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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Felix der kleine Held
Eingestellt am 01. 06. 2011 10:56


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Schreibzwergin
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Felix, der kleine Held


Felix sehnte sich nach seinem Zuhause. Seit vier Tagen schon saß er vor der Gittertür.
Er wollte heim. Endlich heim.
Auf der anderen Seite des weitläufigen Geländes jaulte verloren ein Hund. Felix hatte noch nie etwas für Hunde übrig gehabt. Aber mittlerweile hatte er Mitleid mit dem Tier. Es war genauso ein Gefangener, wie er selbst.
Eine langhaarige, weiße Katzendame schlich auf leisen Sohlen auf ihn zu. Felix beachtete sie nicht. Er wollte keine Freundschaft. Er wollte zu seiner Familie. Außerdem hatte er schon einen Freund. Tobias.
Aus dem Nebenzimmer, in dem der dicke Kerl mit der Brille saß, der offenbar auf alle Gefangenen aufpassen sollte, drangen leise Stimmen zu ihm. Radio. Der Mann hörte Radio.
Felix spitzte die Ohren, als der Name von Tobias Eltern genannt wurde.
Der Nachrichtensprecher berichtete, dass die Polizei noch immer keinen Hinweis auf den Entführer hatte. Eine Lösegeldforderung sei, obwohl der Junge schon vier Tage vermisst würde, noch nicht eingegangen und man rechnete mit dem Schlimmsten.
Dann war da diese vertraute Stimme. Tobias Mutter flehte den Entführer an, ihrem einzigen Sohn kein Leid zuzufügen. Ihre Stimme stockte immer wieder.
Felix mochte diese Frau. Nicht so sehr wie Tobias, denn der erlaubte ihm, in seinem Bett zu schlafen und spendierte ihm immer Leckerbissen von seinem Abendbrotteller, aber die Zweibeinerin war immer freundlich zu ihm. Sie reinigte das Katzenklo, sorgte stets für sauberes Wasser in seinem Napf und wies Tobias zurecht, wenn der wieder einmal vergessen hatte, den Futternapf zu füllen.
Er musste aus seinem Gefängnis heraus. Unbedingt.
Schritte näherten sich seiner Zelle. Der dicke Wächter machte sich bereit, die Futterschalen zu füllen.
Die Tür öffnete sich.
Der dicke Zweibeiner kam mit mehreren Schachteln Trockenfutter in den gekachelten Raum. Felix hob seine linke Pfote. Ganz vorsichtig, um den Wächter nicht auf sich aufmerksam zu machen, setzte er eine Pfote vor die andere und umrundete die Tür gerade in dem Augenblick, als der Mann die Tür hinter seinem Rücken schließen wollte. Die erste Hürde war geschafft. Nun musste er sich verstecken. Sobald der dicke Mann das Haus verlassen würde, wollte Felix mit ihm aus dem Gefängnisbau verschwinden.
Vor sich sah er eine Sitzreihe hinter der genug Platz war. Felix setzte sich hinter eines der Sesselbeine. Er zuckte zusammen, als ein leises Schnurren ihn aus seiner Konzentration riss. Er blickte sich um.
Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Diese weiße Schönheit war mit ihm aus der Zelle entwischt und saß neben ihm.
Felix bleckte kurz die Zähne, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie nicht erwünscht war. Das Mädel ignorierte seine feindselige Haltung und putze sich seelenruhig das rechte Bein.
„Was willst du hier?“, fragte er schließlich.
„Ich will hier raus“, antwortete sie „du glaubst doch nicht, dass ich mir die Gelegenheit entgehen lasse zu verschwinden.“
„Mach, was du willst“, entgegnete er und beobachtete die Tür zu seiner ehemaligen Zelle.
Der dicke Zweibeiner hatte ihre Flucht offensichtlich nicht bemerkt, denn er kam, lustig pfeifend, zurück und setzte sich an seinen Schreibtisch.
Felix beobachtete, wie er einen Leinenbeutel aus dem Schreibtisch nahm und eine blaue Thermoskanne sowie eine rote Butterbrotdose hineinstellte. Bald war es soweit. Der dicke Mann bereitete sich auf seinen Feierabend vor. Der Mann erhob sich endlich, zog eine schwarze Lederjacke an, nahm den Leinenbeutel und ging zur Tür.
Felix wartete, bis er den Schlüssel im Schloss drehte, die Tür öffnete und das Licht im Zimmer löschte. Da spurtete er los, streifte kurz die stämmigen Beine des Mannes und schon atmete er die Luft der Freiheit. Mit großen Sätzen spurtete er zum großen Baum neben dem hohen Gitter, der das Gelände einzäunte. Zwei Sprünge genügten und er saß auf den dicken Ästen des Baumes. Er berechnete die Entfernung zum Boden auf der anderen Seite des Zaunes und sprang todesmutig.
Trotz des tiefen Falles, kam er sanft auf seinen vier Pfoten auf. Lediglich das merkwürdige Echo seines Aufsprungs irritierte ihn.
Schnell lief er weiter. Er wollte möglichst viel Entfernung zwischen sich und dem Gefängnis bringen. Erst, als er eine große Baumgruppe erreicht hatte, blieb er stehen, um sich zu orientieren.
Er würde nur wenige Kilometer nach Hause laufen müssen.
Vor ihm lag die Baumgruppe, dahinter war eine große Straße, auf der um diese Uhrzeit aber kaum Autos fuhren, hinter ihm lag das Gefängnis und rechts neben ihm…. saß die weiße Katze und beobachtete ihn neugierig.
„Was willst du?“, fragte er genervt. „Du bist entkommen, also verschwinde endlich.“
„Ich weiß aber nicht, wohin ich gehen soll“, antwortete sie traurig. „Meine Zweibeinerin ist gestorben und da hat man mich hierher gebracht. Ich habe kein Zuhause mehr.“
Felix sah, dass Tränen in ihren Augen standen.
„Ich kann dich aber nicht mitnehmen. Ich muss meinen Zweibeiner retten. Das wird gefährlich. Zu gefährlich für dich.“
Die weiße Katze blickte traurig zu Boden.
„Ich versteh schon. Du willst mich auch nicht. Niemand braucht mich.“ Ihre Stimme wurde immer leiser und trauriger. Felix wehrte sich, aber langsam bröckelte sein Widerstand.
„Gut. Du kannst mich begleiten. Aber du tust genau dass, was ich dir sage. Und ich werde dir nicht helfen, wenn du in Schwierigkeiten kommst.“
Die Augen der weißen Katze blitzten glücklich auf.
„Danke. Ich heiße übrigens Bella.“
Felix sah sie sich genauer an. Schnuckelig sah sie ja aus. Doch genug. Tobias war in Gefahr. Tobias brauchte seine Hilfe. Er sprintete los und durchquerte die Baumgruppe. Ein weißer Wollknäuel rannte an seiner Seite. Hinter zwei Autos rasten sie über die Straße. Felix hätte sich normalerweise an der schnellen Hatz erfreut, wenn sein Herz nicht voll Sorge um seinen Freund Tobias gewesen wäre. Bald kamen Felix die Gerüche der Umgebung bekannt vor. Er näherte sich seinem Zuhause.
Ein letzter Sprung über die breite Buchsbaumhecke und das Haus, in dem er geboren war, lag vor ihnen.
Trotz der späten Nachtstunde waren die Fenster hell erleuchtet. Felix rannte in Richtung der geöffneten Terrassentür und wollte schon laut maunzend ins Zimmer stürmen, als ihn eine innere Stimme davon abhielt. Er blieb im Schatten des großen Pflanzkübels, der direkt neben der Tür schon seit Jahren seinen Platz hatte, stehen und lauschte.
Sein Fell sträubte sich, als er den Zweibeiner sah, der gerade seiner Zweibeinerin eine Tasse mit einer dampfenden Flüssigkeit reichte.
Er kannte diesen Mann. Sein Grundstück grenzte direkt an das seiner Zweibeiner. Felix verstand nicht, warum seine Menschen den verschlagenen Blick des Mannes nicht erkennen konnten. Er selbst hatte von Anfang an gewusst, dass man dem Kerl nicht trauen konnte.
„Trink das, meine Liebe. Der Tee wird Dir gut tun.“ Der Mann hatte ein Lächeln aufgesetzt. „Die Polizei wird Tobias schon finden. Ich werde jetzt gehen. Wenn Ihr etwas hören solltet, könnt ihr mich jederzeit anrufen.“
„Danke für Deine Hilfe“, kam aus der anderen Ecke des Zimmers, die Felix nicht einsehen konnte. Offensichtlich stand Tobias Vater neben dem großen Esstisch auf der rechten Seite des Raumes. „Ich bringe Dich zur Tür.“
Nun kam auch Tobias Vater in Felix Blickfeld. Sein Gesicht war genau so blass, wie das seiner Frau. Gemeinsam mit dem unheimlichen Kerl verließ er das Zimmer. Felix überlegte. Er hatte dem fremden Kerl noch nie getraut. Sollte…. Nun, das ließ sich herausfinden.
Felix lief durch den Garten in Richtung der Haustür. Bella folgte ihm.
Sie kamen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie die beiden Männer sich verabschiedeten.
„Und jetzt?“, fragte Bella.
„Wir folgen dem Mann. Mit dem stimmt etwas nicht. Ich hab das im Gefühl“, antwortete Felix leise.
Der Mann ging langsam zu seinem eigenen Haus und bemerkte seine Verfolger nicht, die sich vorsichtshalber im Schatten der alten Eichenbäume hielten, die die Straße säumten.
Als Felix am Haus des Mannes angekommen war, stutze er. Der Nachrichtensprecher hatte gesagt, dass die Entführung vor vier Tagen stattgefunden hat. Aber der Geruch, der ihm in die Nase stieg, war frisch. Tobias Geruch. Felix umrundete zusammen mit seiner Begleiterin das Haus des Mannes. An einem der Kellerfenster war der Geruch besonders stark. Felix war sich sicher. Tobias befand sich in diesem Haus und der unheimliche Zweibeiner war der Entführer. Felix überlegte. Er selbst konnte nicht ins Haus.
„Wir müssen zurück und die beiden Zweibeiner holen. Sie sind nicht besonders helle. Es sind ja nur Menschen. Aber irgendwie müssen wir sie dazu bringen, uns hierher zu folgen“, raunte er Bella zu.
Gemeinsam liefen sie zurück. Die Terrassentür stand immer noch weit offen und die Zweibeinerin saß immer noch schluchzend im Sessel. Felix sprang auf ihren Schoß und leckte ihr Gesicht. Sie schrie erschrocken auf.
Felix sprang herunter und lief zur Tür, dann wieder zu ihr zurück.
„Felix, da bist Du ja wieder“, rief sie erfreut. „Wo warst Du denn so lange?“
Felix rannte wieder zur offenen Terrassentür. Dabei maunzte er aufgeregt.
„Der Kater will uns offenbar etwas zeigen.“
Gott sei dank, hatte der Mann es verstanden, dachte Felix. Er rannte in den Garten und blickte sich um. Die beiden Zweibeiner folgten ihm.
Am Haus des unheimlichen Mannes angekommen, sahen sich die beiden irritiert an.
„Warum hat Felix uns hierher geführt?“, fragte die Zweibeinerin.
„Ich habe keine Ahnung. Warte, ich klingle mal. Irgendwie hab ich ein merkwürdiges Gefühl“, antwortete ihr Mann.
Das laute Schrillen der Türklingel durchbrach die Stille der Nacht. Nach wenigen Augenblicken wurde die Tür geöffnet und der unheimliche Mann stand ihnen gegenüber.
„Elke, Jörg. Ist etwas passiert?“ Er sah sie fragend an. Dann fiel sein Blick auf Felix und seine Augen wurden schmal. „Das… das ist nicht möglich. Der Kater ist im Fluss….“
Felix fauchte den Mann an, als die Erinnerung zurückkam. Der Kerl hatte Tobias betäubt und als Felix seinem kleinen Freund helfen wollte, hatte er ihn gepackt, in ein Kopfkissen gesteckt und in den nahen Fluss geworfen. Er erinnerte sich, dass der Stoffbeutel mit ihm in seinem Innern schnell untergegangen war. Er hatte geschrieen. Er hatte getobt. Er hatte um sich getreten und gekratzt. Irgendwann, als er schon dachte, dass er seine sieben Leben verbraucht hätte und nun die letzte Reise antreten würde, gab der Stoff nach und er konnte sich aus dem Stoffbündel befreien. Mit letzter Kraft erreichte er das Ufer, an dem er vollkommen erschöpft zusammenbrach. Als er erwachte, lag er in der Gefängniszelle, zusammen mit anderen herrenlosen Katzen. Wut stieg in ihm auf. Sein Schwanzfell und seine Rückenhaare sichteten sich auf. Ein Fauchen bahnte sich seinen Weg aus den Tiefen seiner Kehle. Dann sprang er dem bösen Kerl ins Gesicht und krallte sich in ihm fest. Rache. Das war, was seine Gedanken beherrschte. Seine scharfen Krallen bohrten sich in die weiche Gesichtshaut des Übeltäters.
„Felix! Nicht!“ Die Zweibeinerin versuchte ihn zurück zu halten. “Felix!“, schrie sie und zerrte an dem Kater. Mittlerweile hatte sich auch Bella in den Oberschenkel des Mannes verkrallt und hieb ihre scharfen, langen Zähne in die Hand, mit der er versuchte, sie herunter zu reißen.
„Mutti!“
Plötzlich war es still. Felix hatte von dem Mann abgelassen und lauschte in die Dunkelheit des Hauses. Auch Bella hatte sich von ihrem Opfer gelöst und saß mit gespitzten Ohren neben Felix. Niemand rührte sich.
„Mutti!“
Der Mann, von dessen Gesicht Blut in dicken Tropfen auf den hellen Teppich zu seinen Füßen fiel, versuchte in aller Eile die Haustür zu schließen. Doch er hatte seine Rechnung ohne die beiden Zweibeiner und ihre vierbeinige Unterstützung gemacht. Er wurde zurück gedrängt und stolperte rückwärts den dunklen Flur entlang.
„Mutti? Mutti, ich hab Angst.“
Felix stürmte, zusammen mit seiner weißen Partnerin, auf die Kellertür zu. Tobias musste sich dahinter befinden. Sie rochen ihn. Die Zweibeinerin öffnete schluchzend die Tür. Tobias stolperte heraus und fiel seiner Mutter in die Arme.
„Tobi!“ Sein Vater stürmte auf ihn zu und umarmte ihn glücklich.
Der böse Zweibeiner versuchte die Unaufmerksamkeit der anderen Menschen zur Flucht zu nutzen. Doch Felix und Bella hatten sich nicht ablenken lassen. Voller Wut stürzten sie sich erneut auf den Verbrecher und ließen erst von ihm ab, als Polizeibeamte, die von Tobias Eltern gerufen worden waren, dem Mann Handschellen anlegten.
Bella und Felix waren die Helden des Tages.
Später teilte man der Familie mit, dass Tobias seinen Nachbarn dabei beobachtete, wie er gestohlenes Diebesgut in seinem Garten vergraben hatte. Daraufhin entführte er den Jungen. Was er mit dem Kind weiter vorhatte, könne er nicht beantworten.


Ende

__________________
Lieber von den Richtigen kritisiert -
als von den Falschen gelobt werden.

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