Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92253
Momentan online:
252 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Fantasy
Eingestellt am 17. 05. 2005 12:15


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Fantasy

Fantasy, was ist das?
Fantasy ist ein recht vager Begriff. Schwammig und dehnbar. Und Fantasy ist ein Genre, das fast über seine Belastbarkeit gedehnt und gestreckt wurde. Beispiele gefällig?
In vielen Fernsehzeitschriften wird „Spiderman“ (und so auch jede Comicverfilmung) oder „Was Frauen wollen“ als Fantasy bezeichnet. Andere sprechen bei „Star Wars“ von Fantasy, obwohl es dort Roboter und Raumschiffe gibt.
Stimmt das? Was ist Fantasy?
Einst meinte meine Deutschlehrerin Fantasy sei „Märchen für Erwachsene“. Eine gar nicht so schlechte Begriffsdefinition.

Fantasy stammt scheinbar augenscheinlich von Fantasie und alles was der Fantasie entspringt, könnte man daher als Fantasy bezeichnen. Doch gibt es auch einen anderen Oberbegriff, der nennt sich Phantastik und vereint die drei Hauptsäulen Science Fiction, Horror - oder Unheimliche Phantastik, wie manche es gerne nennen – und unsere Fantasy.

Böse Zungen behaupten, schlechte SF ist Fantasy, manche sprechen sogar von SF der Fantasyklasse. Ein eingebürgertes Vorurteil selbst bei unheimlichen Phantasten lautet, in der Fantasy ist alles erlaubt und braucht weder begründet zu werden, noch muss das Geschehen im engen Sinne einer rationalen Logik folgen.

Fantasy also doch kein „Märchen für Erwachsene“? Eher „Schmarrn für ewig Junggebliebene“?

Versuchen wir erst einmal die Abgrenzung des Genres Fantasy gegenüber den beiden anderen Säulen der Phantastik. Die Mischformen wie Dark Fantasy, Mystery oder Science Fantasy lassen wir mal außen vor. Selbstredend gibt es Grenzen zwischen den Genres, die sich überschneiden und Mischformen, die beide oder alle drei Spielformen der Phantastik in sich vereinen, mal weniger gut, manchmal mit Sicherheit auch sehr genial wie oben genannte Mischformen belegen können.

Was ist Fantasy nicht? Fantasy ist kein regelloses Dahingeschreibsel, welches immer dann sein Etikett hervorzückt, wenn die Logik Beine bekommt. Fantasy ist eine Welt jenseits der unseren, doch ist das die SF ebenso. Also wie teile ich die drei Säulen auf?

Ganz pauschal ist ein Ansatz, es in Gestern, Heute und Morgen aufzuteilen. Gestern ist Fantasy, das Heute die unheimliche Phantastik und das Morgen ist die SF. Aber das stimmt halt auch nur in einem Teil der Fälle.

Die größte Abgrenzung zwischen SF und Fantasy ist die Technik. In der Regel folgt die SF (schlechte Gegenbeispiele sollten für die Genredefinition außen vor bleiben) der Naturwissenschaft und spekuliert über zukünftige Entwicklungen wie überlichtschnelles Reisen. Die Fantasy dagegen ist ein Reich jenseits der Technik und ähnelt zumeist dem vorindustriellen Zeitalter. Oft genug ist sie ein Ritterroman, in dem es um Magie geht oder übersinnliche Phänomene eine große Rolle spielen.

Magie oder ĂĽbersinnliche Energien ist das Bindeglied zwischen der unheimlichen Phantastik und der Fantasy. Dieses Ăśbersinnliche ist zwar im weitesten Sinne auch in der SF zu finden, aber eigentlich kein Element dieses Genre.
Der Unterschied zwischen der unheimlichen Phantastik und der Fantasy liegt eigentlich in der Welt. Horror spielt in unserer, meist heutigen Zeit, während die Fantasy, ähnlich der SF, eine eigene Welt kreiert.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Fantasy sind Götter und ihre Inkarnationen. Sind diese im Horror meistens Böse und nennen sich Dämonen, sind es in der SF zumeist höher entwickelte Wesen.
Aber in der Fantasy sind sie auf ihren Ursprung zurückgeführt. Naturkräfte, Glaubensbekenntnisse und Lebensweisheiten. Die Fantasy hat auch immer ein wenig den Touch der Bekehrung. Zumeist sind die Helden aufrecht und der eigentliche Kernpunkt der Romane ist der Kampf Gut gegen Böse. Dies findet sich natürlich auch im Horror, in der SF dagegen findet dieses Motiv selten in Gottheiten, denn in Rassen und Personen statt.
So kann man natĂĽrlich den Kontrapunkt zwischen SF und Fantasy auch so beschreiben: SF ist Wissen, Fantasy ist Glauben.

Was so trivial klingt, ist aber ein entscheidender Punkt. An Gott (oder eine gottähnliche Kraft) kann man nur Glauben, bewiesen wurde diese noch nie. Dagegen ist Wissen logisch zu erklären, aufgebaut mit Formeln und teilweise bewiesen durch Versuche und ihrer ständigen Wiederholung, oder ganz einfach durch Beobachtung.
Doch finden sich auch in der Wissenschaft genĂĽgend Annahmen, die zeigen, dass der Unterschied zwischen Wissen und Glauben eigentlich nicht vorhanden ist.

Sie heißen nicht umsonst Theorien, die Gebilde, die beschreiben sollen, wie unsere Welt entstanden ist. Man mag einräumen, dass die Wissenschaft in sich schlüssig ist und bis zum Beweis des Gegenteils auch als gültig angenommen werden kann. Ich meine, in der Regel dürfte niemand mehr abstreiten, dass Darwin Recht hat.
Jedoch bei solch gewaltigen Szenarien wie der Entstehung des Universums und die Erklärung desselben, scheint es mir ein wenig zu optimistisch zu sein, dies einfach als Wissen anzuerkennen. Es heißt in wissenschaftlichen Kreisen nicht umsonst: Der Urknall ist die wahrscheinlichste Theorie.
Aber weder die einzige, noch die einwandfrei richtige. Und damit sind wir wieder an der Grenze zwischen Glauben und Wissen, zwischen SF und Fantasy/Horror, letztere scheinen doch zumindest tendenziell eher miteinander verbandelt wie die SF.

Und so wie man immer wieder streitet, ob nun Gott oder der Urknall die Welt erschaffen hat, ob nun Glaube oder Wissen den Menschen ihre Lebensessenz gibt, so wird auch weiterhin gestritten, welches der Genres das Bessere ist, dabei ergänzen sich die drei Säulen der Phantastik doch auf wunderbare Weise.

__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Entschuldige, Michael, aber da tut dem SF-Fan alles weh. Dem Fantasy-Fan vielleicht auch (, vermute ich jedenfalls). Und dem Horror/Mystery-Fan womöglich auch (, aber da weiß ich am wenigsten Bescheid).

Es ist sicher schwierig, klare Trennlinien zu setzen – dort wo du sie setzt, liegen sie aber nicht. Du merkst das auch und hebst sie meist sofort wieder auf oder weichst sie zumindest auf. Für den "Kenner" ist der Schaden (für die Glaubwürdigkeit des Textes) da aber schon passiert. Und den „Jetzt-will-ich-es-aber-genau-wissen"-Leser verprellst du mit dem „So. Oder-doch-ganz-anders?". (*)

Das Ganze macht den Eindruck, schlecht recherchiert zu sein. (Daraus ergibt sich, dass man den Eindruck hat, du weißt eigentlich selbst nicht genau, was Fantasy ist. (**)) Und irgendwie schießt es dann "übers Ziel", indem du plötzlich philosophisch wirst und – de facto und den Bezug zur Fantasy-SF-Thematik fast verlierend – die Frage stellst „Ist Wissenschaft nicht auch bloß eine Art Glaube?"

Ich weiß nicht, für welchen Zweck (bzw. mit welcher Intension) dieser Text geschrieben wurde (, was auch so eine Schwachstelle des Textes ist), deshalb kann ich kaum Tipps geben, wo du Stolperstellen durch Weglassen entschärfen könntest oder wo du das Gewebe der Phantastik detailierter aufdröseln solltest. Mir scheint zum Beispiel der "Hintergrund" der Fantasy-Strukturen ein eigenes Essay wert. Oder dort einsetzen: „ Böse Zungen behaupten, schlechte SF ist Fantasy,…" und dann zu „Inhalt und Klang“ bzw. „Inhalt und Form" oder auch „Konsumgewohnheiten" kommen… Oder geht es wirklich um den Defintionsversuch der Phantastik-Genres? Was soll dann aber der Ausflug in die Philosophie? Und woher kommt plötzlich die Antwort (am Schluss deines Textes) auf die vorher nicht mal erwähnte Behauptung, die Leute stritten sich, welches Genres das bessere sei?




(*)Entschuldigung, ich hatte gerade etwas zu lektorieren, das mit solchen Bindestrich-Formulierungen reichlich hantierte, das klingt noch nach…

(**) Wenn ein Autor/Essayist die Frage stellt "Was ist XY?" dann erwartet man, dass er diese Frage beantwortet.
Er darf sie so beantworten: „XY ist…".
Er darf – wenn er selbst unschlüssig ist – sagen "Herr Sowieso sagt, XY ist…" (wobei Herr Sowieso eine Autorität in Sachen XY sein sollte). (Spielarten: mehrere "glaubhafte" Definitionen, eine offensichtlich unsinnige Definition einer Möchtegernautorität als solche entlarven)
Der Autor darf auch so auf die Eingangsfrage antworten: „Ich kann zwar nicht definieren, was XY ist, aber ich kann euch sagen, was es definitiv nicht ist."
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Ulrike,

klar, der Text ist keine reine Genredefinition, sondern eine Gedankensammlung, die das Genre durch Abgrenzung bestimmen soll. Dazu kommt natĂĽrlich die Verarbeitung der Vorurteile bezĂĽglich des schwammigen Begriffs Fantasy, die wohl so nur schlecht zu verstehen ist.

Aber wo genau siehst du die schlechte Recherche und wo hast du Bauchweh?

Der "philosophische" Teil fand ich eigentlich passend bei der Unterteilung.

Bis bald,
Michael
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

Bearbeiten/Löschen    


MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
Kommentare: 1253
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um MDSpinoza eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

L. Sprague de Camp definierte die Grenze so: das "S" bei SF steht entweder fĂĽr "science" oder "sorcery", Zauberei. Das letztere sei auch als Fantasy bekannt.
__________________
Lieber ein verfĂĽhrter Verbraucher als ein verbrauchter VerfĂĽhrer...

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo MDSpinza,
dann fällt L. Sprague de Camp unter die Rubrik Möchtegern-Autorität – er (oder sie?) will beides in einen Topf hauen, offenbar ohne die anderen Zutaten zu berücksichtigen, die in den selben Topf – der übrigens schon den Namen „Phantastik“ trägt – gehören.


Hallo Michael,

mit "nicht richtig recherchiert" meine ich, es klingt, als hättest du nur eine vage Vorstellung, was SF und was Fantasy ist. Als hättest du bestenfalls zwei, drei Werke dieser Genres gelesen und die hätten deine Vorstellung von SF und Fantasy aucht nicht grade konkretisiert. Vielleicht ist es aber auch ein generelles Problem – oft wird versucht, die Grenzen festzuschreiben, die Dinge also an ihren Randbereichen zu bestimmen. Richtiger wäre wohl eher sie vom Zentrum aus zu bestimmen und an den Rändern die Variabilität dieser Genres zu zeigen.

Der philosophische Teil ist auch eine interessante Fortführung, er verliert m.E. "nur" den Boden dieses Text (bzw. Text-Themas) unter den Füßen. Vor allem, weil in der Konsequenz rauskommt: SF gäbe es in Wirklichkeit gar nicht. Was ich mir natürlich ausdrücklich verbitte!


Wo ich als SF-Fan Bauchschmerzen habe? Da:

*Andere sprechen bei „Star Wars“ von Fantasy, obwohl es dort Roboter und Raumschiffe gibt.
+ …als ob Roboter und Raumschiffe SF ausmachen! Genauso könnte ich sagen: Ja aber da sind Ritter dabei! Und Schwerter! Die Knackpunkte liegen wo ganz anders: Sind die „hellen Ritter" per se das personifizierte Gute oder "echte Charaktere"? (Analog die Bösen.) Ist die Macht sowas wie Magie oder gibt es eine „natürliche Erklärung“?

* Fantasy stammt scheinbar augenscheinlich von Fantasie und alles was der Fantasie entspringt, könnte man daher als Fantasy bezeichnen.
+ Dann wäre jedweder fictionale Text Fantasy. Nee, ne?

* Böse Zungen behaupten, schlechte SF ist Fantasy, manche sprechen sogar von SF der Fantasyklasse.
+ Nicht böse Zungen – Dummköpfe! (Oder zumindest Leute, die den Anschluss verpasst haben.) Du lässt das aber so stehen, ohne zu erklären, wo da der Fehler steckt.

(*Ein eingebĂĽrgertes Vorurteil selbst bei unheimlichen Phantasten lautet, in der Fantasy ist alles erlaubt und braucht weder begrĂĽndet zu werden, noch muss das Geschehen im engen Sinne einer rationalen Logik folgen.
Fantasy also doch kein „Märchen für Erwachsene“?
+ Formaler Argumentationsfehler: Du sagst ja "böse Zungen" und "Vorurteil" und hast diese Argumente damit als falsch gekennzeichnet. Also können sie nicht die schon als "nicht so schlechte Begriffsdefintion" deklarierte Aussage erschüttern. Aber das nur am Rande.)

* Was ist Fantasy nicht? Fantasy ist kein regelloses Dahingeschreibsel, welches immer dann sein Etikett hervorzĂĽckt, wenn die Logik Beine bekommt.
+ Das gilt aber auch fĂĽr alle anderen Bereich der Phantastik.

* Fantasy ist eine Welt jenseits der unseren, doch ist das die SF ebenso.
+ Beides kann auch heute und hier spielen – nicht die ganze Spiel-Welt ist "entrückt".


* Ganz pauschal ist ein Ansatz, es in Gestern, Heute und Morgen aufzuteilen.
+ Das ist nicht pauschal, das ist falsch. Denn es ist kein Merkmal für auch nur eines der Phantastik-Genres. Bestenfalls für Sub-Genres, wie – mal ganz willkürlich genannt – den "Zukunftsroman" oder den auf einer Legende basierenden Fantasy-Text wie viele Arthus-Geschichten.
Das tut mir deshalb so weh, weil diese "Defintion" so gern von Leuten benutzt wird, die nicht nur keine Ahnung haben sondern sie auch noch nicht mal anstreben.

*Gestern ist Fantasy, das Heute die unheimliche Phantastik und das Morgen ist die SF. Aber das stimmt halt auch nur in einem Teil der Fälle.
+ Wie sollte es auch anders sein, da es ja KEIN Genre-Merkmal ist!

* Die größte Abgrenzung zwischen SF und Fantasy ist die Technik. In der Regel folgt die SF (schlechte Gegenbeispiele sollten für die Genredefinition außen vor bleiben) der Naturwissenschaft und spekuliert über zukünftige Entwicklungen wie überlichtschnelles Reisen.
+ Und das erst! Die wenigste SF spekuliert über technische Entwicklungen! Manchmal spekuliert sie über die Auswirkung der Technik auf den Menschen. Um also zu deiner Aussage zu kommen, müsste man 90 oder mehr % als „schlechte Gegenbeispiele" ausklammern! Darunter die besten Texte, die die SF zu bieten hat!
+ Fantasy kann in einer hochtechnisierten Welt spielen – sobald ein Magier auftaucht, Elben (mitsamt ihrer magischen Ausstattung) oder dergleichen auftauchen. oder sobald einfach mal nur ein Gegenstand (vorzugsweise Schatz) auftaucht, der übernatürliche Wirkungen entfaltet. (Dass das die "Kunden" nicht so mögen und es deshalb selten passiert, ist eine ganz andere Problematik.) SF kann im Mittelalter spielen – wenn man zum Beispiel einen wichtigen Mord nicht geschehen lässt, was alles ändert.


* Dieses Ăśbersinnliche ist zwar im weitesten Sinne auch in der SF zu finden, aber eigentlich kein Element dieses Genre.
+ NIE ist es dort zu finden. Es sieht höchstens mal was so aus. Man mag über alle Genre-Merkmale uneinig sein: Aber sobald Übersinnliches (das so auch gemeint ist) auftaucht, ist es keine SF mehr.

* Der Unterschied zwischen der unheimlichen Phantastik und der Fantasy liegt eigentlich in der Welt. Horror spielt in unserer, meist heutigen Zeit, während die Fantasy, ähnlich der SF, eine eigene Welt kreiert.
+ Nicht als Genre-Kennzeichen! Dass es oft so ist, hat andere GrĂĽnde.

* Ein weiterer wichtiger Punkt der Fantasy sind Götter und ihre Inkarnationen. Sind diese im Horror meistens Böse und nennen sich Dämonen, sind es in der SF zumeist höher entwickelte Wesen.
+ Nur wenige SF-Texte hantieren mit "Göttern". Und "höherentwickelt" mag in diesen Fällen zwar oft zutreffen, ist aber nicht so "vorgeschrieben", wie es bei deinem Text hier (durch die Beschränkung darauf) klingt.

* Aber in der Fantasy sind sie auf ihren Ursprung zurückgeführt. Naturkräfte, Glaubensbekenntnisse und Lebensweisheiten.
+ …was ist mit der Fantasy, die mit den "echten Göttern" der Antike hantiert?? Und was ist mit der Fantasy, die ohne "Götter" (als Rolle oder gar als Religion) auskommt?

* Die Fantasy hat auch immer ein wenig den Touch der Bekehrung. Zumeist sind die Helden aufrecht und der eigentliche Kernpunkt der Romane ist der Kampf Gut gegen Böse. Dies findet sich natürlich auch im Horror, in der SF dagegen findet dieses Motiv selten in Gottheiten, denn in Rassen und Personen statt.
+ In GUTER SF findet es nur selten statt – da gibt es nämlich "das Böse" und "das Gute" nicht.

* So kann man natĂĽrlich den Kontrapunkt zwischen SF und Fantasy auch so beschreiben: SF ist Wissen, Fantasy ist Glauben.
+ …ne, kann man nicht. Wenn z.B. in einer Fantasy-Welt Magie praktiziert wird oder Götter agieren , dann ist das keine Sache des Glaubens – dann wissen alle Beteiligten, dass es in dieser Welt Magie oder Götter gibt. Fantasy umgeht ja eben diesen Glauben-Effekt, in dem sie die Götter/Kräfte als real wirkende Größen in ihr Sets aufnimmt!

… was jetzt kommt, ist ein typisches Beispiel für Kategorien-Mischmasch. Schon der eben als falsch "bewiesene" Einstieg ist der erste Schritt. Jetzt kommt die Vermischung des Begriffs "Glauben" in Sinne von "ich glaube eben einfach mal, dass es so ist" (was mit Religion zu tun hat) und dem „nach allem, was ich weiß und was sich nach logischer Betrachtung der Fakten ergibt, ist es vermutlich so (gewesen) – ob ich es glaube oder nicht: diese Fakten sprechen dafür" (was eine wiss. Theorie ist, die sich ändern kann, wenn man andere/neue Fakten einbezieht). Etwas nicht wissen, aber für wahrscheinlich halten, ist eben doch was anderes als von etwas überzeugt sein, obwohl man es nicht beweisen kann.


(* Ich meine, in der Regel dĂĽrfte niemand mehr abstreiten, dass Darwin Recht hat.
+ In den USA wird derzeit heftig darum gestritten – und zwar mit Menschenmassen auch auf der Seite der Darwin-Gegner! – die Evolutionstheorie gleichwertig neben die Schöpfungslehre zu stellen. Besser noch, Darwin ganz aus den Schulbüchern zu verbannen. Aber das nur am Rande.)

* Es heiĂźt in wissenschaftlichen Kreisen nicht umsonst: Der Urknall ist die wahrscheinlichste Theorie.
Aber weder die einzige, noch die einwandfrei richtige. Und damit sind wir wieder an der Grenze zwischen Glauben und Wissen, zwischen SF und Fantasy/Horror, letztere scheinen doch zumindest tendenziell eher miteinander verbandelt wie die SF.
+ Ja, Fantasy und Horror stehen – in der meistgenutzen Ausführung, nicht auf Grund ihrer Defintion! – einander nah, aber was hat das mit dem Urknall zu tun?

* Und so wie man immer wieder streitet, ob nun Gott oder der Urknall die Welt erschaffen hat, ob nun Glaube oder Wissen den Menschen ihre Lebensessenz gibt, so wird auch weiterhin gestritten, welches der Genres das Bessere ist, dabei ergänzen sich die drei Säulen der Phantastik doch auf wunderbare Weise.
+ Das sind drei ganz verschiedene Dinge – sie zu vergleichen ist etwas gewagt.
Das erste ist der Streit über die Entstehung der Welt. (Bibel-Wörtlich-Nehmer gegen Die-Wissenschaft-Nicht-Als-Unsinn-Hinstellende)
Das zweite ist der Streit ĂĽber das, was den Menschen ausmacht (Sind wir eine in erste Linie fĂĽhlende oder eine in erster Linie denkende Spezies?)
Das dritte ist ein Streit der Phantastik/Literatur Extremisten (Welche Genre darf sich "Literatur" nennen?)
Vor allem aber: Wieso ist die Antwort "sie ergänzen sich"? Um gemeinsam "das Bessere" zu sein?
Wobei ergänzen Sie sich? Ist denn – nur mal als Beispiel – SF ohne Horror nicht vollwertig? Oder Fantasy ohne SF? Es würden die Rand-Erscheinungen fehlen – aber macht das die "Mitte" schlechter?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
Kommentare: 1253
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um MDSpinoza eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

L. Sprague de Camp war in den Vierzigern und Fünfzigern einer der meistgelesenen Science Fiction und Fantasy - Autoren. Was die Qualität seiner Werke angeht, ist er durchaus eine echte Autorität.

Hier klicken
__________________
Lieber ein verfĂĽhrter Verbraucher als ein verbrauchter VerfĂĽhrer...

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂĽck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!