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Leselupe.de > Ungereimtes
Fashion Victim
Eingestellt am 29. 02. 2008 18:38


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Hella
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Registriert: Feb 2004

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Fashion Victim

Dies ist der Winter
in dem Kate Moss
den Olymp verlÀsst
wo the body
sich anverwandelt
zum rosa Flakon
wo Kate
olfaktorisch
zum 0815
verpufft
Dies ist der Winter
wo Dolce
& Gabbana
dem Himmel entsagen
wo geweihte Ware
per TV-Werbung
verblasst
Die Verlockungen
des Massenmarkts,
nicht wahr,
Dolce,
nicht wahr,
Gabbana?
Dies ist der Winter
wo H & M
an heidnischem Glanz
verliert
wo kein Weihnachtsgeld
gezahlt wird
wo der fromme
Konsument
eine Auszeit nimmt
wo er zu Prada
betet oder
Rapunzel
Doch auch dort nur
vagabundierendes Kapital und
kein Gott
weit und breit
keine Antwort
Zeit die Börsen
zu schließen
die Taschen
zu Hause
zu lassen
die SchrÀnke
zu leeren
sie zu fĂŒllen
mit barem
Leben.

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Pola Lilith
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

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Hallo, Hella

1
wo der fromme
Konsument
eine Auszeit nimmt

den nachfolgenden Zusammenhang verstehe ich nicht:

2
wo er zu Prada
betet oder
Rapunzel

Sind die Prada- oder Rapunzel-Konsumenten keine frommen Konsumenten?

Toll getroffen:

Doch auch dort nur
vagabundierendes Kapital und
kein Gott
weit und breit

Wenn Du noch ein bisserl von den Models weggegangen wĂ€rst und dies dafĂŒr durch noch mehr Kritik und reale Gegebenheiten ersetzt hĂ€ttest, hĂ€tte mir der Text außerordentlich gut gefallen.

Gruß, Pola

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Hella
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2004

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Hallo Pola,

vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast fĂŒr Fashion Victim. Mit dem frommen Konsumenten meine ich denjenigen Konsumenten, der sein Konsumieren auch als eine gesellschaftlich relevante Handlung begreift. Wenn H & M kein Weichnachtsgeld zahlt, pausiert er also mit dem Einkauf dort und wendet sich Firmen zu, die (zumindest vordergrĂŒndig) als integer gelten.

Das Model Kate Moss und die italienische Glamourfirma Dolce & Gabbana sind absichtlich gewĂ€hlt - fĂŒr den Versuch, die "Bilder" und "Mythen" (und beide Firmen haben meines Erachtens etwas sehr Mythisches) einer von Werbung getrĂ€nkten Gegenwartskultur fĂŒr Gedichte nutzbar zu machen.

Ich habe diesen Text absichtlich in die Leslupe reingestellt, um zu sehen, ob das fĂŒr andere funktionieren könnte. Dass es fĂŒr dich nicht oder nur begrenzt taugt, ist fĂŒr mich eine wertvolle RĂŒckmeldung!

Gruß, Hella

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Mich spricht es ganz & gar an.

Auch mich fasziniert die Scheinwelt der Mode ungemein, in der ein abgebrochener Fingernagel Weltuntergang, 500 g zusÀtzliches Lebendgewicht das Aus bedeuten können.

Dem stellst du Realien gegenĂŒber; lieblos zusammengeschusterte Klamotten, Arbeitslosigkeit, InflationĂ€res ... auch in der Konfrontation von mythenreicher (allein die Wörter: Dolce & Gabbana, seufz) und der eher nĂŒchternen Alltagssprache.

Das gefÀllt mir ausgezeichnet.

Liebe GrĂŒĂŸe
Heidrun

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Pola Lilith
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Hallo Hella,

vielleicht beiß ich mich auch zu fest; vielleicht versteh ich es jetzt endlich:

Du meinst also den kritischen Konsumenten, der, weil H & M kein Weihnachtsgeld zahlt (also "schlechte" Politik betreibt), sich dem verfĂŒhrerischen Modus von Prada oder Rapunzel hingibt - er gibt also seine Kritik, seinen Glauben, seine Frömmigkeit, teilweise auf, aber nicht ganz, er ist ja nur in einer Auszeit - er verfĂ€llt somit nicht dem allgemeinen, dumpfen Konsum, sondern ... Verflucht nochmal, ich versteh's nicht. Irgendetwas stimmt mit deiner Aussage des Integren nicht. Irgend etwas empfinde ich hier als nicht ganz wahr.

Vielleicht entdeckst du den Knochen, an dem ich gerade nage... - wenn ich dich nicht schon zu sehr nerve

besten Gruß, Pola

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Hella
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Hallo Pola,

nein, du nervst gar nicht, vielmehr freue ich mich, dass du dich so in den frommen Konsumenten verbeißt, was mich zum (lehrreichen) Überdenken zwingt. Aber in einem Satz kann ich die Frömmigkeit nicht erklĂ€ren, deshalb leider noch mal viele SĂ€tze:

Mit dem frommen Konsumenten meine ich den Konsumenten, der "gut" sein will (im Gegensatz zu einem als "heidnisch" gedachten Konsumenten, dem es total wurscht ist, wer sein Produkt unter welchen UmstÀnden produziert).

H&M ist fĂŒr den frommen Konsumenten ein heidnisches GeschĂ€ft, weil die Sachen so billig sind, dass es eigentlich gar nicht sein kann, dass die fair produziert werden. Der fromme Konsument möchte aber auf das coole ("Glanz") Angebot von H&M nicht verzichten und glaubt deswegen bequemerweise an den Verhaltenskodex, den H&M vor einigen Jahren als Maßgabe fĂŒr das eigene Handeln verabschiedet hat.

Wenn er aber erfĂ€hrt, dass die Angestellten einer H&M-Filiale streiken, weil sie kein Weihnachtsgeld kriegen, ist der Glanz weg und er geht nicht mehr bei H&M einkaufen (zumindest vorĂŒbergehend, bis er es verdrĂ€ngen konnte).

Rapunzel und Prada sind fĂŒr den frommen/moralischen Konsumenten SympathietrĂ€ger und höhere moralische Wesen (Rapunzel als Öko-Firma der ersten Stunde und Prada als das allseits bewunderte kreative Projekt einer Intellektuellen mit politischem Bewusstsein, von der er er einfach vermutet, dass sie sozialvertrĂ€glich produziert).

"Doch auch dort nur ..." entlarvt diese Vorstellungen des "frommen" Konsumenten als eine große Illusion, mit der er eigentlich nur sein schlechtes Gewissen beruhigen will, weil er sehr viele Dinge konsumiert, die er gar nicht braucht. Es gibt beim Konsumieren keine höhere Moral (= keinen Gott), auf jeden Fall nicht beim Konsumieren, wie es gut versorgte Menschen in den Wohlstandsgesellschaften (die meisten von uns) betreiben.

Schön, dass du mir die Gelegenheit gegeben hast, ein kleines Pamphlet zu schreiben :-)

Beim nĂ€chsten Dichten werde ich darauf achten, in der Aussage verstĂ€ndlicher zu werden, damit zehn erklĂ€rende SĂ€tze reichen wĂŒrden und es nicht fĂŒnfzig braucht!

Viele GrĂŒĂŸe,
Hella

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