Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
208 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Far from heaven, Film von Todd Haynes
Eingestellt am 07. 08. 2010 21:18


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 290
Kommentare: 1176
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Erst die fünfziger Jahre waren nach einer neuen Theorie das Goldene Zeitalter des Patriarchats. Der Wohlstand der Nachkriegszeit soll demnach auch in den Mittelschichten die Rolle der Frau als Nur-Hausfrau ermöglicht und zur vollen Entfaltung gebracht haben.

Die Whitakers in „Far from Heaven“ leben 1957 in Hartford, Connecticut, und gehören der oberen Mittelklasse an. Er hat eine gute Position bei einem Produzenten von Fernsehgeräten, sie kümmert sich um das perfekte Heim und die zwei wohl geratenen Kinder, draußen in einem grünen Vorort. Die Whitakers sind als Vorzeigefamilie gesellschaftlich hoch geachtet. Allerdings bemüht sich Frank (Dennis Quaid) insgeheim um sein Coming-out. Cathy (Julianne Moore) ist ahnungslos. Sie will nicht wissen, warum sie ihn eines Abends von der Polizeiwache abholen muss, und sie denkt sich nichts dabei, ihm einmal unangemeldet sein Abendessen ins Büro zu bringen. Hier werden ihr die Augen geöffnet.

Cathy verlangt, dass Frank sich von einem Psychiater behandeln lässt. Der „Doctor“ ähnelt nicht nur äußerlich Professor Kinsey. In einem Vorgespräch schätzt er die „Heilungschancen“ als gering ein und deutet an, dass die Behandlung stattdessen bei manchen zur Selbstakzeptanz führe. Frank hat es daraufhin eilig mit der Therapie. Bald schon leidet er unter ihr, trinkt und reagiert zunehmend gereizt auf die attraktive und allzu verständnisvolle Gattin.

Cathy ihrerseits findet Zuspruch und Aufmunterung durch den Farbigen Raymond (Dennis Haysbert), der den Garten der Whitakers in Ordnung hält. Ihr Verhältnis überschreitet die Grenzen der Wohlanständigkeit nie und ist doch deutlich erotisch gefärbt. Für die Gesellschaft von Hartford ist schon der freundschaftliche Umgang eines farbigen Mannes mit einer weißen verheirateten Frau ein unerträglicher Skandal. Cathy ist gezwungen, die harmlose Beziehung abzubrechen.

Frank wird immer labiler, die Firma schickt ihn in Urlaub, und das Ehepaar reist nach Miami. Hier fällt Dr. Bowmans Gesprächstherapie endlich auf fruchtbaren Boden: Frank verliebt sich ruckzuck in den Sohn der Familie vom Nebentisch. Cathy merkt erst, was passiert ist, als Frank daheim in Hartford wieder einmal zusammenbricht. Auch jetzt ist es Cathys Sache, auszusprechen, was geschehen muss: Scheidung.

Raymonds Stellung in Hartford ist unterdessen unhaltbar geworden. Weder die Weißen noch die Farbigen verzeihen ihm die Liaison, die nicht einmal eine war. Er bereitet deshalb seinen Umzug nach Baltimore vor. Cathy würde ihm gern folgen, doch Raymond sieht in ihrer Lage und zu ihrer Zeit nur in einem Sinn – im Verzicht.

Frank erleben wir ein letztes Mal, wie er Cathy den Termin beim Anwalt telefonisch durchgibt, im Schlafzimmerhintergrund der Neue. Frank hat sich stabilisiert, er ist der Krisengewinner – so wie Cathy die Verliererin.

Todd Haynes steht in der Nachfolge von Douglas Sirck und Rainer Werner Fassbinder. Er hat mit diesem Film von 2002 das US-Melodram der fünfziger Jahre zu mitreißendem neuen Leben erweckt. Sehenswert sind allein schon die Authentizität der Drehorte, die Stilsicherheit in allen Details der Ausstattung, die großen Leistungen der Schauspieler, die wunderbaren farbigen Bilder. Nicht zu vergessen Elmer Bernsteins herrliche Filmmusik. Die Vitalität von Stoff und Gestaltung hat ihren tieferen Grund jedoch in folgendem Zusammenhang: Mit dem Bewusstsein von heute wird hier die Zeit von damals wieder heraufbeschworen und zugleich wird klar dargestellt, was seinerzeit nur angedeutet werden durfte. Und siehe: Wir Menschen von heute sind in den Grundfragen unserer Existenz jenen von damals noch immer recht nahe - und eben beide: „Dem Himmel so fern“, so der deutsche Titel des Films.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Als Film-Nacherzählung ok, als Rezension schlecht. Weil: Der Nacherzählteil dominiert massiv, alles(!) Wertende und Einordnende wird in den letzten Absatz gepfercht.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

"Es ist alles schon mal gesagt. Nur noch nicht von jedem."
Nein im Ernst: Wenn der Film deiner Meinung nach wieder "ausgegraben" werden sollte, dann sprichst du ja Leute an, die ihn und die Kritiken ĂĽber ihn noch nicht/nicht mehr kennen. Da schadet eine Wertung und Einordnung nicht.
Und: Deine Meinung hat ja noch nie jemand geschrieben.
Und: Es kommt vor, dass eine Handlung (pur) so toll klingt, dass man den Film sehen/das Buch lesen "muss", oft ist es aber die Stimmung, der Eindruck, den man bekommt, was anlockt. In deiner Filmnacherzählung ist (leider, muss man mit Blick aufs Anlocken sagen) die Spannung rausgenommen, weil man die "Lösung" kennt und durch keien neue Spannung ersetzt worden. Irgendwas wie "Die wunderbare XY spielt die Hausfrau anrührend naiv" (dir fielen sicher deutlich weniger ausgelutschte Formulierungen ein) würde Lust darauif machen, den Schauspielern zuzusehen. Oder "Der Regisseur/Die Darsteller schafft/en es, die Vielschichtigkeit des Problems dazustellen". Oder "Die besondere Güte des Film liegt auch darin, dass Nebenfiguren nicht einfach Statisten sind, sondern die nahezu ganze Bandbreite gesellschaftlicher Reaktionen auf das Thema speigeln." Oder: "Auch wenn der Film exemplarisch für jene Jahre steht, findet man seine Themen auch heute noch oder besser: wieder um uns herumn vor." … na sowas eben, etwas, was mir nahelegt, den Film zu gucken, obwohl ich ja nun schon (dank dir) den Inhalt kenne.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 290
Kommentare: 1176
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Nochmals danke, Jon

Deine Reaktionen sind für mich sehr aufschlussreich. Zunächst fällt mir auf, dass du im ersten Kommentar geurteilt hast: "Als Film-Nacherzählung ok" - dass diese anfängliche positive Meinung nun aber stark relativiert wird. Ich will nicht unterstellen, dass die erste Beurteilung leichtfertig war. Vielleicht war es so: Der erste Eindruck hielt einer Überprüfung anhand sonst üblicher Kriterien nicht stand. Diese Kriterien sind jedoch genau das, was in der Masse der professionellen Filmkritiken gewöhnlich beachtet wird und was sie für mich so unbefriedigend macht. Daher würde ich den meisten deiner Abänderungsvorschläge nicht folgen wollen. Dies gilt insbesondere für die Spoilerächtung. Ich habe dazu eine abweichende Meinung, zu der es von mir im Internet einen Artikel "Bitte keine Spoiler" gibt, den ich demnächst auch hier einstellen werde.

Was den von dir beispielhaft empfohlenen Hinweis auf evtl. Parallelität damaliger mit heutiger Problematik angeht (vgl. deinen letzten Satz), so findet sich dieser Aspekt ja bereits bei mir, am Ende meines Textes.

Ich muss zugeben, dass ich bisher nicht ganz aufrichtig war. Tatsächlich hatte ich nach diesem Text selbst den Eindruck, nicht alles mir Wesentliche zum Film gesagt zu haben. Daher schrieb ich einen Zusatztext "Das Unbewusste im Film", er wird in Kürze auch hier veröffentlicht.

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Och, die Einschätzung "als Filmnacherzählung ok" ist nach wie vor meine Meinung. Als Wikipedia-Eintrag zum Beispiel fände ich das sehr gut. (
Meine Hinweise sind ja nur auf deine Absicht, den Film (wieder) ins Blickfeld zu rĂĽcken (was ja am ehesten heiĂźt, ihm Anschauer zu verschaffen) gemĂĽnzt.

Es gibt vier "Absichten", die man mit "sowas" verfolgen kann: Zuschauer anlocken (dann muss der Text neugierig machen = Filmtipp), den Film besprechen (also die eigentliche Rezension / es gibt in der Regel eine aktuellen Anlass), den Film sozusagen "nachschlagbar machen" (Stichwort: Lexikon-Text) oder ihn als Aufhänger für ein übergreifendes Thema verwenden.
Dein Text macht folgendes: Der erste Absatz nutzt als Einstieg den vierten Aspekt, macht dann ca zwei Drittel/drei Viertel des Textes lang "Lexikon" und packt in den letzten Absatz Lexikon (Einordnung von Todd Haynes – ist er eigentlich Produzent, Regisseur oder/und Autor? Das fehlt! / Einordnung des Film-Themas) und die Rezension ("toll gemacht"-Passagen) mit leichtem Schwenk zu "Filmtipp" (heute noch gültig).
Auf mich hat das folgende Wirkung: Ahja, es gibt diesen Film und darum gehts darin. Ich fĂĽhle mich damit ausreichend informiert. Ansehen muss ich ihn also nicht und fĂĽr "ansehen wollen" gab es nicht genug Anreize.

Das Spoiler-Problem zum Beispiel hängt auch sehr von der Absicht des Textes ab: Bei Filmtipps kann(!) "Lösung verraten" tödlich sein, bei Lexikoneinträgen und "der Film als Beispiel für ein anderes Thema" ist es umgekehrt.


__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 290
Kommentare: 1176
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Annäherung

Jon, was du jetzt schreibst, kann ich weitgehend nachvollziehen und auch akzeptieren. Wobei noch die Frage ist, ob ein passabler Text bezĂĽglich der "vier Absichten" nicht auch gemischt sein darf.

Interessant ist der Einwand, der Text informiere, mache aber nicht ausreichend neugierig auf baldigen Filmkonsum. Wohl wahr. Dazu ist zu sagen: Die Niederschrift erfolgte bald nach einer Sendung des Films in 3SAT. Es sollte also einen gewissen Kreis von Kennern schon gegeben haben. - Grundsätzlich stellt sich das Problem aus meiner Sicht jedoch so dar: Ein zufällig im Internet gelesener Text über einen nicht mehr neuen Film oder ein nicht gerade erst erschienenes Buch stellt nach meinen Beobachtungen ohnehin den Leser zumeist nicht vor die konkrete Alternative "jetzt ansehen / lesen oder nicht". Leser hat meist seine Zeit schon verplant und genügend andere Tipps im Kopf. Der neue Text hinterlässt jedoch (wenn überhaupt) eine Spur im Gehirn des Lesers, die später reaktiviert werden kann, etwa wenn Leser irgendwann in einem Geschäft oder im Internet stöbert und zufällig auf diese DVD, dieses Buch stößt oder ein konkretes TV- oder Kinoangebot vor sich hat. Die meisten Informationen des Textes sind ihm dann nicht mehr gegenwärtig, nur noch eine relativ vage positive oder negative Grundeinstellung. (Auch deshalb stellt sich das Spoilerproblem gar nicht in der allgemein behaupteten Schärfe.) Diese Bereitschaft, sich später zu öffnen, zu fördern, das ist mein Hauptanliegen.

Bearbeiten/Löschen    


5 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!