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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Februar
Eingestellt am 19. 07. 2001 08:56


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Andre
Hobbydichter
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Mißmutiger Februarabend. Kleine Bäckerei in einer noch kleineren Straße. Schmutz, nicht Schnee liegt auf dem Asphalt, der schon seit Wochen keine Feuchtigkeit mehr sah. Es ist warm. Zu zeitig beginnen die Straßenlaternen ihr Flackern, nur nach und nach beginnen die kahlen, gespenstigen Baumgerippe in ihrem kalten, toten Licht zu leuchten.

Warum warten Menschen? Ein paar Arbeitslose stehen an der Ecke, rauchen, reden. Warten. Worauf? Im Bastelladen gegen√ľber stehen Verk√§ufer, warten auf Kundschaft. Die B√§ckerin putzt die Vitrine und wartet auf Feierabend.
Deutschland im Februar 98. Die W√§rme des Winters hat es nicht geschafft, die Gem√ľter und Seelen der Menschen zu erw√§rmen. Kalt und hart ist ihr Geist. Unbeweglich, trotzig und lethargisch sind sie. Selbst hier, im ach so gr√ľnen Herzen.

Das Jahr 9 nach der Wende sieht soviel arbeitssuchende Menschen wie noch keines zuvor im wiedervereinigten Deutschland. Der Mensch ist des Menschen Wolf geworden, wenn er es nicht schon immer war. Wer Arbeit hat, arbeitet f√ľr 3. Wer keine hat sieht keinen rosigen Zeiten entgegen. Dem einen wird seine Familie zur Last, der andere mu√ü froh sein, sie in seinen kurzen Arbeitsniederlegungen mal vollz√§hlig zu sehen.

Kinder spielen im Str√üenstaub. Nicht identifizierbare pers√∂nlichkeitsdefizit√§re Plastikfiguren und ehemals gl√§nzende BMX-R√§der haben die noch vor wenigen Jahren √ľblichen Puppen und Roller aus der Kinderwelt verbannt. Videospiele nehmen den Platz von M√§rchenb√ľchern ein. Kinder k√∂nnen Disney`s Schneewitchen mitsprechen, runzeln angesichts Grimm`s M√§rchen die kindlich widerwillige Stirn. Fernseher sind eben einfacher zu bedienen, als M√§rchenb√ľcher. Sch√∂ne heile Kinderwelten werden abgewickelt. Vielleicht ist diese Welt dabei etwas unwiederbringlich zu verlieren, das doch so sch√ľtzenswert ist.

Auf dem Tisch des jungen Mannes vor mir liegt eine schlecht verpackte Rose. Immer wieder schaut er auf die Uhr. Ein seltsamer Platz f√ľr ein Rendezvous. Seine Nervosit√§t ist im deutlich anzusehen. Um ihn herum steht ein Feld von Hoffnungen, Erwartungen, Freude und Angst.

Doch sie kommt. Ein klein wenig Sonne, ein klein wenig W√§rme in diesem Tag. Als sie die B√§ckerei verlassen bricht Barbies Arm und ein Kinderpulk ger√§t in heftigen Streit bis Tr√§nen flie√üen. Werden sie es besser machen? Hoffnung liegt auf den Schultern aller dieser P√§rchen Ob sie sie erf√ľllen k√∂nnen oder wollen wei√ü Gott-sei-Dank niemand von uns.

Die beiden verschwinden √ľber den Hof des Installateurs und √ľber das Gesicht des Verk√§ufers im Bastelladen huscht ein kurzes L√§cheln.

__________________
Denn so wahr das Wasser immer dem tiefsten Punkt zustrebt, so wahr wird die menschliche Seele von dem tiefsten Punkt angezogen, den sie als Gruppe straflos erreichen kann.

Arnold Zweig, "Erziehung vor Verdun"

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flammarion
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hallo,

andre! willkommen auf der lupe. nette kleine geschichte haste da gepostet. hast ne ganze menge reingepackt und dich auch recht gut ausgedr√ľckt, bis auf den vorletzten absatz, der ist mir nicht so helle. ein paar tippfehler, die du bei genauem hinsehen selber leicht entdecken wirst, w√§ren auch noch zu bem√§ngeln. aber dein stil macht neugierig auf mehr. ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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Andre
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Hallo flammarion!

Tja, das Ding ist schon etwas ältlich, wie ja auch drin steht. Bin etwas aus der Übung gekommen, was sich aber hoffentlich bessern wird.

"ein paar tippfehler..." Hmmmm, Du kennst das doch: Wer Tippfehler findet, der darf sie behalten! ;-) Wenn ich mal wieder ein oder zwei Gehirnzellen freihabe, werd ich mich mal drum k√ľmmern.

Bis denne!
__________________
Denn so wahr das Wasser immer dem tiefsten Punkt zustrebt, so wahr wird die menschliche Seele von dem tiefsten Punkt angezogen, den sie als Gruppe straflos erreichen kann.

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gladiator
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Netter kleiner Text

Mit vielen schönen Formulierungen (Mißmutiger Februarabend, gespenstigen Baumgerippe), aber, wie ich finde, auch einigen Ausrutschern (Nicht identifizierbare persönlichkeitsdefizitäre Plastikfiguren ist am schlimmsten).

Im Februar spielen Kinder nicht im Straßenstaub, sondern allenfalls im Matsch.

Ingesamt finde ich den Inhalt manchmal etwas moralinsauer, vor allem die Passage ab dem Jahr 9 nach der Wende.

Gruß
Gladiator
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Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

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Andre
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Hallo, gladiator!

Danke f√ľr die Kritik! Ist auch alles angekommen, bis auf den Staub, denn 98 war wirklich ein elend warmer Winter mit bis zu 10¬įC. In Jena, wo das alles spielt, hat das zur Folge, dass die Sch√∂nheit der Stadt (soll es da angeblich geben) eben in Staub versinkt, wenn es keinen Niederschlag gibt. Und der blieb damals auch aus.

Die Moralinsäure reiche ich an die damaligen Radiomoderatoren weiter, die während meines Besuchs in dieser Bäckerei die momentanen Arbeitslosenzahlen durchgaben. Wurde damals gleich mit im Text verwurstet. ;-)

Bis denne, Andre
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flammarion
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hallo,

das kannte ich noch nicht, da√ü man tippfehler behalten kann. habe herzhaft gelacht. da meine verwandtschaft sich auch immer mit "bis denne" verabschiedet, m√∂chte ich gern wissen: bist du ein berliner? einwohner nat√ľrlich, nich pfannkuchen! ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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