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Leselupe.de > Gereimtes
Faust (5, 6)
Eingestellt am 26. 08. 2005 16:13


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Rolf-Peter Wille
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 123
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Eine Komödie von Rolf-Peter Wille in 22 Szenen

(Szenen 1-2)
(Szenen 3-4)

(Szenen 5-6)



V

Seitenstrasse im Zwielicht: Mephisto und Meager Art – Hand in Hand



Mephisto.

(singt)

Auf dem Affenzahnradbahnhof
In dem Zackenbahn Coupé
Ein Ganôve und ein Gánov
Stahlen eine Zitroné.

Meager Art.

(antwortet rhythmisiert)

Auf demáffen Zann-rad-bánnov
Vorr demm Backenzahn Café
Wan-delt stumm Di-mi-tri-jánnov
Und es wak-kelt sein Toupé.

Mephisto und Meager Art.

(mit Gusto)

Und imáf-fen Zann ein Gánov,
Ein gezackter Gánno-vé,
Durch denáffen Zann-rad-bánnov
War-fenei-ne Zit-tro-né.

Stumm liegt nun Di-mi-tri-jánnov
Ne-ben-imm liggt ein Tou-pé
Auf demáffen Zann-rad-bánnov
Vorr demm Backenzahn Café.


Meager Art.

Was macht der Faust?

Mephisto.

     Ich hab ihn instruiert.

Meager Art.

Ihr habt euch wohl vortrefflich amĂĽsiert?

Mephisto.

Gewiss. Doch wirkt der Gute etwas bange.
Drum spute dich und nimm ihn in die Zange.




VI

Nachts auf einer Bank im Wald: Faust dichtet




Faust.

"Es schien der Mond in tiefer Nacht.
  Es funkelten die Sterne.
  Da habe ich an dich gedacht,
  Mein Liebchen in der Ferne."

An die Arbeit, teure Kunst!
Schenk uns, Metaphorica
Sancta Diabolica,
Deine holde Gunst:

"Es schien der Mond in tiefer Nacht." -
...ein lyrisches Klischee.
"Ein stumpfer Mond in flacher Nacht" –
...schon besser, wie ich seh.
Nun ist die Fantasie erwacht:
"Es schmiert ein Mond in kranker Nacht."
Jetzt heisst es tĂĽchtig nachgedacht,
Damit ich nicht verweile.

"Es funkelten die Sterne."
Das Sternefunkeln – wie banal!
Das klingt so abgeschmackt und schal;
"Es tropfen stumm die Sterne."
So habe ich das gerne.

"Es schmiert ein Mond durch kranke Nacht.
  Es tropfen stumm die Sterne.
  Mein Schätzchen schlummert tief im Schacht
  Der finsteren Zisterne."

(Meager Art nähert sich von hinten und hält Faust die Augen zu)

Mephisto!

Meager Art.

   Falsch!

Faust.

     Oh, - Arte Meager!

Meager Art.

Was hockst du da, mein teurer Krieger
Allein in deiner finstren Wut?

(setzt sich neben Faust)

Faust.

O meine sĂĽsse Teufelsbrut!
Bist du mir etwa nachgeschlichen?

Meager Art.

Die Sterne sind noch nicht verblichen.

Faust.

Sie tropfen leise aus dem kranken Mond
  In eine eiterig verschmierte Lache.
  Und tief im Brunnen, wo mein Liebchen wohnt,
  Hält quakend eine Unke ihre Wache.

Meager Art.

Pfui Spinne! Faust, mein kleines Schwein!
Was mischst du fĂĽr GewĂĽrze?
Ich rieche schon mein Väterlein
Und seine TeufelsfĂĽrze.

Du liebst nur Knochen und Gebein;
Archäologe sollst du sein
Mit einem Spaten oder Messer…

Faust.

Ein Nekrologe wär noch besser!

(deklamiert)

"Ich stieg hinab in meinen Garten,
  Mein Gärtchen der Fossilien,
  Grub lustig um mit einem Spaten,
  Fand dort versteinert unter Lilien
  Mein Liebchen und gar manche Arten
  VerblĂĽhter Crocodilien.
Schau, sĂĽsser Geist der Nostalgie,
  Was suchst, entschaufelt, Du bei mir
  In meiner saubren Klause?
  Schleich nicht so sacht um meine TĂĽr
  Und schlĂĽpf mir nicht ins Hause!
Ach, Schätzchen mein im Garten,
  Magst nicht ein wenig warten?"

Meager Art.

Jetzt aber Schluss mit den Skeletten
In deinen Gärtchen und Klosetten!

Faust.

O meine sĂĽsse Satansbrut!

Meager Art.

Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut.

(legt ihren Arm um Faust und singt)

"Wiege dich wonnig
  Mein wohliges Schaf
  Wiege dich sonnig
  In mondigen Schlaf.
Wiege dich, sonne dich, wiege dich, monde dich,
  Wohliges, wonniges Schaf.

Schmiege dich mollig
  Mein schmollendes Schaf.
  Schmuse mich drollig
  Mein schmutziger Graf.
Schmiege dich, wiege mich, schmolle nicht, schmuse mich
  Drolliges, molliges Schaf."

Faust.

Welch zauberhafte Stimme, Meager Art!
Sie klingt so silbrig helle, seidenzart.

(Meager Art knufft Faust)

Nein ehrlich! Ohne Ironie –
Du singst mit sehr viel Fantasie.
Als Pianist erweckst du Gähnen,
Doch deine Stimme rührt zu Tränen,
Will mich entzĂĽcken, will mich inspirieren...

Meager Art.

So bitte ich um den Genuss,
Mein Dichter und mein Musikus,
Die Ehre, mir ein Lied zu komponieren.

Faust.

Willst du mich hier kompromittieren?
Schon lange schrieb ich nur noch Schund.

Meager Art.

Der arme Faust. Sein Herz ist wund.

(schmiegt sich an Faust)

Hab keine Angst, dich zu blamieren.
Hör zu. Ich wiege dich gesund:

(singt)

"Wiege dich wonnig
  Mein wohliges Schaf
  Wiege dich sonnig
  In mondigen Schlaf.
Wiege dich, sonne dich, wiege dich, monde dich,
  Wohliges, wonniges Schaf."

Faust.

Es sonnte sich der Mondenschein,
  Verirrt in schlimmer Nacht,
  Auf einem kalten Marmorstein —
  Hat mich so angelacht.
Was schimmert Dir ein Heil’genschein,
  Scheinheiliges Gestirn?
  Willst Du der Schläferin Gebein
  Im faulen Schlummer störn?
Der Mond wirft einen fiesen Schein
  Aus meiner Liebsten Blick.

Meager Art.

Irrer Mond, jetzt bist Du mein!
Ich werfe Dich zurĂĽck.

(kĂĽsst Faust)

Dein Mund ist meine Sonne und mein All -
  Besonders, ja besonders wenn er schweigt.
  Und wenn des nachts der volle Mond sich zeigt,
  Dein Lästermund bringt ihn gewiss zu Fall.
Doch lässt er, wenn er schweigt, sich zärtlich küssen,
  Verspritzt er sonst auch giftig Ironie.
  Wenn Du ihn unterbrichst, den Redeschwall,
  Dann scheint Dein Mund als Mond der Poesie.
  Und darum kĂĽss ich ihn, den schmerzlich sĂĽssen.

(kĂĽsst Faust)


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