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Leselupe.de > Gereimtes
Faust (11, 12)
Eingestellt am 25. 09. 2005 14:57


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Rolf-Peter Wille
???
Registriert: Apr 2002

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Eine Komödie von Rolf-Peter Wille in 22 Szenen

(Szenen 1-2)
(Szenen 3-4)
(Szenen 5-6)
(Szenen 7-8)
(Szenen 9-10)

(Szenen 11-12)


XI

Liederabend im Courtyard des Hotel Rococo: Faust und Meager Art auf der BĂĽhne




Erster Konzertbesucher.

Ist das der Faust dort am Klavier?

Zweiter Konzertbesucher.

Er ists.

Erster Konzertbesucher.

   Jaja, das dacht ich mir;
Das ist der Faust, den ich da seh…

Dritter Konzertbesucher.

Der Faust? Ist der nicht völlig kahl?

Zweiter Konzertbesucher.

Wohl ein Toupé?

Erster Konzertbesucher.

     Na hörn Sie mal.

Dritter Konzertbesucher.

Professor Faust? Ach was, ach geh…

Herr Ober, noch ein Rosentee!

Meager Art.

(singt)

"Mein Bleistift schrieb sich ein Gedicht.
Ich hätt’s nur dir gesandt.
Doch hatte er zu viel Gewicht
Und fiel mir aus der Hand.

Ja, noch singt sie in der Seele,
Webt den Sinn mit Fantasie,
Summt so lieblich in der Kehle,
Meine Bleistiftpoesie.

Ach, verklungen ist im Nu
Dieses niedliche Gedicht.
Bald, mein Liebchen, bist auch du
Nur ein dunkles Traumgesicht."

(Applaus)

--

Dritter Konzertbesucher.

Die Frau hat eine Stimme!

Zweiter Konzertbesucher.

      Hätt ich nicht gedacht.

Erster Konzertbesucher.

(wischt sich die Augen)

Bei Schubert kommen mir die Tränen.

Dritter Konzertbesucher.

Von wegen Schubert! Wie ich das versteh,
Hat dieses Lied der Faust gemacht;
Das wollt ich nur mal kurz erwähnen.

Zweiter Konzertbesucher.

Herr Ober, noch einmal Kaffee!

Meager Art.

(singt)

"Ich bin verliebt ins Leben.
Ich liebe immer neu.
Und wechseln auch die Liebchen,
Der Liebe bleib ich treu.

Ich liebte viele Mädchen
Mit Seele und mit Leib,
Und manchmal auch ein Knäbchen,
Und Männlein auch und Weib.

Ich bin verliebt ins Leben
Und lebe immer neu.
Muss auch mein Liebchen sterben,
Ich bleib dem Leben treu.

Drum musst du mir vergeben,
Wenn ich es nicht bereu.
Ich liebe nur das Leben.
Dem Leben bleib ich treu."

(Applaus)

--

Zweiter Konzertbesucher.

Mit Mädchen, Knaben, Mann und Maid?
Die Dame treibt es wohl mit allen.

Dritter Konzertbesucher.

Sie sang als Zeit: "Das Lied der Zeit"!

Erster Konzertbesucher.

Das war mir gar nicht aufgefallen…

Zweiter Konzertbesucher.

Ich hoff, sie singt jetzt etwas Flottes hier!

Erster Konzertbesucher.

Herr Ober, noch ein Weizenbier!

Meager Art.

(im scharf artikulierten Sprechgesang eines ironischen Kabarettstils)

"Es war einmal ein Dirigeur,
der wirkte affektiert
in Gestik, und auch von Couleur
ein wenig parfĂĽmiert.

Wenn er vor dem Orchester stand,
so war dies ein Malheur.
Es fuchtelte ihm seine Hand
herum wie ein Friseur.

Dann knetete er recht markant
die Luft wie ein Masseur
schnitt auch Grimassen, höchst pikant,
wie Pedro, der Dompteur.

Das Publikum, das war pikiert,
wenn er so dirigierte
und mit den Armen ungeniert
nur leere Luft polierte.

Er fand sich selber sehr galant,
fĂĽrwahr ein Grandseigneur,
verbeugte sich auch fein charmant
und dennoch mit Grandeur.

Doch leider schien der Intendant
von ihm nicht inspiriert
und hat den Guten kurzerhand
ein wenig liquidiert.

Nun steht er da am Strassenrand
noch stets der Dirigeur.
Denn seine parfĂĽmierte Hand
frisiert jetzt den Verkehr."

(grosser Applaus)

--

Zweiter Konzertbesucher.

Bravo! Das war toll! Encore!

Erster Konzertbesucher.

Was schreist du so! Mir platzt das Ohr.

Meager Art.

(spricht ins Mikrofon)

Wir danken unsern lieben Gästen!
Hier noch ein frecher kleiner Song.
Mit diesem leckeren Bonbon
Da gebe ich mich selbst zum Besten.

(starker Applaus; sie singt mit recht lasziver Stimme
in der Diktion und Gestik der Zwanziger Jahre)


"Mich kannst du dir nicht leisten.
Ich bin so rein, so rar.
Willst du dich auch erdreisten -
Ich bin zu wunderbar.

Mein Teint, der ist vom Feinsten,
So lieblich, hell und klar.
Doch du bist vom Gemeinsten,
Bist aller Reize bar.

Was willst du mich verleiten
Zu sĂĽndigem Altar
Mit deinen SchlĂĽpfrigkeiten,
Mein lästiger Barbar?

Bist einer jener feisten
VerfĂĽhrer, die fĂĽrwahr
Gar stets an mir entgleisten
In dieser trĂĽben Bar.

Doch lass die Sparsamkeiten.
Sei nobel wie ein Zar.
Dann lob ich dich Gescheiten.
Dann bin ich dein - in bar!"

(rauschender Beifall; Meager Art und Faust verbeugen sich oft)

--

Zweiter Konzertbesucher.

Famos. Ja wirklich, das ist wahr.

Erster Konzertbesucher.

Ich bin so ziemlich von den Socken!

Doch will ich hier nicht länger hocken.

Dritter Konzertbesucher.

Auf! Wir gehen in die Bar.




XII

In der Cocktail Bar des Hotel Rococo: Faust und Meager Art. Konzertbesucher.
Palmbiss. Der Agent Ron Seifert




Konzertbesucher.

Ich weiss nicht, wie ich’s sagen soll,
Das hatte Pfiff und viel Erotik.

Palmbiss.

O ja, Sie sangen wirklich toll!

Doch hatte das Szenarium
Bei uns im Tropicarium
Noch weitaus mehr Exotik.

Meager Art.

(stellt Ron Seifert vor)

Mein Kumpel hier, der kleine Ron.
Er ist Agent und Produzent auch von…

Seifert.

Ron Seifert.

Faust.

    Faust.

Seifert.

      Haha, das weiss ich!
Sie waren ja heut abend fleissig.
Warum denn keine Solonummer?

Meager Art.

Er spielte doch. Warst du im Schlummer?

Faust.

Ich habe heut ein wenig Schnupfen.

Meager Art.

Da wolln die Fingerchen nicht hupfen.

So ging es auch der scharfen Kristin,
Der weltbekannten Harfenistin:

Die fĂĽhlte sich recht widerlich,
  Erkältet und verschnupft.
  Drum hat sie im Konzerte sich
  Des öfteren verzupft.
Der Dirigent, der hat jedoch
  Mit seinem Stock geklopft,
  Gesagt, dass er dann später noch
  ein HĂĽhnchen mit ihr rrropft.

Faust.

Ach geh, was will der Mann von ihr?
  Sie hat doch nichts verzapft!
  Er ist gewiss kein Kavalier,
  Wenn er da vorn so klapft.

Meager Art.

Drum kneifen heute ihre scharfen
Gespitzten Fingerenden
Nicht die Harfen
Sondern feiste Dirigenten.

(kneift Faust)

Faust.

Au au! Ich bin kein Dirigeur!

Doch neulich hatt’ ich ein Malheur:

Ich spielte da mit Schnupfen auf der BĂĽhne.
  Die Finger glitten auf der Tastatur
  So sanft behände in Chopins Des Dur.
  Da kitzelt mich der Schleim, der ekle grĂĽne.

Meager Art.

Okay, das reicht. Wer hört sich denn das an?

Seifert.

Ojemine! Und wie ging’s weiter dann?

Faust.

Schon spĂĽr ich Feuchtes aus der Nase sinken.
  Nur Mut. Ein Virtuose braucht Courage!
  Ich klimpre, mano destra, die Passage
  Und schneuze mich gar zierlich mit der Linken.

Palmbiss.

Im Ernst? Sie sind ein toller Virtuose!

Meager Art.

Ach Quatsch! Erfunden ist die ganze Chose.

Faust.

Ich spiele fort. Jedoch die Finger ziehen
  In leicht verwischte, schmierig eklatante
  Und immer schlĂĽpfrigere Harmonien.
So end ich meinen Vortrag höchst galante,
  Gescheitert an des Schleimes Ironien,
  Hatschi … alla maniera dissonante.

Meager Art.

Gesundheit!

Seifert.

    Mensch, Sie sind ein Meister:
Horch, der Faust spielt immer dreister.
Mit der Nase, mit den Pfoten.

Meager Art.

Schau, die fuchteln wie Idioten.

Und unter dem Piano
Klebt stinkender Guano
Von all den falschen Noten.

Palmbiss.

Das ist doch nicht verboten!

Kulturgenuss mit Sahne:
Musik und Pelikane…,
Ich glaub, ich bin von Sinnen.

Es gibt ein Aviarium
Bei uns im Tropicarium…

Meager Art.

Warum nicht Vogelspinnen?

Faust.

Sieh, da krabbelt schon die eine
Hier auf deinem nackten Beine.
Und jetzt huscht sie durch die TĂĽr.

Konzertbesucher.

Spielen Spinnen auch Klavier?
Oder sind es etwa Ratten?

Seifert.

Wabernd lauert dĂĽstrer Schatten
Von behaartem Ungetier.

Faust.

Ei wie krabbeln da die Glieder
  Grässlich auf der Tastatur.
  Lausch nur, welch perfide Lieder
  Spinnen sich in Fisis Dur!
Wie ein Schädel auf acht Beinen
  Wiegt es, wippt es, ohne Rasten.
  Und das Scheusal lässt die Tasten
  HĂĽpfen, quietschen, tanzen, weinen.

Seifert.

Horch, des nachts der leise Klang -
Kommt es nicht von dem Klaviere?

Konzertbesucher.

  Geister machen mich nicht bang!
  Doch dies sind Gespenstertiere!

Faust.

MĂĽde schlĂĽrfe ich mein Bier.
  Und es klimpert das Klavier
  Noch im trĂĽben Hinterzimmer.
  Ăśben, ĂĽben kann ich nimmer.

Palmbiss.

Am Klavier ein Riesenkrake…

Seifert.

…oder eine Kakerlake.

Faust.

Kakerlaken, KĂĽchenschaben
Huschen eilig, springen, traben,
Auf den Saiten, ĂĽber Tasten
Rein in den Pianokasten.

Konzertbesucher.

Tanzen nach der alten Weise
Pianissimo ganz leise…

Meager Art.

Doch ich setze ein sforzando
Schlag den schönen Tanz entzwei.
Und die Schaben - im smorzando -
Werden Kakerlakenbrei.

Faust.

Pfui Schabe!

Seifert.

     Prost.

Faust.

       O weh, mein RĂĽcken!

Meager Art.

Pass nur auf; das sind die MĂĽcken.

Faust.

Hier hocke ich und üb’ Klavier.
  Es drohen MĂĽckenstiche.
  Wie komm ich bloss dem bösen Tier
  Am schnellsten auf die Schliche?
Hei nun! Mit virtuosem Fleiss
  Spiel ich die Lisztschen StĂĽcke.
  Da rutscht sie aus auf meinem Schweiss,
  Die ahnungslose MĂĽcke.

Seifert.

Jetzt darf der brave Pianist
  Recht ungestört malochen.
  Er bleibt bei seiner Lisztschen List
  Verschwitzt - doch unbestochen!

Palmbiss.

Bestochen…, ah, gleich doppelt witzig!

Jetzt muss ich aber langsam gehn.
Ein netter Abend, und so spritzig;
Zwei Uhr…, mein Gott! Auf Wiedersehn!

(erhebt sich)

Konzertbesucher.

Dann reiss’ auch ich mich jetzt vom Hocker.
Ein toller Abend, und so locker!

(Palmbiss und Konzertbesucher schütteln alle Hände und gehen)

Seifert.

(redet etwas leiser)

Ihr bleibt noch! Soll’n wir weiterdichten?

Meager Art.

Was schmiedest du fĂĽr ein Komplott?

Seifert.

Ich wĂĽrde Euch recht gern verpflichten
Zu einem kleinen Werbespot.

Faust.

Uns beide?

Seifert.

     Klar. Sie können singen
Und spielen. Und vor allen Dingen:

(hält den Zeigefinger vor seinen Mund)

Faust.

Wer gab den Auftrag?

Seifert.

       Nur nicht lachen.
Das Kunst Casino Saloviç…

Meager Art.

Oh jeh, ein echter Nobelkitsch!
Ist das nicht eine Schnapsidee?

Seifert.

Doch hoffe ich, Ihr werdet’s machen.

Vor allem stimmt auch das Budget…

(reibt Daumen an Zeige- und Mittelfinger)



[Fortsetzung folgt]

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