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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Feind
Eingestellt am 16. 03. 2002 22:37


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hawaii7
PISA-Studien-Beweis
Registriert: Dec 2001

Werke: 4
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er war der erste. ich werde es niemals vergessen. ich sah ihn kommen, ich sah die waffe in seiner hand. sein augen kreisten suchend ├╝ber das gel├Ąnde. er sah mich nicht, ich war gut im graben versteckt, doch ich wusste, ich kann mich nur retten, wenn ich schneller bin. wenn ich nicht schie├če, schie├čt er wenn er mich sieht. also schoss ich, genau in seine brust. im ersten moment wusste er garnicht was geschehen war, doch dann sah er mich mit meiner waffe auf ihn gerichtet. seine beine sackten unter ihm zusammen, doch seine augen starrten mich unentwegt an, als wollten sie sagen, du bist es also, du bist es also, der den t├Âdlichen schuss in meinen leib gefeuert hat, der der meinem leben ein ende bereitet. sein gesicht war verzerrt, all sein schmerz spiegelte sich darin wieder. und er starrte mich weiter an, als ob er mein bild noch schnell aufsaugen wollte, damit er mich nie vergessen kann, damit er seinen m├Ârder nie vergessen kann. ich sah wie sein k├Ârper immer weiter zusammensackte, wie seine glieder leblos wurden. ich sah das leben in ihm schwinden.
doch er war der feind. was ich tat war richtig, dass ist nunmal so im krieg.
doch was machte ihm zum feind? der zufall macht ihm zum feind. unsere vorgesetzten, denen wir uns f├╝gen, entschieden sich zu bek├Ąmpfen. doch sie taten es nicht selber, sie schickten uns hinaus um ihre ziele zu verwirklichen.
er ist mein feind, weil er in in dem land geboren wurde, dass mein vorgesetzter als feindesland auserw├Ąhlt hat.
er ist mein feind, weil wir in eine zeit geboren wurden, in der sich andere menschen entschieden haben krieg zu f├╝hren.
er ist mein feind, weil andere entschieden alle m├Ąnner zum kriegsdienst einzuziehen.
er ist mein feind, weil man auch ihm eine waffe gab und ihm
sagt wir sind der feind.
er ist mein feind, weil er eine andere uniform trug, die uniform des feindes.
er ist mein feind, weil mir andere menschen sagten, dass er mein feind ist.
und jetzt liegt er vor, gekr├╝mmt und immer leiser wimmernd.
wer er wohl war?
was er f├╝r einen beruf hatte?
hatte er viel oder wenig geld?
wie war sein charakter?
was waren wohl seine vorlieben?
was waren seine schw├Ąchen?
wer wohl um ihn trauert?
hatte er frau und kinder?
wenn ja, was werden sie tun wenn sie erfahren das er tot ist? sie werden seinen m├Ârder hassen.
werden sie ohne ihn zurechtkommen?
hat er wohl das leben genossen?
hat er den krieg gehasst?
hat er uns, seine gegner, gehasst?
wer war mein feind? ich wiess nichts ├╝ber ihn. er leigt vor mir, erstarrt, leblos, bleich, tot. ich weiss nur eines, er war ein mensch wie ich und jemand anderes entschied f├╝r uns, dass ich ihn heute t├Âten sollte.
wer weiss, vielleicht h├Ątten wir freunde werden k├Ânnen.


hawaii7

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