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Leselupe.de > Gereimtes
Faust (3, 4)
Eingestellt am 22. 08. 2005 09:09


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Rolf-Peter Wille
???
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Eine Komödie von Rolf-Peter Wille in 22 Szenen

(Szenen 1-2)

(Szenen 3-4)


III

Fausts Computerzimmer




Faust.

(kommt zur TĂŒr herein)

Vorbei; mit mir ists aus. Ich hab ‘nen Klaps.
‘nen leichten nicht; doch einen saftigen!
Ich sah am Strand schon den Leibhaftigen.
Das kommt davon. Der Geist ersÀuft im Schnaps.

(blickt in einen Wandspiegel)

Himmel! Dieser alte Knacker!

(weicht zurĂŒck)

Ein Gespenst vom Totenacker


Stimme aus dem Spiegel.

Ich bin die Patina, die gierig graue.
  Zu grau, zu alt; ich weiss, Du liebst mich nicht.
  Ich klebe dreist als widerliche Schicht
  Auf Deinem Leben, bis ich Dich verdaue.
Ich lege mich wie Staub auf Deine Lenden,
  Zerfresse Dir das LĂ€cheln im Gesicht.
  Im Traume noch da schmirgelt meine Gicht
  An Deinen FĂŒssen und an Deinen HĂ€nden.

Faust.

Jedoch die Poesie in meinem Geist
  Die ist abstrakt. Wie kannst du sie verderben?
  Die kĂ€mpft noch kĂŒhn mit starkem Regiment.

S t i m m e.

Ach warte nur. Bald ist auch sie vergreist.
  Denn stĂ€rker ist die Poesie vom Sterben,
  Die Poesie im Staub
, im Sediment


Faust.

(wĂŒhlt in Akten auf dem Schreibtisch)

Mein dichterisches Testament.

Hier seh ich auch schon meine Erben -
Zwei kleine halbzerquetschte Motten


(setzt sich an den Schreibtisch)

Was nĂŒtzt es mir? Mein blödes Spotten!

(zĂŒndet sich eine Zigarette an)

Sonette schrieb ich einst und manch Gedichte.
  Nun bin ich satt und stille, dunkel, stumm.
  Im Moll verglimmt mein matter Wille. - Dumm
  Bin ich nicht, doch dumpf sind die Gesichte.
Wie leicht flog mir die Feder in der Jugend!
  Ich war so geistreich, heiter, elegant,
  So witzig, spritzig und gescheit. Bekannt
  Und doch galant; man liebte meine Tugend.
Im Groll und doch in kalter Ironie
  Zieh ich verbittert an der Zigarette.
  Erwacht sie noch, die ruinierte StĂ€rke?
Ach, ich verlach die alte Poesie!
  Wer liest sie noch, die publizierten Werke,
  Die lieben, die verwitterten Sonette?

(schaltet Computer an)

Zum Teufel! Nein, ich bin kein Dichter.
Doch schreiben kann ich allemal
Als Kritiker, als weiser Richter.

Nicht ich - die andern sind banal.

(stöbert in einem Forum)

Stimme aus dem Computer.

Dem KritikĂłs, dem willst Du dienen? Stille!
  Denn hier betrittst Du seinen hehren Tempel.
  Nicht mit der Feder sondern mit dem Stempel
  Sollst Du beten. Dieses ist sein Wille.
Sonette willst Du dichten? KĂŒnstlergrille!
  Dem Gotte schmeckt er nicht, Dein leerer Krempel.
  VerkĂŒnde als didaktisches Exempel
  Uns die Kritik der dichterischen Stille.
Nun lÀchelt er sein sanftes MarmorlÀcheln,
  Ein wenig kritisch, aber sĂŒffisant.
  Du bist gewaschen jetzt, ein alter Hase.
Vergiss nicht manchmal kĂŒhlen Wind zu fĂ€cheln
  Von Aristoteles und auch von Kant:
  Die DĂŒfte schmeicheln seiner kalten Nase.

Faust.

Doch bleib ich lieber anonym.
Nein. "Faust" sei nicht mein Name.
Ich wÀhle mir ein Pseudonym:
Sevërus der Infame!

(singt)

Sevërus war nie ein Politiker.
Er war nicht charmant. Er war Kritiker.
  Er trug eine Brille.
  Es ward auch sein Wille
Stets strenger, stets strikter, stets strittiger.

Wenngleich auch als Mensch reserviert
Als Kritiker schien er versiert.
  Da wurde ein jeder
  Mit giftiger Feder
Nach Strich und nach Faden blamiert.

Die Dichter und ihre Penaten
Die waren verkauft und verraten.
  SevĂ«rus bewarf
  Sie je nach Bedarf
Mit faulen verbalen Tomaten.

Bei einem nur kennt er kein Nein.
Wer ist denn so sauber und rein?
  Wer kann sich erwehren
  Der kritischen Lehren?
Man fragt sich, wer mag das bloss sein?

Nur einer ist himmlisch und fein
Und trÀgt einen Heiligenschein.
  Den soll man verĂ«hren,
  Den einzigen hĂ«hren
Versierten Sevërus allein.

(es klingelt)

Verdammt
, wer wagts? Wer hat geklingelt?
Der Teufel hat mich schon umzingelt!

(geht zur TĂŒr)

Wer da?

Meager Art.

   Ich bin’s.

Faust.

      Das klingt apart


(öffnet die TĂŒr)

Ach so. Mein FrÀulein Meager Art.

Meager Art.

(tritt ein und betrachtet sich im Wandspiegel)

Ich hörte lustigen Gesang.

Faust.

Ach was. Doch nicht im Treppengang?

Meager Art.

Doch, doch! Die Stimme klang recht faustisch.

Faust.

(lacht)


so jung, so zart und schon so kaustisch?

(geht zum Klavier)

Auf auf! Zeig mir die ZĂ€hne.
Andiam, andiam, mio bene.

Meager Art.

(setzt sich ans Klavier)

Nun ja. Ich war beschÀftigt diese Woche.

Faust.

Du pfeifst doch immer auf dem letzten Loche.

Meager Art.

Okay. Ich hoffe, dass ich Sie erheitere


(ĂŒbt Tonleitern)

Faust.

Was soll denn dieses Tongeleitere?

Erheitrung nennst du das! Doch ich erzĂŒrne -
Spiel mir die zwei Chopin Nocturne.

Meager Art.

(spielt ein Chopin Nocturne)

Faust.

Ojemine! Warum so trocken?
Von Chopin scheinbar keinen Schimmer!
Wen will der arme Freier locken
Mit diesem schÀbigen Gewimmer?

(stellt sich in Positur)

Du stehst, ein wenig traurig, mit der Laute
  An einer kalten Mauer in der Nacht.
  Dort, heimlich an dem Fenster, lauscht die Traute.
  Dein Liebchen ist durch holden Klang erwacht.

(zupft eine unsichtbare Laute)

Und so entschwebet die Passage,
  Die Klage dieser wonnig sĂŒssen Terzen
  Von unten bis hinauf zur Bel-Etage


Meager Art.

(kichert)


und ach, das Liebchen treibt es dort mit Kerzen.

Faust.

Ja typisch! Keinen Sinn fĂŒr Poesie!
Nur blöde Witze und dann hi-hi-hi.
Die SchĂŒler werden immer dreister


Meager Art.

Doch sage mir, verehrter Meister,
Wie ĂŒbe ich cantabile?

Faust.

(setzt sich neben Meager Art)

Legato! Und amabile.

Beim Anschlag - oder touch - da mĂŒssen
Die Finger jede Taste kĂŒssen.

(spielt)

Und lasse sanft die HĂ€nde schreiten
  In jenes tiefe Tal der Zeit,
  Durch das Erinnerungen gleiten
  In lauschender Versunkenheit.
Oh lass sie gleiten auf den Wegen
  Der Fantasie von Freud und Leid,
  Wo wundersame BlĂŒten wogen
  In sĂŒchtiger Betrunkenheit.
So lass sie gleiten, wogen, schreiten,
  Sie halten nicht den Schritt der Zeit!
  Doch sĂŒsser mögen sie begleiten
  Verklingende Unendlichkeit.

Meager Art.

Ich bin verzĂŒckt, mein Faust. Ich trĂ€ume –

Faust.

  Horch, als Wachende versĂ€ume
  Nicht, das Fliegen zu erlernen!

  Auf! Flieg davon, flieg in den fernen ~
Den fernen Tanz der Suiten, der Couranten,
  Der stolzen Polonaisen, auch galanten
  Recht spielerischen Minuette.

  Auf! Lass sie tanzen als adrette
Gewandte Rokoko Manieren:
  Gar flink verzieren Deine Finger
  Im Jeu PerlĂ© all die Mordente,
  Passagen, Teufelstriller, Ornamente.
Die Praller, Preller, Schnalzer, Schneller
  Spiel voller, flinker, prĂ€chtig, heller!
  Spring in die Welt, eins, zwei, drei, vier.
  Sei unbesorgt. Wir folgen Dir.

Meager Art.

O bravo, Faust! Das war rasant!
So con bravura und markant.

(ergreift die Hand von Faust)

Doch deine Finger sind ein wenig krustig.

Faust.

Das findest du wohl ziemlich lustig?

Meager Art.

Und deine Nase
, wie grotesk!
Wohl gar ein wenig chopinesk.
Das ist ein adliges Profil -

Faust.

Du spinnst! Ich bin schon ein Fossil.
Chopin starb doch mit neununddreissig.

Meager Art.

Und du bist neunzig - ja, das weiss ich.
He, Alter! Kannst du mich verstehen?

Faust.

(lacht)

Hast du sein Foto nie gesehen?
So krank, so melancholisch trĂŒb -
Vergilbt ist die Daguerreotype.

(geht zum Computer)

Ich werde dir - es kann nicht schaden -
Das Bild mal schnell herunterladen.

Meager Art.

(folgt Faust zum Computer)

Und auch ein Bild von dir mit zwanzig.
Heut wirkst du schon ein wenig ranzig.

(legt ihre Hand auf Fausts Schulter)

Faust.

Respekt, mein FrÀulein Meager Art!

Meager Art.

- und deine Ohren sind behaart -

(es klingelt)

Faust.

Schon wieder! Na, wer mag das sein?

Meager Art.

Das ist mein liebes VĂ€terlein.
Er ist’s! Ach Faust, was wolln wir wetten?

Faust.

Ich hoff, er kann mich vor dir retten!

(öffnet die TĂŒr; Mephisto steht draussen)

Ich werd verrĂŒckt! Der ist dein Vater?

Meager Art.

Was machst du denn fĂŒr ein Theater?

Hallo PapĂĄ, du bist charmant!

Mephisto.

Herr Faust. Wir trafen uns am Strand.
Mein Töchterlein ist doch nicht faul?

Faust.

O nein. Sie hat ein freches Maul.

Meager Art.

Der alte Knacker ist gemein.
Er kann nur immer giftig sein.

Mephisto.

(lacht)

Mein braves Kind! Du bist so ganz der Vater!

Faust.

Leibhaftig. Nur ein wenig delikater.

Mephisto.

Doch hör mein Kind, du gehst nun besser
Allein nach Haus - und ohne Zaudern.
Es möchten wohl der Herr Professor
Und ich zu gern ein wenig plaudern.

Meager Art.

Adieu mein Faust, du kleiner kesser;
Und trĂ€ume sĂŒss, der Herr Professor.

(geht)



IV

Im Golden Age Internet Café: Faust und Mephisto am Tisch. Computer. Jazz



Mephisto.

(gestikuliert mit Zigarillo in der Hand)

Kaffee, Latte, Macchiato -
  Alles was dein Herz begehrt!
  Ist das TĂ€sschen schon geleert?
  Nimm Espresso mit Gelato
  Und im Presto con Vibrato
  Hat der Witz sich wild vermehrt.
Schwarzer Mokka, Capuccino,
  SchlĂŒrft sich lecker engagiert.
  Mensch, was bin ich inspiriert!
  Nebenbei am Pianino
  Klimpert munter ein Latino
  Leicht beswingt und melodiert.
Noch ein Kaffee, doch con pane,
  Sei dir hier, mein Freund, serviert.
  Aber bitte nicht geniert!
  Und im Nu, wie die Vulkane,
  Hast du heisse und spontane
  Prachtgedichte produziert.

Faust.

Ja, konstruiert wÀr auch das rechte Wort.
Seit zwanzig oder dreissig Jahren,
Da konstruiere ich in einem fort
Und ziehe alles an den Haaren ~
Herbei. Und bin doch selber schon mit Glatze.

Mephisto.

Man höre nur, was er da wieder schwatze.
Was störts den Leser, ob es konstruiert,
So lang er sich daran ergetze?

Faust.

Ja freilich. Du bist raffiniert.
Doch letzten Endes ist das nur GeschwÀtze!

Verleimt ist alles, was ich leiste.
Es fehlt der Blitz in meinem Geiste.

Mephisto.

Man warte weiter auf den Blitz
Und starr auf leere BlÀtter.
Hat er denn nicht von selbst schon Witz?
Er braucht ein Donnerwetter.

Faust.

Soll ich den Leser amĂŒsiern
Und nur noch seichten Witz serviern?

Mephisto.

(leiert ironisch)

Schreib nicht fĂŒr den seichten Leser.
Dieser liebt nur lasche SprĂŒche,
  Leere Phrasen,
  Seifenblasen,
  Bunte GlĂ€ser,
  WohlgerĂŒche.
Koch nicht fĂŒr den Anspruchslosen.
  Der liebt nur die fade KĂŒche,
  Kalte Hasen,
  Wasserblasen,
  Cola-Dosen,
  BibelsprĂŒche.
Glaubst du, nur das Originelle
  Sei aus ganzem Holz geschnitzt?
  Wer da kleistert,
  Meistre nicht,
  Und wer nicht gehörig schwitzt,
  Sei ein seichterer Geselle?

Faust.

Ja, du kannst das auf die Schnelle,
Du mit deiner HexenkĂŒche.
Die begeistert!

Doch bei mir gehts in die BrĂŒche.
Alles ist so schrecklich lose
Und der Rest geht in die Hose.

Mephisto.

Da haben wirs. Er will nichts wagen
Und hockt so stumpf und deprimiert.
Er brĂ€uchte doch nur tĂŒchtig dreinzuschlagen.

(zu einem unsichtbaren Kellner)

Herr Ober, ein Depresso; es pressiert!

(zu Faust)

Es labt sich stets am Sentiment
  Nur der, der sich nicht selbst erkennt.
Ein wahrer Mann, wer mit Genuss
  Haut einmal drauf und damit Schluss.

Faust.

Mein Gott. Wie bist du so subtil.
Sechs Tassen Mokka sind zuviel.

Mephisto.

Lass mir den Herrgott aus dem Spiel
Und spar uns deinen eitlen Neid.

Mein lieber Faust, wÀrst du bereit,
So wollten wir zusammen kochen.

Faust.

Du meinst, ich kÀm zu dir gekrochen
Wie ein verwundetes Genie?
Da lockst du sicher weiche Nieten
Mit deiner Machotherapie.

Hast du nichts Bessres anzubieten?

Mephisto.

Wohl hÀtten wir, wÀr es erlaubt,
Euch was Pikantes anzubieten


Doch schimpft ihr auf die weichen Nieten,
Scheint auch mein Angebot verstaubt.

Faust.

Heraus damit.

Mephisto.

    Ich fĂ€nds humorig,
Wir lehrten euch die Metaphorik.

Faust.

MephĂ­stophorik soll es sein!

Mephisto.

O nein, mein lieber Faust. O nein.

Wo schÀumt das Leben im Erschaffer?
  Was trĂ€umt sein Wesen? Die Metapher.
Wo sich die Kritiker verkrachen
  Und alles hĂŒbsch in StĂŒckchen schneiden,
  Wo hunderttausend Teufel lachen,
  Wenn Seelen sich von Körpern scheiden,
  Und Körper andere vernichten,
  Wird die Metapher uns verdichten.

Wo Ungeist die Begriffe drechselt,
Da wolln wir in den Himmel bauen.

Faust.

Der Worte sind genug gewechselt.
Lass mich nun auch Metaphern schauen!

Lass sich die Kritiker entzwein,
  Den Ungeist mit sich selbst bekriegen.
  Mein Geist soll wie ein Vögelein
  In fernen, blauen Himmel fliegen.

Mephisto.

(lacht)

Da willst du nun Metaphern schaun –
Entsinnst sie ja schon selber
Vom Geist im Himmel, einem blau’n;
Warum denn nicht ein gelber?

Servier uns keine Vögelein
Hier auf den Kaffeetisch.
Horch, willst du wirklich glĂŒcklich sein,
So flieg doch wie ein Fisch.

Faust.

"As happy as a flying fish."
Das klingt originell!
Was bist du doch so teufelisch
Luzide, schlau und hell!

Mephisto.

Ich danke schön fĂŒrs Kompliment.
Man wÀhnt mich zwar perfide,
Doch war stets das Luzide
Mein eigentliches Element.

Faust.

So hoffe ich, dein Glitzern malt
Mir Helles ins Gesicht.
Da wo der Luzifer erstrahlt,
Schein auch dem Faust das Licht.

Mephisto soll mich inspirieren!

Mephisto.

Ach geh. Ich war ja nur am Konstruieren.

Von deinem öden Himmelsdreck
Nahm ich ein Vögelchen hinweg.
Vertauschte es ganz frank und frisch
Mit einem kleinen, frechen Fisch.
Dort fliegt er kĂŒhn mit Gruss und Kuss
Ins Himmelreich - dein Pegasus.

Faust.

Verdammter Hund! Welch Teufelei.
Das ist Metaphernkleisterei!

Mephisto.

In altes Holz schnitz dich hinein,
  Beschneid die morschen Äste.
  Und pfropfe fremde Zweigelein
  Nur immer forsch und feste.

Vertraue dir, wenn du es selbst erprobst.
Dann blĂŒht auch dir gewiss das frische Obst.

(Faust lacht)

Verzeiht, ich meinte wohl die frischen BlĂŒten.
Es fĂ€llt das Obst von selber in die TĂŒten.

Faust.

So brauche ich die Eier nicht zu brĂŒten?

Ich döse im Schlaraffenland
So vor mich hin. Mit schlaffer Hand
Schreibt sich der Vers alleine
  Und trĂ€umet sich recht nonchalant
  In einen Heinrich Heine.

Mephisto.

Von wegen! Nein, so meint ichs nicht.
Matratzen tun dir weh.
So gings ja auch dem Heinerich,
Der war mein Protegé.

Such lieber schnell im Internet
Die altbewĂ€hrten SprĂŒche.
Verbrate sie, mit etwas Fett,
In deiner DichterkĂŒche.
Vermische dann im ABC
Metapher, Meme und Klischee.

Auf! Beginne prompt dein Schaffen.
Nimm dir hier beim A den Affen:

Affen machen meist Theater.
  Affenlyrik machst du draus.
  Und erscheint der Heilge Vater,
  Schauts nach Affendrama aus.
Tempo, tempo Affenzahn!
  Zahnrad flitzt noch toller.
  Mit dem Affenzahnrad, Mann,
  Kriegst’nen Tropenkoller.
Sind die Tropen dir zu bunt
  Krieg polare Koller.
  Tropenecken werden rund,
  Rundensteher voller.

Du fÀllst stets auf deine Nase.
  WĂ€re es nicht wunderlich,
  LĂ€gest du im grĂŒnen Grase
  Und die Nase fiel auf dich?
Kann es dir nicht taugen,
  Du fielest auf die Augen?

Deine Seele klingt befreit,
  Wenn sie aus dem Leib sich schreit.
Kann sie sich nicht lĂŒstern
  Aus dem Leibe flĂŒstern?

Du kommst immer auf den Hund.
  Komm mal auf die Katze!
  Kernkrank bist du. Doch gesund
  Lacht die Götterfratze.

(Faust lacht)



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annes
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Hallo,

ich finde deiner Idee mit einem weiterem Faust sehr langweilig, denn diese Adaption kann keinen AnsprĂŒchen gerecht werden. Besonders, weil du dich auch noch am Reim versuchst. Die Reime jedoch sind ziemlich platt. Auch die Gedanken, das steht alles schon bei Goethe und den in die Gegenwart zu transportieren, das ist aufgabe der regisseure. als schreiber solltest du nach neuem suchen. außerdem denke ich wie gesagt, dass du mindestens den reim weglassen solltest und eine neue form suchen, denn sonst bist du schon in der Formsache der Idee nicht gewachsen. Wer soll dein StĂŒck spielen? Wer will das sehen? Sollte das nicht auch die Frage eines Dramatiker sein?? Auch die Ironisierung steckt ĂŒbrigens schon im Goethe.

Gruß,
anne

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fatamorgana
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langweilig?
na wie gut dass ich das original nicht kenne

reime finde ich erfrischend
gerade heute wo der mainstream eher seimt als reimt

quote:
Schreib nicht fĂŒr den seichten Leser.
Dieser liebt nur lasche SprĂŒche,



weiß nicht ob hier der konjunktiv echt hingehört:
quote:
Man höre nur, was er da wieder schwatze.
Was störts den Leser, ob es konstruiert,
So lang er sich daran ergetze?

und was ist meme?

von mir kriegste wieder 10
(allerdings nur anonym)

morgana
*pl°p*




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Rolf-Peter Wille
???
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Hallo annes,

danke fuer's Lesen und die Kommentare. Die Idee selbst, einen Faust zu schreiben, wuerde ich nicht verwerfen (die Qualitaet kann man natuerlich immer verurteilen). Es gaebe viele Moeglichkeiten hier. Es koennte eine Neufassung der alten Volkssage sein, oder eine Parodie, oder eine Satire, oder eine Verfremdung eines frueheren "Faust" Werkes. Und da gibt's dann eine ziemliche Auswahl: vor Goethe haben schon einige Schriftsteller den Fauststoff benutzt, dann Goethe natuerlich, Byron (im "Manfred"), Lenau als Versdrama oder Versepos, Liszt und Busoni als Sinfonie, Thomas Mann als Roman, Murnau als Film, etc. Alle diese Werke sind sehr unterschiedlich und alle haben sicher ihre Berechtigung. Ich sehe nicht, wieso es nicht weitere "Faust" Werke geben kann. Aber, wie gesagt, dies bezieht sich nur auf die Idee an sich und nicht auf die Art oder Qualitaet der Ausfuehrung.

Auch Reim an sich wuerde ich nicht verurteilen (...es gibt natuerlich gute und schlechte). Wenn dich Reim langweilt, kann man natuerlich nichts dagegen sagen. Fuer mich ist der Reim ein Analog der musikalischen Kadenz. Er schafft das Periodische, ordnet das Metrum. Mir ist bewusst, dass dies stilisiert wirkt, und deshalb wuerde ich Reim nicht unbedingt in einer Tragoedie verwenden. Man spricht im taeglichen Leben natuerlich auch nicht so, aber das ist nun einmal Fiktion, die eher eigenen kompositorischen Antrieben folgt, so, wie man ja auch anders tanzt als geht.

Dein letzter Einwand, "wer soll das Stueck spielen?", ist berechtigt. Allerdings gibt's auch Stuecke zum Lesen. So ist Lenaus Faust eigentlich nie wirklich gespielt worden (er ist es, aber gescheitert), und selbst bei Goethes Faust, besonders "der Tragoedie zweiter Teil", bin ich mir nicht so sicher, ob er da wirklich an eine Auffuehrung gedacht hat. Es gibt ja auch keine Akte und kein Personenverzeichnis.

Gruss,
Rolf-Peter

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Rolf-Peter Wille
???
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Hallo morgana,

hab Dank fuer deine Ausdauer und Treue (...es gibt aber noch 18 Szenen )

Mit dem Konjunktiv habest du sicher Recht..., ich haette auch..., waere nicht...

"Meme" ist sowas wie ein "sound bite" oder vielleicht "Slogan". Die Idee kommt von dem Gen Spezialisten Richard Dawkins ("The Selfish Gene"). Das Wort ist ein Portmanteau (Zusammensetzung) von "memory" und "gene". Meme waere also das sprachliche Analog zum Gen, eine Wortgruppe, die sich durch metaphorische oder klangliche Kraft fortpflanzt (den menschlichen Ungeist als Aether benutzend) und am Leben erhaelt. "War on Terror" ist z.B. so eine moderne Meme, aber natuerlich auch Saddams "the mother of all xyz". Die Fortpflanzung, Mutation, Verbesserung, Aussterben solcher Memen wird oft mit der Darwinschen Evolutionstheorie verglichen, und es gibt sogar eine Forschung, die sich "memetics" nennt. Dass Mephisto dahintersteckt, liegt eigentlich auf der Hand...

Liebe Gruesse,
RP

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fatamorgana
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soso meme sind also worte die sich fortpflanzen
sozusagen wortpflanzen

dichter sind dann wohl wortpflanzer

wir wolln ein wort pflanzen
das wird sich fort pflanzen
und von uns fort tanzen



grĂŒssli
morgana
*pl°p*

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