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Leselupe.de > Humor und Satire
Fensterputzen
Eingestellt am 14. 03. 2006 21:40


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anbas
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Fensterputzen
(Überarbeitete Fassung)

Clara hat einen eingewachsenen Zehennagel.

Ihr Sohn hat Probleme mit der Prostata, und ihre Tochter bekommt bald das vierte Kind vom dritten Mann.

Jetzt war ich wieder ĂŒber das Neuste aus Claras Leben informiert - und außer mir auch die gesamte Nachbarschaft. Ich war gerade beim Fensterputzen, als Clara - sie wohnte ĂŒbrigens auf der anderen Straßenseite genau gegenĂŒber meiner Wohnung - als Clara also ihr Fenster öffnete und zu mir herĂŒberrief: „Hey, Andreas! Lange nicht gesehen, was!“

„Stimmt, ich hab dich auch lange nicht gesehen“, antwortete ich.

„Wie geht’s dir?“, hallte es von der anderen Straßenseite herĂŒber.

„Danke gut, und dir?“ - Ich hatte nicht vor, genauer ins Detail zu gehen, Clara dagegen schon.

Ihr „Mir geht’s 'Danke', man lebt und stirbt ja dann doch irgendwann“, war nĂ€mlich nur der Anfang ihres in aller AusfĂŒhrlichkeit folgenden Tagesreports. Neben der Sache mit dem Zehennagel, den Prostata-Problemen und des erwarteten Nachwuchses gab es noch weitere Neuigkeiten. So erfuhren die Nachbarn und ich, dass außer ihrem Zehennagel Clara auch noch ihre schlecht angepasste Zahnprothese plagte - ja, ja, die Gesundheitsreform ..., ihr Diabetes ihr Sorgen bereitete - war schon Thema beim letzten Klönschnack, und sie seit einigen Tagen eine heftige Magen-Darm-Verstimmung hatte - Gott sei Dank wollte sie nicht nĂ€her ins Detail gehen. Aus dem Tagesreport entwickelte sich langsam ein JahresrĂŒckblick - wir hatten uns wirklich sehr lange nicht mehr gesehen.

So plötzlich, wie sie das GesprÀch begonnen hatte, beendete sie es auch.

„Na, dann mach mal gut Platz fĂŒr neuen Dreck!“, rief sie mir noch ĂŒber die Straße zu bevor sie ihr Fenster schloss.

Ich blieb zurĂŒck und begann ĂŒber den Sinn und Unsinn des Fensterputzens im Speziellen und dem des Saubermachens im Allgemeinen nachzudenken.

„Platz fĂŒr neuen Dreck schaffen“, hatte Clara gesagt. Aus diesen wenigen Worten entstand fĂŒr mich eine wahre PrĂŒfung - hatte ich mich doch wie immer nur mĂŒhsam zu meiner heutigen Fensterputzaktion aufraffen können. Sollte das ganze Putzen also von vornherein sinnlos sein? Ist ein Leben ohne Putzen möglich? Wie könnte das aussehen? Warum mache ich das Ganze ĂŒberhaupt? - Vielleicht, damit Mutti stolz auf mich sein kann, wenn sie mich besuchen kommt - „Guck mal Mutti! Ich habe alle Fenster ganz alleine geputzt, und Tante Clara hat mir dabei zugesehen...“ - Nein, Schluss jetzt mit diesen trĂŒben Gedanken! „Ich mache sauber! - Ja, ich will!“

Ich putzte mehr oder weniger munter weiter. Es war ein so schöner warmer FrĂŒhlingstag, den ich auf gar keinen Fall nur mit Hausarbeit verbringen wollte. Die Chancen dafĂŒr standen gar nicht schlecht. Es war Samstag, ich war vor elf Uhr aufgestanden und hatte gestern schon die EinkĂ€ufe fĂŒrs Wochenende erledigt. Außerdem wollte Gabi nachher vorbeikommen und mit mir Spazieren gehen - vorausgesetzt, dass ich bis dahin die Spuren lustvollen Herumschlampens in meiner Wohnung beseitigt hĂ€tte. Ich hasse es, auf diese Art und Weise erpresst zu werden.

Unter mir tauchte der Schnacker vom Nebenhaus auf. Er kam vom Einkauf und legte vor unserem Hauseingang erst einmal seine obligatorische Pause ein. Diesmal holte er sich allerdings nicht wie sonst seine Dose Bier aus der EinkaufstĂŒte hervor, sondern starrte zu mir in den ersten Stock herauf.

„Pass bloß auf, dass du nicht abstĂŒrzt!“, rief er mir mit heiserer Stimme zu. „Die meisten UnfĂ€lle passieren nĂ€mlich beim Fensterputzen!“

Na danke, gerade hatte ich mich zum Weitermachen motivieren können, da wurde ich erneut mit der Sinnlosigkeit meines Tuns konfrontiert.
Wenn ich es schon sehr schwer nachvollziehen konnte, dass manche Menschen dazu bereit sind, fĂŒr ihre eigene Schönheit zu leiden, wie extrem dĂ€mlich wĂ€re es dann, fĂŒr eine schöne Wohnung zu sterben? Meine Gedanken wurden deutlich existenzieller. Dennoch gelang es mir, mutig weiterzuputzen.

„Wenn du nicht mehr weißt, ob es Tag oder Nacht ist, dann wird es Zeit zum Fensterputzen“, tönte es nun wieder von unten nach oben.

Ich biss die ZĂ€hne zusammen. Gott sei Dank schien diesmal nicht das sonst ĂŒbliche Angebot zu kommen, auch noch bei ihm die Fenster zu putzen, wenn ich bei mir fertig wĂ€re. Den Spruch hĂ€tte ich jetzt nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht gebrauchen können.

Darum rief ich ihm schnell zu: „Ich hatte in letzter Zeit stĂ€ndig das GefĂŒhl, wir hĂ€tten dichten Nebel, wenn ich aus dem Fenster geguckt habe“. - Ich hatte die Hoffnung, dass er durch einen Spruch meinerseits auch gar nicht mehr auf die Idee kommen wĂŒrde, mir diesen Standardspruch an den Kopf zu schmeißen.

„Als ich das letzte Mal Fenster geputzt habe, habe ich erst gesehen, dass auf der anderen Straßenseite HĂ€user sind!“, toppte er meinen Spruch, packte seine EinkaufstĂŒte und machte sich bedĂ€chtig auf den Heimweg.

Ich putzte weiter. Das Wetter schien immer schöner und mein Handeln immer unsinniger zu werden. Böse, höchst chauvinistische SprĂŒche durchkreisten meinen Kopf. Nein, zumindest fĂŒr diesen Teil der Hausarbeit bin ich nicht geboren worden. Doch jetzt musste ich da durch.

„Wenn du hier fertig bist, kannst du ja bei mir weitermachen“, erklang es plötzlich hinter mir.

Obwohl ich die ganze Zeit am Fenster zugange gewesen war, hatte ich Gabi nicht kommen sehen. Auch das Aufschließen der TĂŒr hatte ich nicht bemerkt. Nun stand sie breit grinsend da und knallte mir diesen Spruch aller SprĂŒche um die Ohren. Ausgerechnet meine geliebte Gabi musste mir mitten in einer akuten Sinnkrise das antun.

FĂŒr einen Moment war ich nicht mehr Herr meiner Sinne. Ich reagierte motorisch. Der Lappen traf Gabi mitten im Gesicht. Es war ein nasser, dreckiger Lappen. Gabi war eine sehr attraktive, schöne Frau - und sie gehörte zu den Menschen, die dazu bereit sind, stundenlang fĂŒr ihre Schönheit zu leiden. Mein Lappenwurf war ein Make-up ruinierender Volltreffer gewesen. Nun drohte mir doch noch ein Sturz aus dem Fenster - aber das ist eine andere Geschichte.
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Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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Marius Speermann
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Bist Du sicher, dass das hier reinpasst? Das ist doch mehr eine ProsaerzÀhlung. Humor habe ich darin keinen gefunden...

Marius
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Wie man einen humoristischen Text schreibt: Humor fĂŒr Deppen.Mehr auf MarioHerger.at

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flammarion
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eine

nette kleine schmunzelgeschichte. fehlt nur noch, dass er am schluss freiwillig aus dem fenster springt, weil er seiner freundin das make up versaut hat.
lg
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Old Icke

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anbas
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upps, ich dachte, ich hÀtte Euch schon lÀngst geantwortet!

Aber jetzt: Danke fĂŒr Eure RĂŒckmeldungen!

Ich denke auch, dass es eine Schmunzelgeschichte ist - und da beginnt nach meinem VerstĂ€ndnis der Humor. Ich mag gerade den leisen, nicht sofort wahrnehmbaren Humor des Alltags. Aber es ist sicherlich eine Geschichte, die auch in eine andere Rubrik passen wĂŒrde (in einem anderen Forum habe ich sie versuchsweise in die Rubrik 'Alltag' gestellt). Es paßt beides, finde ich.

Gruß Andreas

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