnen wo Bulgarien liegt und was die Wissenschaft der Altertumsforschung bedeutet.
„Setzen wir uns doch ins weiche, saftige Gras!“, fordert er die Kinder auf.
Mada und Adam nehmen das Angebot wortlos an und setzen sich gegenüber von Herrn Iborian, auch Jacko legt sich friedlich ins Gras.
„Dieser schlängelnde, plätschernde Bach durch die saftigen Wiesen ist wunderbar, seine Schönheit hat mich verführt, vom Weg abzuweichen.“
„Das macht doch nichts, wir finden es toll, dass wir mit ihnen reden können!“
Adam nickt zustimmend.
Herr Iborian zurrt seinen Rücksack von den Schultern und legt ihn in die Mitte. Es ist ein länglicher, dunkler Rucksack, der prall gefüllt zu sein scheint. Geduldig und bedacht zieht er an zwei Reißverschlüssen, die den Hauptteil des Rucksackes öffnen.
„Ich habe uns einiges zu bieten! Passt mal auf, ihr werdet staunen!“
Jacko nähert sich schnüffelnd dem Rucksack.
„Ich denke, auch für dich ist etwas dabei!“, und blickt dabei auf Jackos neugierigen, schräggehaltenen Kopf.
„Es gibt etwas zu essen und zu trinken, ich möchte mich für eure Freundlichkeit revanchieren.“
Jacko, Mada und Adam lauern gespannt auf die Dinge, die Herr Iborian aus seinem Rucksack zaubert.
„Hier ist erst einmal etwas Leckeres für euren Vierbeiner, der sabbert ja schon vor lauter Vorfreude!“
Bei halb geöffnetem Deckel zieht er aus einer länglichen Blechdose eine dunkle, harte Wurst hervor.
„Darf ich sie ihm geben oder wollt ihr das tun?“
„Versuchen sie es doch, wenn Jacko es annimmt waren die Erziehungsversuche von Großvater vergeblich“, gibt Mada in ihrer üblichen kessen Art zur Antwort.
Herr Iborian bricht ein Stückchen von der Wurst ab und reicht es vorsichtig in Richtung Hund.
Komisch! Jacko schaut erst Mada an, dann Adam und dann wieder das Wurststück. Die Wurst muss gut riechen, seine kleine nasse, schwarze Nase ist nah dran, aber er traut sich nicht, danach zu schnappen.
„Großartig, dein Großvater hat ihn gut erzogen, Respekt!“
Mada lacht und nimmt das Wurststück aus Herrn Iborians Fingern. Kaum ist es in ihrer Hand, hat Jacko es auch schon in seiner Schnauze. In Sekunden ist es futsch und mit gierigem Blick wartet er auf Nachschub.
Alle lachen, als Stück für Stück von Herrn Iborian über Mada im Maul von Jacko verschwindet.
Der Wanderrucksack enthält viele leckere Überraschungen. Es gibt Orangensaft, der in der Flasche wie selbst gepresst ausschaut und vorzüglich schmeckt. Das Gleiche gilt für die Hartwurst, die Jacko bereits vorkosten durfte. Jeder Handgriff in den Rucksack bringt etwas Neues zum Vorschein.
Zuletzt Datteln und Feigen, äußerlich verklebt, aber köstlich im Geschmack.
Mada und Adam kennen wohl alles mehr oder weniger, aber gegessen haben sie vieles noch nicht, außerdem schmeckt alles viel besser als zu Hause.
Herr Iborian benutzt ein tolles Taschenmesser, es sieht fast aus wie ein Waidmesser, aber es ist mit viel mehr Extras ausgestattet. Er schneidet damit einen duftenden Speckschinken in dünne Scheiben.
Jackos Lefzen werden immer länger.
Eine kleine Flasche dunklen Bieres in Händen blickt Herr Iborian mit seinen schönen, dunklen Augen wohlwollend auf Mada und Adam, sichtlich zufrieden wie es Kindern und Hund mundet.
Wer ist Herr Iborian, dieser stille, sympathische Herr, der so plötzlich und verboten auftaucht und alle in seinen Bann zieht?
Selbst Jacko legt zutraulich seinen Kopf auf den Wanderstiefel des Fremden.
Mada, die sonst nie den Mund halten kann, genießt versonnen.
Unverhofft holt Herr Iborian eine Mundharmonika hervor und zeigt sie den Kindern.
„Kennt ihr dieses kleine Instrument?“
Die Kinder nehmen es nacheinander in die Hand. Das längsseitige Blech ist in fröhlichen Farben handbemalt.
„Darf ich mal?“
„Aber klar, Adam, versuch mal, es klingt gut!“
Nach Adam gibt auch Mada ein paar Töne ab.
Dann beginnt Herr Iborian, leise darauf zu spielen, als wolle er Rücksicht nehmen auf die Natur, Tiere, Wald und Flur. Nie gehörte Lieder erklingen und die Kinder finden sie melodisch schön.
„Ihr hört doch nur Rock und Pop - mögt ihr überhaupt alte auf der Mundharmonika gespielte Weisen?“
„Aber ja, bei ihnen hört sich das toll an! - Mensch Adam, wir müssen zurück zu Opi Doc, der macht sich sonst Sorgen!“
Adam blickt auf seine Swatch.
„Ja Mada, wir sind fast drei Stunden fort, die Zeit ist schnell vergangen“.
„Kinder, tut mir Leid, dass ich euch so lange in Beschlag genommen habe, bitte lasst uns doch zusammen zum Hauptweg gehen, von dort lauft ihr dann schnurstracks nach Hause.“
Im Handumdrehen hat Herr Iborian die Abfälle im Rucksack verstaut.
„Hier, meine Lieben, ist meine Visitenkarte, vielleicht sehen wir uns mal wieder in Bulgarien, es steht alles auf der Karte. In den nächsten 14 Tagen bin ich noch im Hotel Sonnenhof Zimmer 20, kennt ihr das?“
„Oh ja, das kennen wir, da gehen wir oft essen und Großvaters Gäste wohnen dort manchmal.“
„Also - vielleicht - ich würde mich freuen!“
Nach circa 300 Metern sind sie auf dem Hauptweg.
„Wir müssen links!“, sagt Mada. Jacko hält schon an der richtigen Biegung.
„Noch mal auf Wiedersehen Mada, Adam und Jacko, es hat mir viel Vergnügen bereitet!“
„Uns auch, tschüs!“

Wer ist Herr Iborian?

Opi Doc sitzt gelassen auf der Veranda, als Jacko an seinen Beinen hochspringt und die Rückkehr der Kinder ankündigt.
„Na, ihr wart ja lange unterwegs!“, bemerkt er in wohlwollendem Ton, während er Jacko über den Kopf streichelt.
„Ja, ja“, kommt es von Adam und Mada im Duett, „wir haben einen fremden Mann im Revier getroffen und der war sooo nett!“
„Nun mal ruhig Kinder, eins nach dem anderen. Wo und wer war er?“
„Adam, wo ist die Karte?“, stupst Mada Adam an.
„Warte mal!“
Adam holt die Karte aus seiner Jeansjacke und reicht sie Opi Doc, der sie sich sorgfältig anschaut.

Prof. Dr. Petar Iborian
St. Kliment Ochridski Universität Sofia
8, Kliment Ochridski St.
Sofia-1000, Bulgaria

„Donnerwetter, da habt ihr scheinbar einen klugen und interessanten Herrn getroffen!“
Bevor die Kinder losplappern können, kommt Omi Sing mit einem großen Butterkuchentablett und Saft aus dem Hintergrund.
„Hallo, ihr zwei Unzertrennlichen, wo habt ihr denn so lange gesteckt?“
Mada läuft ihrer Omi entgegen und stottert:
„Omi, wir haben gar keinen Hunger, unsere Bäuche sind ganz voll, so viel haben wir zu essen bekommen.“
„Mein schöner selbstgemachter Butterkuchen, ich dachte, nach so vielen Stunden werdet ihr einen Riesenhunger haben! Was ist mit den Kindern passiert?“, fragt Omi Sing ihren Mann.
„Ach, meine Liebe, nur keine Aufregung, die Kinder wollten gerade erzählen.“
Er reicht Omi Sing die Karte von Herrn Iborian. Omi verstummt schlagartig und brav berichten die Kinder abwechselnd vom Verlauf des Nachmittages.
„Weißt du, Käthe“, sagt Opi Doc zu Omi Sing, „ich werde mal im Sonnenhof anrufen und diesen Professor zu uns einladen!“
„Gute Idee!“, meint Omi Sing, nachdem die Kinder alles über Herrn Iborian erzählt haben.
Opi Doc geht zum Telefonieren ins Haus. Kurz darauf kommt er zurück auf die Veranda.
„An der Rezeption des Sonnenhof-Hotels haben sie gesagt, der Herr wäre nach dem Frühstück so gegen 8.00 Uhr abgereist. Also Kinder, bereits als der Professor euch im Wald traf - das muss ja wohl gegen 12.00 Uhr gewesen sein - wohnte er schon nicht mehr im Hotel! Er hat euch also etwas Falsches gesagt, oder?“
„Ja komisch, warum hat er erzählt, dass er Gast im Sonnenhof ist?“
„Nun gut, vielleicht habt ihr ihn missverstanden. Vergessen wir die Sache!“

Heute ist Mada in Adams Rumpelbude.
Adam hatte ja von seinen Großeltern einen PC mit Monitor und Drucker zum Geburtstag bekommen. Die Kinder surfen im Internet über Bulgarien, der Hauptstadt Sofia und landen bei der St. Kliment Ochridski Universität. Da erscheinen insgesamt fünf Seiten mit allen Details, die eine Universität aufbieten muss. Sie landen auf der Seite des Lehrpersonals: Dekane, Rektoren, Professoren mit den jeweiligen Lehrfächern.
„Da!“, deutet Mada auf den Schirm, „Professor Dr. Petar Iborian - Lehrstuhl für Archäologie - Altertumsforschung, des weiteren an den Universitäten Prag und Budapest in den deutschsprachigen Sektionen als Gastdozent.“
Adam lässt die Seite ausdrucken.
Den Kindern geht der nette Herr Iborian nicht mehr aus dem Sinn seit sie ihn in Opi Docs Jagdrevier getroffen haben.
Da war etwas an dem Mann, das man nicht erklären kann.
Omi Sing sprach von „Aura“ und erklärte den Kindern die Bedeutung des Wortes.
„Ja, ihn umgibt eine Aura!“, machte Mada ihre Omi nach.
„Wir müssen uns bei Igor melden, die drei Tage sind um und er wartet sicher schon auf uns“, erinnert Adam.
Eine halbe Stunde nach Adams Anruf steht Omi Nudel mit Igor vor Adams Zimmertür.
„Oh Gott, wie ist es hier wieder unordentlich! Hier habt ihr euren Freund!“,
und schon ist sie wieder verschwunden.
Großes Hallo unter den dreien.
Mada berichtet Igor gestenreich von den Tagen auf der Jagdhütte und von der Begegnung mit Herrn Iborian.
Bei dem Namen hört Igor auf:
„Also, ihr könnt ja denken, ich sei verrückt, aber dieser Name ist bei uns zu Hause schon gefallen. Ich weiß zwar nicht, um was es ging, aber mein Vater muss den Mann kennen. Er spricht mit großer Hochachtung von dem Professor aus Sofia. Darf ich meinem Vater von eurem Erlebnis berichten und ihn fragen, was ihm bekannt ist?“
„Na klar! Was ist mit Malik, hast du ihn gesprochen?“
„Malik hat sich in den letzten Tagen vor mir verkrochen, ich glaube, seine Eltern stecken dahinter!“
Am nächsten Morgen in der großen Pause gibt Igor Adam ein koreanisches Zeichen, worauf Adam direkt auf ihn zugeht.
„Also Adam, ganz kurz, ich muss dich und Mada gleich nach der Schule treffen, es gibt wichtige Neuigkeiten!“
„O.k., die Info geht ebenfalls an Mada, wir treffen uns in der Eisdiele!“
Nach Schulschluss steht auch Herr Wegener mit zwei seiner Taxikollegen an der Eisdiele.
„Hallo ihr drei, wieder in geheimer Mission unterwegs?“
„Prima“, schnurrt Mada, „dürfen wir ein Eis bestellen?“
„Na klar, dachte mir schon, dass ich euch treffe!“
Die drei können ungestört ihr Eis essen und reden, Herr Wegener hat Wichtiges mit seinen Kollegen zu besprechen.
„Also“, legt Igor los, „ich habe meinem Vater von eurer Begegnung mit Professor Iborian erzählt. Was glaubt ihr, wie der erstaunt war!
Der Professor ist ein großes Tier beim WWF, dem weltweiten Tierschutzverband. Alle wichtigen Leute in diesem Verband sind ehrenhalber tätig. Herr Iborian ist der Verbindungsmann für den Balkan, ihr wisst ja, das sind viele Länder, die früher im kommunistischen Machtbereich lagen.“
Mada und Adam bekommen große Ohren.
„Mensch Mada, ist das Zufall oder was, dass wir ausgerechnet diesen netten Herrn auf so mysteriöse Art und Weise getroffen haben? Obwohl er uns die Adresse vom Sonnenhof gab, war er dort schon ausgezogen, seltsam...!“
Igor denkt sich seinen Teil und dann laut:
„Denkt ihr, was ich denke, dass der Professor vielleicht auch die Bärendiebe sucht?“
„Wir sollten Herrn Iborian wiederfinden“, so Mada, „diesem Zufall, wenn er denn einer ist, müssen wir nachgehen.“
„Es ist bezahlt, ich muss los, schöne Grüße zu Hause!“, ruft Herr Wegener.
„Wir sollten uns um Malik kümmern, da ist bestimmt was im Busch!“, so Adam.
Gerade als die drei die Eisdiele verlassen wollen, stößt Igor Adam an.
„Schau mal, da ist Malik!“
Tatsächlich, Malik, unverkennbar mit seiner Baseballkappe, geht gerade mit zwei Kumpeln über die Kreuzung.
Igor hält Adam am Ärmel.
„Bleibt ihr beiden hier, ich laufe ihm nach. Wenn ich in zehn Minuten nicht zurück bin, treffen wir uns bei dir!“
Schon ist Igor hinter den dreien her.
„Lass’ nur Adam, Igor spricht Russisch, der kommt schon klar mit Malik.“
Adam und Mada warten eine halbe Stunde, aber Igor taucht nicht wieder auf. Die beiden fahren mit dem Normalbus nach Hause.
Omi Nudel wartet wie immer mit dem Essen.
„Euer Freund Igor hat angerufen, er ist gegen 18.00 Uhr hier, was heckt ihr bloß immer zusammen aus?“
„Gar nichts, gar nichts, Omi Nudel, er ist nur ein guter Freund geworden“, tut Adam ab.
Nach den gemeinsam erledigten Schularbeiten werden weitere Überlegungen in Madas Zimmer angestellt.
„Lass’ uns doch eine Runde Ping-Pong spielen, wir sollten Igors Eintreffen abwarten.“
„O.k.!“
Endlich, nach mittlerweile fünf Runden Tischtennis, taucht Igor auf, es ist schon fast 19.00 Uhr. Igor bleibt bescheiden am Gartentor stehen und wartet, bis er hereingebeten wird.
„Ich musste zuhause bleiben, essen und Schularbeiten machen, ihr wisst ja...,
aber ich habe Malik sprechen können.“
Oben in Madas Zimmer gibt Igor Bericht.
„Es war nicht leicht, mit Malik zu sprechen, seine Begleiter waren Landsleute, aber ich wollte doch unbedingt mit ihm allein ein paar Worte wechseln. Erst nach circa einer halben Stunde gingen sie getrennte Wege. Ich hatte den Eindruck, als wollten die drei ihr eigentliches Gespräch nicht in meinem Beisein führen, denn als ich auftauchte, fühlten sie sich offensichtlich gestört.
Ich bat nun Malik, mit zu euch zu kommen, damit wir gemeinsam reden können. Malik blockte jetzt ab, obwohl er zuerst so gern mit uns zusammen sein wollte und uns die drei Namen beschafft hat. Ich meine, wir sollten ihn in Ruhe lassen, er hat irgendwie Angst.“
„Dann halten wir ihn eben raus“, sagt Adam.
„Ja, wir machen allein weiter“, stellt Mada klar.
Es klopft an der Tür, das Au-pair-Mädchen von Moritz bittet Mada nach unten zum Telefon.
Nach einer Weile zurück bei den anderen:
„Omi Sing war am Telefon, sie hat mir erzählt, dass Opi Doc Herrn Iborian als Patient in seiner Praxis hatte. Opi Doc lädt Adam, mich und Herrn Iborian am Wochenende ins Jagdhaus ein. Er hat unsere Eltern schon um Erlaubnis gebeten und holt uns am Sonnabend um 10.00 Uhr ab.“
„Und was ist mit Igor?“
„Das wollte Omi Sing nicht, wäre ihr zu viel, ich habe sie schon gefragt.“
„Ist doch logisch“, so Igor, „ihr könnt doch nicht einfach einen Fremden mitbringen. Vielleicht hätte ich sowieso nicht gedurft, meine Eltern wollen mich am Wochenende in der Familie sehen. Außerdem sollten wir unser weiteres Zusammentreffen nicht riskieren.“
Es ist Sonnabend 10.00 Uhr, als Opi Doc und Omi Sing Adam und Mada abholen. Großes Hallo! Beide Familien treffen sich am Gartenzaun, die Draegers mit den Zwillingen, Omi Nudel und Schröders mit Sohn Moritz.
Nachdem zwei Taschen verstaut und die üblichen Ermahnungen wie -
seid brav, vertragt euch, du Adam, schmeiß deine Sachen nicht überall herum - über die Lippen gegangen sind, huschen die beiden auf den Rücksitz des großen BMW.
„Ich freu mich schon auf Jacko“, sprudelt Mada hervor.
Jacko bleibt immer im Jagdhaus beim Revier, versorgt wird er von der Haushälterin.
„Es ist sein Zuhause, in der Stadt und bei uns in der Wohnung ist es ihm zu eng!“, meint Opi Doc.
Omi Sing berichtet den beiden Kindern, dass Opi Doc Herrn Iborian heute Nachmittag aus dem Hotel Sonnenhof abholt.
„Der Herr Professor freut sich sehr, euch wiederzusehen!“
Opi Doc fügt ausführlich hinzu, wie überrascht beide waren, als sie sich in seiner Praxis kennen lernten.
„Warum ist er denn in deine Praxis gekommen, Opi?“
„Das ist Arztgeheimnis, meine Kleine!“
„Ja, ja, die Welt ist voller Geheimnisse“, gibt Adam weise von sich.
„Wieso, was habt ihr denn für Geheimnisse?“, rätselt Omi Sing.
„Du kannst dir doch sicherlich vorstellen, was da abläuft bei den Kindern. Mein alter Geheimsprachenschmöker und dann die Sache mit dem Bärenklau - hinter uns sitzen Sherlock Holmes und Miss Watson.“
„Wer sind denn die?“ , tönen die Kinder von hinten.
„Ein berühmter englischer Detektiv und sein Assistent - aus meiner Zeit - deshalb kennt ihr die wohl nicht mehr.“
Das nachfolgende Frage- und Antwortspiel zu den beiden übernimmt Omi Sing, Opi muss sich auf das Fahren konzentrieren.
Auf den letzten 50 Metern vor dem Jagdhaus kommt ihnen Jacko entgegen gesaust. Frau Müller, genannt Trude, hat den aufgeregten Hund laufen lassen.
Der hört das Wagengeräusch schon immer von weitem und dann weiß auch Trude Bescheid. Damit Jacko nicht vor lauter Freude die Autotür zerkratzt, hält Opi Doc an und öffnet die Tür.
Das ist jedes Mal ein Spaß!

Wieder im Forsthaus

Zuerst will Professor Iborian mit Opi Doc alleine sprechen.
Mada und Adam sind enttäuscht, haben sie ihn schließlich zuerst kennen gelernt. Nach der Begrüßung besteht Opi Doc darauf und Omi Sing versucht, es den Kindern liebevoll beizubringen.
Es gibt Pfannkuchen mit Speck und die drei sitzen in der großen Küche, während Trude Müller für Nachschub sorgt.
Anschließend toben sie mit Jacko auf der langen Kiesauffahrt.
Opi Doc taucht draußen auf:
„Ich möchte mit dem Professor einen Spaziergang durch das Revier machen und ihr wollt bestimmt gerne mitkommen.
Also ihr beiden, ich habe mich ausführlich mit unserem Gast unterhalten, der Professor möchte euch jetzt erklären, warum er sich in unserer Stadt aufhält.“
„Ihr seid die Hauptpersonen!“, Herr Iborian folgt Großvater, „ich weiß jetzt einiges über euren Einsatz als junge Detektive.“
Die Kinder sehen sich erstaunt an.
Wie hat Opi etwas gemerkt?
Man soll die Erwachsenen wohl doch nicht unterschätzen.
„Ihr dürft mit Leidenschaft fortfahren“, setzt Herr Iborian hinzu, „ ich möchte euch nur vorher über meine Funktion in Sachen Bärenklau aufklären. Mein Beruf ist - wie ihr wisst - Altertumsforscher, aber ich bin auch Leiter des WWF.“
„Das wissen wir schon!“
„Das wisst ihr schon?“
„Ja! Wir haben so unsere geheimen Quellen!“
„Gut, ihr seid scheinbar bestens informiert und ihr habt eure Methode, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich finde das sehr gut so, möchte auch gar nicht alles hinterfragen. Macht nur weiter so, ich bin immer für euch da, wenn ihr Fragen habt oder ihr mir etwas erzählen möchtet. Ihr steht ab heute unter meinem Schutz, wenn ihr Probleme bekommen solltet. Euer Großvater meint auch, es sei spannend für euch und außerdem dient es einer guten Sache.“
„So lange die Schule nicht darunter leidet“, fügt Opi Doc ermahnend hinzu.
„Für euch bin ich im Sonnenhof immer zu erreichen, sagt nur ‚Adam’ an der Rezeption, denn für Fremde gelte ich als gerade abgereist.“
Also das war der Grund, warum man im Sonnenhof sagte, Herr Iborian wäre bereits ausgecheckt.
Adam und Mada sind sehr beeindruckt, wie viel Wert und Vertrauen man in sie setzt.
Überrascht sind sie nur, dass Opi Doc einverstanden ist, immerhin sind sie erst zehn Jahre alt - aber der Emil mit seinen Detektiven war auch nicht älter.
Der Professor handelt sehr weise, indem er die Kinder ernst nimmt. Er weiß, durch das in sie gesetzte Vertrauen werden sie ihm alles berichten.
So ist es dann auch. Auf dem langen Marsch durch das schöne Revier erzählen Adam und Mada von Igor, Malik, von Frau Ruplew und natürlich von der durch sie neu entdeckten Geheimsprache.
Opi Doc, der nicht über alles informiert war, ist begeistert über den Nutzen seines alten Buches für die Kinder.
Bei den Namen der drei Gauner horcht Herr Iborian auf:
„Würdet ihr mir die Namen und Adressen geben?“
„Natürlich Herr Professor, wir müssen nur Malik, von dem wir die Namen wissen, schützen“, meint Adam.
„Das lasst nur meine Sorge sein! Malik und seine Familie halte ich völlig heraus. Ich habe die Namen offiziell aus anderen Kanälen erhalten, mein Netz der Verbindungen geht weit bis in die Spitzen der Regierungen. Macht euch keine Sorgen!“
Die Kinder sind im Bett, als Herr Iborian per Taxe nach einem langen Abend bei Madas Großeltern wieder in den Sonnenhof fährt.
Igor kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, als er am nächsten Tag von Adam und Mada alle Neuigkeiten erfährt.
Mada ruft im Beisein von Adam und Igor im Hotel Sonnenhof an, um Herrn Iborian die Namen zu nennen.
„Hotel Sonnenhof, Rezeption, guten Tag!“
„Adam möchte Herrn Iborian sprechen!“
Stille am anderen Ende, nun dringt ein Gemurmel durch den Hörer und eine Männerstimme meldet sich:
„Wer spricht da?“
Adam nimmt Mada den Hörer ab:
„Mein Name ist Adam, ich möchte gern Herrn Professor Iborian sprechen!“
„Tut mir Leid, Herr Adam, Professor Iborian ist nicht anwesend, würden sie mir ihre Telefonnummer geben, er ruft sie zurück.“
Adam gibt seine Handynummer an.
„Vielen Dank, ich werde es dem Professor ausrichten, guten Tag!“
Kurz darauf klingelt Adams Handy.
„Das geht ja schnell“, „hallo?“
„Ja hallo, hier ist Malik, ist Igor bei euch?“
„Ja, Igor ist hier, ich geb’ ihn dir!“
Die beiden reden Russisch miteinander, wie es scheint sehr erregt. Nach kurzer Dauer ist das Gespräch beendet.
„Was ist los?“, beide aus einem Munde.
„Malik hat Hausarrest, er darf sich nicht mit uns in Verbindung setzen, er rief heimlich an und war sehr aufgeregt. Er möchte mich treffen, musste aber abbrechen, weil jemand in sein Zimmer kam.“
„Weißt du eigentlich, wo Maliks Familie wohnt?“, fragt Mada.
„So in etwa weiß ich es, wir haben seine Adresse und Telefonnummer zu Hause, aber da können wir ja wohl schlecht anrufen.“
Da klingelt erneut Adams Handy.
„Adam, hallo!“
Wieder Malik, schnell übergibt Adam das Handy Igor.
Mada hört nur das Wort Baggersee. Das Gespräch ist kurz.
„Also, er darf nachher mit zwei seiner großen Brüder an den Baggersee fahren, vielleicht könnten wir da ja aufkreuzen, reiner Zufall, versteht sich!“
Der Baggersee ist voller Menschen. Adam und Mada warten, während Igor versucht, Malik ausfindig zu machen.
Plötzlich steht Malik vor Mada und Adam.
„Hallo, das ist ja klasse, wie hast du das geschafft?“
„Meine großen Brüder baggern die Mädchen an, die achten nicht mehr auf mich. Wo ist Igor?“
„Der sucht dich!“
„O.k., ich bleibe hier, Igor wird schon erscheinen. Also, die drei, deren Namen ich für Igor auf den Zettel geschrieben habe, stecken tatsächlich tief drin in der Sache mit den Bären. Ich habe erfahren, wo die sich zur Zeit aufhalten. Meine Eltern wollen sich da aber lieber heraushalten und es nicht den Behörden melden, weil sie befürchten, dass an uns etwas hängen bleibt, denn die Zeitungen kennen wohl keine Rücksicht. Ich habe hier einen weiteren Zettel, da steht alles auf Russisch drauf. Igor kann übersetzen. Ich gehe jetzt zurück zu meinen Brüdern, bevor sie mich mit euch sehen.“
Weg war Malik!
Einem Umschlag entnehmen Adam und Mada einen etwas zerknüllten Zettel, auf dem in erwachsener kyrillischer Handschrift einiges zu lesen ist.

Die Spur wird heiß

Die Frau - es kann nur Anna Zeiga sein - betreut die Bären Tag und Nacht. Die Tiere sollen angeblich gut versorgt sein, sie haben sogar Auslauf in einem Gehege.
Der Mann, man glaubt, es ist Serge Herzen, fährt ein großes Wohnmobil, mit dem die Bärenkinder aus dem Zoo abtransportiert wurden. Das Wohnmobil soll speziell ausgestattet sein, so dass man die Tiere jederzeit woanders hinfahren kann. Leo Iwanow soll der Boss sein, er ist meistens unterwegs, um seinen Auftraggebern Bären zuzuführen.
Jetzt kommt das Wichtigste, das Versteck befindet sich angeblich in einem kleinen Ort in der Nähe von Antwerpen in Belgien. Vermutlich sollen die Tiere von Antwerpen aus verschifft werden.
All das steht auf dem Zettel von Malik.
Die drei Kinder beraten.
„Sollen wir nicht lieber die Polizei informieren, Adam?“
„Nee Mada, auf keinen Fall, dann sind wir raus aus der Sache.“
Igor stimmt Adam zu.
„Aber“, gibt Igor zu Bedenken, „wir brauchen die Hilfe von Erwachsenen, wie sollen wir nach Belgien kommen, wo ist das überhaupt?“
„Belgien - das weiß doch jedes Kind, aber du bist ja noch nicht lange hier!“, mischt sich Mada ein.
„Du bist gemein, ich kenne den Namen, aber ich kann es eben nicht richtig zuordnen, weißt du etwa gleich, wo Wladiwostok liegt?“
„ Na klar weiß ich das, aber es können ja nicht alle so clever sein wie ich!“
„Lass’ dich nicht ärgern, Igor, Mada will nur mal wieder angeben. Also, ich meine, wir sollten Herrn Iborian informieren und dann fahren wir alle mit Opi Mobil in seinem super Wohnmobil nach Belgien.“
„Das kriegen wir doch niemals mit unseren Eltern auf die Reihe und was ist mit der Schule?“
„Warte nur ab, Mada, ich spreche erst mal mit Opi Mobil.“
Opa Mobil ist fasziniert von Professor Iborian, der uns alle zum Essen beim Italiener eingeladen hat.
Sie - das sind Opi Doc, Opi Mobil, Omi Sing, Adams Mutter Sybille, Adam und sein Vater - sitzen in einem separaten Raum.
Madas Eltern ha
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_____________________________
Jan Balu
Hamburg

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