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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
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Eingestellt am 25. 06. 2008 15:10


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Franka
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Wie immer nehme ich die Stra├čenbahn.
Es ist schon sp├Ąt, die Dienst├╝bergabe hat l├Ąnger gedauert. Ich lehne den Kopf an die Scheibe und horche in mich hinein:
M├╝de bist du, ausgelaugt, ja, auch nicht mehr die J├╝ngste. ├ťberlegst schon wieder, ob du vielleicht doch mit sechzig in Rente gehen sollst? Aber da sind die achtzehn Prozent Abschlag. Das w├╝rde bedeuten, die teure Wohnung aufzugeben. Dabei bist du nun endlich in Tempelhof sesshaft geworden. Gleich vorne in der Friedrich Franz Stra├če ist dein Fitnessclub. Du gehst zwei Mal die Woche hin. Die Menschen sind dir vertraut, auch, wenn du keinen mit Namen kennst. Es ist sch├Ân, immer wieder ein paar Worte zu wechseln.

Was, schon Springpfuhl? Sonst verpasse ich das Umsteigen nur beim Lesen. Nun aber schnell.
Ich habe Gl├╝ck, die S-Bahn in Richtung Spandau f├Ąhrt gerade ein, in ihr ist viel Platz:
Deine Wohnung in der Friedrich-Wilhelm-Stra├če liegt sehr verkehrsg├╝nstig. Gleich gegen├╝ber bei ÔÇ×BrunoÔÇť isst man (Frau) gut. Der Fisch ist eine Delikatesse. Bruno hat dein Gedicht gelesen, das aus der Stadtanthologie. Hat das Buch sofort gekauft. Dein anderes Werk sei so traurig, meint er. Ob du so w├Ąrst, fragte er. Du hast lachend den Kopf gesch├╝ttelt. Bist nicht einmal rot geworden beim L├╝gen.
Zu Deinem Geburtstag bist du wieder dort essen gewesen. Auch die Pasta und die So├čen sind zu empfehlen. Hast es ihm gesagt, seit her gr├╝├čt er immer freundlich ├╝ber die Stra├če und du gehst zu einem kurzen Plausch hin├╝ber.


Ich steige heute nicht Ostkreuz um, will noch kurz ins ÔÇ×SchlossÔÇť, das hat bis zweiundzwanzig Uhr offen. Die Kleine hat ihr ÔÇ×SeepferdchenÔÇť geschafft , und ich ihr daf├╝r eine Belohnung versprochen. Ab Bundesplatz nehme ich daher die U-Bahn:
Sch├Ân, dass es die Kleine gibt, sie h├Ąlt dich ganz sch├Ân auf Trapp. Und jung. H├Ąttest nie gedacht, dass du so schnell Oma wirst. Sie l├Ąsst dich deine Traurigkeit vergessen. Erst, wenn ihr Lachen aus der Wohnung gegangen ist, kehrt sie wieder. Dabei gibt es eigentlich nicht wirklich mehr einen Grund daf├╝r, hast dich doch schon so gut an das Alleinsein gew├Âhnt.

Endstation, Rathaus Steglitz. Die Schlossstra├če war fr├╝her, als mein Mann noch lebte, meine bevorzugte Flaniermeile. Meine G├╝te ist hier noch Betrieb. Ich komme mir vor wie auf dem Kurf├╝rstendamm, wenn die Brandenburger einfallen sind.
Das Sch├Ânste am ÔÇ×SchlossÔÇť sind f├╝r mich die Decken. Ein Hoch auf die Filmindustrie. Schon witzig, wenn Haie ├╝ber einem schwimmen.* Ansonsten haben sich die Architekten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Dieser Einkauftempel ist zwar tats├Ąchlich schloss├Ąhnlich, passt aber nicht zu dem sch├Ânen alten Rathaus aus rotem Backstein. Inzwischen habe ich mich aber an den Anblick gew├Âhnt, wie an so viele andere st├Ądtebauliche Ausrutscher. W├Ąre interessant zu wissen, wie die Touristen dar├╝ber denken.

Zur├╝ck nehme ich den Bus:
Jetzt ist wirklich Feierabend. Eigentlich sch├Ân, wenn da nicht diese stumme Wohnung w├Ąre. Ich werde mir wohl den Abend mit dem Computer teilen und sp├Ątestens, wenn mir die Augen zufallen, ins Bett gehen. Vielleicht habe ich ja Gl├╝ck und tr├Ąume wenigstens von einem neuen Gl├╝ck.



* "Das Deckengem├Ąlde" ist ein Film, mit Haien, Schildkr├Âten und kleineren Fischen.


Version vom 25. 06. 2008 15:10
Version vom 25. 06. 2008 15:27
Version vom 26. 06. 2008 11:27

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

hi,

ern├╝chternd deprimierend, dieser text.
die einsamkeit gut beschrieben, sie nicht einseitig werden lassen, aber dennoch als vorherrschendes element im leben deines proths. an den leser gebracht. sch├Ân.
zwei, drei kleine fehlerchen sind mir aufgefallen.

-"Das w├╝rde bedeuten die teure Wohnung aufzugeben." Hier muss hinter "bedeuten" ein Komma.

-"Sonst verpassen ich das Umsteigen nur beim Lesen." Hier hast du ein "n" zu viel...

-"Meine G├╝te ist es hier noch Betrieb." Das "es" ist m.E. zu viel

-"Schon witzig, wenn Hai ├╝ber einem schwimmen." M├╝sste der Hai nicht noch ein paar Freunde dabei haben?

-"W├Ąre interessant zu wissen wie die Touristen dar├╝ber denken."
Nach "wissen" muss ein Komma gesetzt werden.


so, das war's.
gern gelesen.

lg,
hakan

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