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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Fata Morgana
Eingestellt am 26. 12. 2001 14:51


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Tallit
Hobbydichter
Registriert: May 2001

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Wie ein grauer Schleier verdeckten die gro├čen Regentropfen das vergitterte Fenster. Es hing gut zwei Meter ├╝ber ihm, heute konnte er nicht einmal den Himmel sehen. Die schiefergrauen W├Ąnde um ihn herum waren be├Ąngstigend eng, als g├Ânnten sie ihm den letzte Atemzug nicht. Die Tropfen trommelten in immer gleichbleibenden Schl├Ągen, raubten ihm den Verstand, wiegten ihn in eine schaukelnde Gleichg├╝ltigkeit. Kein Licht, keine Luft. Durch die unbezogene Matratze kroch die K├Ąlte in seine Glieder, in seinen Fingern hatte er kein Gef├╝hl mehr, eine Starre hatte sie unbeweglich gemacht, sie ganz sich selbst ├╝berlassen. Bluteten sie? Weinten sie? Sie konnten es nicht, kein Wasser, keine Luft, kein Licht. Nicht einmal Leere.
Bist du traurig, Jerome? Du brauchst nicht. Du bist frei. Die W├╝ste liebt dich wie eine Mutter. Eure Seelen ber├╝hren sich, auch wenn die dicksten W├Ąnde sie trennen. Blutest du? Weinst du? Du brauchst nicht, sie tr├Âstet dich.

Hast du mich vergessen? Kennst du meine Sandwinde nicht mehr, meinen Mond? Klarer als irgendwo sonst scheint er hier. Ich liebe dich, vergiss das nicht. Ich kenne dich, du vergisst nicht. Sind deine Augen noch offen? Das brauchen sie nicht, du siehst mich nicht. Du f├╝hlst mich. Trocken und hei├č, wei├čt du noch? Schlie├če deine Augen, sofort, ich befehle es dir, schlie├če sie, du brauchst sie nicht mehr. F├╝hlst du noch dein Herz in deiner Brust? Klopft es? Du lebst, siehst du. Hab keine Angst. Der Tod ist mein Verb├╝ndeter. Wenn er dich auch holt, du wirst bei mir sein. Siehst du, auch mich halten alle f├╝r tot, du nicht, du kennst mich, wie ich dich kenne, ich lebe. Lache oder weine, es ist mir gleich, aber lebe. Das ist das einzige Gesetz, dem du gehorchen musst. Es ist das Gesetz der W├╝ste und der Freiheit, es ist ein Gesetz, das du selbst w├Ąhlen kannst. Gehorche ihm oder nicht, du entscheidest.

Er hatte die Augen geschlossen. Ich liebe dich, fl├╝sterte er, ich liebe dich auch, aber dieses eine mal bin ich alleine. Ich vermisse dich, ich sehne mich so nach dir, doch was diese Fata Morgana in mein Ohr haucht ist eine L├╝ge. Die Entscheidung haben sie mir l├Ąngst genommen. Ich werde dich nicht wiedersehen. Adieu, meine W├╝ste, ich werde dich nie vergessen. Du wei├čt, ich bleibe bei dir. Sie kennen mich nicht, sie wissen nicht, wer ich bin - ich bin du - eine L├╝ge. Adieu.




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kosta
Hobbydichter
Registriert: Nov 2001

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Deine Kurzgeschichte zeichnet sich durch eine gro├če Emotionalit├Ąt aus und hat eine sehr dichte Atmosph├Ąre. Nur weiter so, "Fata morgana" hat mir enorm gefallen!
__________________
Kosta

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Tallit
Hobbydichter
Registriert: May 2001

Werke: 39
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Vielen tausend Dank!
Ich glaube, jetzt habe ich noch viel mehr Freude am Schreiben!

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