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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Fear and Loathing im Bezirksklinikum Ansbach
Eingestellt am 31. 10. 2010 18:16


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Alexander Rahm
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Fear and Loathing im Bezirksklinikum Ansbach

Nichts passiert. Was auch nicht verwunderlich ist. In der Psychiatrie passiert nie etwas. Die √Ąrzte sind grunds√§tzlich nicht erreichbar, die Pfleger haben auch st√§ndig etwas anderes zu tun, was auch immer dieses Andere ist. Von den Patienten ist dieses An¬≠dere jedenfalls nicht durchschaubar. Schlie√ülich ist er nur dazu da in der Psychiatrie zu verrotten. Darum gibt es ja auf dem Psychiatriegel√§nde auch eine Aussegnungshalle, wo die verstorbenen Patienten ausgesegnet werden, damit sie anschlie√üend beerdigt werden k√∂nnen. Der Patient ist dazu da, von den √Ąrzten verbraucht zu werden. Wenn er komplett in den Akten festgehalten worden ist, kann der Patient weggeworfen werden. Patienten sind stets Sonderm√ľll, der nur sehr schwierig zu ent¬≠sorgen ist. Das Endlager ist dazu noch nicht gefunden worden, Uranst√§be sind leichter zu entsorgen.

Alle Patienten haben eine(n) Betreuer/in und rauchen. Es gibt keine Patienten, die nicht rauchen. Es gibt h√∂chstens solche Patienten, die so tun, als ob sie nicht rauchen w√ľrden, aber im Geiste rauchen auch diese Patienten.

Mit der Kaffeeversorgung steht es in der Psychiatrie schlecht. Dreimal Kaffee am Tag ist einfach zu wenig. Man braucht schon hundert Gramm Kaffee pro Tag, um an diesem Ort √ľberleben zu k√∂nnen.

Die Pfleger kann man nicht in den Griff bekommen, sie machen, was sie wollen, obwohl es gerade sie sind, die therapiert werden m√ľssten. Um die √Ąrzte steht es noch viel schlechter: Sie m√ľssen ihr Leben lang in der Psychiatrie bleiben, weil sie so gesund sind. Manchmal gelingt es, dass einer von denen ver¬≠r√ľckt wird, was immer ein gro√ües Ereignis ist. Norma¬≠lerweise wird so etwas in der Zeitung erw√§hnt.

Die Psychiatrie ist dazu da, Menschen zu entsorgen, die f√ľr die Gesellschaft keinen Nutzen haben. Der Wert eines jeden Menschen l√§sst sich ja problemlos errechnen, was auch schon l√§ngst f√ľr alle Menschen geschehen ist, und auf der Grundlage dieses Wertes kann entschieden werden, ob ein Mensch entsorgt werden muss oder nicht. Jeder Mensch bekommt einen Wert zugeordnet: Je gr√∂√üer dieser Wert ist, desto gr√∂√üer der Posten in der Gesellschaft, je kleiner der Wert, desto gr√∂√üer die Wahrscheinlichkeit entsorgt zu werden. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern ge¬≠schieht im Geheimen schon seit Jahrzehnten. So etwas erf√§hrt die √Ėffentlichkeit nat√ľrlich nicht, weil sie da¬≠durch Angst bekommen w√ľrde und dadurch die Ar¬≠beitsf√§higkeit gemindert w√§re, was einen gro√üen Schaden f√ľr die Gesellschaft darstellen w√ľrde. Und es ist ja eben nicht das Individuum sondern die Gesell¬≠schaft, die unbedingt fortbestehen muss. Planm√§√üig sozusagen.

Nat√ľrlich darf man nicht glauben, dass es Dopaminre¬≠zeptoren oder dergleichen gibt. Das alles ist erfunden genauso wie die Einteilung der Medikamente in Anti¬≠depressiva, Neuroleptika etc. In Wahrheit gibt es nur Medikamente, die wirken. Warum sie wirken, ist ei¬≠gentlich unklar. Nat√ľrlich ist auch die Einteilung der psychischen Krankheiten in Depression, Schizophre¬≠nie, Pers√∂nlichkeitsst√∂rung udgl. willk√ľrlich. Es gibt lediglich Auswirkungen, die den Betroffenen und/oder seiner Umwelt schaden und deswegen vermieden wer¬≠den sollen. Man wei√ü nur etwas von den Ph√§nomenen, also den Symptomen. Was hinter diesen Symptomen steckt, ist auch unklar. Unter diesen Umst√§nden kann man Psychopharmaka bedenkenlos schlucken, weil sie eh nicht das tun, was man so lesen kann. Im Grun¬≠de genommen kennt man nur die Wirkungen und die sog. Nebenwirkungen.

Als Exkurs die Atome und Molek√ľle: Es gibt sie ge¬≠nauso wenig wie den Sigma-Rezeptor, den Botenstof¬≠fen Serotonin, Noradrenalin usw. Dass es Untereinhei¬≠ten gibt, die vom menschlichen Auge nicht gesehen werden k√∂nnen, mag niemand bezweifeln. Man kann sich jedoch nicht auf die chemischen Verbindungen verlassen, wie sie in den Schul- und Lehrb√ľchern be¬≠schrieben werden.

Ein weiterer Exkurs: Die Evolution. Sie ist nichts wei¬≠ter als ein Hirngespinst, das seine Wirkung nicht etwa aufgrund von Tatsachen entfaltet, sondern vielmehr aufgrund von Behauptungen. Dies ist eben die Macht des Wortes. Das Wort hat Auswirkungen auf das tat¬≠s√§chliche Leben. Der Geist pr√§gt sich gewisserma√üen in das Raum-Zeit-Kontinuum ein wie ein Siegel in das weiche Wachs. Wenn man diese Tatsachen ber√ľck¬≠sichtigt, muss man zwingend zum Schluss kommen, dass es nur Pseudophilosophie gibt, die niemals einen absoluten Anspruch erheben kann. Alle Gedanken wirken und keiner wei√ü, warum. Jede Philosophie ist zugleich falsch und wahr. Die Wahrheit ist immer re¬≠lativ, sie ist also etwas, das sich zwischen Menschen ereignet, und eben nicht etwas, das auch losgel√∂st von den Menschen existiert.

Was in den B√ľchern √ľber die Medikamente geschrie¬≠ben wird, ist mit Sicherheit nicht die eigentliche Wir¬≠kung. Wer aber daran glaubt, erf√§hrt auch die entspre¬≠chenden Wirkungen und Nebenwirkungen.

Es kann aber auch sein, dass es die 5-HT2-Rezeptoren, das CYP450-Enzymsystem udgl. tats√§chlich gibt. Dennoch sollte man nicht glauben, dass diese ganzen Entdeckungen und Erkl√§rungen sonderlich viel n√ľtzen, weil die ganzen k√∂rperlichen Vorg√§nge wesentlich komplexer sind.

Es kann ohne Weiteres gewisse Regelkreise im menschlichen Körper geben. Damit ist aber nicht ge­sagt, dass man die einzelne Phänomene, die man im menschlichen Körper beobachten kann, auch anders strukturieren kann, so dass neue Regelkreise entste­hen. Kein Regelkreis ist absolut. Kein Regelkreis ist unhinterfragbar. Alles kann auch anders verstanden werden.
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Alexander Rahm
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@jon: Es handelt sich hierbei um keinen zusammenh√§ngenden Text, sondern um eine Sammlung von Gedanken rund um das Thema Bezirksklinikum Ansbach. Eine eigentliche Pointe gibt es nicht und nat√ľrlich ist auch zu ber√ľcksichtigen, dass das alles nicht als die Wahrheit zu verstehen ist. Ein guter Schuss Paranoia ist mit dabei (insofern der Bezug auf das Buch Fear and Loathing in Las Vegas, in der paranoide Gedanken eine zentrale Rolle spielen).
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