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Leselupe.de > Kurzprosa
Fassaden
Eingestellt am 18. 05. 2005 11:20


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Black
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2004

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„Das sagst Du mir jetzt – in diesem Moment ?“ Carola griff in ihre Manteltasche und zog ein P├Ąckchen Zigaretten heraus. „Es ist Heiligabend, drinnen sitzen unsere Eltern und ...,“ sie z├Âgerte , „...meine Schwester.“
Das goldene Feuerzeug, ein Verlobungsgeschenk Patricks, flammte auf. Sie sog den Rauch zwischen zusammengebissenen Z├Ąhnen ein. Er stand nur da.
„Ich verstehe mich selbst nicht ! Warum ist mir das nicht aufgefallen ? Mir, die sonst in jedem Gesicht lesen kann? Seit zwei Monaten ! Nun, du wirst am besten wissen, welche Schwester dir liegt. Getestet hast du ja nun alle. Mich interessiert nur : welches waren deine Bewertungskriterien ? Vielleicht ein Punktesystem : Kochen, Bett, Repr├Ąsentanz ? Tja, da m├╝sste ich doch im Achter-Bereich gelegen haben – stimmts ? Aber was n├╝tzt das gegen eine Zehn, nicht wahr ?“
Sie schritt am wei├č-roten Absperrband der Dachterrasse entlang.
„Carola...“, setzte Patrick an.
„Oh, ich bitte dich, komm mir nicht mit ‚Carola’, sonst glaube ich, wir drehen hier einen schlechten Film.“ Ihr Blick schweifte ├╝ber die D├Ącher New Yorks, blieb am Chrysler Building h├Ąngen. „Soll ich dir was sagen, es ist mir schnuppe, was ihr in dieser Zeit alles abgezogen habt, wahrscheinlich hinter meinem R├╝cken noch gelacht ├╝ber eine solch super-ignorante Karrierefrau. Top im Job, aber privat nichts mitgekriegt, wie ?“ Der Nachthimmel spiegelte sich in den strahlenf├Ârmigen Fenstern.
„Carola, halt ! Unterbrich mich nicht. Ich weiss, es ist unfassbar, aber ob du es nun wahrhaben willst oder nicht : ich kann es selbst nicht glauben !“
Patrick sah auf und straffte seine Haltung. „Ich weiss, ich hab Mist gebaut, ich war wie im Rausch und du doch so oft nicht da. Keine Entschuldigung, klar. Trotzdem bin ich froh, dass wir genau jetzt genau hier stehen“, sein Arm beschrieb einen Halbkreis. „Ich will dich nicht verlieren. Du bist es, die ich will.


Bitte, h├Âr mich an. Katrin weiss ├╝ber meinen Entschluss Bescheid und sie akzeptiert ihn. Sie hatte sowieso vor, New York zu verlassen und versteht es auch, wenn du nicht mit ihr sprechen willst. In diesem Moment erh├Ąlt sie einen fingierten Anruf und verabschiedet sich ├╝berst├╝rzt von unseren Eltern. Es kann alles noch gut werden, wenn du es auch willst. Ich bereue meinen Fehler und bitte um eine letzte Chance.“
Sie drehte sich um und sah ihn direkt an.
„ Das ist nicht dein Ernst, oder ? Glaubst du, ich steh auf Second hand ?“ Ihre Zigarette stob in die Nacht.
Er zuckte bei den letzen beiden Worten zusammen. „Wenn es dich befreit, beschimpf mich ruhig. Es ├Ąndert nichts an meiner Bitte.“
Carola raffte den Schal enger um ihre Schultern.
„Hoffnung ist was Sch├Ânes“, h├Âhnte sie. „ Wie du sehr wohl wei├čt, kann ich einen solchen Fleck auf meiner Weste auch beruflich nicht verschmerzen. Sollte es hie-r├╝ber irgendwann Ger├╝chte geben, kann ich die Politik vergessen.“
„Die Politik. Das ist alles, woran du denkst ?“
„ Deine Priorit├Ąt sind wohl mehr fremde Kissen !“
„Carola, so kommen wir doch nicht weiter...“ Patrick blickte gen Himmel.
„Na und : wer will das schon ?“
„Was meinst du ?“
„Ich meine, zwischen uns ist alles gesagt. Ich werde den Verlust verschmerzen, im Grunde hast du mir nie was bedeutet. Das Image wahren, daran muss ich denken.
Sauberer Lebenslauf – in jeder Beziehung ! Im Grunde ist diese Farce hier nur die Kr├Ânung das Ganzen. Tagein, tagaus der Job. Zuhause deine Klagen, ich sei nie da. Hattest du eigentlich meine Augenringe bemerkt oder hattest du bereits andere Ringe im Kopf ?“
„Nun, bei deinem Arbeitspensum sind sie doch nur die logische Konsequenz.“
„Nat├╝rlich Patrick. Du siehst nur das, was du sehen willst.“ Die Aussicht ver-schwamm. Eine Pause trat ein.
„Ich bin im B├╝ro k├╝rzer getreten seit der Untersuchung bei Dr.Shaw.“


Ihre Stimme klang gepresst. „Ich wollte dich nicht belasten, deshalb wurden die Bestrahlungen nur abends vorgenommen. Aussichten : zweifelhaft.“
Patrick machte einen Schritt auf Carola zu, sie wich zur├╝ck. „Oh, nein. Mitleid ist nicht angebracht. Nach dem heutigen Abend umso weniger. Ich hatte vor, dir nach den Feiertagen alles zu erz├Ąhlen. Dass du mir auf andere Weise zuvor kommst, konnte ich ja nicht wissen.“
„Um Himmels Willen, warum hast du nichts gesagt ? Ich...ich h├Ątte dir geholfen, dich unterst├╝tzt. Mein Gott, Carola, warum hast du geschwiegen ?“ Er fasste mit Daumen und Mittelfinger seine Schl├Ąfen und sch├╝ttelte mechanisch den Kopf.
Sie l├Ąchelte nachdenklich : „Du wei├čt doch : die Harte. Immer einen Ausweg, immer eine L├Âsung parat. Nur daf├╝r nicht. Die Wahrheit ist : ich hatte Angst. Angst vor dem Ende, Angst, was du sagen...was du tun w├╝rdest.“
Sie blickte hinab. Die Fassade von Chrysler lag im Dunkeln.
„ Jetzt habe ich keine Angst mehr. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, das imposante Geb├Ąude gegen├╝ber zu besuchen, nach oben zu fahren und einen der Adler zu erklimmen. Das muss ich nun nicht mehr.“
Ihr Absatz glitt ├╝ber die Kante. Sie l├Ąchelte. Patrick sprang auf sie zu, die Finger gespreizt. Sie strichen hauchzart ├╝ber den Pelzbesatz ihres Kleides, dann war Carola verschwunden.






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herb
???
Registriert: Jul 2002

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Hallo Black,

die Story kommt fl├╝ssig daher, die Dialoge stimmen, der Herr, der die Schwestern testet, grins, wird entlarvt, das Bewertunssystem, welches Carola erw├Ąhnt, kommt mir vor wie ein ironischer Seitenhieb auf die Lupenbwertungsart, prima, denke ich, dann kommt pl├Âtzlich v├Âllig unpassend mit der zus├Ątzlichen ernsten Dramatik der Sprung vom Hochhaus. Schade!
Da ich nun auch norges Beitrag gelesen hatte, ist mir klar, eine Schreibaufgabe zerst├Ârte deine sch├Âne Geschichte.
Bitte schreib sie um.

Gru├č

herb
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hier Es gibt nichts Gutes, au├čer man tut es. K├Ąstner

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Black
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2004

Werke: 14
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Man bemerke das Wortspiel : Dein Kommentar ist aber herb ;-)

Ich selbst finde die Story sowieso nicht gut genug f├╝r die LL, sie ist auch mit Problemen ├╝berladen, die in dieser Anzahl hoffentlich kein Mensch hat. Und ich meine diejenigen vor dem Sprung.
Deine Kritik ist demnach berechtigt und konstruktiv - ich danke !
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Kjascar
???
Registriert: Jan 2006

Werke: 2
Kommentare: 15
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Ich finde die Geschichte hat echt gute Ans├Ątze, sie liest sich gut und am Anfang finde ich sie auch absolut realit├Ątsgetreu, was sie gerade interessant macht. Aber dass gerade an Weihnachten das grosse Gest├Ąndnis kommt finde ich ein wenig ├╝bertrieben und bisschen Klischee, auch die Entwicklung von Carola driftet am Ende ein bisschen ab, da sie sich von der sehr taffen Frau mit kleinen Schw├Ąchen und grossem Ehrgeiz zu schnell in die schwache, lebensm├╝de Kranke verwandelt. Aber ich glaube das es durchaus Potenzial in dieser Geschichte gibt.

gruss Kjascar
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Now all those simple things are simply too
complicated for my life

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