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Leselupe.de > Kurzprosa
Feldgrau
Eingestellt am 30. 08. 2007 19:27


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wasserl
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2007

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Das war es jetzt also?, denkst du dir.
Das war jetzt also?, jedes Mal, immer wieder und wieder, und dein Blick richtet sich nach innen, weit in die Vergangenheit, du w├Ągst ab, das war es jetzt also?, hast du genug gelebt, hast du getan was du tun wolltest, warst du ein guter Mensch, was wird jetzt werden?
Die vielen Facetten deines kleinen, verbrauchten Lebens tauchen schnell wie das Licht vor dir auf, nicht in der Form eines klischeehaften Filmchens, kein revue deines ÔÇśWerdegangsÔÇÖ, wie man so sch├Ân sagt, nein, es sind kontraststarke, stille Bilder, ein Kinderwagen, ein Gesicht, ein Ort im S├╝den, ganz erschrockene Fotografien, ├╝berbelichtet, wie von einem hellen Blitz eingefroren, ├╝berzeichnet und ganz anders in deiner Erinnerung.
Ja, du hast dein pers├Ânliches Fotoalbum im Kopf, hast es dir jederzeit schon zurechtgelegt, und w├Ąhrend dein Au├čen ├╝ber Gr├Ąben und Asphalt robbt und dein getriebenes Keuchen im L├Ąrm untergeht, da bl├Ąttert eine unsichtbare Hand in deinem Kopf die Seiten um, in aller Ruhe, stetig, ohne Unterlass.
Irgendwann f├Ąngst du an, dar├╝ber nachzudenken, woher kommen diese Bilder, wer hat sie f├╝r dich gew├Ąhlt, manche erscheinen dir weniger passend f├╝r einen Nachruf, hast du sie selber ausgew├Ąhlt, wer war es sonst, deine verdreckten Gliedma├čen kr├╝mmen und strecken sich automatisch, dein Verstand dreht sich weit ab um diese Fragen.
Doch niemand hat sie ausgew├Ąhlt, es dauert nicht lange, bis du das erkennst, es dauert nicht lange, du misst die Zeit anhand der Feuerpausen, niemand hat sie gew├Ąhlt, das Album bleibt, wo es ist, zeigt weiter stumm seine Bilder, unvollst├Ąndig komprimierte Ansichten eines ganzen Lebens, der hoffnungslose Versuch deines Unterbewusstseins, dein Leben ganz zu erfassen und damit abzuschlie├čen, damit abzuschlie├čen und auf das Ende zu warten, dass in jedem Moment kommen soll und dich doch wieder und wieder nicht erreicht hat, deine Glieder k├╝mmert das nicht mehr, strecken, kr├╝mmen, strecken, kr├╝mmen, das Gewehr hinterherziehen, der simpelste Algorithmus, den dein Stammhirn beherrscht, in einer Endlosschleife, ein Reflex l├Ąsst dich den Leichen ausweichen, du denkst nicht mehr dar├╝ber nach, bist ganz auf das Album fixiert, auch wenn du wei├čt, dass du unter jedem Helm nur dein totes Gesicht erkennen w├╝rdest, nur dein eigenes Gesicht im D├Ąmmerlicht der Leuchtspurmunition, es ber├╝hrt dich nicht mehr, du blickst nur starr auf deine zuckenden Arme, den Kopf tief gesenkt, und siehst die Bilder in deinem Album, immer wieder und wieder, die Motive werden fern wie die Sterne, der Weg nach Hause eine Ewigkeit, die K├Ąlte des helllodernden Nacht, die du schon lange nicht mehr gesp├╝rt hast, sie kriecht in deinen Verstand, von innen, ein langsam wirkendes Gift, dass deinen Verstand m├╝de und tr├Ąge macht, w├Ąhrend dein K├Ârper weiter funktioniert, wie er sollte, wie du es trainiert hast, robben, ducken, schie├čen, ein gut ge├Âlter Roboter, der noch tadellos funktioniert, w├Ąhrend dein Verstand nur noch apathisch den Bildern und ihrem Tanz zusieht und wartet, auf den einen Splitter wartet, der nicht verfehlt, den einen Volltreffer, den dir der L├Ąrm der Detonationen schon so lange verspricht.
Aber er kommt nicht, kommt wieder und wieder nicht, immer nur wieder kr├╝mmen und strecken, kr├╝mmen und strecken, w├Ąhrend du in diesem Roboter sitzt und weiter wartest, wartest.
Irgendwann lassen deine Glieder locker, du bleibst im Dreck liegen, eine Weile.
Dann stehst du auf, irgendwie, sp├╝rst deine Knochen nicht mehr.
Und f├╝hlst die Stille um dich herum, das Fehlen des Donners und der vielen kleinen Blitze. F├╝r einen Moment bist du frei, du lebst, f├╝r einen Moment.
Du gehst nach Hause, siehst all die kleinen Motive wieder, all die Bilder aus deinem Album, doch das Album selbst, die unsichtbare Hand, die die Seiten bewegte, sie bleiben beide verschwunden, verbrannt.
In deinem Kopf bleibt nur die K├Ąlte der brennenden Nacht, das ewig graue Feld aus jener Finsternis, das war es jetzt also?, kr├╝mmen und strecken, kr├╝mmen und strecken, diese ganzen kleinen Motive, die du in dem Album gesehen und nun wieder lebendig vor dir hast, sie werden fern wie die Sterne, der Weg nach Hause zu einer Ewigkeit, und dein Verstand wird immer nur weiterrobben, ewig, das war es jetzt also.

@Administration: Original ver├Âffentlich auf meiner Homepage.

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wasserl
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2007

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Hmm, schade. Gibt es niemanden, der was dazu sagen m├Âchte?
__________________
Der Kern jeder Entschlossenheit ist K├Ąlte.

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